Samstag, 28 November 2020 13:19

Unter dem Radar - Svarta (Black Metal)

geschrieben von Wolle Kroni
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(3 Stimmen)

Svarta veröffentlichten dieser Tag ihr viertes Full-Length via The Crawling Chaos Records und jene, die diese Herren aus Oberösterreich kennen, wissen, dass jede neue Veröffentlichung ein Highlight ist. Keines ihrer bisherigen Werke war eine Abkupferung des vorherigen, so gelingt es Svarta auch dieses Mal sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Der Titel "Befreiung" lässt vieles vermuten und ist wie der Bandname selbst, welcher auf skandinavischen Wurzeln beruht, ein Freiraum für Entwicklung und Wachstum. Aber auch er mag alles sein oder eben nichts. Svarta (schwarz) ist der Kontrast des Individuums zu sich selbst und wird von den Oberösterreichern als die Konfrontation und den Umgang mit der ureigenen Finsternis, an welcher entweder gewachsen oder gescheitert wird, verstanden. Svartas sämtlichen Werken liegt eine tiefgreifende philosophische Ideologie zu Grunde, welche sich auch in den Texten zu dem neuen Release widerspiegelt.

Während "Abgrundschreiben" noch mit dem Zwiespalt aus persönlicher Erfahrung und Inspiration von außerhalb rang ("Zerbrochener Lapislazuli" vs. "Die fürchterlichste Nacht"), entwickelte sich mit "Lethargie" eine persönliche, strukturierte und dennoch weitgehend lose Erzählform, deren Früchte den Grundstock für das 2020 erschiene Album "Befreiung" lieferten.

Svarta wurden 2009 von S.P., Nahtkra und Grim aus der Taufe gehoben und nach einigen Jahren der Selbstfindung wurde das ganze Projekt mit dem Album "Am Scheideweg" greifbarer. Prominente Unterstützung am Bass erhielten Svarta 2014 unter anderem von L.G., welcher vielen als Mastermind von Ellende bekannt sein dürfte. Nicht nur auf Platte, sondern auch bei Live-Auftritten kreieren Svarta eine ganz eigene Atmosphäre und sind nur schwer in ein Genre einzuordnen. Was Svarta sicherlich nicht sind, das ist eine oberflächliche Band - und als solche bedienen sie sich auch sicher keiner genreüblichen Klischees. Hier bahnt sich ein musikalisches Kleinod aus dem wunderschönen Oberösterreich an - doch alles der Reihe nach.


Aktuelle Besetzung

S.P. – Vocals, Guitars

Nahtkra – Vocals, Guitars

Grim – Drums

L.G. – Bass


Diskographie:

2011 - Demo

2012 - Am Scheideweg (Album)

2014 - Abgrundschreiben (Album)

2016 - Lethargie (Album)

2020 - Befreiung (Album)

Review zu "Befreiung"

"Omega – Der Tag an dem ich starb" startet mit einem dezenten und reduzierten Intro, das von einer zerbrechlichen Klaviermusik begleitet wird. Doch dann übernehmen die schneidenden Gitarren und drückenden Drums im Midtempo-Bereich das Ruder, welche mit einer ordentlichen Portion Doom aus den Boxen hallen. Eine gesprochene Passage folgt, untermalt von Tremolo-Picking. Diesem Song liegt eine innere Zerrissenheit des Vortragenden zugrunde, der sich in schizophrener Art und Weise am Leben erfreut und dennoch täglich von diesem zermalmt wird. Svarta gelingt es wunderbar ihre Worte mit der entsprechenden Soundkollage zu untermalen und jegliche Hoffnung im Keim zu ersticken. Streckenweise erinnert dieser Song an die österreichischen Großmeister von Dornenreich. Tiefgründige Texte und ausgeklügelte Songstrukturen finden sich oft bei den Oberösterreichern. Sie kreieren nicht nur auf der Platte eine ganz eigenartige Stimmung, nein, auch live vermögen die Herren eine zermürbende und hoffnungslose Stimmung zu verbreiten. Der Mix aus deutscher und englischer Sprache ist allerdings etwas gewöhnungsbedürftig, zumal die deutsche Sprache ihrer Musik sehr gut steht. Der Song bewegt sich größtenteils wieder in gemachem Tempo, bricht aber zwischenzeitlich in schiere Raserei aus, bevor er mit Schneeknirschen und Windgeräuschen endet. 

"Live. Breathe. End. Rewind" wird vom Grundton her auch eher in mittlerem Tempo dargeboten und besitzt den typischen Svarta-Sound. Black Metal-Einheitsbrei sucht man hier vergebens, vielmehr werden alle Facetten dieses Genres ausgeschlachtet. Wütend, stampfend, rasend, verzweifelt, langsam, verträumt - Svarta zeigen hier ihre Stärke im abwechslungsreichen Songwriting. Bei manchen Passagen ist ein Funke von Hypothermia zu vernehmen. Mit eher fröhlicherer Stimmung startet "Yours Truly", der den Hörer mit sich trägt und in den wunderschönen Melodien alles vergessen lässt. Doch schon bald wird dieses Idyll mit einem Mal zerschlagen und zurück bleibt wieder nur Schmerz. Die Mischung aus englischen und deutschen Lyrics lässt bei diesem Song keine Langeweile aufkommen und verleiht ihm das gewisse Etwas - wenn man mit dieser Zwiesprache und dieser Stilistik etwas anfangen kann. "IV VI - A Shimmering Light" besticht hingegen durch seine hypnotische Stimmung. Doomige Passagen und rasend schnelle Momente wechseln sich hier gekonnt ab und zeigen, dass die Herren von Svarta ein wahrlich gutes Händchen für abwechslungsreiches Songwriting besitzen.

Ähnlich wie bei "Yours Truly" wird nach dem kürzesten Stück "D" (6 Minuten Drum-Virtuosität) das Album ironischerweise mit dem Titel "Alpha" geschlossen - zuvor wird auch dieser Song getragen von beinahe ätherischen Melodien. Zerbrechlich anmutende Akustikgitarren und ihre schneidenden Schwestern elektronischer Art erzeugen eine ganz eigene Atmosphäre. Die Texte werden im regionalen Dialekt vorgetragen, was dem ganzen Song eine besondere Atmosphäre verleiht. Die häufigen Tempowechsel im Song, der es insgesamt auf eine Länge von 14:21 schafft, sorgen auch hier wieder für eine immense Abwechslung und gegen Ende des Albums bleibt kein Hoffnungsschimmer mehr übrig. Sehr epischer Rausschmeisser!

Svarta sind sicherlich keine leichte Kost für nebenher. Ihre Werke verlangen es sich mit der Materie auseinanderzusetzen und sich Zeit zu nehmen. Das intelligente und von so viel Kreativität gespickte Songwriting kann in seiner Schönheit und Komplexität nicht einfach trivial im Vorbeigehen erfasst werden. Svartas Werk "Befreiung" ist ein Gesamtkunstwerk, welches sicherlich nicht für die breite Masse geschaffen wurde, doch der Hörerkreis, der sich auf diese Achterbahnfahrt einlässt, wird sicherlich nicht enttäuscht werden. Nach jedem neuen Durchlauf entdeckt man neue und schön eingeflochtene Arragements. Wer Black Metal mit Tiefgang möchte, dem sei diese Platte herzlichst zu empfehlen!

Trackliste:

1 Omega – Der Tag an dem ich starb
2 Live. Breathe. End. Rewind.
3 Yours Truly
4
IV VI – A Shimmering Light
5
D
6.
Alpha

Weitere Informationen

Gelesen 1102 mal Letzte Änderung am Sonntag, 13 Dezember 2020 10:14

Medien

Live. Breathe. End. Rewind. Svarta / Befreiung / The Crawling Chaos Records

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