Dienstag, 15 September 2020 10:17

04.-05.09.2020 - Fimbul Festival, Burg Bornstedt + Finsterforst + Jörmungand + Theotoxin +++

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Auch das Fimbul gehört zu den wenigen Veranstaltungen in 2020, die sich allen Widrigkeiten zum Trutz gegen die Pandemie gestemmt haben und Vollzug melden können. Mit Beiträgen von Irsin, einem Statement von Veranstalter „Kelly“ himself sowie Photos und Samstagsbericht von Askeria Nebelherz (aus den Rängen des Hole In The Svn) können wir euch mit auf die Reise auf das diesjährige Fimbul-Festival nehmen!

Irsin (Kältetod Legion)

Wir schreiben den 3. September 2020… in einer Zeit der Event-Angst wappnen sich eine Hand voll Maiden und Recken um den gefahrvollen, steilen und anstrengenden Weg zur Schicksalsburg in Bornstedt zu erklimmen. Es wird das Alu gezimmert, die Bauzäune zu Barrikaden aufgestellt, die dröhnenden Schallkisten vermessen, die Tesla-Fackeln des Kampfschauplatzes entzündet und vor allem das beliebte schmerzlindernde Hopfenbräu für die spätere Truppenversorgung kalt gestellt. An diesem Abend wich die Kriegsbemalung einem stetiges Grinsen bis hin zu heiterem Lachen In einer Zeit, in der Festivals und Konzerte in vielen Landstrichen Deutschlands der Willkür der Länderpolitik unterworfen sind, setzten sich die Jarle Maik und Kelly durch, um in einer abgespeckten Variante das „Dark Troll“….nee... „Fimbul“ Festival durchzuziehen. Mit ihren zahlreichen Unterstützern und festem, über Jahre begleitenden Team, war dies schlussendlich gegen alle Widerstände umzusetzen. Man spürte bei allen Beteiligten die Anspannung, jedoch konnte diese nicht die Vorfreude der kommenden zwei Tage schwächen. Pünktlich am Freitag, nach einer zu kurzen Nacht und zur Mittagsstunde, rief man zum Ting um die Schlachtpläne der nächsten Tage und Nächte zu besprechen. Gerade die besondere Situation die (trotz weniger Gäste) Infektions- und Sicherheitsmaßnahmen ordnungsgemäß umzusetzen, schienen für den Einen oder Anderen noch Fragen zu ergeben. Interessant war die Offenheit des Kaders wenn es um Zahlen und Fakten geht. Jeder in der gesamten Gruppe war nun im Bilde, nicht nur welche Chancen, sondern auch welches Risiko diese Unternehmung mit sich bringt und wie wichtig es ist, auf das ausgefeilte Sicherheitskonzeptkonzept zu achten. Diese Offenheit bringt eine unheimliche Intimität in die Organisation, welche sich meiner Meinung nach von sehr vielen anderen Festivals unterscheidet. Man merkt hier, es ging in keinem Moment um das Geld, es geht um die Rettung einer derzeit sterbenden Kultur, um Spaß, um Freundschaften und vor allem um Musik! Dafür wurden alle Register gezogen und unzählige extra Meter marschiert!

Das Fimbul war mein viertes Festival dieses Jahr und das Zweite in der Coronazeit. Während beim Barther Metal Open Air eine vorgeschriebene Sitzordnung in Mecklenburg Vorpommern einzuhalten war, dafür auf den Plätzen aber keine Maske getragen werden musste, wurde hier vor der Bühne wie gewohnt der Platz zum Bangen und Moshen, jedoch mit Maske, freigegeben. Auch die Campingsituation unterschied sich vom BMOA. Auf dem Festival durfte, laut Landesregierung, keinerlei Übernachtung der Gäste stattfinden. Und dies im August - was irrsinnig erschien, da die Campingplätze in ganz MV ausgebucht waren. Beim Fimbul wurde dies, durch großzügige Sicherheitsabstände im Konzept, glücklicherweise genehmigt. Ansonsten gab es bei beiden Festivals an jeder Ecke Desinfektionsspender, einen separaten Ein- und Ausgang, überall Warnschilder und erhöhtes Sicherheitspersonal.

Als um 14 Uhr der offizielle Einlass verkündet wurde, standen die ersten Maskierten schon in den Startlöchern vor dem großen Torbogen der einstmals mächtigen Wehranlage. Fleißig wurden die „Muttizettel“ ausgefüllt und abgeglichen, die auf der Internetseite von „In Fiction“ bereitgestellt wurden. Dadurch ging es mit dem Eintritt und der Einweisung recht zügig. Der Auflauf hielt sich, trotz Ausverkauf des Festivals jederzeit in Grenzen und man musste nicht lange anstehen, um auf das Gelände gelassen zu werden. Auf die Minute genau ballerten dann um 17 Uhr schon die Opener Invoker los. Vor der Bühne standen die ersten Hartgesottenen und schwenkten bereis nach nur wenigen Tönen das Haupthaar. Innerhalb von 2 Titeln gab es nun schon eine mächtige Traube vor der Terrasse der Burgruine. Ihr melodischer eingängiger Death Metal mit teilweisen schwarz harmonisch angehauchten Zügen, passte sehr gut ins Billing des Festivals und eröffnete die Festtage mit einem ersten kleinen „Farbtupfer“. Leider zündete bei einigen Gästen die Lunte zu spät. Anstatt sich vorher anzustellen und vor Konzertbeginn den Platz zu betreten, gingen die Meisten erst nach den ersten Maschinenfeuerkickdrums Richtung Bühne. Das sorgte natürlich für eine kleine Schlange, die durch Sicherheitsmaßnahmen noch länger wurde… Man hätte Invoker für diesen schwierigen Slot noch eine Viertelstunde extra gegönnt. Nicht nur Ihnen, sondern auch mir.

Jörmungand standen als nächstes in den Startlöchern und nach einem kurzen Bandwechsel und Umrüstung der In-Ear-Monitore fingen sie auch ohne großen Soundcheck direkt an. Durch diese bodenständige Einstellung und das volle Vertrauen in den FOH Techniker Frank, der schon einige Konzerte der Band begleitete, wurde der Zeitverzug, der durch kleine technische Probleme entstand, ruck-zuck ausgeglichen. Die Band um Hartschnack-Moderator Steff präsentierten neues Material, welches vom ursprünglichen Pagan Metal in eine neue modernere Post BM Richtung läuft. Grundsätzlich wird nun weniger auf spielerische Samples und leicht heidnisch urigen Melodien wert gelegt. Die gesamte Musik von Jörmungand wirkt nun straffer, dicker und tonnenschwerer. Post BM-ler werden am neuen Album wahrscheinlich ihre absolute Freude haben.

 

Mit der nächsten Band ging man vom Post-BM drei Schritte zurück in die Vergangenheit und gleichzeitig in die Zukunft. In den Letzten Jahren machte sich die Gruppe Nornir nicht nur im deutschen Untergrund einen Namen! Die relativ junge Band fabriziert schönen melodischen Black-Metal der alten Schule der zweiten Generation und stand in der klassischen Formation mit vier Personen ohne In-Ear, ohne Kemper, ohne Samples, mit schweren leistungsstarken Vollröhrenamps auf der Stage und drückten mit einem harten Brett den Sauerstoff aus der Luft. Einfach nur purer BM mit Blut und Corpsepaint im totalen Kontrast zu den vorherigen Bands. Eingeleitet wurde wieder mit der Trommel und den mehrstimmigen Klargesang der Nornen. Bereits jetzt brüllten sich die ersten textsicheren Musikliebhaber ihre Seele aus dem Leib bei den Titeln der Alben „Urd“ und dem Durchbruch „Verdandi“. Ich weiß aus sicheren Quellen, dass am nächsten Album gearbeitet wird und nachdem was ich hörte und wer dort in der Produktion seine Finger mit im Spiel hat, kann ich nur sagen: „Wir werden uns alle die Ohren lecken!“

Die vierte Gruppe Gernotshagen wurde leider aus organisatorischen Gründen verpasst, immerhin war ich ja zum Arbeiten dort. Von der Ferne klangen sie jedenfalls wie auf CD, auch wenn im ersten Moment des Soundchecks am Gitarrensound noch fleißig gedreht wurde. Jaja…So ein Kemper ist schon ein kleines Raumschiff…

Weil Helrunar erst wenige Tage vorher ihren Auftritt absagten, sind kurzerhand die Post Black Metaller von Harakiri For The Sky eingesprungen. Die durchgestimmte Show wirkte in keinem Punkt improvisiert, sondern durchorganisiert und höchst professionell. Selbst nach so vielen Monaten Pause. Auch wenn durch die Kurzfristigkeit der Bassist fehlte und die Bassspuren vom Band kamen, gab es der gesamten Stimmung keinen Abbruch. Spätestens jetzt versammelten sich alle Maskenträger, auch die später Angereisten, vor der Bühne, um diese pure Energie mitzuerleben. Im Endeffekt hörte man sehr viele Stimmen die behaupteten, dass die Absage von Helrunar das Lineup eher noch verbesserte. Ich möchte es ohne Gegenüberstellung der beiden Bands mit ihren Shows nicht behaupten. Fakt ist jedoch, dass die Burg spätestens jetzt kochte und brodelte. Um den Ausklang des Abends schwangen sich dann Wandar auf die Bühne der Schweinsburg. Ihre komplett weiß geschminkten Fratzen glichen denen von modernden Wasserleichen, welche wirken, als würde die Haut sich langsam vom Fleisch lösen. Schon bei den Frostfeuernächten im Februar ließen sie mit ihrem kompromisslosen deutschsprachigen BM auf dem Nachmittag einige Münder offen stehen. Jetzt um Mitternacht war das nochmal ein ganz anderer düsterer Schnack. Die fetten grummelnd schreddernden Giarren die im Einklang mit der maschinengewehrartigen Doublebass standen, pusteten auch in der letzten Reihe allen Gästen den Staub aus der Hirnrinde, der sich in den Monaten der Abstinenz angesammelt hatte. Die teilweise morbiden Gesänge spielten den Gegenpart zu den monoton theatralischen Gitarrenriffs und luden zum Träumen ein. Die irre Menge tanzte, bangte oder schloss einfach nur die Augen, ließen sich auf die Reise mitnehmen, genossen das Schauspiel und wurden stimmungsvoll abgeholt, um ausgepowert und befriedigt in ihre Zelte zu kriechen.

  

Zitat Kelly (Fimbul):

„Durch die Auflagen sind schlussendlich nur ein Drittel der Leute auf die Burg bekommen, was finanziell nicht so angenehm war. Die Leute die da waren wussten worum es geht und waren sehr anständig und diszipliniert. Man hat total gemerkt, dass die Leute sehr ausgehungert waren was Festivals angeht. Allerdings leider nicht so beim Getränkekonsum, die Zuhörer hatten entweder das Trinken verlernt oder waren einfach sehr drauf bedacht nicht über die Stränge zu schlagen und die Regeln nicht zu mißachten. Die Stimmung war jedenfalls fantastisch, die Bands selbstverständlich großartig und jeder hatte seinen Spaß. Dazu muss ich sagen, dass selbst die Zusammenarbeit mit den Behörden zum Schluss sehr entspannt war und alles reibungslos über die Bühne ging.“

Askeria Nebelherz (HITS)

Als Opener am Samstag lud sich das Fimbul Festival die Magdeburger von Asarhaddon ein, die im Februar 2020 ihr Album Reysa veröffentlichten. Anna Nihil, die als Session-Sängerin das Duo live unterstützt, verstand es, den Tag zu eröffnen und die eingeschworene Fangemeinde vor der Bühne zum lautstarken Jubel zu verleiten – Eine Glanzleistung wenn man in die Müden und teilweise verkaterten Gesichter blickte. Mit der zweiten Band des Tages kam nun das Duo von Waldträne mit den Barden „Knöpfchen“ und „Horda“ auf die Bühne der Schweinsburg in Bornstedt. Gitarre, Gesang und Flöte untermalen die naturspirituellen Texte der beiden stimmgewaltigen Sänger und vermochten einen interessanten Augleich zur Band davor zu bilden und den Morgen wieder etwas gemächlicher, aber nicht weniger energiegeladener versöhnlich zu stimmen. Theotoxin als dritte Band stieg 2016 aus den Katakomben von Wien auf und reisten wie Harakiri aus dem fernen Österreich an. Die Band hatte erst vor wenigen Tagen ihr neues Album mit dem Titel "Fragment: Erhabenheit" bei AOP Records veröffentlicht und setzten mit ihre Version von Black Metal die Bühne und natürlich auch das begeistere Publikum in Brand. Die Reihen des bewölkten Fimbul füllten sich merklich. Dabei gelang es Theotoxin ausgesprochen gut, die Balance zwischen Melodik und brachialer Gewalt zu halten und so verging der Auftritt des Quintetts im Flug, was auch an der Abmischung durch Lior Delman, dem Anstifter hinter dem Hole In The Svn gelegen haben dürfte.

Auf Theotoxin folgen dann XIV Dark Centuries und über die Thüringer Band, die sich bereits 1998 gründete, gehört nun wahrlich zu den Urgesteinen ihres Metiers, über die man kaum noch Worte verlieren muss. Mit ihrem "Heathen Thuringian Metal" animierten sie viele der Festivalbesucher den mit Mund-Nasen-Schutz geschützen Kopf rhythmisch kreisen zu lassen und lieferten eine gewohnt perfekte Show ob, wie man sie von den Pagan Metallern erwarten und immer wieder genießen darf. Eigentlich für das diesjährige Dark Troll geplant, spielten Waldgeflüster eine Spezialshow zu ihrem 10 Jahre alten Album Femundsmarka. Dieses Album entstand, als die Kombo eigentlich noch eine Einmannband war durch Jan(Sänger) und Philipp, seinen Bruder. Der Femundsmarka-Nationalpark ist ein 597 km² großer Nationalpark in Norwegen und das gleichnamige Album beschriebt diese Wanderung, Erlebnisse und Gefühle in diesem Album in drei Teilen und in Form von Musik und Text. Zum Fimbul spielten Waldgeflüster das gesamte Album inklusive Intro und Outro. Philipp, der auch schon bei Scarcross dem Vorprojekt der Band mitwirkte, beteiligte sich beim Auftritt, laß Texte vor und sang mit seinem Bruder gemeinsam auf der Bühne. Absolute Gänsehaut!

 

Die Band The Spirit konnte ihren Auftritt beim Fimbul Festival nur zu dritt bestreiten. Dies tat der hohen Kunst, die an Dissection erinnert, aber eine ganz eigene Handschrift trägt, aber keinen Abbruch. Die saarländische Melodic Death- und Blackmetal Band, die sich 2015 gründete, brachte im Februar 2020 ihr Album „Cosmic Terror“ (ebenfalls wie die Labelkollegen von Theotoxin) unter AOP Records heraus und landete in den Top 40 der deutschen Album Charts. Die Bühnenshow ohne Frontlichter, ließ die Band wie schemenhafte Schatten über die Bühne schwirren, was sehr zur Musik und Stimmung der hereinbrechenden Nacht passte. Als Headliner war es nun Zeit für Finsterforst. Die 2004 gegründete Band aus dem Schwarzwald spielten in einheitlichen gelb-schwarzen Caro-Hemden - moderner Pagan meets Post-Black-Metal. Die Band um Frontmann Olli, die im April ihre Zerfall-Tour aus offensichtlichen Gründen komplett absagen mussten, schienen ebenso wie die Fans vor der Bühne jede Sekunde auszukosten was auch das Fazit des Fimbul sein darf:

Trotz (oder gerade wegen) der Beschränkungen (Mund-Nasen-Schutz, Abstände auf dem Gelände) war das Fimbul Festival ein besonderes Festival und vermutlich ein Lichtblick und ein gutes Beispiel wie unter Pandemie-Bedingungen Festivals möglich sein können. Jeder hielt sich ohne zu murren an die Regularien und trotzdem hatten Besucher wie auch Bands große Freude zumindest dieses Festival in diesem Sommer erleben zu können. Ein großer Dank muss hierbei an allen Menschen vor, auf und hinter der Bühne gehen. Ihr habt großartiges geleistet!

Weitere Informationen

  • Band(s): Waldgeflüster + Jörmungand + Nornir + Invoker + Gernotshagen + Harakiri For The Sky + XIV Dark Centuries + Waldträne + Asarhaddon + The Spirit + Finsterforst + Theotoxin +++
  • Wann: 05.09.2020
  • Wo: Burg Bornstedt
Gelesen 889 mal Letzte Änderung am Freitag, 18 September 2020 09:51

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