Mittwoch, 27 Februar 2019 10:36

Othuum - The Astral Horror

geschrieben von Ghostwriter
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Man muss schon ein halbes Genie sein, um sich im lovecraft’schen Universum zurechtzufinden. Unzählige und (unaussprechliche) Gottheiten, Personen und Orte, die, alle miteinander im Wahnsinn verquickt, eine eigene Welt des Horrors darstellen. Wer sich dann noch die Mühe macht das „AU“ bzw. das Advanced Universe zu betrachten, das rund um das literarische Schaffen von Lovecraft entstanden ist, wurde vollends vom wohligen Wahnsinn befallen. Die Romane, die ganze Armeen von Schreibern, Musik- und Filmschaffende befeuert haben, haben besonders im Doom fast schon ein eigenes Sub-Genre und diverse Bands sowie Konzeptalben hervorgebracht.

So soll heute die relativ neue Band Othuum besprochen werden, die sich nach dem weniger bekannten „“ Gott „Othuum“ benannt hat. Diese Entität wird in einem Roman von Brian Lumley thematisiert und darüber hinaus nur beiläufig in einem weiteren Roman namens „Rising With Surtsey“ erwähnt. „The Astral Horror“ heißt das überschwere Debüt der vier Mönchengladbacher um Othuum, die unter anderem in Bandprojekten wie Grabnebelfürsten oder Satan’s Propaganda aktiv waren. Es mag inzwischen schon fast en vogue sein, wenn Black Metal-Kombos Doom-Projekte iniitieren – allerdings gibt man sich hier auch einfach die melodische Klinke in die Hand und entschleunigt sich, was erstaunlich oft erstaunlich gut funktioniert – und ja, so auch hier.

„The Astral Horror“ ist nur auf den ersten Blick ein weiterer, im Lovecraft-Universum angesiedelter, Schnellschuss einer Hype-Train-Band und begeistert ab der ersten Minute. Das Rezept ist dabei (zugegeben) nicht gerade neu, aber perfekt abgestimmt und man weiß nicht, an welcher Stelle man das Loblied anstimmen soll. Vielleicht bei den undurchdringlichen Riff-Wänden, die ein schwarzes Loch nach dem anderen erzeugen und mal vom Bass, mal von der Gitarre dominiert werden – und dabei so natürlich mit der Geschwindigkeit gespielt wird, dass es eine grausame Freude ist. Das knapp 10-Minuten-Monster „Infernal Tentacle Wars“ kann hier als Paradebeispiel gelten, wenn ab ca. Minute 32 fast schon unmerklich der Teilchenbeschleuniger hochgefahren wird. String um String, supportet von Drums und Chants, wird die Geschwindigkeit des astralen Vehikels fast unmerklich auf „Überdoom“ beschleunigt, wenn man mir den astronomischen Vergleich erlaubt. Oder soll man vom stimmlichen Bombast von Vokalist „Geri von Junzt“ sprechen, der dem Werk die schwarze Seele einhaucht, indem er nahtlos von Cleangesang zu wütendem Growling wechselt als wäre es die natürlichste Sache der Welt? Oder sind es die kleinen Gimmicks, die sich nicht nur durch das Album ziehen, sondern auch im Outro von „City of the Dreaming“ Dead bzw. das sehr gut gelungene Intro Exordium manifestiert wurden? Auch nach dem 10. Mal Hören entdecke ich immer noch weitere Facetten, die das Debüt der Band wirklich zu etwas Besonderem macht. Als Doom-Fan möge man dem Album, trotz eher 0815-Coverart, unbedingt zwei oder (je nach Gottheit) x-Ohren widmen.

Trackliste:

1. Exordium
2. Curse of Darkness
3. Black Corpse River
4. The Anti-Cosmic God
5. Infernal Tentacle Wars
6. City of the Dreaming Dead

Bewertung:

9,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Othuum
  • Album Titel: The Astral Horror
  • Erscheinungsdatum: 05.01.2019
  • Fazit: Insgesamt ist „The Astral Horror“ für einen Erstling fast schon zu perfekt aufeinander abgestimmt und man vermisst fast den kruden unfassbaren Horror, den Lovecraft in seinen Romanen transportiert – aber eben nur fast. Großartiger Erstling und man mag abwarten, wie die Jungs das noch toppen wollen.
Gelesen 1202 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 28 Februar 2019 15:22

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