Montag, 21 März 2016 11:57

20.03.2016 "Gänsehaut statt Gänsemarsch"-Tour Dornenreich + Aethernaeum + Velnias; Club Zentral Stuttgart

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"Gänsehaut statt Gänsemarsch" "Gänsehaut statt Gänsemarsch" Dornenreich

Am Sonntagabend hieß es im Club Zentral „Gänsehaut statt Gänsemarsch 1996-2016“. Denn Dornenreich waren im Rahmen der SCR Metal Night und als dritte Station ihrer 20 Jahre-Jubiläumstour zu Gast in Stuttgart, im Gepäck waren neben einer 90-minütigen Show auch die beiden Vorbands Velnias und Aethernaeum. Warum ihr was verpasst habt, wenn ihr nicht da wart, erfahrt ihr hier.

Wie lässt sich eine Woche besser abschließen als ein Konzert mit drei tollen Bands? Richtig, das lässt sich kaum übertreffen. Am Sonntagabend ging es im Club Zentral aufgrund des Wochentags bereits um 19 Uhr los, pünktlich standen Velnias aus Colorado auf der Bühne. Bereits zu diesem Zeitpunkt war der Club sehr gut gefüllt. So ganz mitreißen konnten Velnias das Publikum aber nicht. Zwar zeigte das Quartett guten Black Metal mit atmosphärischen Riffs, der Band fehlte es jedoch ein wenig an Energie auf der Bühne, was sich m statischen Verhalten der Zuschauer widerspiegelte. Musikalisch wiederum war die Band sehr gut, zeigte in langen Songs und nahtlosen Übergängen ohne Smalltalk ihr Können, angeführt vom starken Drummer AJS. Leider war dessen Schlagzeug ein wenig zu laut eingestellt, worunter die Rhythmusgitarre litt. Die Intensität der Musik war passend für einen Club, auf offener Bühne wäre die Musik wohl ein wenig verloren gegangen. Die Vocals von Frontmann PJV waren nicht unbedingt leicht zugänglich, angesiedelt  irgendwo zwischen aggressivem Sprechgesang und Screams. Nach einem furiosen Finale und 40 Minuten war der kurzweilige Auftritt vorbei, das Publikum quittierte ihn mit einigem Applaus.


Nach rund 15 Minuten Umbaupause begannen auch Aethernaeum mit aller Pünktlichkeit. Die Berliner Band von Mastermind Alexander Paul Blake hat sich der Naturmystik zugeschrieben – lyrisch wie musikalisch. Dafür stand auf der Bühne unter anderem auch ein E-Cello bereit. Die Musik, getragen von atmosphärischen Riffs, hatte die Zuschauer großteils schnell im Griff und verbreitete gute Stimmung. Aethernaeum zeigten sich sehr variabel, von ruhigen Cello-Passagen und einem flüsternden Alexander Paul Blake bis hin zu treibenden, in-your-face-hartem Black Metal, wobei die Band gerade dort besonders stark war. Die Musiker hatten auf der Bühne sichtlich ihren Spaß, dank des vollen Sounds hatten ihn auch die Zuschauer. Die Vocals passten ausgezeichnet, auch wenn – und das ist auf keinen Fall despektierlich gemeint – sie teilweise ein wenig Gollumesk klangen. Eine Assoziation mit Herr der Ringe hat noch keiner Musik geschadet. Die Band spielte eine gute Mischung ihrer beiden bisher erschienene Alben, unter anderem „Heimreise (Ein Requiem)“, „Der Baumpercht“, „Das Hügelvolk“ sowie das Highlight des Auftritts, „Die Waldschamanin“. Nach 45 Minuten wurden Aethernaeum mit langem Applaus von der Bühne geleitet, das Warten auf Dornenreich begann.


Punkt 21 Uhr war es dann Zeit für die Österreicher. Dornenreich brauchen keine Einführungsworte, wer die Großmeister der Einzigartigkeit nicht kennt, hat schnellstens neun Alben nachzuholen. Dornenreich brauchten auch zu Beginn auf der Bühne kaum Worte. Nach einem rein non-vocalen Intro begann der erste Teil des Sets mit drei akustischen Songs: „Meer“, „Im Ersten aller Spiele“ und „Drang“. Eine Harmonie wie die zwischen Eviga und Inve findet man nur selten, die beiden Ausnahmemusiker ergänzen sich auf der Bühne einfach perfekt: Violine, Akkustikgitarre, mehr braucht man nicht für Gänsehautmomente, die ja bereits der Titel der Tournee „Gänsehaut statt Gänsemarsch 1996-2016“ versprach.



Mit „Was zieht her von welken Nächten?“ begann dann das harte Kontrastprogramm, Gänsehautmomente wurden jedoch nicht weniger – und Mann o Mann, waren Dornenreich gut drauf. Teuflisches Drumming von Gilvan, Eviga präsentierte sein ganzes Stimmenspektrum von leisem Flüstern zu diabolischen Screams. Allein seine Intensität und Energie auf der Bühne hätten wohl ausgereicht, um den Club den ganzen Abend mit Strom zu versorgen. Die Österreicher waren verdammt gut drauf und auch wenn gut neunzig Minuten eigentlich zu wenig sind, um einen adäquaten Querschnitt des musikalischen Schaffens zu präsentieren, mischten Dornenreich doch geschickt alt („In die Nacht“, „Leben lechzend Herzgeflüster“, „Durch den Traum VII“) mit neu(er) („Flammenmensch“, „Wolfspuls“, „Jagd“). Die Intensität war unfassbar, der ganze Club schien in der Musik unterzugehen – ein großes Lob hier auch an die Technik, die es trotz Dornenreichs anspruchsvoller Musik schafften, einen kräftigen, druckvollen,  ja nahezu perfekten Sound zu kreieren. Die Zugabe ließ nach 75 Minuten nicht lange auf sich warten. Mit „Erst deine Träne löscht den Brand“ und „Trauerbrandung“ zeigte das Trio auf der Bühne nochmal in Kurzform alles, was Dornenreich auszeichnet: Hart, verspielt, träumerisch, wild, leise, eine unheimliche Intensität – ich persönlich habe Dornenreich noch nie so stark gesehen. Wer nicht da war, hat was verpasst. Lasst uns also hoffen, dass uns diese außergewöhnliche Band noch länger erhalten bleibt und noch häufiger aus dem Club Zentral in eine Welt entführen kann, in der die Musik Dornenreichs für sich spricht.


Weitere Informationen

  • Band(s): Dornenreich, Velnias, Aethernaeum
  • Wann: 20.03.2016
  • Wo: Club Zentral, Stuttgart
Gelesen 3277 mal Letzte Änderung am Dienstag, 22 März 2016 00:48
Asgrimur

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