Donnerstag, 13 August 2015 21:33

Unter dem Radar: Bevar Sea (Stoner/Doom Metal)

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Ich muss zugeben, dass ich lange Zeit Musik aus Indien immer in die Bollywood-Schublade gesteckt habe. Doch 2013 änderte sich das Denken bei mir schlagartig, denn die Jungs von Kryptos eroberten das Ragnarock Open Air im Sturm und zeigten, wie stark der Metal in Indien ist. Um dies zu untermauern, verteilten sie die Visitenkarten einer weiteren Band aus Indien als Geheimtipp unter den Besuchern des Festivals. Es waren die Karten der Stoner/Doom Metal Band Bevar Sea!

Auch wenn die Anfänge der Band in das Jahr 2008 zurückreichen, wurde Bevar Sea (übrigens ein Wortspiel mit dem südindischen Wort bevarsi, was schlicht und ergreifend Bastard bedeutet) erst 2010 offiziell gegründet, um Alben aufzunehmen und vor allem live zu spielen. Gerade die Liveperformances waren es, die der Band eine große Zahl von Anhängern im Land einbrachte und die zwei Jahre warteten, bis endlich der erste Longplayer von Bevar Sea erhältlich war. Das Debütalbum hieß genauso wie die Band: „Bevar Sea". Zwei Jahre später enterte der Fünfer wieder das Studio und nahm das zweite Album „Invoke The Bizarre" auf, welches im September 2015 veröffentlicht wird.



Bandfoto


Aktuelle Besetzung:

Ganesh Krishnaswamy – Vocals

Srikanth Panaman – Guitars

Rahul Chacko – Guitars

Avinash Ramchander – Bass

Deepak Raghu – Drums


Diskographie:

2012 Bevar Sea

2015 Invoke The Bizarre (erscheint im September)



Review zu „Bevar Sea"



Cover



...langsam schleicht sich das Gitarrenriff an...baut sich immer mehr auf...wird lauter und lauter...rückt aus dem Hintergrund mehr und mehr ins Bewusstsein...um dann den Hörer mit hämischen Grinsen volle Wucht dort zu treffen, wo es jeden Metalhead trifft, wenn er ein fettes Riff hört: der Nackenmuskulatur! Diese setzt sich unweigerlich in Bewegung und bringt den Kopf in eine zwanghafte und heftige Nickbewegung.


So beginnt "The Smiler", der erste Song auf "Bevar Sea". Und so wie beim Opener verhält es sich mit dem ganzen Album. Es nimmt Song für Song Fahrt auf und versetzt Freunde von Stoner/Doom in Verzückung und eifriges Bangen. Man kann aber auch nicht anders, als sich von der satt klingenden Riffwand der beiden Gitarren und dem dynamischen, treibenden Schlagzeugspiel mitreißen zu lassen.


Die vier Songs auf "Bevar Sea" zeigen alle sehr deutlich, woher die Inder ihre Einflüsse und Ideen nehmen. 70er Jahre Hard Rock trifft auf Black Sabbath trifft auf Doom, so lautet die Formel. Das, was dabei heraus kommt, klingt weder verstaubt noch wie eine billige Kopie der Vorbilder. Bevar Sea erschaffen ihren eigenen Sound, der nicht durch stupides Nachspielen entsteht, sondern durch eigene Interpretation der Vorlagen. So entfaltet sich auch die Eigenständigkeit, die über die Längen hinweg Spannung in den Songs aufbaut und hoch hält.


Denn keines der vier Lieder des Albums bleibt unter der Grenze von sieben Minuten. Da muss man schon ein gutes Händchen für den Songaufbau haben, damit diese Länge nicht in Langeweile umschlägt. Der Fünfer von Bevar Sea hat dieses Händchen und baut mit viel Gefühl immer wieder Breaks, Soli und andere Finessen ein. So werden die Songs gut aufgelockert und selbst das siebzehnminütige "Mono Gnome" verliert dadurch nicht an Spannung.


Nebenbei wird bei den Soli und Breaks auch das Können an den Instrumenten demonstriert, was auf der ganzen Linie (von den Gitarren bis zum Bass) sehr zu überzeugen weiß. Doch nicht nur instrumental legen die Inder eine hohe Qualität an den Tag, auch die Vocals wissen mehr, als nur zu gefallen. Die raue Stimme von Ganesh Krishnaswamy und seine kraftvolle Art zu singen, passt sich harmonisch in das Bandgefüge und den Sound ein. Insgesamt ergänzt sich die Band perfekt und man merkt den Musikern an, dass sie seit der Gründung von Bevar Sea zusammen spielen und gemeinsam den Sound der Band entwickelt haben und diesen auch weiter gemeinsam formen werden.


Alles in allem ist "Bevar Sea" ein durchweg gelungenes Album. Die vier Songs sind bockstark und gehören mit zu den besten, was man im Stoner/Doombereich zu hören bekommt. Daher ist es um so trauriger, dass Bevar Sea hierzulande kaum bis gar keine Beachtung gefunden haben. Vielleicht kommt dies aber mit dem zweiten Album, welches schon in den Startlöchern steht. Wenn Bevar Sea das weiter verfolgt haben, was sie bei ihrem Debüt begonnen haben, dann wird dieses sicher für Furore in der Stoner/Doom-Schublade sorgen.


Tracklist:

1. The Smiler

2. Abishtu

3. Universal Sleeper

4. Mono Gnome

Weitere Informationen

Gelesen 1582 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 13 August 2015 21:51
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!

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Mono Gnome - Bevar Sea Bevar Sea

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