23.09.2022 - Diabolic Liminal Congress Tour, Helvete Oberhausen - Akhlys + Chaos Invocation + Fides Inversa
Review

23.09.2022 - Diabolic Liminal Congress Tour, Helvete Oberhausen - Akhlys + Chaos Invocation + Fides Inversa

Diesen September versammelten sich drei hochkarätige Abordnungen für die "Diabolic Liminal Congress"-Tour durch Europa: Die US-Amerikaner Akhlys zogen mit Chaos Invocation und Fides Inversa durch sechs Länder und brachten ihre unheilige Botschaft ins Land. Am Freitag, 23.09., machte man im Oberhausener Helvete Halt.

  • von Haimaxia
  • 29.09.2022

Während man die US-Amerikaner Akhlys niemandem mehr vorstellen muss, der sich in den vergangenen Jahren mit heißen Geheimtipps im Underground beschäftigt hat, sind die beiden Projekte Chaos Invocation und Fides Inversa -beides Projekte um den Tausendsassa Gionata "Omega" Potenti, dessen viele Unterfanen, darunter u.a. Frostmoon Eclipse oder Darvaza, aufzuzählen jeden Rahmen sprengen würde- vielleicht nicht jedem ein Begriff, der sich im Black Metal bewegt. Erstere haben erst im März ihr brandneues Werk "Devil, Stone & Man" vorgestellt, während Fides Inversa zuletzt 2020 ihre Platte "Historia Nocturna" veröffentlichten. Beide Projekte sind mit internationalen Musikern dabei bemerkenswert: Omega versammelt in seinen Band-Projekten immer wieder Personen um sich, die über Europa wild verstreut sind - so steht bei Fides Inversa der Norweger Wraath an den Vocals (auch bekannt als Gitarrist von Behexen und Sänger von Darvaza), während bei Chaos Invocation die deutschen Musiker Malte Langenbrinck und André Meyrink (u.a. neuer Sänger von Porta Nigra) involviert sind. 

Tour-Promo

Fides Inversa machten mit leichter Verspätung den Auftakt im Oberhausener Helvete, welches glücklicherweise auch nach den größten Umwälzungen der Pandemie offenbar nach wie vor Dreh- und Angelpunkt in Sachen extremer Musik ist und -das zeigen Events wie dieses- starke Underground-Touren nach NRW holt. Die Truppe macht von erster Sekunde an ordentlich Tempo und präsentierte mit Ausnahme vom 10-Minüter "First Congress" nahezu ihr ganzes aktuelles Album "Historia Nocturna" (erschienen 2020 bei W.T.C.). Dabei machten auch der Opener "A Wanderer's Call And Orison" oder auch "I Am The Iconoclasm" deutlich, wie gut die Band eine dreckige, räudige Attitüde mit doch recht anspruchsvollen Lyrics verschmelzen kann - und so dürfte ein schweißtreibender Auftakt im Gedächtnis der Besucher des prall gefüllten Helvete-Kellerstübchens geblieben sein, der es in sich hatte.

Fides Inversa / Foto: Frida Nordlys

Chaos Invocation fügten der spärlich beleuchteten Kulisse noch ein paar brennende Kerzenleuchter hinzu und griffen im Nachgang den roten Faden, den Fides Inversa hinterließen: Okkulte Stimmung, ein wenig mehr Nebel, aber eine nicht minder mitreißende Show ohne Atempausen. Ihr neues Album "Devil, Stone & Man" im Gepäck, welches im März ebenfalls unter dem Banner W.T.C. erschien, war auch dieser Auftritt brachial und stellte dennoch gleichsam die finstere Atmosphäre und die beeindruckend vielen Details in den Songs der Band zur Schau. Wer sich Zeit nimmt und unter die plakative Ader der Band schaut (zwischendurch zückte Frontkehle auch mal eine Sichel, mit der er herumfuchtelte, bedient einige Klischees des Genres, aber hat sein Publikum dabei ordentlich im Griff und besticht mit gestrenger Mimik und Gestik) - der wird ein reichhaltiges und kreativ zusammengewobenes Songwriting unter dem Deckmantel des Chaos finden. Vor allem bei brandneuen Live-Brechern wie "Where We Have Taken The Cross" oder einem älteren "Unlock The Abyss" bekommt der Fan zünftigen Schwarzmetalls und satanistischem Topos einfach Freude am sonst freudlosen Bösen.

Akhlys / Foto: Frida Nordlys

Akhlys konnten 2020 mit ihrem herausragenden Werk "Melinoë" punkten, welches erst das dritte Album der Band markiert und bei Debemur Morti Productions erschien (u.a. Archgoat, Blut aus Nord, Sühnopfer). Der Anhängerschaft der Combo dürften die Musiker Naas Alcameth an den Vocals (und im Studio auch an Gitarre, Bass und anderer Instrumentierung) und Eoghan an den Drums bereits von zahlreichen anderen Projekten wie u.a. Aoratos, Nightbringer und Suns of Sorath bekannt sein. 

Im Vorfeld wussten viele Szenegänger noch nicht so recht, was sie auf der Bühne erwarten würde - oft gab es Akhlys live noch nicht zu erleben, und vor der Pandemie feierten sie auf dem isländischen Ascension Fest 2019 ihr Debüt. Nach einigen Gigs in ihrer Heimat, den USA, ist dies auch ihre erste richtige Tour: Und man kann mit Fug und Recht behaupten, dass die Band eine unfassbar wirkmächtige Live-Instanz ist.

Neben Stücken vom aktuellen "Melinoë" wie etwa "Ephialtes" oder "Pnigalion" wurde auch das 2015er Album "The Dreaming Eye" mit mindestens gleicher Sorgfalt vorgestellt und vor allem das Titelstück ist dabei hervorzuheben. Man muss natürlich sagen, dass Akhlys im Gegensatz zu ihren Vorgänger-Bands weit weniger rabiaten Black Metal spielen, sondern eher mit langen Instrumental-Passagen einen Ambient/Atmospheric-Stempel aufgedrückt bekommen könnten - und trotzdem sind ihr Auftreten mit entmenschlichenden Ledermasken und ihre harschen Vocals nicht etwa einlullend oder "uplifting" wie bei z.B. Alcest, sondern alptraumhaft; ihr Sound verzerrt und die Atmosphäre des Gigs dadurch beklemmend, dass einem in erster Reihe gut und gerne die Luft wegbleibt. Ein ganz klares "Chapeau" vor dieser Leistung - und damit eine Band, die man unbedingt auf dem Schirm haben muss, wenn es erneut eine Tour gibt oder sie im Billing eines Festivals hierzulande auftauchen!

PUNKTE
Bewertung

Band

  • Akhlys, Chaos Invocation, Fides Inversa

Erscheinungsdatum

  • 23.09.2022
Haimaxia

He whispers, when the demons come. Do you make peace with them or do you become one of them?

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