Freitag, 18 Oktober 2019 13:32

04.-05.10.2019 - WAY OF DARKNESS FESTIVAL 2019 - STADTHALLE, LICHTENFELS +++ DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT + NILE + MARDUK + DESERTED FEAR +++

geschrieben von Haimaxia, Crimson, Nephthys, Cosmic Dancer
Artikel bewerten
(8 Stimmen)
Way of Darkness 2019 Way of Darkness 2019 Header

Als vergangenes Jahr das Way of Darkness-Festival nach 6 Jahren Abstinenz exhumiert wurde -und neben vielen starken Bands mit den Thrash-Legenden Sodom, der Death Metal-Garde Asphyx und den norwegischen Black Metal-Killern Taake mit einem hochkarätigen Line-Up aufwartete- war die Vorfreude auf die diesjährige 2019er Ausgabe groß. Das Festival in der Stadthalle Lichtenfels in Oberfranken fokussierte sich in diesem Jahr auf Death Metal, und so stand das erste Oktoberwochenende in der bayrischen Stadt unter den Bannern der Dunkelheit – und wir waren mit unseren Augen und Kameralinsen vor Ort, um euch einen Eindruck zur Höllenparty zu vermitteln.

FREITAG

Die Ehre, das Festival musikalisch zu eröffnen, fiel den Jungs von The Flesh Trading Company aus dem unweit gelegenen Unterfranken zu. Mit ihrem Death Metal mit Zombie-Thematik schlugen sie wohl einen Weg ein, der mittlerweile getrost als Klischee abgetan werden kann, wobei TFTC diesen noch mit reichlich Wiedererkennungswert und inniger Leidenschaft versieht. Energiegeladen wie eh und je growlte Patrick der noch viel zu spärlich anwesenden Meute entgegen und gab zusammen mit der Band sein Bestes die Halle zu füllen. Demotivation konnte man der Band keineswegs vorwerfen, so dynamisch sah man selten Death Metal-Bands sich auf der Bühne die Gunst der Zuschauer verdienen. Klassiker der Band wie „Burn the Witch“ oder „My Funeral“ brachten trotz des frühen Time Schedule um 13:30 viele Leute zum rhythmischen Kopfschütteln, wodurch die Band Energie für jede Minute gewann und sich um die Opener-Position absolut verdient machte.

Deathstorm aus Österreich weckten bereits von Beginn an größeres Interesse. Das Trio sprühte nur so vor Energie und zeigte, was sie in nunmehr über zwölf Jahren Thrash Metal, davon drei noch unter dem Namen Damage, geschaffen haben. Obendrauf gab es noch einen Song vom neuen Album, welches Anfang nächsten Jahres erscheinen soll. Auch wenn Ferl an der Gitarre eher Sichtkontakt mit dem Drummer pflegte, konnte die musikalische Leistung auf ganzer Linie überzeugen. Auch die für Thrash herausstechenden Vocals kamen der Musik zugute wie auch die stetige Einbezug des Publikums, wenn auch davon nach wie vor noch zu wenig anwesend war. Songs wie „Murder of a Faceless Victim“ oder „Verdunkeln“ waren schnelle und erbarmungslose Thrash-Gewitter, welche sich zweifelsohne mit Nachhall einprägten, auch wenn die Live-Show noch eher ereignislos war.

Corpsessed knüpften mit gnadenlosem Oldschool Death Metal wiederum an die erste Band an. Markenzeichen der Band aus Finnland war stets das Schaffen einer düsteren, apokalyptischen Atmosphäre durch an Doom angelehntes Riffing und unverkennbar tiefen Vocals. Mit den hauptsächlich auf dem aktuellen Album "Impetus of Death" zu findenden Songs peitschte den Besuchern ein Drumgewitter nach dem anderen von der Bühne entgegen, wodurch sich niemand der geballten Kraft entziehen konnte und sich deutlich mehr Zuschauer vor die Bühne verirrten. Formationen wie diese sind Paradebeispiele dafür, dass auch zehnminütige Songs im Death Metal wie „Starless Event Horizon“ absolute Höhepunkte sein können. Viel Bühnenshow brauchte die Band nie – diese Musik wirkte perfekt durch sich selbst und die zombieartigen Verrenkungen des Frontmanns Matti Mäkelä und die durchweg in Rotlicht getauchte Bühne unterstrichen die Stimmung nur noch. Absolut solider Death/Doom Metal, der (zumindest an diesem Tag) seinesgleichen suchte.

Die Osnabrücker Dawn of Disease waren als nächste an der Reihe: Nachdem der Soundcheck ein wenig überzogen wurde, haben die Jungs ordentlich Stimmung gemacht und somit war auch jegliche Verzögerung schnell vergeben und vergessen. Pünktlich zum Start des kommenden Monats bringen die Melo-Deather mit "Procession of Ghosts“ ein neues Album heraus, von dem auch verschiedene Lieder zum Besten gegeben wurden. Den Zuschauern wurde eine sehr gute und vor allem authentische Show geboten. Ihr 2017er Werk "Ascension Gate" war bereits mit reichlich positiver Kritik überschüttet worden und durch ihren Major-Label-Beitritt zu Napalm Records konnten die Jungs bereits zahlreiche Auftritte auf Groß-Festivals und Gigs u.a. im Vorprogramm von Arch Enemy verbuchen – und gerade Stücke wie „Ashes“ oder „Enter The Gates“ dürften die Temperatur in der Halle um nicht nur ein paar Grad haben steigen lassen.

Graveyard hielten erneut die Fahne des Death Metals alter Tradition hoch und lieferten einen ihrer seltenen Deutschlandauftritte ab. Die Spanier überzeugen seit ihrer Gründung Anno Diaboli 2007 nicht nur mit Quantität an Releases, sondern auch qualitativ. Mit ihrer jüngsten Veröffentlichung "Hold Back The Dawn", welche nur zwei Wochen vor dem Way of Darkness erschien, schufen sie bereits einen weiteren Meilenstein, der live nur noch beeindruckender war. Mitreißen konnte die Band ohne Frage, jedoch war stets im Hinterkopf, dass bereits schon einige Death Metal-Trupps gespielt haben, die sich mehr von der Masse absetzten, wodurch der Auftritt zwar gut, aber nicht wirklich in Gänze überzeugend war.

Leider kam auch zu diesem Zeitpunkt das erste Mal das Gefühl auf, dass das Billing zwar handwerklich stark, jedoch an Abwechslung ärmer daherkam, als man zunächst vermutet haben mochte. Wer Death Metal-Heißsporn und Thrash-Aficionado ist, der wird hier aber voll und ganz auf seine Kosten gekommen sein. Die folgenden Illdisposed glänzten mit ihrem ganz und gar eigenen groovy Death-Sound, was erstmal zu mehr Bewegung vor der Bühne führte als lediglich zu ein wenig fliegenden Haaren. Zwischen dem Death Metal-lastigen Freitagsangebot stachen die Dänen durchaus heraus und sorgten mit Witzen über Volbeat, ihrer selbstironischen Art und den Versuchen von Sänger Bo Summer ein paar deutsche Sprüche rauszuhauen auch abseits der Musik für gute Unterhaltung. Dennoch: Unser Team sagte einhellig, dass die bereits seit 1991 schaffende Band einfach immer solide ist, ein jeder ein paar wirklich gute Songs im Kopf hat, sie aber bei frequenten Festival-Gängern durch jahrelange Überpräsenz ab und an nur noch zu einem Achselzucken führen, wenn sie im Billing eines Events auftauchen.

Artillery kann man freilich ebenfalls als dänische Urgesteine bezeichnen und sind mit Sicherheit keine unbekannte Band mehr. Seit 1982 treibt die Band aus Taastrup bereits ihr Unwesen und überzeugte jüngst erneut mit ihrer "In the Thrash"-Compilation mit Demos der ersten Jahre. Leider verstarb Morten Stützer, langjähriger Lead-Gitarrist der Band, erst am 2. Oktober, ganz kurz vor dem WoD, im Alter von nur 57 Jahren. Dennoch zog die Kombo ihren Auftritt durch und lieferte ungebrochen ihre Show ab. Trotzdem lag über der sonst schweißtreibend mitreißenden Art von Stücken wie „10.000 Devils“ immer eine gewisse Melancholie. Hier konnte man auch nur von absoluten Vollprofis reden, wenn wirklich jeder Song pointiert und stark war und im Prinzip wie auf dem Album klang, sowie die Bühnenshow routiniert und auf höchstem musikalischen Niveau begeistern konnte.

Es gibt sehr düsteren Death Metal und es gibt Bands, die dem ganzen noch eine Schippe draufsetzen: Die Existenz solcher Bands wurde dem Zuhörer mit dem Auftritt von Hate Eternal aus Tampa/Florida wieder deutlich in Erinnerung gerufen. Ohne Punkt und Komma überrollten die US-Amerikaner mit einem atmosphärischen Gerumpel die begeisterte Menge und schafften es, mit ihrem dichten Death Metal-Zähfluss gehörig in den Bann zu ziehen, zu hypnotisieren und niedergewalzt zurückzulassen. Gerade mit ihrem 2015er Werk "Infernus" und dem 2018er "Upon Desolate Sands" überzeugten die Herrschaften um Frontmann und Gitarrist Erik Rutan auch mit im Death Metal oft genug vermissten Texttiefgang und schwermütiger Stimmung neben der Brutalität des Genres.

Als einzige Black Metal-Experience des Tages warteten danach Darkened Nocturn Slaughtercult mit ihrem Ritual auf. Kopf und Zentrum der Aufmerksamkeit, Onielar, trat wie üblich in den letzten Jahren auch diesmal in weißem Kleid auf und hielt ihr Gesicht zunächst verschleiert, geschmückt nur mit Blutspuren an Hals und Dekolletee. Das Spucken von Blut in den ruhigen Songpassagen oder zwischen den Liedern ist ein wohlbekanntes Element der Shows von DNS – nicht zuletzt wird hier das Black Metal-Feeling nicht als Farce verkauft, sondern offenkundig gelebt, wenn man bedenkt, dass die Band auch schonmal Auftritte abgesagt hat, weil ihnen ihr rotes Wundwasser untersagt wurde oder sie zu Auftritten bei Tageslicht genötigt wurden. Ob man das nun authentisch oder übertrieben nennt, das liegt im Auge des Betrachters: Der entfesselte BM-Sturm auf der Bühne bannte jedenfalls jeden einzelnen im Saal – auch die Song-Auswahl dürfte bei den rar gesäten Live-Auftritten der Band durchaus gefallen haben, wurden doch alle Schaffensjahre des „Slaughtercults“ abgedeckt. Es wurde aber auch nicht die neue Platte „Mardom“ ausgespart, welche gerade ordentlich gehyped wird.

Nile als Death Metal-Eminenzen des Tages sind aktuell mit Hate Eternal auf Europa-Tour. Unser Team sah die Ägyptologen zum ersten Mal mit neuem Sänger Brian Kingsland und spätestens als das mächtige „Kafir“ durch die Halle donnerte, war klar, dass er einen super Job macht und seinem Vorgänger in nichts nachsteht. Dennoch können Nile uns heute nicht so richtig mitreißen, was vielleicht an der nur mäßigen Zuschauerzahl und dem zumindest im hinteren Bereich eher trägen Publikum lag. Irgendwie wirkten sie mit ihrem brutalen Technical Death Metal, der normalerweise große Zuschauermengen anzieht, etwas verloren. Dennoch machten die Amerikaner ordentlich Lust auf ihr Anfang November erscheinendes neues Album „Vile Nilotic Rites“, von dem auch Stücke präsentiert wurden. Niles Konzept, das Death Metal-Genre in ein historisch-mystisches Setting antiker Zeiten im und um das Nildelta zu verlegen ist auf jeden Fall ein anspruchsvolleres, als es so manch andere Death-Combo auftischen mag. Orientalische Instrumente wie Baglama und Bouzuki einzubauen (welche live leider nur eingespielt werden, sonst aber tatsächlich vom langjährigen Bandkopf Karl Sanders stammen) schaffen auf jeden Fall einen besonderen Flair.

Zum Freitag war noch zu sagen, dass aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit die Außentemperaturen (oh Wunder) nicht mehr ganz so hoch waren – weswegen man auch im Vorfeld bemerkte, dass viele Ferienwohnungen, Gasthöfe und Hotels in und um Lichtenfels hoffnungslos ausgebucht waren. Trotzdem schlugen auch Anfang Oktober noch viele Metal-Fans im Freien ihr Zelt auf und der Rest kam in der Schlafhalle direkt neben der Halle unter. Dies zeigte einmal mehr, dass der frühe Bucher den warmen Bürzel hat. Auf dem Vorplatz der Halle konnte man sich an diversen Essensständen laben und in der Vorhalle allerhand Merch durchstöbern, wenn man nicht gerade bei den vom Krachmucker-Ernie (Kopf von Fäulnis und wohl einziger, halbwegs akzeptabler Youtube-Metal-Kapitän) organisierten Autogrammstunden CDs, LPs oder gleich die nackte Haut unterschreiben ließ.

SAMSTAG

Den Samstag eröffneten die Ukrainer Hell:On, die aktuell mit ihren Nachfolgern Pripjat eine Split veröffentlicht haben. Zu Beginn des zweiten Tages des diesjährigen Way of Darkness tummelten sich deutlich mehr Musikinteressierte vor der Bühne als zu noch zu Beginn des vorangegangenen Festival-Tags. Die Thrash/Death-Band gab mit stellenweise Inquisition-ähnlichen Vocals einen sehr stabilen, mitreißenden Opener ab. Die Männer waren anscheinend überaus aufgeregt, da man sich vermutlich nicht anders erklären kann, wieso Bassist „Slayer“ die gesamte Show auf einem Zahnstocher herumkaute. Man teaserte auch bereits ein, in nicht allzu weiter Ferne liegendes, neues Album an. Man darf gespannt sein, was die Ukrainer mit ihrem zunächst seltsam wirkenden Bandnamen in Zukunft kredenzen!

Schnell, kultig und verrückt wurde es, als die Berliner Indian Nightmare auf die Bühne traten. Sie schwangen ordentlich die Klischee-Keule und heizten die Menge problemlos auf. Erst dieses Jahr brachte die Band um Poison Snake ihr zweites Full-Length-Album heraus, welches mit Begeisterung abgefeiert wurde. Wie gewohnt konnte man bei der seit 2014 aktiven Band nicht stillsitzen, sondern musste sich von der guten Laune anstecken lassen. Geheimtipp kann man hier schon gar nicht mehr sagen, da die Band gerade von jedem geliebt werden zu scheint, der auch nur entfernt etwas mit rasantem Death-, chaotisch-urigem Speed/Thrash und ironisch-bissiger Glam-Garnitur mit Punk-Spirit anfangen kann. Kein Wunder, dass sich das Label High Roller Records (u.a. Messiah, Nocturnal, Stallion) der Jungs angenommen hat!

Das 2018er Album „…and as We Have Seen the Storm, We Have Embraced the Eye“ stellte für Viele sicherlich ein Jahreshighlight dar, weswegen der folgende Auftritt der Kölner Chapel of Disease heiß erwartet wurde. Ohne Gefangene zu nehmen boten die Kölner von Ván Records (u.a. Heretic, Škáŋ) eine begeisternde Headliner-würdige Show und bewiesen erneut, wie sehr sie ihre Instrumente beherrschen und das Publikum in der Hand haben.  Eine Gänsehaut verursachende Darbietung!

Etwas deplatziert, aber nicht minder begeisternd kamen die Koblenzer Heavy Metal-Klassiker Metal Inquisitor daher. Zwischen all den Death Metal-Growls plötzlich luftigen, hohen Heavy Metal-Singsang zu vernehmen war eine willkommene Abwechslung – auch wenn die Inquisitoren des schweren Metalls eher lustig-selbstironisch auftraten, Humor mit ihren Ansagen rund um Berufsverkehr, die Jugend von heute, diverse Alkoholika und gegenseitiges Musiker-Bashing innerhalb der Band bewiesen und ihre vor Klischees triefenden Songs im Kontext des Way of Darkness zwischen Chapel of Sulphur Aeon etwas bizarr wirkten. Ihr aktuelles Werk "Panopticon" erschien im Januar diesen Jahres und gerade mit Stücken wie „Call the Banners“ oder „Doomsday for the Heretic“ schafften es die Altherren Judas Priest-Feelings aufkochen zu lassen und einfach Spaß zu machen.

Sulphur Aeon zogen einen von Beginn an in ihren Bann – genauer den Bann des Cthulhu. Der Sound hätte besser nicht sein können, sodass vor allem der „Yuggothian Spell“ in seiner vollen Pracht auf die Zuschauer niederkam. Der Song hat einen dermaßen fesselnden Aufbau, dass er einem jedes Mal aufs Neue einen Schauer über den Rücken jagt. Selbst der beschwörende Klar-Gesang von Sänger M. kommt immer exakt so rüber wie auf Platte, er trifft jeden Ton. Eine so dichte und bedrohliche Atmosphäre aufzubauen, das schaffen nur wenige Bands. Auch heute schwappte der eigenständige Doom-Death Metal der Jungs aus Dortmund wieder in immer größer werdenden Wellen aus den Boxen. Dazu die maritimen Outfits, da passte einfach alles. Egal ob bei neuen Songs wie „Cult of Starry Wisdom“ oder älteren wie „Diluvial Ascension – Gateway To The Antisphere“ – was Sulphur Aeon hier ablieferten, war wieder ganz, ganz großes Kino. Besonders stark waren auch die Passagen mit Doppel-Gesang. Ein absolutes Highlight des Festivals, wenn nicht sogar DAS Highlight. Total devotion!

Die Essener Darkness kann man auch getrost als Veteranen ihres Fachs bezeichnen. Zwischen Mitte und Ende der 80er Jahre erschienen zahlreiche Demo-Tapes und ihre ersten drei Klassiker-Alben, von denen man wohl als Thrash-Jünger vor allem das 1987er „Death Squad“ hervorheben muss.  Nachdem man die Band zwischendurch für einige Jahre auf Eis gelegt hatte und auch für ein paar Jahre unter dem Namen Eure Erben agierte, sind Darkness um Drummer Lacky und Gitarrist Arnd, welches als einzige noch vom Ur-Ensemble übrig sind, seit ca. 2013 wieder mit vollem Einsatz am Start. 2016 gab es mit "The Gasoline Solution" und 2018 mit "First Class Violence" ordentliche Sounds auf die Schädelkalotte und auch der Gig beim WoD war gemäß der Thrash-Zunft solide, zielstrebig und außerordentlich kurzweilig.

Auch die Briten Cancer haben ihre Wurzeln bereits in den 80er Jahren und blicken dennoch auf „lediglich“ auf 6 Longplayer zurück. Death/Thrash-übersättigt war man an dieser Stelle vielleicht nicht mehr ganz so aufmerksam, wenn man sich tatsächlich jeden Act des Festivals bisher angeschaut hatte – und trotzdem konnte man nicht anders, als beim Krebsgeschwür nickend zu betonen, wie straight-forward und erbarmungslos die Herren aus Telford ihr Set durchprügelten. Nach längerem Päuschen zwischen 2005 und 2018 erschien letztes Jahr ihr aktuelles Album "Shadow Gripped" – und auch hier war alles 1A.

Exhorder hatten für die meisten Besucher wohl einen der meist ersehnten Auftritte des Tages. Die einen mögen diesen leicht groovigen, an Pantera erinnernden Thrash Metal, die anderen ganz und gar nicht. Dennoch hat die Band seit ihrer Gründung 1985 eine riesige Fanbase, was auch an der nun prallgefüllten Stadthalle Lichtenfels zu erkennen war. Songs von ihrem nach -sage und schreibe- zwanzig Jahren zuletzt erschienenen Album „Mourn The Southern Skies“ wie „My Time“ klangen dennoch so frisch, als hätten die US-Amerikaner nie eine Pause eingelegt. Freunde der alten Stunde wie auch eben erst Gewonnene, feierten die selten in Deutschland zu bewundernde Combo wie einen würdigen Headliner.

Weiter ging es mit Deserted Fear. Von den Thüringern wurde man noch nie enttäuscht und so sollte es auch dieses Mal ein Auftritt voller Spielfreude werden, die nur mitreißen konnte – das sollte man zumindest meinen. Anhand der Menge an T-Shirts, die man an dem Tag und auch den Tag zuvor schon gesehen hatte, wusste man, dass viele WoD-Besucher sich auf den Auftritt der Jungs freuen. Schon vor dem Auftritt sammelten sich große Zuschauermengen vor der Bühne. Doch die Kapelle um Manuel Glatter nutzte dies ganz und gar nicht. Attention - unpopular opinion incoming! Leider enttäuschten die Jungs auf jeder Ebene – und es tat einem wirklich innerlich weh, dies einsehen zu müssen, da man ja weiß, was Deserted Fear sonst so live drauf haben. Nicht, dass es schon genug wäre, dass der neue Output „Drowned by Humanity“ keine Glanzleistung der Band darstellt, präsentierte sich die Death Metal-Combo in höchstem Grad unprofessionell. Sampler wurden falsch, mit Problemen oder gar nicht eingespielt, die Band war sich über die Reinfolge ihrer Songs nicht im Klaren und die dadurch entstehenden Pausen wurden dann noch durch belangloses, Möchtegern-„Ich bin witzig“- Gelaber getoppt. Das war in der Tat recht peinlich. Positiv sollte jedoch erwähnt werden, dass sehr wenig Lieder von dem neuen Flop-Album gespielt wurden, welches an Ideenlosigkeit und Langeweile kaum zu übertreffen ist. Eine traurige Rückentwicklung zum innovationslosen Death Metal-Einheitsbrei. Stattdessen griff die Band auf Hits aus den vergangenen Alben zurück, die leider durch die seichte Stimme des Sängers auch nicht den gewohnten Wumms entwickelten. Dadurch, dass viel zu früh aufgehört wurde, obwohl noch Zeit für mindestens zwei Lieder übriggeblieben wäre, war der Kindergeburtstag auch (zum Glück) schnell vorbei. Alles wäre halb so schlimm gewesen, aber es dreht sich hier um eine Band, die sich sehr weit oben auf den Plakaten platziert hat und von der man es anders gewohnt ist. Definitiv keine Co-Headliner-würdige Show. Hoffentlich bleibt das ein einmaliger Ausrutscher und wird nicht zur allgemeinen Entwicklung der Band!

Mit Marduk wurde zwar ein eigentlich würdiger Abschluss des Festivals gebucht, doch was die Schweden dieses Mal boten, hinterließ leider auch mehr Fragezeichen als Begeisterung. Rissen sie sonst ein ganzes Set mit kaum vorhandenen Pausen runter (man denke nur an die Jubiläum-Shows der „Panzer Division Marduk“), gab es dieses Mal nach nahezu jedem Lied eine Pause mit eingespielten Samples, die länger und länger zu werden schienen. Normalerweise tragen die Samples zur bitterbösen Atmosphäre der Gigs bei, doch dieses Mal wirkte es eher, als wenn die Band irgendwie erschöpft wäre und ihr sonstiges Pensum nicht erreichen konnte. Davon abgesehen lieferten sie mit neuem Drummer im Gepäck ihr Set mit Songs wie „Baptism By Fire“, „Throne Of Rats“, „Burn my coffin“ und „The Blonde Beast“ solide ab, doch was dann folgte, war noch seltsamer: Nachdem sie die Bühne verlassen hatten und die Zuschauer eine Zugabe forderten, blieben Bühnenbeleuchtung und Nebel wie üblich bestehen. Das klassische Zeichen für „Aha, da kommt noch was!“ Jeder wartete also auf die Rückkehr der Band, doch was passierte? Nichts. Der Soundtechniker kommunizierte via Mikro mit Kollegen hinter der Bühne und alle warteten weiter. Doch plötzlich ging das Licht an und die Show war vorbei. Nach beinahe 10 Minuten Pause. Was war das denn? Also entweder gab es hier Absprachefehler oder Marduk hatten wirklich einen schlechten Tag und keinen Bock mehr. So spielte der Black Metal-Headliner (als einzige Black Metal-„Erfrischung“ des Tages) statt der angeschlagenen 75 Minuten beinahe nur eine Zeitstunde. Enttäuschend, sehr sogar.

So endete das Festival leider etwas irritierend. Trotzdem möchten wir das Kompletterlebnis des herausragenden Festivals im bayrischen Lichtenfels nicht kleinreden: Was die Veranstalter mit dem WoD hier auf die Beine stellen, kann man getrost als Hort für Fans von Black/Death/Thrash-Kapellen jeglicher Couleur bezeichnen, auch wenn in diesem Jahr der Fokus unserer Meinung nach zu sehr auf dem Death Metal-Genre lag. Jede Band hatte ihre Momente, man fand neue Bands für sich, auch wenn Kritik an manchen Truppen, gerade an den großen des Events, leider deutlich angebracht werden muss.

Wir hoffen auf ein weiterhin starkes Way of Darkness, auch im Jahr 2020! Der Termin diesmal ist wieder das erste Oktoberwochenende, 2.-3.10.2020!

(Bilder von Phil Keller - Texte Haimaxia, Crimson, Nephthys, Cosmic Dancer)

Weitere Informationen

  • Band(s): The Flesh Trading Company, Deathstorm, Corpsessed, Dawn of Disease, Graveyard, Illdisposed, Artillery, Hate Eternal, Darkened Nocturn Slaughtercult, Nile, Hell:On, Pripjat, Indian Nightmare, Chapel of Disease, Metal Inquisitor, Sulphur Aeon, Darkness, Cancer, Exhorder, Deserted Fear, Marduk
  • Wann: 04.-05.10.2019
  • Wo: Stadthalle Lichtenfels
Gelesen 1043 mal Letzte Änderung am Montag, 21 Oktober 2019 02:43

 Undergrounded 2017 -  ImpressumDatenschutzerklärung