Haimaxia

Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.

Samstag, 25 Januar 2020 15:00

Unter dem Radar - Botanist (Green Metal)

Es gibt ziemlich verrückte Ecken des Metal-Untergrunds. Eine dieser skurrilen Nischen wird vom US-amerikanischen Projekt Botanist um den Multi-Instrumentalisten Otrebor besetzt. Der irre Botaniker mit seiner Eigeninterpretation des Black Metal- und Shoegaze-Blends, die er liebevoll "Green Metal" nennt, geistert schon länger durchs Internet und verzückt und verstört zugleich. Botanists Sound wird vor allem für eines immer wieder angepriesen oder eher kontrovers diskutiert: Dem Fehlen einer Gitarre, die stattdessen durch den Sound eines arabischen Hackbretts (auch: Kastenzither) ersetzt wird. Daraus entsteht ein musikalischer Brocken, den Puristen nur schwer hinunterschlucken können, der aber wie geschaffen für einen Artikel bei "Unter dem Radar" scheint.

Das Dark Troll Festival hat sich über die Jahre als das Go To-Event in Sachen Black-, Pagan- und Folk Metal im Osten Deutschlands entwickelt. Bereits zum elften Mal laden die Veranstalter auch 2020 wieder auf die Burgruine der Schweinsburg bei Bornstedt ein, um dem Ruf ihrer Veranstaltung als „schönstes Festival der Welt“ auch diesmal gerecht zu werden. 2020 gibt es mit Empyrium, Helheim und Our Survival Depends On Us auch wieder Bands auf der Bühne zu sehen, die es in sich haben und nicht alle Tage live zu bestaunen sind.

Nach der überaus erfolgreichen und gut besuchten dritten Ausgabe kehrt das Odyssey to Blasphemy auch im Jahre 2020 für die vierte Ausgabe des Black Metal-Events wieder zurück ins Resonanzwerk Oberhausen - diesmal sogar, wie erst kürzlich enthüllt, sogar als 2-Tages-Event. Ein auserlesenes Billing gab es bei den bisherigen Events jedes Mal: So traten 2019 Darkened Nocturn Slaughtercult und Urfaust auf und in der Vergangenheit gar die Krakauer Mgła, noch bevor ihnen die mediale Aufmerksamkeit wie heute zukam, oder Hausnummern wie Impaled Nazarene. 

Samstag, 28 Dezember 2019 10:38

UNSERE TOP-ALBEN DES JAHRES 2019

2019 ist passé und war ein ebenso interessantes Musikjahr im tiefsten Wurzelwerk des Untergrunds wie bereits 2018. Viele Alben gab es, die bei uns Begeisterung ausgelöst haben und von uns und euch durchweg positive Kritiken erhalten haben. Bereits vor zwei Jahren hat man sich in unserer Redaktion darauf geeinigt, nicht dem frenetischen Listenwahn anderer Orte des Internets zu verfallen und Tiraden über Tiraden zu den "Top 10 der wirklich besten bestesten Albums des Jahres" rauszuhauen. Wie auch letztes Jahr heben wir diesmal vier Platten heraus, die bei uns die Maximalpunktzahl in der Bewertung erhalten oder hart an dieser gekratzt haben. Viel Vergnügen beim Lesen und einen guten Rutsch schon jetzt!

Samstag, 30 November 2019 17:41

UNTER DEM RADAR - KAPALA (BLACK/DOOM METAL)

Immer wieder entdeckt man Bands, die eine betörende Mystik an sich haben und deren Konzept fesselt: Die rituellen Black Metal-Sintfluten von Kapala aus der Ruhrmetropole Essen gehören definitiv zu den besonderen Newcomern in der Szene und haben sich ihren Platz in unserer Rubrik Unter dem Radar redlich verdient.

Bereits Ende 2018 wurde angekündigt, dass mit Hochdruck an neuen Events der Odyssey to Blasphemy-Konzertreihe gearbeitet werde - so sind auch bereits früh für die dritte Ausgabe des Ein-Tages-Festivals im Resonanzwerk Oberhausen am 19. Oktober einige vielversprechende Bands angekündigt worden. Zwei starke Festivalausgaben mit u.a. Acts wie Mgła oder Impaled Nazarene erfuhren großen Fanzuspruch, wurden mühelos zum "Place to be" unter den Black Metal-Anhängern in NRW und lockten ein Publikum weit über die Landesgrenzen hinaus ins Ruhrgebiet. Auch der diesmalige Termin avancierte zu einem starken Event, nicht zuletzt aufgrund des handverlesenen Billings.

Die Hamburger Black/Extreme Metal-Band Todtgelichter hat in den 16 Jahren ihres Bestehens von 2002 bis 2017 einige gehörige Stilwechsel und starke und umschwärmte, wie auch heftig diskutierte Alben herausgebracht. Am meisten dürfte den Anhängern der Band wohl das intensive Werk „Schemen“ von 2007 im Gedächtnis geblieben sein, aus einer alten Ära, die nur noch wenig mit der Version der Band zu tun hat, die mit Werken wie „Apnoe“ und „Rooms“ und ihrer später in die vordere Reihe getretenen Sängerin Marta avantgardistische Meisterwerke fernab harscherer Black Metal-Töne schuf. 2017 legte man Todtgelichter nach kurzer Abschiedstour mit Höhepunkt auf dem Ragnarök Festival in Lichtenfels zunächst auf Eis, auch wenn einzelne Musiker in andere Projekte involviert sind – trotzdem kündigte die Band nun überraschend doch das an, was viele Fans sich lange erhofft hatten: Eine Rückkehr für einige auserlesene Special-Liveshows im Februar 2020 rund um das beliebte „Schemen“-Album!

Aphonic Threnody? Nie gehört. Die international bunt zusammengemischte, schwermütige Doom-Kombo wartete 2014 erst mit ihrem ersten Longplayer auf, nach einzelnen Splits und EPs. Wie die Mitglieder aus Großbritannien, Italien, und Chile, zeitweise sogar aus Belgien und Ungarn, überhaupt über lange Strecken ohne Komplikationen zusammenarbeiten können, sei zunächst einmal dahingestellt – jedoch ist "When Death Comes" ein monumentales Zeugnis dafür, dass ihr Co-Working nicht bloß funktioniert, sondern einen wahren Über-Kataklysmus produziert hat. Klar, dass wir der Anhängerschaft des Doom Metals gerne diese herausragende Band in unserer Rubrik "Unter dem Radar" vorstellen wollen.

Auch der zweite Tag des diesjährigen Prophecy Fests wartete mit starken Line-Up auf. Waren zur ersten Band noch viele Festivalbesucher auf dem kleinen, aber feinen Campground verblieben, frühstückten beim bereitgestellten, kostengünstigen Buffet oder tranken noch gediegen einen Wein auf dem Vorplatz der Höhle, ging es im Inneren der Balve Cave mit den Holländern von Laster los. Die dreiköpfige Post Black Metal-Combo aus Utrecht überzeugte mit ihrem avantgardistischen Auftritt und mal harschen, mal progressiven Sound. Stücke von ihrem aktuellen Album „Het wassen oog“ wie „Vacüum != Behoud“ oder „Schone schijn“ stellten dabei unter Beweis, was viele an der Band so fasziniert: Laster spielen Black Metal, ohne wirklich die klassischen Brandzeichen des Black Metal zu tragen. Auf der Bühne tragen die Herren dabei stets anonymisierende, weiße Schädelmasken, die auch auf Promo-Bildern der Band zum Wiedererkennungswert beitragen, die Vocals stammen dabei von allen dreien aus dem Ensemble und erinnern noch am ehesten ans Genre Black Metal – letztendlich ist die Musik aber häufig eher rockig, nur um dann wieder in chaotischen Kaskaden auszubrechen. Schade, dass Laster so früh auf der Bühne standen, entwickelten sie sich doch zu einem der interessantesten Acts des gesamten Festivals!

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