Donnerstag, 28 Januar 2016 21:30

23.01.2016 - Occult Sabbath VI – Buried Above Ground, Oberhausen + Shibalba + Acherontas + Temple Of Baal +++

geschrieben von Ghostwriter
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Am Samstag, den 23. Januar, kam die schwarzmetallische Elite des Ruhrpotts, aber auch ganz Deutschlands und dem näheren Ausland zusammen, um einem Tagesfestival der besonderen Art zu huldigen. Mit internationalen Hochkarätern wie Temple of Baal (Fr), Acherontas (Gr) und Archgoat (Fin), sowie lokalen Bands wie Dysangelium und Paria, versprach das Buried above Ground von den Veranstaltern des Occult Sabbath und Fleshly Tomb Prod. ein zweites Highlight nach der Satans Convention in Speyer dieses noch jungen Jahres zu werden.

So zog es das Team von Undergrounded in das Resonanzwerk in Oberhausen, um die Frontrow zu besetzen. Den Anfang machten die Ausnahmeokkultisten von Shibalba. Die Griechen um Acherontas-Frontmann V. Priest läuteten den Occult Sabbath VI mit mehreren Paukenschlägen ein. Untermalt von schwingenden Synthesizer-Effekten hielten Priest, Scorpios und zwei weitere in dunklen Beduinengewändern vermummte Mannen ein etwa einstündiges Ritual ab und segneten so die Halle, das Publikum, das ganze Festival im Namen Beelzebubs, Luzifers und seiner Dämonen. Unter monotonen Gospeln und Flüstergesängen, sowie gekehlten Chants bedienten sie ihre Percussiongeräte aus Knochen, Klangschalen und anderen rituellen Instrumenten rigoros. Was für den ungeübten Ottonormal-BM-Hörer vermutlich langweilig rüberkam, stieß bei mir offene Ohren ein und nach zehn Minuten schon schlossen sich meine Augen und meine Sinne konnten sich ganz dieser brachialen Mauer aus Klang und Ritus hingeben. Auch das Bühnenbild war außerordentlich stimmig: Neben bestimmt einhundert Kerzen, die auf der Bühne verteilt wurden, prangte auf einem mit rotem Tuch ausgelegten Altar in einem Kelch ein echter Menschenschädel. Ein weiterer war vor dem Schlagzeug, das bei Shibalba noch nicht zum Einsatz kam, positioniert. Mit weiteren Trommelschlägen und einer schon jetzt beachtlichen Überziehung des Zeitplans verabschiedeten sich die Vier von der Bühne.


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Nach einer kurzen Umbauphase und ausgiebigem Soundcheck betraten die fünf Kieler von Dysangelium die Bühne und donnerten direkt nach dem Intro mit „Obelisk of the sevencrowned Son“ von ihrem ersten Full Length Album Thánatos Áskesis von 2014 los und die ersten Köpfe drehten sich zu Drumstakkatos und astreinem Gitarrenspiel. Hier zeigte auch die ausgezeichnete Soundanlage in der schon gut gefüllten Halle, was sie drauf hat. An z.B. Ascension, aber auch mit Melodien, die an schwedische Black Metal Größen erinnerten, beschallten die Boxentürme an den Seiten und auch die Amps auf der den ganzen Tag dekorierten Bühne den kompletten Raum. Schwitzend und mit öligen Haaren brachte Sänger Sektarist O die Menge zum Brodeln, was in der noch recht kühlen Location auch äußerst nötig war. Weiter ging es mit den Brechern „Words like Flames“ vom gleichen Album und „Consecrated by Light“, welches schon auf der ersten EP Exordium (2013) zu hören war und für das Album neu remastered wurde. Unterstützt wurde die Combo dabei von Gastsänger Herr Tumulash, seines Zeichens Bassist bei Fides Inversa, was die Menge mit noch heftigerem Kopfnicken quittierte. Auch der Album-Vorgänger Leviaxxis wurde mit „Til only thy Light is left“ bedacht. Mit „Ave Obscuritas incarna“ schlossen die deutschen Black Metaller ihren großartigen Gig unter Beifall und gelegentlichen Pfiffen ab. Ich freue mich schon darauf, mehr von Dysangelium zu hören und zu sehen.

 

Danach starteten die Italiener Fides Inversafulminant mit „Decollatio“ von ihrem ersten Album „Hanc Aciem Sola Retundit Virtus (The Algolagnia Divine)“. Das Stück eignete sich perfekt als Opener, da es gegen Ende einen Ausschnitt des „Dies Irae“ aus dem Requiem von Guiseppe Verdi enthält, was die Jungs veranlasste, ihren Auftritt energiegeladen fortzusetzen. So kraftvoll wie der Anfang war, schlichen sich im weiteren Verlauf jedoch ein paar Längen ein, die dann allerdings von einem Zwischenritual aufgebrochen wurden: Die Band kniete mit dem Rücken zum Publikum nieder, trank Rotwein und der Gitarrist verbrannte anschließend eine Karte oder ein Stück Haut – es war nicht genau erkennbar – in einer Kerzenflamme. Man kann von sowas halten, was man will, genau wie von ihren vielleicht zu perfekt zerschlissenen Kutten als Bühnenoutfits, aber insgesamt legten Fides Inversa einen starken und überzeugenden Auftritt hin. Dass der Gesang hauptsächlich vom Schlagzeuger geliefert wird, sieht man auch nicht alle Tage, aber Omega A.D. meisterte dies in Kombination mit dem Bassisten souverän. Abgeschlossen wurde der Gig mit „Homicidum“, bei dem der Gitarrist sich zum repetitiven „Ave carnifex! Ave mors!“ in Aggressionen zu schaukeln schien und Leuten der ersten Reihe in die Haare griff, sie zog und schubste und zuletzt Kerzen von der Bühne trat. Show-Effekte, die in Erinnerung bleiben, aber insgesamt wäre weniger möglicherweise mehr gewesen.

 

Chaos Echoes fielen bei dieser Veranstaltung gänzlich aus dem Rahmen: Im Gegensatz zu den meisten anderen Bands fuhren sie für die Optik nichts auf. In schlichten schwarzen Klamotten betraten die Franzosen die Bühne und ihr ganzer Auftritt verlief eher unauffällig sowie rein instrumental. Es ist nicht bekannt, wieso sie den Gesang komplett weggelassen haben. Für die Einen mag ihr doomiger und unkonventioneller Gig magisch gewesen sein, für die Anderen jedoch schwere Kost, so dass sich die Halle zusehends leerte. Ich persönlich hatte auch Anderes erwartet und fand ihren reduzierten Auftritt, der einen etwas ratlos zurückließ, schade.


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Auf Paria hatte ich mich im Vorfeld schon ganz besonders gefreut, da ich die drei Ruhrpottschnauzen Panzerdaemon, Akeon und Gonzo Goatpestilence, unterstützt durch Ex- und nun wieder Neu-Member Nefas an der Gitarre schon drei mal gesehen hatte und ihre Auftritte in guter Erinnerung behielt. Dieses mal jedoch war irgendwie der Wurm drin. Angefangen mit „Surrealist Satanist“ vom gleichnamigen Longplayer, riss Gitarrist Nefas bereits beim zweiten Song die D-Saite, was aber nach dem Wechsel auf eine Leihgitarre kein allzu großes Problem darstellte. Während die Bühnendeko in Form von halbierten Schweineköpfen teilweise von Fans aufgefressen und wieder ausgespuckt wurde, einzelne Schweineteile aber auch aus der ersten Reihe durch das halbe Resonanzwerk geworfen wurden, rotzte Sänger und Bassist Panzerdaemon Songs wie „Black Cum Shrapnel“ oder „Whoredom Exclusively“ in bester Black-Thrash-Manier in die aufgeheizte Menge. Mit Sprüchen wie „Die Bühne steht ja immer noch!“ forderte er das Publikum weiter heraus. Hier zeigte sich der Pott von seiner dreckigsten Seite. Eine junge Frau, die offensichtlich von ihren Begleitern auf die Bühne geworfen wurde um dem Dämon dienlich zu sein, ließ schnell vom Frontschwein ab und kümmerte sich um weitere Schweineteile, um sie im Resonanzwerk zu verteilen, woraufhin sie sofort von der Bühne geholt und von den Verantwortlichen der Halle verwiesen wurde − ebenso der betrunkene Schweinefresser. Ein Blick ins Publikum zeigte eher verständnislose und angeekelte Gesichter aufgrund der Vorgänge an und auf der Bühne. Auch von den Veranstaltern schien niemand damit gerechnet zu haben, dass Deko bestehend aus Leichenteilen angeknabbert würde. Leider zeigt sich auf Veranstaltungen der extremen Gangart immer wieder, dass nicht alle Besucher vernünftig damit umgehen können. Die Szenerien von und um Paria sind wohl als Tiefpunkt des Abends festzuhalten. Musikalisch einigermaßen gut, doch wollte aufgrund der ganzen Zwischenfälle nicht die richtige Stimmung aufkommen, zumal manche Zungen behaupten, dass dies der letzte Gig der Essener mit Sänger Panzerdaemon gewesen sein soll.

 

Neben Chaos Echoes boten ihre Landsmänner Temple of Baalden anderen der nur zwei optisch schlichten Auftritte in dieser Nacht, doch konnten sie mehr überzeugen: Zwei Stunden nach angesetzter Zeit legten sie nach einem Intro mit „Lord Of Knowledge And Death“ von der aktuellen Platte „Mysterium“ los, doch gab es erstmals am Abend Soundprobleme: Der Sound war matschig und das Schlagzeug viel zu laut. Während „Vectors of the Void“ und „Slaves To The Beast“ von den Vorgänger-Alben besserte sich dies jedoch glücklicherweise wieder. Den Höhepunkt des Auftritts bildete das abwechslungsreiche „Hosanna“, das ebenfalls vom aktuellen Album stammt. “Hosanna! Sic itur ad astra! In Caeli et Terra Gloria Tua!” ging ins Ohr, entsprechend fiel das Kopfnicken im Publikum aus. Auch wenn Sänger und Gitarrist Amduscias die ein oder andere wohl alkoholbedingte Ausfallerscheinung zeigte, lieferten Temple of Baal ein erfrischendes Black/Death-Gewitter ab, das die Veranstaltung nach den vorangegangenen unangenehmen Ereignissen wieder Fahrt aufnehmen ließ. Nach 2 weiteren Songs beendeten sie mit „Walls Of Fire“ ihren Auftritt.

9    10 

Acherontas haben spätestens seit ihrem im letzten Jahr bei W.T.C. Productions erschienenen Album „Ma-Ion“ meine vollste Aufmerksamkeit genossen. Dabei ist es schon das fünfte Album der erst seit 2007 aktiven Band. Nachdem die Bühne von Schweineresten gereinigt war und nach einem ausgiebigen Soundcheck und einer weiteren längeren Schminkphase traten die fünf Griechen, angeführt vom in eine rote Robe gekleideten V. Priest auf die Bühne und stimmten nach dem Intro „Conjuration of the five Negatives“ vom 2010er Album Theosis (aber auch von mindestens zwei Split-EPs) an. Das Publikum war vom ersten Riff an auf einer Länge mit der Band. Nach „Amenti“ folgte gleich der Titelsong zum aktuellen Album „Ma-Ion“, wo es für die Fans kein Halten mehr gab. Die ersten Reihen waren proppenvoll und überall bekam man lange Haare um die Ohren gedroschen. Nach „Legacy of Tiamat“, ebenfalls vom Theosis Album wurde es mit „Blood Current Illumination“ nochmal sehr melodisch, bevor die Okkultmetaller mit „Wampyric Metamorphosis" ihre Sceance beendeten. Mittlerweile war die Zeit soweit fortgeschritten, dass viele die Halle schon verlassen hatten oder sich dem Vollrausch ergaben.

 

So war beim HeadlinerArchgoat schließlich nur noch der harte Kern an Zuschauern übrig geblieben, was der Show zwar keinen Abbruch tat, solange ich noch vor Ort war, aber ich habe sie schon spielfreudiger erlebt. Um die Uhrzeit war dies aber absolut entschuldigt! Sie traten dennoch gewohnt professionell auf und lieferten solide das ab, was man von ihnen erwartet: Brachialen War Metal vom Feinsten! „Apotheosis of Lucifer“ stach nochmal dank Zweitvokalist im Hintergrund deutlich hervor, bevor die Müdigkeit die Schreiber dieser Zeilen übermannte und sie gefahren sind.

 

Am Ende bleibt das Occult Sabbath VI - Buried Above Ground ein musikalisch tolles Tagesfestival mit Bands erster Kajüte. Die Bierpreise waren mit 3€ relativ O.K., für 2,50€ gab es eine kleine Schale mit Kartoffelsalat und Würstchen, für Vegetarier oder gar Veganer wurde nichts aufgefahren. Hier besteht definitiv noch Verbesserungspotenzial, zumal wir knappe elf Stunden vor Ort waren und es in direkter Nähe auch keine weiteren Verpflegungsmöglichkeiten gab. Die Toiletten waren schon nach kurzer Zeit nicht mehr begehbar, dafür entschädigte der Raucherbereich mit Pavillon und Heizstrahler für trockene und warme Köpfe. Auch draußen vor dem Resonanzwerk wurde bei Dämmerung ein Feuerchen in einer großen Feuerschale in Gang gebracht um sich zwischendurch die Hände zu wärmen. Einen strikteren Zeitplan bzw. zumindest dessen Einhaltung hätten wir uns vom Veranstalter ebenfalls gewünscht. Ansonsten kommen wir gerne wieder ins Resonanzwerk, das nächste mal zum Odyssey to Blasphemy mit dem Schwerpunkt auf osteuropäischem Black Metal.


Videos der Veranstaltung findet ihr übrigens im Undergroundedtube!

Die komplette Fotogalerie der Veranstaltung findet ihr auf unserer Facebook-Seite!


Bands:

Shibalba (GR)

Dysangelium (GER)

Fides Inversa (IT)

Chaos Echoes (FR)

Paria (GER)

Temple of Baal (FR)

Acherontas (GR)

Archgoat (FIN)

 

 

Autoren:

Steffi (Fides Inversa, Chaos Echoes, Temple of Baal Archgoat)

Lars (Shibalba, Dysangelium, Paria, Acherontas)


Weitere Informationen

  • Band(s): Shibalba, Acherontas, Chaos Echoes, Temple Of Baal, Paria, Archgoat +++
  • Wann: 23.01.2016
  • Wo: Resonanzwerk Oberhausen
Gelesen 5973 mal Letzte Änderung am Freitag, 29 Januar 2016 18:35

Medien

Buried Above Ground Review Acherontas - Formulas of Reptilian Unification)

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