Vreid - Wild North West
Review

Vreid - Wild North West

Eines der wahrscheinlich ambitioniertesten Projekte des Jahres ist draußen: Vreids „Wild North West“ wurde dieser Tage als Album und Film releaset. Und da die Norweger im Vorfeld dick aufgetragen haben, sind die Erwartungen hoch.

  • von Torn
  • 03.05.2021

Im rund 80-Minütigen Film sprechen die Musiker, allen voran Bassist Hváll, über die Entstehung des Albums, sowie die Entstehung Vreids aus der Asche Windirs und ordnen „Wild North West“ dabei in die bisherige Diskografie ein. Die Schöpfungsgeschichte der Platte wird dabei begleitet von Grußworten diverser anderer Bands, etwa Enslaved, Sólstafir oder Pestilence. Nach diesen etwa 20 Minuten wird die Scheibe dann im Sinne eines Kurzfilms aus aneinandergereihten Musikvideos präsentiert und zeigt damit, dass „Wild North West“ das bisher aufwändigste Release der Sogndaler ist.

Das bereits neunte Album der Windir-Erben wurde durch vier Singles seit Februar langsam für die Hörerschaft vorgewärmt und zeigte durch Titel wie „The Morning Red“ und „Spikes of God“ schon da, dass es eine abwechslungsreiche Platte werden würde. Mit dem Titeltrack beginnend legen Vreid auch schwungvoll und rockig los und starten dabei gewohnt melodisch. „Wolves at Sea“ erhöht dabei die Schlagzahl noch um ein weiteres und bringt erstmalig Windir-Vibes in die Hütte. In Sachen Melodik macht man den Mannen aus Sogndal aber eh nicht so schnell etwas vor.

In Sachen Abwechslung übrigens auch nicht, denn nach der flotten Fahrt geht es mit „The Morning Red“ deutlich ruhiger zu. Erwartungsgemäß baut dieser Song aber gegen Ende noch etwas Spannung auf und entlädt sich dann im furiosen „Shadows of Aurora“, welches zusammen mit „Spikes of God“ den aggressiven Kern der Platte darstellt. Von Wild-West-Stimmung fehlt allerdings auch weiterhin jede Spur, denn thematisch schicken Vreid uns hier eher auf eine Selbstfindungsreise irgendwo zwischen Getriebenheit und Wahnsinn.

Und das schlägt sich auch musikalisch nieder. „Dazed and Reduced“ sticht ein wenig aus dem Black’n’Roll seiner Vorgänger heraus und scheint dem Gothic Rock der späten 80er entflohen zu sein. Dieser Stilbruch kommt etwas unerwartet und lässt uns kurz stutzen, bevor es mit „Into the Mountains“ wiederum sehr Windir-esque weitergeht. Dass hier auf Keyboard-Aufnahmen des 2004 verstorbenen Sängers Terje Bakken zurückgegriffen wird, verstärkt die nostalgische Stimmung noch. Mit dem knapp zehnminütigen „Shadowland“ findet „Wild North West“ dann sein stilvolles und gelungenes Ende.

Trackliste:

01. Wild North West
02. Wolves at Sea
03. The Morning Red
04. Shadows of Aurora
05. Spikes of God
06. Dazed and Reduced
07. Into the Mountains
08. Shadowland

8.5
PUNKTE
Bewertung

Im Nordwesten nichts Neues könnte man meinen, wenn man sich Vreids Melodik, Rhythmik und Songwriting auf „Wild North West“ ansieht. Aber die Konzeption der guten Dreiviertelstunde intonierter Unterhaltung überzeugt durch Storytelling und Variation. Die rockige Auslegung der Band setzt dabei auch die richtigen Akzente und macht „Wild North West“ zu einem der interessantesten Alben der Nordmannen.

Band

  • Vreid

Album Titel

  • Wild North West

Erscheinungsdatum

  • 30.04.2021
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

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