Dienstag, 12 Januar 2021 18:32

Gjaldur – Nachtreich

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Auch Gjaldur haben Ende 2020 ein neues Album nachgelegt. Der Nachfolger des 2018 veröffentlichten “Unterm Totenbanner“ trägt den Namen “Nachtreich“ und wurde Ende Oktober bereits auf CD und Tape released. Hinter der Band stecken keine unbekannten Gesichter, denn es handelt sich hierbei um Grim und Fafnir, die vielen auch von Aaskereia bekannt sein dürften. In unserem Fall wollen wir uns die Tapeversion näher zur Gemüte führen, um euch zu berichten, was wir vom neuen Werk der Baden-Württemberger halten.

Das Tape kommt in einem wachsversiegelten, schwarzen Umschlag mit einem Poster des Coverartworks, wurde über Narbentage Produktionen veröffentlicht und ist auf 100 Stück limitiert. Da ist schon das Auspacken ein echtes Highlight und sobald man den Play-Button am Tapedeck gedrückt hat ist auch klar, dass diese Aufmachung mehr als stimmungsvoll ist. Denn mit dem ersten Song “Des Wanderers Seelenreise“ legt sich sofort ein düsterer Schleier über die Atmosphäre im Raum und Gjaldur nehmen uns mit auf eine Reise in Verzweiflung und Raserei. Dem Klargesang und den hymnischen Gitarrenriffs folgt ein wahrer Gewittersturm aus den Drumfellen, gepaart mit klassischem Kreischgesang, der ab und an auch mit wildem Geheul einhergeht.

Der Produktionsstil passt sich hierbei hervorragend dem ästhetischen Ansatz des schmerzlichen Klangs der Band an und steht mit seiner rohen, erschütternden Natur wie ein undurchdringbarer Fels im Aufruhr der Elemente. Zwischen jedem langen Abschnitt, den die Tracks 1, 3 und 5 stellen, haben Gjaldur immer einen kurzen Instrumentaltrack gepackt, der hier mit “Nyktophilie“ wie ein düsteres Glockenspiel wirkt und aus dem tiefsten Höllenschlund entsprungen zu sein scheint. Dazu gesellt sich im Ausklang noch ein markantes Orgel-Intermezzo, das uns energiegeladen in das nächste Stück geleitet. “In seinem silbergoldenen Glanz“ startet mit klassisch geprägten Riffs, bei denen sowohl Einflüsse aus dem französischen, wie auch dem finnischen Raum vernommen werden können. Natürlich kommen auch Erinnerungen an die guten, alten Aaskereia an die Oberfläche und man freut sich wirklich, die vertrauten Emotionen und die Nostalgie wieder zu verspüren, die man damals schon mit Freuden in sich aufgenommen hat. Es gibt nicht viele Bands, die Verzweiflung, Trauer und all die Bitternis des Lebens in so ein wunderschönes Gewand zu stecken und uns damit zu verzaubern vermögen.

Nach dem nächsten kurzen instrumentalen Zwischenspiel, das den Namen “Wenn der Tag vergeht“ trägt und deutlich sphärischer und epischer ausfällt, wie das vorherige, kommen wir auch schon zum letzten Stück des Albums, das wie der Titel schon beschreibt “In dunkler Nacht begraben“ liegt. Doch es erhebt sich in wilder Raserei und legt sich wie ein bedrohlicher Schatten über uns. Die Salven aus den Drums prasseln mit voller Wucht auf den Zuhörer ein, erhabene Riffs reihen sich dicht an dicht, bis ein kurzer ruhiger Zwischenpart wieder der schieren Verzweiflung Luft macht und emotional in den Schlussteil mündet.

Gjaldur wissen ihre Kunst bestens zu nutzen, um eine fesselnde und über alle Maßen grandiose Atmosphäre zu schaffen. Wenn man dann noch nicht genug hat, wendet man das Tape einfach und die Seelenreise beginnt von neuem, denn das Werk ist sowohl auf Vorder- wie Rückseite komplett enthalten. Ein aufreibendes, faszinierendes und bestechend ehrliches Werk, das uns begeistert zurücklässt und schwer in Worte zu fassen ist. “Nachtreich“ lebt buchstäblich von seiner packenden Atmosphäre, der durch Klang und Produktion generierten Verzweiflung und Leere und der wiederum hymnischen und energiegeladenen Gitarrenarbeit, die Gjaldur mehr als überzeugend einsetzt und sich zu Nutze macht. Eine echte schwarze Perle und für uns eines der besten Releases in diesem Segment im letzten Jahr.

Trackliste:

1. Des Wanderers Seelenreise

2. Nyktophilie

3. In seinem silbergoldenen Glanz

4. Wenn der Tag vergeht

5. In dunkler Nacht begraben

Bewertung:

9,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Gjaldur
  • Album Titel: Nachtreich
  • Erscheinungsdatum: 28.10.2020
  • Fazit: Gjaldur wissen ihre Kunst bestens zu nutzen, um eine fesselnde und über alle Maßen grandiose Atmosphäre zu schaffen. Wenn man dann noch nicht genug hat, wendet man das Tape einfach und die Seelenreise beginnt von neuem, denn das Werk ist sowohl auf Vorder- wie Rückseite komplett enthalten. Ein aufreibendes, faszinierendes und bestechend ehrliches Werk, das uns begeistert zurücklässt und schwer in Worte zu fassen ist. “Nachtreich“ lebt buchstäblich von seiner packenden Atmosphäre, der durch Klang und Produktion generierten Verzweiflung und Leere und der wiederum hymnischen und energiegeladenen Gitarrenarbeit, die Gjaldur mehr als überzeugend einsetzt und sich zu Nutze macht. Eine echte schwarze Perle und für uns eines der besten Releases in diesem Segment im letzten Jahr.
Gelesen 576 mal Letzte Änderung am Dienstag, 12 Januar 2021 19:58

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