Interview mit Björn von Balls Gone Wild
Interview

Interview mit Björn von Balls Gone Wild

Passender, wie es Balls Gone Wild mit ihrem Cover zu "Dicks Made Of Dynamite" gemacht haben, lässt sich ein Albumtitel nicht darstellen: ein Penis als Dynamitstange und zwei Handgranaten als Eier bringen es einfach auf den Punkt! Dass dieser Penis zum "Penis des Anstoßes" werden würde, kann man sich heutzutage kaum mehr vorstellen. Und doch wurde das Cover von den Vertrieben als "zu anstößig" bezeichnet und der Verkauf von "Dicks Made of Dynamite" abgelehnt. Björn, Sänger und Gitarrist von Balls Gone Wild, stand uns in einem Interview Rede und Antwort und klärt über die Hintergründe auf.

  • von Ghostwriter
  • 18.08.2014


UG: Hallo Björn! Es gibt ja sicher Leute da draußen, die Balls Gone Wild noch nicht kennen. Kannst du denjenigen kurz die Band vorstellen?


Björn: Balls Gone Wild ist ein Haufen fuchsschwanztragender Riffrocker, die gerne Bier trinken und andere Leute ärgern und an die Wand spielen...

UG: Ihr nennt euren Stil "Manta Metal". Was muss bzw. kann man sich darunter vorstellen?


Björn: "Manta Metal" ist tiefer gelegter Schweinerock, Hardrock mit einem Schuss NWOBHM, Oldschool Metallica meets Airbourne, Roberto Blanco macht ein Kind mit Jürgen Drews, ABBA meets Stryper, Manowar auf Steroiden, Britney Spears auf Chrystal Meth!!!

UG: Wie entstand denn das Cover für "Dicks Made Of Dynamite"? Woher kam die Idee mit dem Penis?


Björn: Ich habe die Platte geschrieben und an irgendeinem - durch Bier und sonstiges - vernebelten Abend kam mir die Idee - einfach so. Und seitdem war klar wie das Cover aussehen sollte! Als der Titel dann dazu kam, war auch klar, dass der Schaft Dynamit und die Eier wackelnde Granaten sein mussten, hahaha!

UG: Gab es schon während der Enstehung des Covers Anzeichen dafür, dass es zu Problemen deswegen kommen könnte?


Björn: Ja, ein Label hat gesagt, dass sie es mit dem Cover nicht machen würden und da hab ich dem Label abgesagt! Ich habe gesagt: "So, oder gar nicht!"

UG: Wann kamen die ersten Bedenken von Vertrieben bezüglich des Covers auf? Und welches Ausmaß hat das bis heute angenommen?


Björn: Als die Vertriebe es gesehen hatten, wollten sie es nicht machen. "Zu anstößig!", sagten sie. BULLSHIT!!!
Das Ausmaß sieht so aus, dass die Platte wahrscheinlich nie in irgendeinem Laden stehen wird, leider. Es ist echt mein Herzblut, aber es wird sich selbst heutzutage noch wegen eines gepixelten, gemalten, männlichen Gliedes angestellt.

UG: Gab es eigentlich auch von offiziellen Prüfstellen (BPjM, usw.) Reaktionen oder Bedenken bezüglich eurer Covergestaltung?


Björn: Keine Ahnung, ich denke nicht. Es kam ja nie soweit, dass es an diese Stellen hätte rangetragen werden können oder müssen.

UG: In eurem Booklet habt ihr zwei Coverversionen. Die eine ist verpixelt und ist sofort zu sehen, die andere ist unzensiert im Booklet. War das von vorn herein so geplant oder ist das Verpixeln eure Reaktion auf die Vertriebsproblematik?


Björn: Natürlich war das nicht von Anfang an geplant. Das kam erst mit dem ersten Label, das rumgezickt hat. Da dachte ich mir, dass man das "Gesicht" ja pixeln kann, um nicht mehr ganz so einen Stress zu bekommen. Das leuchtete mir auch ein wenig ein, aber mehr Kompromisse wollte ich nicht eingehen. Und innen drin wollte ich unbedingt noch mal die volle Kunst zeigen. Das Cover ist echt ne Menge Arbeit für Thomas Raatz, dem Zeichner, gewesen. Es ist wie ein Kupferstich gemalt, es gibt nicht eine einzige Linie in dem ganzen Cover. Es sind abertausende Punkte, aber nicht eine einzige Linie!!! Das ist Kunst, auch wenn es für manche Idioten zu anstößig ist.

UG: Ein Cover, welches man gut mit eurem vergleichen kann, ist "Rize of the Fenix" von Tenacious D. Diese CD kann man aber frei bei Amazon oder anderen Vertrieben erhalten, obwohl auch hier deutlich ein Penis (in Phönixgestalt) zu erkennen ist. Warum macht man da, eurer Meinung nach, einen solchen Unterschied zwischen zwei Bands? Ist es nur der Name und dessen Größe (bei Tenacious D) oder steckt da vielleicht mehr dahinter?


Björn: Das ist, meiner Meinung nach, ganz einfach: Wenn das Label und die Vertriebe wissen, dass sie mindestens ein paar zehntausend davon über die Ladentheke bewegt bekommen, dann geht man natürlich auch das Risiko Ärger zu bekommen ein. Was auch völlig logisch und verständlich ist. Bei einer neuen, unbekannten Band, wie uns, will man sich ja keinen unnötigen Stress machen, wenn man doch einfach sagen kann: "Machen wir nicht!". Das ist sehr schade, weil es um die Musik gehen sollte, aber so ist das leider, da machste nix. Guck dir das Cover von der letzten Steel Panther-Platte an, das ist Gotteslästerung, wenn man es genau nimmt - das letzte Abendmahl zu verarschen. Aber da weiß man halt auch, dass genug Platten verkauft werden, also ist es egal. Es ist ja auch gute Presse, wenn man mal wieder auf dem Index landet. Das hätte mich, ehrlich gesagt, auch bei unserer Platte total gefreut, hahaha!!!

UG: Wenn ihr zurück schaut und die Erfahrungen schon hättet, die ihr jetzt gemacht habt, würdet ihr es wieder wagen einen Penis auf das Cover eures Albums zu bringen?


Björn: Ja, auf jeden Fall!!! Das Cover gehört zur Musik, es ist ja ein Gesamtpaket, was ich genau so haben wollte. Gerade als erste Platte, die mir super viel bedeutet. Da geht man nicht gerne Kompromisse ein; sollte man auch nicht. Aber naja, hier haben sie halt doch noch den Stock tiefer im Arsch, als sie alle zugeben wollen!
Aber bevor ich es Vertrieben anbieten würde, würde ich zumindest überlegen eventuell ein schwarzes Pappsleeve nur mit pinkem Logo drum zu packen und den Rest so zu lassen, wie es ist. Aber der Penis wäre am Start, zu 100%!!!

UG: Vielen Dank für das Interview!

Das Interview führten Björn (Balls Gone Wild) und Evil Oli (Undergrounded)

Ghostwriter

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