Mittwoch, 07 Januar 2015 22:03

Skinjob - Innovating The Inquisition

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Innovating The Inquisition Innovating The Inquisition Skinjob

Genau ein Jahr nach dem Erscheinen ihres Erstlingswerk "Proverbs For The Prodigal" legt das Marburger Sludge-Quartett Skinjob mit ihrem zweiten Album nach. "Innovating The Inquisition" heißt dieses und beinhaltet sechs Songs, die wieder die Abgründe und abartigen Auswüchse der Menschheit aufzeigen.

So geht es in einigen Songs z.B. um "MK Ultra", einen damals geheimen Forschungsprojekt der CIA. In Zeiten des Kalten Krieges wollte man ein Wahrheitsserum erschaffen, welches perfekt wirken sollte. Dabei machte man auch nicht vor der Zusammenarbeit mit ehemaligen KZ-Ärzten Halt. Auch wurden Versuche an Menschen durchgefûhrt, um zum Beispiel die Wirkung von hohen Dosen halluzinogener Drogen oder auch Chemikalien zu testen. Aber auch Folter und Elektroschocks kamen zur Anwendung und hinterliessen bei vielen Opfern psychische und physische Schäden.


Das so ein widerwärtiges Thema und die Abgründe menschlichen Handels nicht mit fröhlichen Klängen verarbeitet werden können, versteht sich fast von selbst. "Innovating The Inquisition" bietet daher kruden, garstigen Sludge, der zum Thema passt und schonungslos die Missstände anprangert. Den Songs wohnt dabei etwas Bösartiges, Wahnsinniges und Abscheuliches inne, was hauptsächlich an den Vocals liegt. Mit jeder Silbe, die Loki ins Mikro speit, bringt er seinen Ekel und seine Abscheu gegenüber diesen Abgründen deutlich zum Ausdruck. Es ist den Vocals zu verdanken, dass sich nach dem Hören des Albums ein starkes Gefühl des Ekels beim Hörer einstellt: Ekel vor sich, vor dieser CD, aber vor allem vor der Welt und der Menschheit!


Doch die Vocals hätten nicht die Kraft, wenn da nicht dieses schleppende, zähe instrumentale Fundament wäre, auf dem sie aufbauen können. Doch die Instrumentalfraktion bildet nicht nur die Grundlage, sie schafft es auch, einen leichten, vergänglichen Hauch von Melodie durch die Songs wehen zu lassen. Leider ist dieser Hauch nur sehr schwer zu erfassen, aber wer sich in die CD reinhört, wird ihn früher oder später erahnen und hören können. Ansonsten setzt man auf den typischen Skinjob-Sound: mächtig drückend, zäh wie Pech aus den Boxen quellend und böse wie nichts!


Die sechs Songs des Albums befinden sich alle auf dem selben guten Niveau, es gibt hier keinen Ausreißer nach unten. Doch zwei Songs tun sich, meiner Meinung nach, etwas vom Rest abheben: der Opener "Overthrow/Undertow" mit seinen Wechseln zwischen rasenden, fast wahnsinnigen und zähfließenden Parts und "Sent To Pester" Dieser Song ist für mich das Herzstück der Platte, er baut sich langsam auf, wird immer bedrohlicher und entfaltet sich immer mehr, bis das Böse in dem Song fast greifbar wird. Spätestens dann, wenn die Vocals abgehakt in Mikro geschleudert werden und nur von Dany und Marius an Bass und Drums begleitet werden, läuft es einem vor Furcht und Abscheu eiskalt den Rücken runter. Dazu kommt der heftige Groove, der "Sent To Pester" innewohnt und fertig ist der erste "Ohrwurm" von Skinjob. Zumindest ging es mir so, dass ich mir diesen Song immer wieder anhören musste und ihm nicht mehr aus dem Kopf bekam. Aber das ist vielleicht genau das gleiche wie mit Bildern von schweren Verletzungen, man will sie nicht sehen, muss aber immer wieder hingucken und hat sie dann immer wieder vor Augen.


"Innovating The Inquisition" ist ein Album, was den Finger tief in die Wunden der Menschheit legt und kräftig Salz einreibt. Es ist ein krankes Album über ein krankes Thema! Und doch ist es etwas zugänglicher als sein Vorgänger geworden, es enthält Spuren von einem melodischen Ansatz und hat des öfteren einen heftigen Groove in den Songs. Der Name Skinjob steht immer mehr für eine Sache: Sludge von hoher Qualität (mit der Betonung auf Qual) aus Mittelhessen!


Tracklist:

1. Overthrow/Undertow

2. Sent To Pester

3. Blush Response

4. Neglect And Cold Isolation

5. Corrective Discipline Blues

6. Monarch


Bewertung:

8,5 von 10 Punkten


PS: hier der Link zu Reverbnation, wo man sich drei der Songs von "Innovating The Inquisition" anhören kann

Weitere Informationen

  • Band: Skinjob
  • Album Titel: Innovating The Inquisition
  • Erscheinungsdatum: 19.12.2014
  • Fazit: "Innovating The Inquisition" ist ein Album, was den Finger tief in die Wunden der Menschheit legt und kräftig Salz einreibt. Es ist ein krankes Album über ein krankes Thema! Und doch ist es etwas zugänglicher als sein Vorgänger geworden, es enthält Spuren von einem melodischen Ansatz und hat des öfteren einen heftigen Groove in den Songs. Der Name Skinjob steht immer mehr für eine Sache: Sludge von hoher Qualität (mit der Betonung auf Qual) aus Mittelhessen!
Gelesen 1742 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 07 Januar 2015 22:15

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