Montag, 18 Januar 2016 10:20

Nyr Gata – Seraphim

geschrieben von Soundchaser
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Seraphim Seraphim Nyr Gata

Alben zu rezensieren ist metaphorisch, wie von einer Liebesnacht zu erzählen. Da gibt es alles – vom Petting über raffiniertes Vorspiel bis hin zu orgiastischen Erlebnissen. Das Debütalbum „Seraphim“ der saarländischen Black-/Deathmetaller Nyr Gata ordne ich insoweit als solide Nummer mit einigen extravaganten Einlagen in verschiedenen Stellungen ein.

„Und – wie war denn die Nacht mit Nyr Gata?“ – „Du, hart, schnell, derbe und auch etwas dreckig, ich hab leider nicht alles verstanden, was mir da an ins Ohr geschrien wurde...“ Nun, das ist ja öfter so, wenn der Gesang überwiegend aus Keifen besteht. Eine bessere Verständlichkeit der Texte hätte der Scheibe gut getan, weil es sich bei „Seraphim“ um ein Konzeptalbum handelt. Ich musste mich schon sehr konzentrieren, um die Texte zu verstehen. An der Produktion liegt das sicher nicht, die ist gut und druckvoll. Bei zwei Musikern (Sarghas und Nordmann), die schon über einige musikalische Erfahrung verfügen, keine wirkliche Überraschung. So produzierten sie beispielsweise zuvor unter dem Banner „Immorior“ eine Scheibe mit dem Titel „Herbstmär“, die bereits bei den Rezensionen gut bis sehr gut abschnitt. Das Schlagzeugspiel bietet Einiges an Abwechslung, bei Alben mit hohem Blackmetalanteil leider nicht immer Standard. Auch an der Gitarrenarbeit gibt’s nix zu meckern – Nordmann macht seine Sache gut und variiert absolut songdienlich.

 

Die Grundstimmung des Albums ist düster, die Seraphim (gewissermaßen eine Art Edel-Engel) gehen auf große Mission, um das Wesen der Menschen zu studieren. „Gefangen in der Ewigkeit“ prescht ordentlich los. Der Chorgesang, der irgendwann einsetzt, klingt allerdings so, als wäre er in einem Badezimmer auf der anderen Straßenseite eingesungen worden. Klingt schlichtweg beschissen. Finde ich. „Hinab vom Lichte“ beginnt mit gebrochen gespielten Gitarren, deren Effekt entfernt an Glockenklänge erinnert, bevor es wieder richtig heftig zur Sache geht. „Im Reich der Leere“ bietet im letzten Drittel Piano- und Keyboardklänge, die zu „Marter“ überleiten, das mit leicht dissonanten Tönen beginnt, bevor die Zeichen wieder auf Sturm stehen. „Im Flammenregen“ klingt in der Tat so, wie es der Titel vermuten lässt. „Cherubim“ schwillt an und schiebt sich in die Gehörgänge, „Acheron“ lässt in der zweiten Hälfte mit harmonischen Gitarrenparts über heftigen Schlagzeugattacken aufhorchen, die in ein interessantes Solo münden, bevor Sarghas nochmal richtig reinbrüllt. „In falscher Freiheit“ marschiert höllengleich davon, Stakkatosalven par excellence, das Schlagzeugspiel (bzw. die Drumprogrammierung) ist wirklich geil. „Sohn des Wassers“ startet wieder mit einem knarrenden, ruhigen Intro, das von schnellen Gitarrenläufen abgelöst wird. Is okay. Die Entspannung nach dem Höhepunkt sozusagen. Und nun kehrt wieder Ruhe ein. Knapp vierzig Minuten sind vorüber. Ermattet lösen Nyr Gata und ich uns voeinander, schauen uns noch einmal tief in die Augen, lächeln und gehen unserer Wege.

 

 

Trackliste:

1. Gefangen in der Ewigkeit
2. Hinab vom Lichte
3. Im Reich der Leere
4. Marter
5. Im Flammenregen
6. Cherubim
7. Acheron
8. In falscher Freiheit
9. Sohn des Hasses


Bewertung:

7,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Nyr Gata
  • Album Titel: Seraphim
  • Erscheinungsdatum: 26.09.2015
  • Fazit: Fazit: Gutes und solides Black-/Deathmetal-Konzeptalbum. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Dot.
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Seraphim Album Trailer Nyr Gata

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