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Richtig viel Zeit haben sich die Bayern von De Som Skjelver für ihr erstes Album gelassen. Nach der Gründung im Jahr 2013 wurde ein frühes Demo zunächst faktisch verworfen, die Band löste sich zwischenzeitlich sogar auf, bevor sie 2024 neu antrat – das aber dann so richtig. Herausgekommen ist ein richtig geiles Album. Und zugleich eine Hommage an längst vergangene Zeiten.
Die fünf Musiker legten Ende 2025 ihr erstes Full-Length-Album mit dem Titel De Som Skjelver vor und präsentierten in Erlangen ihren ersten Live-Auftritt. Nach diesen beiden Wegmarken steht fest: Die Band hat ihre Zeit gut investiert und mit De Som Skjelver einen kleinen, aber feinen Geheimtipps im deutschen Black-Metal-Untergrund erschaffen.
Old School-Black Metal / De Som Skjelver verfolgen ein klares Konzept / hier alle fünf Musiker: Serrator – Drums, Vælertiis – Synth, Kukudh Agata – Guitar, Nils Fjandannsson – Guitar & Vocals, Motstrid – Bass (Foto: @marie_saalfrank)
De Som Skjelver positionieren sich mit ihrem gleichnamigen Debütalbum ausdrücklich in der Tradition des norwegischen Black Metal der 90er Jahre – und diese Selbstverortung bleibt nicht bloßes Wunschdenken. Bereits der gewählte norwegische Bandname (deutsch: "diejenigen, die zittern") und der Titel des zweiten der insgesamt vier Stücke (Så kaldt i Nord) weisen in diese Richtung. Vor allem aber die Musik selbst: kompromisslos kalt, düster und zugleich eindrucksvoll verspielt und variantenreich. Streckenweise durchaus atmosphärisch, dabei eigentlich durchgängig komplex und immer wieder von einer unbequemen Roheit durchzogen, ist das Material erkennbar nicht darauf ausgelegt, jedem zu gefallen. Lässt man sich jedoch darauf ein und gibt der Musik die nötige Zeit, wird deutlich, dass die Bayern hier vier richtig geile Stücke vorlegen, die sich aus der Masse aktueller Veröffentlichungen durchaus abheben können.
Eigentlich überrascht das nicht. Eine deutsche Band, die sich einen norwegischen Namen gibt, sich mehr als zehn Jahre Vorbereitung gönnt und sich erklärtermaßen in die Tradition der Wegbereiter eines ganzen Genres stellt, weiß in der Regel sehr genau, was sie tut. Wenn die Musiker dann noch über die nötige Erfahrung verfügen, dann merkt man das dem Ergebnis eben auch an. Natürlich lässt sich die alte Zeit nicht einfach wiederbeleben – dafür wäre auch die Produktion zu sauber und zudem fehlt das Chaos vergangener Tage. Als liebevolle Hommage an die eigenen Vorbilder von Emperor oder Darkthrone geht der Erstling von De Som Skjelver dafür aber voll in Ordnung. Und der erste Live-Gig in Erlangen, vor lediglich 100 Fans in fast ausverkaufter kleiner Location und mit einer offenbar sehr emotionalen Darbietung ganz ohne richtige Bühne - das ist ja eigentlich auch genau das Konzept, mit dem man etwas vom Geist der vergangenen Zeit wieder aufleben lassen kann.
Gelungene Hommage an den Black Metal der zweiten Welle / Wenn man will, kann man sowohl beim Bandlogo als auch beim Cover-Artwork Anleihen an Emperor erkennen
Lyrics sind leider nicht verfügbar, aber eigentlich weiß man auch schon nach Durchsicht der Songtitel über die groben Themen Bescheid: es geht um Kälte, Verachtung und um bewusste Abgrenzung von der Masse.
Fazit: Geile Musik mit einem starken Konzept! Die Musiker nehmen das Thema Old School-Black Metal ernst und wissen genau, was sie tun. Auf Nachfrage teilte die Band mit, dass weitere Live-Events und auch Merch zu erwarten sind. Aktuell wurde die Band z.B. für das Schwarz Metall für schwärzeste Wälder Mitte Mai in Berlin bestätigt. Also Augen und Ohren offenhalten – und bei Tickets oder Hardware zugreifen, sobald sich eine Gelegenheit ergibt.
Despise Them (08:35)
Så kaldt i Nord (10:03)
Outsider (10:56)
Tunnel (09:37)