26.09.2026 Equinox Rite - Kulturhaus Überherrn ++Bloedmaan+Chotzä+Reinkaos++
Review

26.09.2026 Equinox Rite - Kulturhaus Überherrn ++Bloedmaan+Chotzä+Reinkaos++

Es ist wieder soweit. Der Herbst rückt näher und legt seine dunklen Schleier über den September. Heute feiern wir das Äquinoktium; an diesem Tag stehen Tag und Nacht im Gleichgewicht. Und in Überherrn wird der astronomische Herbstanfang musikalisch zelebriert. Die kalte Jahreszeit steht uns bevor, aber im Kulturhaus Überherrn geht es heute heiß her. Die Türen öffnen sich für das diesjährige Equinox Rite. Um 16:00 Uhr geht es los; die erste Band soll die Bühne um 17:00 Uhr betreten. Für die diesjährige Ausgabe stehen auf dem Billing Bands, die man nicht allzu oft zu sehen bekommt. Preislich liegen die Tickets dieses Jahr bei 44 € im Vorverkauf, die Abendkasse kostet 49 €. Vor der Halle reihen sich Kutten und Bandshirts aneinander. Die Stimmung ist ausgelassen, das Bier fließt.

  • von Hellxmaryx
  • 15.10.2026

In den Hallen des Kulturhauses sind die Merch-Stände in gewohnter Manier im Raum aufgebaut. Unter anderem der Stand von Dominance of Darkness, daneben die wunderschöne Schädelkunst aus dem Saarland von Memoria Ossis, Merch von Torment of Souls, Bloedmaan (vertreten durch den Labelinhaber von Immortal Frost Productions) sowie Chotzä. Eine Etage darüber, auf der sich auch die Bar befindet (und ja, es gab wieder Lonkero – für die Kenner), gibt es diesmal eine Ausstellung des Künstlers Wolf Occult Black Arts, der auch aktiv in der Band Werwolf ist. Und während drinnen nach Herzenslust gestöbert werden kann, sorgt die Sandwicheria (an der es auch Nachos gab!) draußen für das leibliche Wohl.

Düstere Rituale mit Apostema

 Los geht es mit Apostema. Blaues Licht füllt den Raum. Vier verhüllte Gestalten in Mönchskutten betreten die Bühne, die Kapuzen tief ins Gesicht gezogen. Der erste Song wird angespielt. Unheilvolle Klänge durchdringen den Raum. Die im Jahre 2020 gegründete Black/Death-Metal-Band aus dem Saarland spielt einen doomigen und düsteren Sound. Apostema präsentieren an diesem Abend fünf Songs aus ihrem Debütalbum „Omega Apotheosis“, veröffentlicht via Dominance of Darkness Records, das im Februar 2026 erschienen ist. Der Track "In the Wake of the Eternal Void“ hätte als Opener nicht besser sein können. Ein ritueller und düsterer Schleier umhüllt das Publikum. Schwere Glockentöne hallen durch den Saal. Das sakral anmutende Intro leitet über und wechselt zu wuchtigen Gitarren und schweren Riffs. Tiefe Growls dröhnen durch den Raum. "Deathmarch" versorgt anschließend mit schnellem Tempo und ganz viel Groove. Ist das Publikum anfangs etwas verhalten, legt sich die Scheu schnell und gibt sich der hypnotischen Atmosphäre hin. Mit jedem Song etablieren Apostema ihre Präsenz und ziehen alle in einen Sog, der sich irgendwo zwischen rohem Black Metal und treibendem Death Metal bewegt. Anschließend werden "Mother of Demons" und "Damned Souls of Irkalla" gespielt. Die wuchtigen Riffs und das temporeiche Drumming lassen die Köpfe mitwippen. Den Abschluss legen Apostema mit "Death of Dumuzid" hin. Allzu oft durfte man die Band noch nicht erleben – Potential für mehr besteht aber definitiv. Mit einem soliden und handwerklich sehr gelungenem Auftritt hinterlassen Apostema einen starken Eindruck.

Reise durch die Nacht mit Bloedmaan

Nach der Performance von Apostema sind Bloedmaan nun an der Reihe, das nächste Kapitel an diesem Abend aufzuschlagen. Bloedmaan bedeutet Blutmond im Niederländischen. Ausgesprochen wird es Blutmaan (/ˈblut.maːn/). Hinter dem belgischen Musikprojekt steckt Ronarg (unter anderem auch aktiv in Ars Veneficium), das seit 2022 existiert. Drei Alben sind bisher erschienen, alle auf dem Label Immortal Frost Productions. Während die Band sich auf den Auftritt vorbereitet, ist im Hintergrund das Bandlogo sichtbar. Links und rechts wird das Wort Bloedmaan von fledermausähnlichen Flügeln eingerahmt. Darüber thront ein kleines Schloss unter einer Kuppel – ein atmosphärischer Wechsel bahnt sich an. Auch Ronargs Stage-Outfit greift die vampiresque Gothikästhetik des Musikprojektes auf und fügt sich nahtlos in dessen Thematik ein.

Noch bevor die ersten Töne erklingen, zeigt Ronarg eine phantastische Bühnenpräsenz – mit einer fast schon überirdischen Eleganz schwebt er förmlich über die Bühne und lässt seinen Blick von oben über das Publikum schweifen. Wie ein Vampir, der kurz davor ist, sich in eine Fledermaus zu verwandeln. Majestätisch. Erhaben. Mit "Return to Castlevania" aus dem 2025 erschienenen Album Vampyric War in Blood eröffnen Bloedmaan ihr Set. Der Song prescht ohne große Umschweife nach vorne. Melodische Riffs vermischen sich mit Blastbeats und sorgen für eine düstere Klangkulisse. Bloedmaan ziehen an diesem Abend das größte Publikum an; die Menge lässt sich mitreißen, die Band kommt gut an. Schnelle und treibende Gitarren entwickeln eine mitreißende Dynamik und eine spürbare Intensität; sie lassen kaum jemanden im Publikum stillstehen. Mit einer bemerkenswerten Leichtigkeit trägt Ronarg seine Vocals vor. Vampyric War in Blood entführt mit seiner Thematik in die Welt alter Schlösser und dunkler Nächte. Bevor die letzten Töne erklungen sind, wird der nächste Song angespielt: der Titeltrack "Vampyric War in Blood". Noch schneller, noch härter. Der dritte Song stammt aus dem Debütalbum "Castle Inside The Eclipse". Auch hier haben wir eine Band, die man live noch nicht oft zu sehen bekommen hat. Umso dankbarer sind wir den Veranstaltern des Equinox Rites, dass sie sie aufs Billing gepackt haben.

Underground Feeling mit Beleth’s Trumpet

 Von Belgien geht die Reise weiter in den Norden. Beleth’s Trumpet aus Finnland sind an der Reihe. Aktuell unter Vertrag im Hause Dominance of Darkness Records, veröffentlichten sie nach einer Demo und einer Single in 2025, ihr Debütalbum Chapel of Bones, aus welchem an diesem Abend überwiegend gespielt wird.

War es vorher atmosphärisch und majestätisch, wechselt die Szenerie hier drastisch. Namenspatron der Band ist der Höllenkönig Beleth. Und mit finsterer Infernalität bringen Beleth’s Trumpet kalten, kraftvollen und brachialen Black Metal auf die Bühne. Die Finnen verstehen es, ihrem Auftritt eine unverkennbare Underground-Nuance zu verleihen. Apropos Finnland: Das Logo wurde von Ari (Curse Upon a Prayer) entworfen, der letztes Jahr mit der finnischen Band Ikku Turso auf dem Equinox gespielt hat. Blutverschmiert und mit absoluter Hingabe keift M.SF seine Vocals ins Mikrophon. Ihr Set eröffnen sie mit "Triumphant Voice of Beleth". Ihre Musik ist melodisch und gleichzeitig eisig. Sie ist roh und gleichzeitig voll. Mit dem Track "Chapel of Bones" entfaltet sich eine hypnotische Wirkung. Mit eisiger Melancholie überzeugen Beleth’s Trumpet das Publikum hier endgültig; inmitten des Stimmengewirrs können begeisterte Reaktionen wie: „Das hat mich absolut mitgerissen“ und „Ich war komplett weg“ erhascht werden. Ebenfalls ein absolutes Highlight ist "Mass Grave (of the Angels)". Der Song kombiniert eine eingängige Melodie sowie eine gleichzeitige Verletzlichkeit – dabei verliert die Musik von Beleth’s Trumpet keinesfalls an Härte. Auf die Setlist haben sich auch einige neue Songs geschlichen, die nicht auf dem aktuellen Album zu finden sind: "Beleth’s Trumpet", "Reap & Ravish" und "Barbed Wire Crown", die hoffentlich bald auf einer zukünftigen Platte erscheinen werden. Die finnische Formation legt einen gewaltigen Auftritt hin, ihre dynamische Bühnenpräsenz überzeugt und das spürt man: eine begeisterte Resonanz aus dem Publikum. Kein Kopf steht still, die Haare fliegen und erhobene Fäuste soweit das Auge reicht.

Die Ritter von Torment of Souls

Die vierte Band des abends ist Torment of Souls. Die Death Metaller aus Deutschland fallen definitiv etwas aus dem musikalischen Konzept des Abends, was aber keinesfalls schlecht sein muss. Abwechslung ist schließlich immer gern gesehen. Leider blieb die Halle nur spärlich gefüllt; die meisten werden wohl eine Essenspause eingelegt haben. Vielleicht hat die Musik auch den musikalischen Nerv nicht getroffen. Nichtsdestotrotz spielen die Jungs ihr Set von Anfang bis Ende mit einer herausragenden Professionalität. Der Sound ist überragend, die Stimmung auf der Bühne grandios. Auch das Publikum weiß Torment of Souls zu schätzen. Der seit den 90er/Anfang der 2000ern aktiven Band merkt man ihr Können und Erfahrung definitiv an. Eine gute Stunde spielen die Death Metaller verschiedene Songs aus ihrem Repertoire. Der erste ist "Schlachthaus" aus der 2024 erschienenen EP Mortuus Est I, veröffentlicht bei ACFM-Records. Auch der brandneue Song "1177", der die historische Schlacht von Montisgard thematisiert, erblickt auf dem Equinox das Licht der Bühne. Und wie das unaufhaltsame, erschütternde Dröhnen der Streitrösser, so stürmen auch Torment of Souls nach vorne. Mit under anderem "Fidelis ad Mortem" und "Pandemie" bringen sie eine ordentliche Portion Oldschool und Groove mit. Die gut aufeinander eingespielte Truppe zieht die Show mit voller Power durch und ihre Fans vor der Bühne wissen das zu schätzen. Das Bühnenbild besteht übrigens aus Zeichnungen aus eigener Hand. Sie stammen vom Gitarristen Markus (tiny_evil_art_).

Chaos und Chotzä

Die vorletzte Band reist aus der Schweiz an. Ein kleines Rätsel: Ihr Bandname lässt sich mit „kotzen“ übersetzen. Aber auf Schweizerdeutsch klingt es doch viel besser. Chotzä. Das „Ch“ steht für Chaos. Wilde Riffs, wilde Outfits und eine Weinflasche, die sowohl als Trinkgefäß als auch als Phallus dient. Chotzä sind von Anfang an die pure Verwüstung. Nicht nur musikalisch geht es wild her, auch die Outfits sind ein Sammelsurium verschiedener Stile. Ob Jogginganzug und weiße Tennissocken in Schlappen, punkige Netzstrumpf-Outfits mit rosa Perücke, oben ohne mit Corpsepaint oder einfach ganz normal in Jeans und Bandshirt. Doch eine Konstante bleibt: Grandioser Black ‘n’ Roll. Chotzä glänzen mit absoluter Punk-Attitüde und einer mächtigen Prise antisozialer „Scheiß-auf-euch-alle“–Einstellung. Sämtliche Songs sind auf Schweizerdeutsch gehalten. Jede Band hat an diesem Abend ihren eigenen Stil auf die Bühne gebracht. Mit Chotzä gibt es Black Metal, wie er sein soll. Ruppig. Antisozial. Hart. Chotzä legen großen Wert darauf, nichts heil und ganz zurückzulassen. Es wird geschwitzt, es wird gespuckt, es fließt der Wein. Die Menge ist voll dabei.

Zeitreise mit Reinkaos

Die Nostalgie haben sich die Veranstalter des Equinox Rites für den Schluss aufgehoben: Reinkaos. Und wenn der Name nun Assoziationen weckt – richtig: Reinkaos widmen sich den legendären Dissection und erwecken die Band und ihre Musik wieder zum Leben. Die Tribute-Band aus den Niederlanden gibt es noch gar nicht so lange, erst seit 2026. Und es wird sie auch nicht mehr lange geben, denn die Band gründete sich zu Ehren von Jon Nödtveidts 20-jährigem Todestag – es soll eine Hommage an die Musik von Dissection sein. Die Band ist strikt gegen Kommerzialisierung, daher gibt es und wird es auch nie Merch geben: Die absolute Leidenschaft zur Musik ist das Fundament ihrer Existenz. Wer also die Chance hatte oder noch hat, die Formation live zu sehen: Glückwunsch! Trotz ihres kurzen Bestehens mangelt es keinesfalls an Erfahrung, denn hier haben wir echte Größen des Black- und Death Metal auf der Bühne. Die Musiker sind gut aufeinander eingespielt und bieten eine fantastische Show. In knapp einer Stunde schicken Reinkaos das Publikum auf eine Zeitreise und mit "Nexion 218" fällt der Startschuss für den letzten Auftritt des Abends. Der galoppierende Sound baut Stimmung auf, hat Energie und geht ordentlich nach vorne. Reinkaos beweisen, dass an den Instrumenten echte Veteranen stehen: Jeder Ton sitzt, die Vocals schneiden durch die Halle. Mühelos leiten Reinkaos das melodische "Starless Aeon" ein, das dem namensgebenden und zugleich dritten und letzten Album der legendären Dissection entstammt. Die Zeitreise wäre nicht komplett ohne Songs wie "The Somberlain" aus dem 1993 erschienenen Debütalbum oder "Night’s Blood", das auf dem Album Storm of the Light’s Bane zu finden ist. Das Publikum zeigt sich leider zunächst etwas träge – das legt sich aber im Laufe des Auftritts.

PUNKTE
Bewertung

Zusammenfassend lässt sich das Equinox Rite 2026 als vollen Erfolg bezeichnen. Sehr angenehm ist zudem die Klimatisierung der Halle. Das Kulturhaus Überherrn ist eine ausgezeichnete Location, da man alle Auftritte auch sitzend mitfeiern kann. Für das Equinox Rite 2026 waren ingesamt 300 Tickets verfügbar, es ist jedoch deutlich anzumerken, dass dieses Jahr weniger verkauft wurden. Der Stimmung tut das aber keinen Abbruch. Generell ist das Festival jedes Mal aufs Neue eine schöne Anlaufstelle, um Bands abseits des Mainstreams live zu sehen und zu entdecken. Großes Lob geht an dieser Stelle auch an die Security, an die Veranstalter und allen helfenden Händen, die diesen Abend möglich machen.

Hellxmaryx

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