Donnerstag, 23 Mai 2013 23:48

10.05.2013 - Illdisposed, Epitome, Nuclear Salvation, HATEdotCOM - Hagen

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Metalkonzerte im Nordrhein-Westfälischen Hagen sind, dank der Metal Maniacs Society, schon lange keine Seltenheit mehr. Dass sich am 10.05.13 nun auch endlich mal ein mehr als nur potenter Headliner in das kleine Städtchen am Rande des Sauerlandes verirrte, glich jedoch schon einer kleinen Sensation, die es einer Kooperation aus oben genanntem Verein und dem Konzertveranstalter Violent Entertainment zu verdanken gilt. Grund genug, dass sich das UG-Chapter NRW in Gestalt von Herbert und Boern zu einem Besuch hinreißen ließ.

Mit dabei waren die Toursupports Nuclear Salvation aus Schweden und Epitome aus Paderborn, letztere rund um den Ex-Bloodwork-Frontmann David Hambach, allein das spricht für Qualität.

Doch zunächst sollte mit einiger Verzögerung der lokale Support HATEdotCOM, die bis dahin zahlenmäßig doch recht schwache Meute unterhalten, der zweite lokale Support Grown Cold musste leider absagen.
Mit absolut gutem Sound und dazu spielerischer Präzision bewiesen  HATEdotCOM, dass sie definitiv kein unbeschriebenes Blatt mehr in der lokalen Metalwelt  sind.
Leider ließ sich das Publikum zu so früher Stunde noch nicht wirklich mitzureißen. Schade, denn ihr moderner, eher im Midtepmo angesiedelter, Metal mit einigen Death-, Thrash- und Core-Einflüssen hatte dabei eigentlich das Potential dafür.

Nachteilig wirkte allerdings vielleicht das etwas unausgegorene Posing. Während Gitarristen Jens (Ex-Agamendon) und Roman sowie Sänger Tim es streckenweise deutlich übertrieben, dürfte  Basser Sebastian gerne eine ordentliche Portion Bewegung nachlegen. Und auch strukturell würden den Songs mehr Riffgranaten wie im aktuellen Videooutput „Demons“ gut tun.

Grundsätzlich allerdings eine sehr solide Leistung, jedoch mit Luft nach oben.

Nach etwas mehr als einer halben Stunde Show war der Spaß dann auch vorbei und die lokale Gastronomie wurde getestet, für den geneigten Besucher, der das Kultopia in Hagen noch nicht kennt, sicherlich nicht uninteressant. Der halbe Liter Hopfenkaltschale schlägt mit 2,80€ zu buche, für den kleinen Durst gibt es die 0,3er Variante für 1,80€. Wer mitgerechnet hat stellt fest: Wer viel Durst hat fährt mit der großen Variante über den Abend günstiger.

Zeit, selbiges Bier zu genießen, blieb reichlich, denn die Umbaupause zu Nuclear Salvation sollte einige Zeit in Anspruch nehmen, wurde doch das gesamte Schlagzeug ab- und ein E-Drum-Set in der Bühnenmitte aufgebaut.

Nach ca. einer halben Stunde Umbau hatten sich denn auch etwas mehr Besucher als bei HATEdotCOM aus den Raucherbereichen vor und hinter der Location in den Saal verirrt, sodass die sehr junge Truppe aus schwedischen Landen mittlerweile ein für hiesige Verhältnisse annehmbar gefülltes Auditorium erhielt.

Nuclear Salvation schlugen deutlich härtere Töne als ihre Vorgänger an, moderner Death Metal mit ordentlichem Einschlag aus Götheborg wurde ohne große Umtriebe auf die Zuschauer losgelassen. Instrumental überaus sauber, die Drums präzise wie selten und auch der inhale-artige Gesang war nicht nur interessant, sondern auch durchaus überzeugend. Wider Erwarten fügte sich auch der Sound des „künstlichen“ Schlagzeugs nach einigen Minuten in den Bandsound ein, weniger störend als gedacht.

Eine wirklich starke Band, von den Jungs darf in den nächsten Jahren sicherlich einiges Erwartet werden.

Ach ja: Der Trommler spielt übrigens nur mit „eineinhalb Armen“, die Hälfte des linken Armes ersetzt eine Prothese. Hätte man es nicht gesehen wüsste man es nicht, er steht „vollbearmten“ in absolut nichts nach. Ganz großer Respekt an dieser Stelle!

Letzte Ausfahrt vor der Vernichtung durch die mächtigen Illdisposed: Epitome aus Paderborn. Nach einem getragenen Intro mit reichlich Piano und Streichern walzten sie im Midtempo mächtig nach vorne los, offenbar endlich Grund genug für den Großteil der immer noch draußen verweilenden Masse, endlich mal reinzukommen und sich immerhin gleich ambitioniert zur Sache zu gehen. Die, die ihr da draußen standet, warum nicht gleich so? Ihr habt bei der Truppe davor echt was verpasst!

Musikalisch blieben Epitome der Linie ihrer direkten Vorgänger treu, Deathmetal mit schwedischem Einschlag stand auf dem Programm. Diesmal jedoch mit starkem modernen Einschlag, man könnte es fast Core nennen. Jedenfalls war man mit der Kapelle dann definitiv bei „professionell“ angekommen. Definitiv ein ganz anderes Kaliber als die Bands davor und wirklich unglaublich auf den Punkt gespielt. Trotz des teilweise arg überzogenem Posings des Trommlers und vielen Zwischenintros mit anschließendem Synthysamplings eine mehr als überzeugende Darbietung, die dringend nach einer Wiederholung schreit.

So, schnell nochmal 2.40 EUR investiert und dann war es auch schon Zeit für die Kopfzeile, zu Neudeutsch Headliner. Illdisposed aus Dänemark. Wer die Truppe rund um Frontblondine Bo Summer kennt weiß, Dänen lügen nicht! Und gelogen haben sie auch an diesem Abend nicht. Der kleine Bo, dem einen oder anderen ist er vielleicht auch von der Blastkapelle Panzerchrist bekannt ist, wo er zeitweise schon mächtig Alarm an den Vocals macht, brüllte auch an diesem Abend wieder alle und alles in Grund und Boden. Der Sound braucht nun auch nicht nochmal erwähnt werden, der war einfach den ganzen Abend top, aber leider hat der gute Bo in den Ansagen etwas leise gesprochen. Schade, denn wer Illdisposed schon einmal live gesehen hat weiß, dass der Mann am Micro gerne Deutsch redet und die Ansagen meist sehr zur allgemeinen Erheiterung beitragen. Nun, an diesem Abend wurde musikalisch erheitert und das durchweg durch die ganze Meute. Wir, die wir ja schon des Öfteren mal bei Konzerten im Hagener Kultopia zu Gast waren, können sagen: So voll haben wir den Laden noch nie gesehen. Der Laden war aber nicht nur voll, sondern die Stimmung auch auf dem Siedepunkt. Man kann mit Recht davon ausgehen, dass nicht nur beim Team UG das Haarekämmen am nächsten Morgen ziemlich lange gedauert hat. Illdisposed bewiesen auch an diesem Abend mal wieder, dass sie eine solide Bank sind. Songauswahl wie immer ein bisschen von allem und das ist auch gut so. Die Band scheint durchaus zu wissen welche ihre beste Platte ist („The Prestige“, released 2008 und an dieser Stelle ein absoluter Tipp!) und nutzt dies auch schamlos aus! Natürlich gab es auch vieles von ihrer aktuellen Platte „Sense The Darkness“ aus dem Jahre 2012 aber gegen Ende der Show wurde dann doch wieder auf Nummer sicher gesetzt und „Ich bin verloren in Berlin“ von der… genau, „Prestige“ gezockt.

Alles in Allem ein sehr gelungener Abend. Alle hier aufgeführten Bands sollte man sich mal zu Gemüte führen, selbst wir waren teilweise überrascht was da geboten wurde. Danke ebenfalls an die Tonmenschen, durchweg so guten Sound haben wir in so einer Semi-Location lange nicht mehr erlebt. Ganz besonderer Dank natürlich auch an die „Metal Maniacs Soceiety“, die in Hagen, was nun wirklich fast ganz am Rande der Erdscheibe ist, mit viel Initiative die Metal-Fahne hochhalten, und natürlich Violant Entertainment.

Weitere Informationen

  • Band(s): Illdisposed, Epitome, Nuclear Salvation, HATEdotCOM
  • Wann: 10.05.2013
  • Wo: Kultopia, Hagen
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