SICK MIDSUMMER 2026 – Ein würdevoller Abschied vom Bäckerberg
Review

SICK MIDSUMMER 2026 – Ein würdevoller Abschied vom Bäckerberg

Manche Festivals wachsen einem über die Jahre ans Herz. Das Sick Midsummer in Scharnstein war zweifellos eines davon. Schweren Herzens führte der Weg am 4. Juli ein letztes Mal auf den Bäckerberg, um eines der besten österreichischen Metal-Festivals zu verabschieden. Nach 15 Ausgaben zog das Organisationsteam bewusst einen Schlussstrich. Wie eine der Veranstalterinnen in einem Gespräch meinte: „Man soll aufhören, wenn es am schönsten ist.“ Treffender hätte man das Ende dieser Erfolgsgeschichte wohl kaum beschreiben können.

  • von Wolle
  • 15.07.2026

Das Erfolgsrezept blieb auch bei der Final Edition unverändert: die wunderschöne Aussicht über das Almtal, die einzigartige familiäre Atmosphäre und die auf lediglich 500 Besucher limitierte Kapazität. Kein Wunder also, dass das Festival erneut innerhalb kürzester Zeit ausverkauft war. Fernab von Massenveranstaltungen hatte sich das Sick Midsummer über die Jahre einen Ruf als liebevoll organisiertes Underground-Festival erarbeitet, bei dem Musik und Gemeinschaft stets im Mittelpunkt standen.

Große Überraschungen oder sentimentale Abschiedsinszenierungen suchte man an diesem Tag vergebens. Stattdessen verabschiedete sich das Festival genauso, wie es über viele Jahre hinweg stattgefunden hatte – unaufgeregt, authentisch und mit einem hochklassigen Line-up.

Den Auftakt machten Plaguepreacher. Die Oberösterreicher wirkten an diesem Tag deutlich zurückhaltender als bei ihren sonst oft provokanten und exzessiven Auftritten. Das hatte allerdings einen nachvollziehbaren Grund: Die Band widmete ihren Auftritt dem kürzlich verstorbenen Bartholomäus „Barth“ Resch, einer prägenden Persönlichkeit der österreichischen Extreme-Metal-Szene. Als Sänger und Bassist von Ars Goatia und Tabula Rasa sowie als Veranstalter des House of the Holy Festivals hinterließ Resch weit über die Landesgrenzen hinaus bleibende Spuren, ehe er Anfang Mai bei einem Verkehrsunfall tragisch ums Leben kam. Trotz der spürbaren Emotionalität lieferten Plaguepreacher einen mitreißenden und gelungenen Festivalauftakt.

Mit Prediction folgte anschließend ein ordentliches Black- und Thrash-Metal-Gewitter. Die Oberösterreicher präsentierten sich spielfreudig und routiniert und lieferten einen grundsoliden Auftritt, der das Publikum bestens auf den weiteren Festivalverlauf einstimmte.

Anschließend betraten die Niederländer Bodyfarm die Bühne. Bereits bei ihrem letzten Gastspiel auf dem Sick Midsummer konnten sie restlos überzeugen – und auch diesmal lieferten sie souverän ab. Ihr kompromissloser Death Metal traf genau den Nerv des Publikums. 

Theotoxin sind mittlerweile eine feste Größe der heimischen Black-Metal-Szene und für viele Besucher sogar der heimliche Headliner des Festivals. Was die Wiener an diesem Nachmittag auf die Bühne brachten, war schlicht ein schwarzmetallisches Brett. Raserei, Präzision und eine intensive Bühnenpräsenz machten den Auftritt zu einem der absoluten Höhepunkte der Final Edition.

Mit Ellende folgte anschließend eine Band, die sich in den vergangenen Jahren vom Geheimtipp zu einer der wichtigsten österreichischen Black-Metal-Formationen entwickelt hat. Die atmosphärischen Klanglandschaften entfalteten auf dem Bäckerberg ihre volle Wirkung und wurden an diesem Abend zusätzlich durch eine Gastgeigerin der deutschen Black-Metal-Band Firtan bereichert, deren Violinenspiel den ohnehin dichten Kompositionen eine weitere emotionale Ebene verlieh. Die Mischung aus Melancholie, Dynamik und Intensität sorgte für einen der stimmungsvollsten Auftritte des Tages.

Die Briten Lvcifyre schlugen anschließend deutlich härtere Töne an und bolzten sich kompromisslos durch ihr Set. Leider präsentierte sich der Sound stellenweise etwas matschig und insgesamt übermäßig laut, wodurch viele Details verloren gingen. Wer allerdings auf ununterbrochenes Death-Metal-Geknüppel steht, kam dennoch voll auf seine Kosten.

Mit RUÏM wurde es anschließend mystisch. Hinter dem Projekt steht der ehemalige Mayhem-Gitarrist Blasphemer (Rune Eriksen), der mit RUÏM zu seinen okkulten Black-Metal-Wurzeln zurückkehrt und dabei klassischen norwegischen Black Metal mit atmosphärischen und rituellen Elementen verbindet. Erst mit Einbruch der Dunkelheit entfaltete der Auftritt seine gesamte Magie. Nebel, Licht und die intensive Bühnenpräsenz verschmolzen zu einer eindrucksvollen Inszenierung, die den Bäckerberg für einen Moment in eine andere Welt versetzte.

Den Schlusspunkt setzte schließlich Darvaza – und besser hätte man das Festival kaum verabschieden können. Die international besetzte Formation präsentierte ihren düsteren Black Metal mit sichtbarer Spielfreude und viel Leidenschaft. Ein würdiger Abschluss für die finale Ausgabe des Sick Midsummer.

PUNKTE
Bewertung

Als schließlich die letzten Töne verklungen waren und sich die Besucher langsam auf den Heimweg machten, wurde vielen bewusst, dass hier nicht einfach nur ein weiteres Festival zu Ende gegangen war. Das Sick Midsummer hinterlässt eine Lücke in der österreichischen Festivallandschaft, die sich nur schwer schließen lassen wird. Gleichzeitig bleibt die Erinnerung an fünfzehn außergewöhnliche Ausgaben, unzählige großartige Konzerte und eine Gemeinschaft, die den Bäckerberg Jahr für Jahr zu einem ganz besonderen Ort gemacht hat.

Danke, Sick Midsummer. Es war uns eine Ehre.

Wolle

Alles fließt, nichts ist fest.

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