Samstag, 25 April 2015 14:11

24.- 25.04.2015 – Metal Franconia Festival 2015, Dettelbach, Franken

geschrieben von Ghostwriter
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SOBER TRUTH SOBER TRUTH Fiolkman

Metal Franconia 2015 – das heißt drei Tage Festivalwahnsinn in Dettelbach (Franken) bei Weißwurstfrühstück und gutem fränkischen Bier. Die Frankenhalle, in der sonst Huftiere den Besitzer wechseln, hält der geballten Macht einer festivalhungrigen Meute wacker stand. Das abwechslungsreiche Line Up von Sober Truth, Korpiklaani, Path Of Destiny, Wrack, Belphegor, Disbelief und Sodom weiß zu überzeugen, dass genau hier der richtige Ort ist um die Festivalsaison 2015 richtig loszutreten.

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Aber der Reihe nach – Nachdem ein Scoutkommando schon am Donnerstag angetreten war um beim Aufbau zu helfen tröpfelten wir am Freitag langsam in die Frankenhalle um unseren UG-Stand und die Karaoke/Live Bühne aufzubauen.

 

Nachdem alle Segel gesetzt waren und gegen 1500 die erste Band das Festival eröffnen WULFPACK das MFF und haben die undankbare Aufgabe die noch sehr beschaulich-besetzte Halle zu beschallen. Trotz einiger Power und gespürter Spielfreude schaffen es die Jungs als Opener leider nicht, mehr als eine Hand voll Zuschauer zu begeistern – was wohl weniger der Band, als viel mehr am für Ende April wirklich guten Wetters liegt, das die Massen noch auf dem Zeltplatz festnagelt.

 

Als WRACK um 1620 die Bühne erklimmt, ist dennoch schon eine nicht gerade unerhebliche Zahl „Frühaufsteher“ vor der Bühne, um den Black Metal der Jungs ordentlich abzufeiern. Die fränkische Meute nimmt willig die schwer verdauliche Soundgewerke von Wrack auf, die sich im Dunkeln wahrscheinlich wohler gefühlt hätten. Black Metal gehört einfach gegen 0:00 Uhr – oder gleich in einen Wald, mit Schnee und Eis und Grvm!

 

Direkt nach Wrack bringen SOBER TRUTH die geballte Soberenergie auf die Bühne. Das neue Line Up harmoniert perfekt und Sänger Thorsten animiert die Menge sogar zum Mitsingen. Das Bonner Quartett ließ mit neuem Material von der EP „New Slavery World“ die Frankenhalle erbeben und zeigte schon auf, wo die Reise am Freitag hingehen würde - Arschtreten.

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Waren SASQUATCH schon auf dem Ground Force One ein echter Brecher, legen die Jungs auch hier nochmal einen Zahn zu. Vor deutlich mehr Publikum gibt es kaum ein Halten und eine ausgeklügelte Setlist . Wer sich selbst einen Eindruck verschaffen möchte, kann bald auf unserem Undergrounded-Tube auch ein Live-Zusammenschnitt erleben!

 

DISBELIEF aus Dieburg füllen die Frankenhalle erstmals vollständig. Im brachialen Set der Death Metal Combo beweist Sänger Karsten Jäger die viel gelobte Bandbreite seiner Stimmgewalt. Alles in Allem ein akustisches Fest für den geneigten Hörer todesmetallischer Klänge.

 

Während in der Halle MILKING THE GOAT MACHINE auf der Bühne Goat Grind zelebrieren, fordert die Meute im Partyzelt schon lautstark nach der Metalkaraoke. Unsere kleine Bühne wird schon von dem einen oder anderen Jungstar geentert – und keiner stört sich daran, dass die Micros noch nicht angeschlossen sind. DJ Undergrounded versteht es die Menge mit Rock- und Metalklassikern anzuheizen und kurze Ausflüge in die 80er oder 50er führen zum Siedepunkt im Festzelt.

Hier betreten BELPHEGOR die Bühne und bringen Tod und Verderben über die Festivalbesucher, ganz wie es ihrem Namen entspricht. Die Halle ist voll, die Stimmung am kochen, die brachialen Klänge toben über das Publikum weg wie ein todbringender Tsunami. Nach einer guten Stunde intensiver Brutalität und unter begeisterten Zugabe-Rufen verlässt die Band schlussendlich doch noch die Bühne, um dem heutigen Headliner das Feld zu überlassen.

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KOORPIKLAANI bedeuteten an diesem todesblei-lastigen Freitag einen ordentlich Stilbruch.

Aber diese ordentliche Portion Humppa ist genau das, was müde Metalheads nochmal dazu bringt, alles zu geben. Schon bei den eresten Tönen formte sich ein Pit und es wurde zur Moshpolka gebeten. Mit viel Hum und nicht wenig ppa brachten Songs wie „Rauta“, „Journeyman“ und Klassiker wie „Vodka“ und Songs vom neuen Langspieler „Noita“ (Releasedatum 1. Mai) die Frankenhalle zum Beben.


SCHLACHTSCHÜSSEL hatten als Rauswerfer die dankbare Aufgabe mit ihren Covern von aktuellen, nicht aktuellen und/oder altgedienten Metalsongs den restlichen Haufen zum finalen freitäglichen orgastischen Aufbäumen zu animieren. Ob Children Of Bodom oder Alestorm – Der gewohnt kompakte Mainstream-Mix funktioniert praktisch immer und während wir bei der Metalkaraoke von Tenacious D über Electric-Six's GayBar zu Queen, Judas Priest und Slayer hoch und runter Jodeln ließen, endete der Freitag des Metal Franconia.


SAMSTAG

 

EXCISED GUTS sind heute der Opener. Das Weißwurstfrühstück gerade verdaut, erwartet man von dem Trio in weiß mit Blutakzenten eine schmackhafte Schlachtplatte. Außer einer laienhaften Live-Autopsie mit Kunstinnereien bietet die Band allerdings nur belanglose Gitarrenparts und Drums vom Band. Auch die Reaktionen aus dem Publikum sind eher verhalten bis gelangweilt.


Ein Glück, dass PATH OF DESTINY danach mal ordentlich aufräumen. Die fünf Symphonic Death Metaller aus Thüringen machen keine Gefangenen und es gerät zusehends wieder Leben in die Zuschauermenge. Die besten Plätze am Wellenbrecher sind schnell besetzt und es wird reichlich Material zum Headbangen geboten. Die Setlist geht runter wie Öl und viel zu schnell kommt das Finale mit „Stillborn Furture", nachdem wirklich nur noch verbrannte Erde und und zerstörte Bierbembel von diesem musikalischen Erdbeben zeugen.


Abwechslung im wahrsten Sinne des Wortes bringen DIEVERSITY auf die Bühne. Der Fünfer aus Würzburg bringt einen Mix aus klassischem Metal, Core-Elementen und Thrash zu Gehör, der sich in den Gehörgang windet und seinen Weg über die Nackmuskulatur wieder nach draußen sucht. Der mittlerweile zweite Aufritt der Jungs auf dem Franconia weiß zu gefallen.


Ein kurzer Regenschauer ließ schottisches Klima erahnen und schwappte eine große Menge Publikum in die Frankenhalle. Beste Voraussetzungen für ISLAY . Kompromissloser Death Metal aus dem Emsland mit einer Prise Thrash und Black lassen Hände zucken und die Haare kreisen. Das musikalische Niveau an diesem Samstag Nachmittag ist hoch.


Weiter geht’s nach einem fliegenden Wechsel mit HATRED, die das Publikum mit solidem Thrash inklusive kleiner Power Metal Einlagen vom ersten Moment an begeistern. Die Halle ist gut gefüllt, was Sänger Matthias dazu verleitet einen kleinen Abstecher in die Menge zu machen und seine facettenreiche Stimme aus dem Zuschauerraum erklingen zu lassen. Dass es der erste Auftritt nach gut einem Jahr für die Jungs ist, merkt man maximal an der überschäumenden Ladung Energie, mit der die Band einen Song nach dem anderen auf die Menge niederprasseln lässt.

 

Die HELLCATS sind aus Slovenien nach Dettelbach angereist. Die vier Damen spielen sehr straighten klassischen Heavy Metal. Und das machen die Höllenkatzen auch verdammt gut. Einziger Wehmutstropfen ist die Leistung von Sängerin Ana, die nicht immer den richtigem Ton findet, was aber der guten Stimmung zwischen Bühne und FOH kein bisschen schadet.

 

DIE ZWANGSVERSTEIGERTEN DOPPELHAUSHÄLFTEN – was hier drin steckt, wäre wohl gern guter Punk, was geliefert wird ist leider alles andere als das. Umgedichtete Après Ski Hits, ein Sänger, den man am liebsten zu Gesangsunterricht verdonnern würde, und fehlende Bewegung auf der Bühne. Mit einem gewissen Alkoholpegel ist dies alles wohl mehr als erträglich, hat sich doch eine gar nicht so kleine Menge vor der Bühne versammelt um zu tanzen, zu trinken und zu feiern.

 

Mittlerweile hat es sich eingeregnet. Grund genug, dem Wetter den Rücken zu kehren und sich vor der Bühne unterhalten zu lassen. Dort präsentieren sich taufrisch die alten Haudegen von DEW SCENTED. Leider ist der Zuspruch für diesen Hochkaräter ernüchterend gering und obwohl Sänger Leif Jensen alles gibt, um das müde wirkende Publikum aus der Reserve zu locken, doch zunächst will der Funke irgendwie nicht überspringen. Schlussendlich prügelt sich die Band doch noch durch die Gehörgänge und ab der Mitte des Sets geht die Menge ordentlich ab.  

Apropros alte Haudegen. Der Auftritt von SODOM hat einige ihrer Anhänger ins fränkische Outback gelockt, so dass das Trio um Tom Angelripper eine bis zum letzten Platz gefüllte Frankenhalle zum Kochen bringen, als sie gegen kurz vor zehn die Bühne betreten. Die Urgesteine des deutschen Thrash geben nach wie vor den Ton an und ballern eine Granate nach der nächsten aus den Boxen – von wegen stumme Ursel. Ohne Nachlass wird auf die Instrumente eingedroschen und auch nach nunmehr 30 Jahren hat der Sound der Band nichts von seiner ursprünglichen Härte eingebüßt und darf sich zurecht der extremeren Gangart zurechnen. Ausgepowert, aber glücklich, finden sich die Festivalbesucher nach dem Auftritt im Partyzelt ein um vor dem zweiten Headliner des Abends noch einmal durchzuschnaufen.

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DIE APOKALYPTISCHEN REITER übernehmen die Bühne nach kurzem Umbau. Mit Vollgas geht es quer durch die Diskographie des Quintetts, so dass neben dem neuen Material auch einige der liebgewonnenen alten Songs mal wieder auf die Bühne kommen so z.B. „Unter der Asche“ und „Die Sonne scheint“. Die Liveaktivität der Band hat in all den Jahren nicht abgenommen und die beeindruckende Stimme von Sänger Fuchs begleitet so manche Festivalerinnerung. Gut zu wissen, dass es nach wie vor kein Heilmittel gegen die Reitermania gibt – nicht für die Band und auch nicht für ihre Fans.

 

 

 

Auch heute spielt wieder eine Cover Band als Rausschmeißer auf, während im Partyzelt die Metal-Karaoke schon im vollen Gange ist. SOLID BALLS rocken mit ein paar Hartgesottenen dem Zapfenstreich entgegen.  



Weitere Informationen

  • Band(s): Sodom, Die Apokalyptischen Reiter, Sober Truth, Sasquatch, Wrack, Korpiklaani, Disbelief, Hatred, Belphegor, Path Of Destiny, Dew Scented, DieVersity, Islay, Hellcats, Zwangis, Solid Balls +++
  • Wann: 24.-25.04.2015
  • Wo: Frankenhalle Dettelbach
Gelesen 5653 mal Letzte Änderung am Sonntag, 26 April 2015 01:38

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