Samstag, 19 Januar 2013 19:00

19.01.2013 Back To The Black Tour, Turock, Essen + Vader + Aborted

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Back To The Black Tour Vader Back To The Black Tour Vader

Wenn das UG-Chapter NRW unterwegs ist darf der geneigte Undergroundfreund nichts als ehrliche Worte und knallharte Recherche erwarten – So auch auf dem Vader Konzert im Turock in Essen – Enjoy!

Da kommt man einmal aufgrund der Witterungsverhältnisse etwas später als offizielle „Doors Open Time“ und zack, hatten die Veranstalter noch zwei weitere Bands in das Billing gequetscht. Mist! - Denkt sich der rasende Reporter und versucht von den Leuten, die schon vor Ort waren eine Reaktion, Einschätzung oder zumindest den Namen der Truppe zu erfahren, die da grade den Abend entjungfert hatte… Aber nichts zu machen. Die Reaktionen waren nicht so, als dass ich sie exakt wiedergeben müsste. Es reicht wohl zu erwähnen das des Öfteren das Wort „SCH…“ fiel und dabei können wirs auch direkt belassen.


Kaum drin geht auch schon die erste, bzw. jetzt also zweite Band los. Und nein, es ist nicht „Bonded by Blood“ sondern… Tja, gute Frage…!!!??? Wieder weiß keiner wer die sind. Kein Banner hinter der Band, sie stehen nicht auf dem Flyer, nichts… Die Informationspolitik bis hier her spartanisch! Nun, so beschreibt man was einem die Sinne zu tragen. Eine der Ansagen lässt zumindest vermuten, die kommen aus Südamerika? Kalifornien? Jedenfalls aus den USA oder der „Ecke“ eben. Musikalisch präsentiert die Band einen Mix aus Limp Bizkit und Sepultura. Wobei das Auffälligste wohl das komplett tätowierte Gesicht des Sängers gewesen sein dürfte. Wie man merkt, ist man schwer geneigt in pure Stichwortkalauerei zu verfallen. Die Ratlosigkeit im Publikum ist ebenfalls groß und die Leute sind weit davon entfernt ausgelassen zu feiern. Ich mach es kurz: Neben dem schon angesprochenen Genremix fällt der Basser mit seinem 6 Saiter musikalisch wohl als erstes ins Auge. Schönes Instrument, aber an sich unnötig für das was er da spielt. Die Drums spielen eben das, was man von Südamerikanern erwartet und sind klar an Sepultura orientiert, was dem Ganzen immerhin eine verspielte Note verleiht und trägt auch nicht unwesentlich zu den dann doch teilweise recht fetten Parts gegen Ende des Sets bei. Bezeichnend ist wohl die Reaktion eines Zuschauers der mich in ca. der Mitte des Sets anschaut und mit Verwunderung feststellt, dass die Texte auf Spanisch sind. Man weiß teilweise nicht ob man auf einmal auf einem Hip Hop oder Hard Core Konzert ist - dazu wie erwähnt keinen Plan wie die Band eigentlich heißt und warum sie da stehen und dementsprechend fällt auch die Reaktion vor der Bühne aus. Auch hier kein weiterer Kommentar...


Endlich können wir zum Speiseplan übergehen und es folgt: „Bonded by Blood“ - Immerhin stehen die schon mal auf dem Flyer und präsentierten musikalisch dann das, wonach die Band davor ausgesehen hatte und es wurde einem schnell klar dass es sich hier um klassischen Bay-Area Trash handelt. Präsentiert wurde primär die aktuelle Platte „The Aftermath“ - die Texte waren nun auch etwas verständlicher und die Sprache von Spanisch ins gewohnte Englisch gewechselt und langsam taute nun auch das Publikum auf. Es gab den ersten Pogo-Circle als Bonded by Blood“ den Einen oder Anderen auf dieser Veranstaltung vor die Bühne gezogen hatte. Wer sich in der Bay-Area-Szene zuhause fühlt, wird diese Jungs wohl auch mögen, für alle anderen kann man es unter: „Es war wohl Metal“ zusammenfassen. Eine interessante Abwechslung waren allerdings die schon fast Powermetal artigen Screams, welche Mauro Gonzales in seine Gesamtdarbietung einbrachte.


Nächster Halt: „Aborted“: Was war denn da los? Wusste man bei den ersten Bands nicht so ganz woran man ist, kloppte einen der Nerd an den Drums jetzt schon beim Soundcheck aus den Latschen! Setzt sich an seinen Arbeitsplatz und prügelt ohne dabei mit der Wimper zu zucken auf seine Töpfe ein, dass dabei gefühlt mehr Anschläge dabei raus kamen, als alle Bands davor in ihren ganzen Songs zusammen geschafft haben! Interessant ebenfalls die Stirnbandkamera, die der Junge trug - Die Bilder würd ich gerne mal sehen! Musikalisch, für alle denen Aborted nichts sagen sollte, war es in die Richtung Brutal Death/Grind, a la Benigthed oder Dying Fetus und man kann es sehr passend unter „Krieg“ zusammenfassen! Der Frontbrunfer brüllte, screamte und grunzte sich die Lunge aus dem Leib, die Drums spielten grundsätzlich Blastbeats garniert mit einer dezenten 32tel basierten Bassdrum und weil sowas ja nun auch schnell „langweilig“ wird… wurde kurze Hand gegen Ende des Sets auf Gravityblasts umgestellt! Technisch sind die Jungs definitiv eine Wucht und wissen was sie da tun! Wem das jetzt zuviel Fachvokabular ist, der gebe bitte einmal „Ken Bedene“ bei einer bekannten Videoplattform ein und bilde sich selbst ein Urteil. Das Publikum konnte sich nun auch nicht mehr halten, ein Pogo wie in einer Waschmaschine und eine Wall Of Death gab es gratis dazu - Alles was das Herz begehrt! Sind Aborted auf ihrer aktuellen Scheibe „Global Flatline“ vergleichsweise stubenrein abgemischt, könnte man fast denken, sie rächen sie sich bei ihrer Liveperformance ganz ordentlich dafür. Wer die Buben nicht kennt, oder wem auf CD das gewisse Etwas fehlt, sollte bei der nächsten Möglichkeit die Truppe live zu sehen auf jeden Fall vor die Bühne schlendern! In natura, ist es so etwas ganz anderes als das was die Platten der Jungs rüberbringen. Der Sound war ebenfalls Bombe und verdammt laut, viel mehr hätte die PA des Turock wohl nicht mehr hergegeben. Fazit: Gelungener Auftritt! Hatte man sich bei Bonded by Blood warm getrunken und war bei Aborted schon mal etwas herumgehüpft, wartete man nun auf die Headliner des Abends. Vader!


Sind die Buben um Frontmann Piotr, zu Deutsch Peter, unter anderem für ihr flottes Schlagzeug bekannt, wirkte es nach dem Massaker welches Herr Bedene an der Schießbude von Aborted abgeliefert hatte, schon fast wie leicht entspanntes Getrommel. Insgesamt war für ein Vader Konzert sowieso viel „ruhiges“ Songmaterial dabei. Stand das ganze unter dem Slogan: „Back To The Black Tour" gab es von Vader primär Material der Platten "Black To The Blind" und "Sothis" und eben kein reines Live-Baller-Set wie man es sonst gewohnt ist. Ein Manko, dass man anmerken muss, war leider der Sound. War er nicht nur viel leiser als bei den Kapellen davor, war es vor Allem ein einziger Brei. Zwar war alles da, sprich jedes Instrument war zu hören, aber weder ergaben die Gitarren ein Brett noch drückte das Schlagzeug einen die Augen aus dem Kopf. Selbiges zählte auch für Bass und Vocals. Nun klingt das jetzt vielleicht alles etwas negativ, liegt dies aber simpel an der Tatsache, dass Vader die Messlatte für sich im Verlauf der Zeit einfach verdammt hoch gelegt haben! Und es sei gesagt es war auch an diesem Abend bei Leibe nicht schlecht! Songs wie „Fractal Light“ und „Return To The Morbid Reich“ ließen die Stimmung jedenfalls kochen und auch Pogo und Kopfkreisen waren Krieg - Was will man mehr? Zum Schluss gab es neben einem Black Sabbath Cover noch das obligatorische „Raining Blood“ Cover, der nicht ganz unbekannten Popgruppe „Slayer“. Da sind sie dann was Stimmung angeht wohl doch lieber auf Nummer sicher gegangen. Bleibt zu sagen: Es war ein Abend wie Speck. Durchwachsen eben. Konnte man die ersten Bands unter den Stichpunkten „Kultur“ oder „warm trinken“ verbuchen, wurde einem bei Aborted und Vader dann die Offensive geboten, in deren Erwartung man sich dort versammelt hatte. Mit über 400 Leuten war das Turock in Essen knapp vor Ausverkauft und so war man auch zu keinem Zeitpunkt alleine auf der Tanzfläche und Nacken sowie Ellenbogen hatten gut zu tun. Schade, dass der Sound zuletzt so schlappt machte, aber man kann wohl einfach nicht immer alles haben.


Als „PS:“ möchte ich anmerken, dass trotz Nachrecherche nicht heraus zu finden war, wer die ersten beiden Bands waren… Und wer so versagt was Werbung/Marketing etc. angeht und damit keine Nennenswerte oder teilweise sogar negative Resonanz im Publikum erzeugt, hat es dann auch nicht verdient das man da hinter her rennt. Wir drücken auch den eingesprungenen Bands dass hier nächstes Mal nachgebessert wird! Alles in allem waren die knapp 20 EUR Eintritt für den Abend aber auch für Aborted und Vader allein Ok, so kann man den Rest zur Not auch vergessen ohne sich darüber ärgern zu müssen für alle Bands gezahlt zu haben.

Weitere Informationen

  • Band(s): Vader, Aborted, Bonded By Blood
  • Wann: 19.01.2013
  • Wo: Turock, Essen
Gelesen 2163 mal Letzte Änderung am Sonntag, 03 Februar 2013 21:12
Dustin

 


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