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Die Bedeutung von Black-Metal-Events lässt sich meist nicht an ihrer Größe ablesen. Das belegt das Schwarzmetall über’m Miriquidi jedes Jahr neu. Denn das Event hat sich mit einem einzigen Festivaltag und einem radikal begrenzten Kartenkontingent einen Stellenwert erarbeitet, für den anderswo ein ganzes Wochenende vor einer vergleichsweise riesigen Crowd abgerissen wird. Mit ihrem Konzept hat es die Crew von Schwarzmetall Erzgebirge geschafft, im Untergrund immer wieder zu den ganz relevanten Terminen im Kalender zu gehören. Und auch 2026 passte im Erzgebirge wieder alles toll zusammen: fest in der Region verwurzelt, viel Herzblut für ein perfektes Festival und ein geiles Gespür für gute Bands. Und natürlich Fans und Musiker mit richtig Bock auf ein geiles Event.
Schon das diesjährige Billing machte die Anreise eigentlich zwingend. Acht Bands standen auf dem Programm, darunter einige, die sich live ausgesprochen rar machen. Hinzu kam: die Veranstalter riefen dafür gerade einmal 45 Euro auf. Bei gut fünf Euro pro Band kann man eigentlich nicht diskutieren. Zumal sich auch abseits der Bühne zeigte, dass die Crew auch nach neun Jahren immer wieder neue Ideen hat, wie sich das Festival weiter verbessern lässt.
Neu war vor allem das große Zelt, das die örtlichen Stadtwerke beigesteuert hatten und in dem Merch regenfrei angeboten werden konnte. Das passte, denn die Auswahl an Merch fiel dieses Jahr ziemlich üppig aus. Purity Through Fire war mit einem großen Stand dabei, dazu kamen weitere Labels und die Bands selbst. Wer sich vorgenommen hatte, dieses Mal wirklich nur Musik zu konsumieren, dürfte es schwer gehabt haben, seinen Vorsatz bis zum Ende durchzuziehen, zumal auch das eigentliche Festival-Merch wieder richtig geil ausfiel.
Wieder mit am Start war das große Sonnensegel über dem Publikumsbereich unmittelbar vor der Bühne. Auf der Bühne selbst hatte sich dagegen etwas verändert: die Videoleinwand aus dem Vorjahr fehlte. Die war 2025 vermutlich dem Auftritt von Kroda geschuldet gewesen, die darauf vor allem Schneegestöber im Zeitraffer dargestellt hatten. Dieses Mal hing stattdessen ein großes Banner mit Naturmotiven im Hintergrund.
Durch das Banner entstand ein anderes Setting als im letzten Jahr, das zur Waldbühne und zum gesamten Festival aber gut passte. Letztlich braucht Black Metal auch keine Videoleinwände. Wenn die Musik zündet dann ist man als Fan voll ausgelastet. Und genau das funktionierte an diesem Samstag.
Womit wir bei den Bands wären.
Heil'ge Eiche hatten an diesem Nachmittag einen klaren Plan: Die regionale Band eröffnete das Festival und spielte dabei ihren allerersten Liveauftritt. Für einen solchen Einstieg gibt es eigentlich keinen besseren Ort als eine Waldbühne vor dem Publikum der eigenen Szene. Zumal auch die Musik der Truppe genau hierhin gehörte: Black Metal mit absolutem 90er-Vibe, roh, kompromisslos und ohne irgendwelche Schnörkel.
Die Band brachte also genau die Rauheit mit, die man im Genre so liebt. Und dass die Veranstalter einer regionalen Band gleich für deren ersten Gig den ersten Slot überließen, passt sowieso genau zu dem Konzept des Festivals. Ein geiler Beginn und ein guter Grund, den Namen Heil’ge Eiche ruhig mal im Hinterkopf zu behalten.
Heil'ge Eiche lieferten einen richtig geilen Auftakt - den Namen der Band kann man getrost mal im Hinterkopf behalten.
Mordrean gehört zu den Projekten, die zwar schon länger existieren, aber erst kurz live spielen. Hinter der ursprünglich in Brasilien gegründeten Band steht Lindsay Oliveira, die man live eigentlich nur bei Sarkrista an der Gitarre kennt. Bei Mordrean steht sie zusätzlich auch selbst am Mikro und damit im Mittelpunkt eines Projekts, dessen musikalische Fäden sie seit der Gründung eigentlich überwiegend allein in der Hand hält.
Die Veranstalter hatten offenbar schon länger versucht, Mordrean ins Erzgebirge zu holen. Dieses Jahr klappte es endlich. Auch wenn die Band im Mai bereits in Berlin beim Schwarz Metall für schwärzeste Wälder gespielt hatte, herrschte beim Gig auf der Waldbühne trotzdem Premierenstimmung. Und trotzdem lieferte die Band an diesem Nachmittag eine richtig geile Performance ab. Dabei ist es ja überhaupt nicht selbstverständlich, dass ein über Jahre gewachsenes Soloprojekt mit einer ergänzten Livebesetzung live sofort funktioniert. Bei Mordrean war das aber der Fall. Die Musik war geil, Lindsay überzeugte am Gesang, und unter dem Strich bleibt ein Gig, der jede Hartnäckigkeit bei der Verpflichtung rechtfertigt.
Passend zum Ganzen gab es übrigens eigene Festival-Shirts der Band, die in den gängigen Größen eigentlich sofort vergriffen waren.
Mordrean ist eigentlich ein über die Jahre gewachsenes Soloprojekt. Seit 2026 wird mit einer Livebesetzung auch live gespielt - und das funktioniert richtig geil.
Auch Bilwis ist eine Band, die schon über erhebliche Erfahrung verfügt, aber erst 2026 angefangen hat, überhaupt live zu spielen. Die Alben der Nordrhein-Westfalen sind stark, und mit Hameln (erschienen im April 2024 bei Northern Silence) wurde eine Scheibe vorgelegt, die richtig gut ist: melodischer und atmosphärischer Black Metal, kombiniert mit Lyrics von alten Märchen, Sagen und Mythen. Klar, dass so ein Ansatz toll ins Erzgebirge passt.
Auf der Waldbühne kam dann ein guter Sound dazu. Das war für die Musik ein echter Gewinn, denn bei aller Härte müssen eben auch Melodien und Atmosphäre gut rüberkommen.
Wer die Alben von Bilwis bislang nicht kennt, sollte unbedingt reinhören.
Auch Sekhmet aus Tschechien überzeugten mit gutem Sound, fielen daneben aber auch mit einem martialischen Setting und geiler Spielfreude auf. Die schon seit 2002 aktive Band hat sich eine Energie bewahrt, die mancher Newcomer nicht im Ansatz aufbringen kann und konnte genau damit die Fans mitreißen. Auch die in vorderster Front der Bühne eingesetzten Fackeln sorgten für das passende Bild, beschränkten ihre Wirkung aber nicht nur auf die Bühne, weil das Öl beim Hantieren mit dem Feuer bis in die Crowd spritzte. Es war also insgesamt ein richtig geiles Setting. Und musikalisch sind Sekhmet sowieso über jeden Zweifel erhaben.
Unter dem Strich lieferten die Tschechen also einen Gig ab, bei dem eigentlich alles perfekt zusammenpasste. Und auch neben der Bühne war die Band bestens aufgestellt: beim Merch brachte die Band den Fans neben den üblichen Shirts sogar Shorts mit.
Guter Sound und martialisches Setting - Sekhmet wissen genau, wie man die eigenen Fans um die Finger wickelt.
Shores of Ladon aus Mecklenburg-Vorpommern waren die konsequente Fortsetzung zum 2025er Gig von Shroud of Satan. Zwischen beiden Bands gibt es personelle Überschneidungen. Und nachdem Shroud of Satan letztes Jahr richtig gut abgeliefert hatten, zeigte sich nun, dass auch Shores of Ladon live in genau der selben Liga aktiv sind.
Musikalisch sind Shores of Ladon atmosphärischer, aber keineswegs weniger eindrucksvoll.
Es kommt noch hinzu, dass die Band nun wahrlich nicht ständig irgendwo live zu sehen ist. Wer eine der seltenen Gelegenheiten erwischt, die Band live abzugreifen, darf sich deshalb schon im Vorfeld freuen. Im Erzgebirge wurde diese Vorfreude voll eingelöst.
Wie groß das Interesse an der Band war, zeigte sich dieses Mal übrigens schon lange vor dem Gig. Sol Records war vor Ort und hatte für das Festival eine auf 50 Exemplare limitierte Vinylausgabe des Albums Eindringling aus 2013 mitgebracht. Dazu kamen eigens für das Miriquidi gestaltete Shirts in einer Auflage von nur 40 Stück. Diese Zahlen erklären, was vor Ort passierte: die Platten waren schnell weg, die Shirts ebenfalls. Und all das lange bevor die Band überhaupt gespielt hatte. Klarer lässt sich die Vorfreude auf eine Band am Merch-Stand nicht ausdrücken. Für Nachzügler gab es bei den Shirts übrigens noch eine zweite Chance: Sol Records hat einen Nachdruck aufgelegt. Wer sich da noch bedienen möchte, der sollte schnell sein und Kontakt zu Sol Records aufnehmen.
Shores of Ladon sind nun wahrlich nicht ständig irgendwo live zu sehen. Wer eine der seltenen Gelegenheiten erwischt, die Band live abzugreifen, der darf sich gerne schon im Vorfeld freuen.
Wrang aus den Niederlanden haben gerade einen Lauf. Mit Verwording erschien im April 2026 ein neues Album, das man ohne Weiteres als das bislang stärkste der Niederländer bezeichnen kann. Die Band aus der Domstadt Utrecht, die sich den fetten lokalen Dom mitten ins Logo platziert hat, hat ihren sowieso schon überzeugenden Ansatz mit dem neuen Album noch auf ein ganz neues Level gehoben. Und auch live scheinen die Niederländer immer besser zu werden.
Auf der Waldbühne war der Gig absolut mitreißend. Die Band lieferte ihre Musik mit einer Konsequenz ab, die ziemlich eindrucksvoll war. Es ist ja immer besonders geil, wenn man bei einer Band den Eindruck hat, dass immer besseres Material und Fortschritt bei der Livequalität parallel laufen. Genau das war bei Wrang im Erzgebirge der Fall.
Sänger Galgenvot hatte nach diesem Auftritt übrigens noch nicht Feierabend. Er kehrte später noch einmal auf die Bühne zurück. Zunächst sollte sich aber alles um ein Stück älterer deutscher Schwarzmetallgeschichte drehen.
Perfektes Setting - Es ist ja immer besonders geil, wenn man bei einer Band den Eindruck hat, dass immer besseres Material und Fortschritt bei der Livequalität parallel laufen. Genau das war bei Wrang im Erzgebirge der Fall.
Doomentor waren bereits im Vorjahr beim Miriquidi am Start und kehrten nun mit einem besonderen Programm zurück: Doomentor plays Mayhemic Truth. Der Zusatz machte aus der erneuten Verpflichtung eine eigene Angelegenheit. Denn an diesem Abend stand die Musik von Mayhemic Truth im Mittelpunkt, mit der sich Doomentor schon länger beschäftigen. Auf dem Album Hymns From A Dark Past ist diese Verbindung auch bereits seit 2021 auf Platte festgehalten.
Für manche Fans gehörte genau dieses Set zu den Highlights des Festivals. Klar, denn eine solche Gelegenheit bietet sich eben nicht ständig. Die originalen Songs von Mayhemic Truth stammen aus den 90ern, sind für viele pure Nostalgie und adressierten an diesem Abend klar das ältere Publikum. An diesem Abend passte das alles gut zusammen.
Doomentor - an diesem Abend mit "Doomentor plays Mayhemic Truth" für manch einen nicht nur Nostalgie, sondern das Highlight des ganzen Festivals.
Sarastus bildeten schließlich den Abschluss und lieferten neben einem guten Sound geniales finnisches Riffing ab. Die Finnen, die 2025 mit ihrem Album Agony Eternal für ein Jahres-Highlight gesorgt hatten, gehörten schon im Vorfeld zu den Verpflichtungen auf die sich eigentlich alle freuten. Es gelingt eben längst nicht jedem Veranstalter, die Band in Deutschland auf die Bühne zu stellen.
Am Gesang war mit Galgenvot derselbe Musiker aktiv, der zuvor bereits bei Wrang abgeliefert hatte. Finnischer Black Metal mit niederländischen Vibes also, wobei die Verbindung musikalisch richtig geil funktionierte. Galgenvot peitschte nicht nur die Fans, sondern auch seine Bandkollegen auf. Gerade am Ende eines Festivaltages taugt so ein Auftritt unbedingt als krönender Abschluss. Sarastus gelang genau das. Der hervorragende Sound tat sein Übriges und unter dem Strich stand ein Gig, der zu den absoluten Höhepunkten dieses Miriquidi gehörte. Richtig geiler Abschluss eines starken Tages!
Finnischer Black Metal mit niederländischen Vibes - geile Combo und richtig guter Festival-Abschluss.
Die Crew von Schwarzmetall Erzgebirge veranstaltet das Miriquidi seit 2017. Nächstes Jahr steht also zehnjähriges Bestehen auf dem Zettel. Auf all das, was in dieser Zeit rund um das Miriquidi entstanden ist, darf die ganze Crew getrost stolz sein. Für das Jubiläum wird innerhalb der Crew bereits über eine zweitägige Ausgabe diskutiert. Das Argument ist durchaus nachvollziehbar: Wenn Bühne, Gelände und alles was dazugehört sowieso vorbereitet werden müssen, dann erscheint der zusätzliche Aufwand für einen Tag mehr überschaubar. Und die Fans würden einen zweiten Tag zum Jubiläum sicher abfeiern.
Auch die Idee, das ursprüngliche Line-up noch einmal zusammenzubringen, steht im Raum.
Welche dieser Ideen am Ende umgesetzt werden, bleibt abzuwarten. Die Voraussetzungen für ein besonderes Jubiläum sind jedenfalls vorhanden. Denn dass die Crew alles mitbringt, was für ein geiles Festival erforderlich ist, hat sie auch 2026 wieder gezeigt.
Fotos: Phil, Bericht: Skog