Montag, 02 Dezember 2013 12:50

Skinjob - Proverbs for the Prodigal

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Proverbs for the Prodigal Proverbs for the Prodigal Skinjob

„Crude Sludge Art“ verspricht das Debüt-Album des Vierers aus Marburg. Was das Album kann, wird dieses Review beleuchten. Erwartet keinen neutrale Bewertung, weil der Rezensent mit Bandmitgliedern befreundet ist, aber eine Beschreibung dessen, was da aus den Lautsprechern quillt.

Sludge ist ja so eine Sache. Diese Musik ist so sperrig, dass sie sich wahrlich in keine andere Schublade stopfen lässt. Sludge ist fast schon das Epitom des untergründigen, denn Profit kann man damit nicht wirklich machen. Selbst Szenegrößen wie „Eyehategod“ bringen es nach 25 Jahren Bandgeschichte und vier Alben gerade mal auf 6.500 (eingeschworene) Facebookfans. Dennoch gilt hier das fast schon mantramäßig vorgetragene „muss-man-mögen-oder-es-eben-lassen“ nicht. Skinjob möchte nicht gemocht werden. Skinjob möchte auch nicht, dass man ihre Musik mag. So verbreitete die Band die Links zu ihrem Player mit den Worten „Take it as a dare (nehmt es als Herausforderung)“.

 

Ich habe mich dieser Herausforderung gestellt und hier ist, was ich gehört habe. Das Album umfasst 8 Tracks, die Marschrichtung wird aber schon bei der ersten Nummer „Monitors of Nil“ klar: Extrem tief gestimmte Instrumente, begleitet von Samples endzeit-propagierenden Samples aus dem Film „V wie Vendetta“ kreieren einen Soundteppich, der zäh wie Pech aus den Boxen trieft. Das zunächst spartanisch eingesetzte Schlagzeug dient hier eher der Untermalung als der Rhytmisierung. Wenn dann schließlich die Vocals einsetzen ist die Bezeichnung „Crude Sludge Art“ wirklich Programm. Sänger Henning kreischt und röchelt, würgt geradezu den Text hervor. Das Schema zieht sich durch alle 8 Songs. Doom Metal und zäher Hardcorepunk treffen auf rohen Blues mit Southern Rock-Schlagseite und vereinzelten Noise-Ausbrüchen Neben „Eyehategod“ bezieht sich die Band auf „Iron Monkey“, „Acid Bath“ und „Arson Anthem“.

 

Diese Songs schmerzen. Und das nicht nur im Kopf, wenn Skinjob Rückkopplungen dem Soundgewand hinzufügen. Nein, diese Songs schmerzen physisch, enthalten sie doch durchgehend den Schrei „I want more life, Fucker“ und rechnen mit unserer lausigen Existenz auf dieser Welt ab. Schmerz, Wut, Selbsthass sind die prägenden Motive dieses Albums. Dieses Album ist genauso sperrig, wie die Musik aus der es stammt. Das ist nichts für nebenbei oder vor der Kirche. Die Songs gehen schwer in den Kopf, bleiben aber drin. Nicht wegen ihrer schönen Melodien oder ihres Ohrwurmcharakter, sondern wegen der transportierten Gefühle. Eindringlich. Zieht es euch rein, take it as a dare.

 

Tracklist:

01. Monitors Of Nil

02. Anti-Life Equation

03. Skin-Job

04. Partizan Faith

05. Carapace And Thorn

06. Callous Unemotional Traits

07. Cancer, Rats And Dobermans

08. Resurrection Parasite

 

Weitere Informationen

  • Band: Skinjob
  • Album Titel: Proverbs for the Prodigal
  • Erscheinungsdatum: 13.12.2013
  • Fazit: Eindringlich. Zieht es euch rein, take it as a dare.
Gelesen 1619 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 05 Dezember 2013 11:16

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