Montag, 17 Februar 2020 19:31

07.02.2020 - Album-Release-Tour - Helvete Oberhausen +++ The Spirit + Karg + Groza +++

geschrieben von Cosmic Dancer & Haimaxia

Vergangenen Samstag warfen gleich zwei grandiose Bands ein neues Werk auf den Markt. So kam es zu einer Co-Headliner-Album Release-Show von The Spirit und Karg. Für letztere war es eine der wenigen Clubshows für die nächsten Zeit. Folglich war das Helvete so voll wie schon lange nicht mehr. Unterstützt wurde der Abend durch Ancst und Groza.

Dass eine Black Metal-Veranstaltung im Helvete als ausverkauft deklariert wird, ist wirklich eine Seltenheit. Es ist erfreulich mit anzusehen, dass bei einem derartigen Überangebot an Musik, wie es im Moment herrscht, die Fans es noch immer wertschätzen können, wenn zwei hochkarätige Bands zeitgleich ein neues Album herausbringen und wieder Konzerte geben. Menschen mit gutem Musikgeschmack sind also noch lange nicht ausgestorben und, wenn diese weiterhin Konzerte besuchen und für ausverkaufte Locations sorgen, ist die Weiterexistenz einer Underground-Szene vielleicht doch nicht so gefährdet, wie es manchmal den Anschein macht. Man konnte sich also auf einen großartigen Abend in einer rappelvollen Halle bereit machen.

Den Anfang machten die Bayern Groza, bei denen einem eine wirklich positive Entwicklung auffällt: Zu Anfangszeiten noch als billiger Abklatsch einer der aktuellen Speerspitzen des Black Metals abgewunken, präsentieren sich Groza nun als eigenständige Band mit eigenen Einflüssen und Ideen. Guter Sound – welcher, um sich nicht zu wiederholen, den ganzen Abend anhielt – gepaart mit einer ungewohnt guten Lichtshow sorgten für mitreißende Atmosphäre und es wurde zu einem mehr als guten Opening-Gig des Abends, auch wenn sich bereits zur Opener-Band die Besucher bis zur hinteren Bar und im Eingangsbereich drängten.

Ein Abend mit Bands aus den verschiedensten Bereichen des Black Metals, welcher folgend den ersten Ausreißer bereithielt: Ancst. Für den, der die Musik der Berliner nicht kennt, könnte man sie als Crust/Black Metal mit starken Einflüssen aus dem Hardcore beschreiben. Das Ganze geht live unglaublich nach vorne, aber am Ende sind die Einflüsse der Core-Musik doch etwas zu stark. Nichtsdestotrotz legten die Männer um Tom einen guten Auftritt hin, der vor allem dank des sein Instrument in Lichtgeschwindigkeit malträtierenden Schlagzeugers in Erinnerung blieb. Wer auf genannte Musik steht, wird bei Ancst definitiv gut aufgehoben sein, wem das Ganze zu „punkig“ wurde, der verließ den Saal. Es ist schön, bei einem Konzertabend derartig viel Abwechslung sehen zu können, ohne von der einen langweiligen Schrammel-Band in den nächsten systemlosen Hau-Drauf-Haufen geworfen zu werden, wie es manchmal der Fall ist. Gleichzeitig machten Ancst aus dem eigentlich unpolitischen Konzertabend eine politische Veranstaltung, indem sie sich klar gegen Rechts positionierten, damit aber im Publikum viel Zuspruch erhielten. Traurig nur die Geschichte, die sich im Nachgang der Tour abspielte. (Mehr dazu hier)

Karg aus dem österreichischen Salzburg durften als erster von zwei Headlinern als nächstes ihre neue Musik präsentieren. Die Band um V. Wahntraum, seines Zeichens auch Sänger bei Harakiri for the Sky, spielte eine starke Show mit Songs von ihrem Neuwerk „Traktat“, welches am selben Abend auch seinen Release hatte. Vor allem blieben Stücke wie „Alaska“ oder „Tod, wo bleibt dein Frieden“ in Erinnerung – aber auch ältere Songs wie das französische betitelte „La Tristesse Durera Toujours“ oder „Petrichor“ vom Vorgänger-Album „Dornenvögel“ luden ein, sich in der heraufbeschworenen Melancholie der Songs zu verlieren. Gerade bei letzterem ist der in österreichischem Dialekt gehaltene „Lang lebe der Tod“-Fanal bestes Zeugnis für die träumerische, düstere Schwere und die depressive Ader der Stücke von Karg. Böse Zungen mögen zwar behaupten, es bestünden rein klanglich nicht viele Unterschiede zwischen Harakiri for the Sky und Karg, was vielleicht auf die Atmosphäre beim Gig zutreffen mag, aber nicht auf die Couleur der Songs, die durch die (zumindest im Kern) deutsche Sprache für den Muttersprachler eine ganz andere Tiefe entfalten. Was für ein Konzert!

Das neue Album „Cosmic Terror“ lief bei unserem Team schon den ganzen Tag in Dauerschleife - in der Hoffnung, dass möglichst viele Lieder des neuen The Spirit-Werks abends auch wirklich gespielt würden. Immerhin zwei präsentierten The Spirit den Zuschauern. Der Rest bestand aus Liedern des Vorgängers „Sounds from the Vortex“, welcher nicht minder grandios ist. Bei Musikern dieses Niveaus konnte nichts schief gehen und so sollte es auch kommen: Die Saarländer gaben sich in Topform und heizten dem ausverkauften Club ordentlich ein. Ohne Zeit zu verschwenden gaben The Spirit so viel musikalisches Material von sich preis wie möglich und schlossen damit einen beachtenswerten Konzertabend in Oberhausen. Wer noch die Möglichkeit hat, einen der anderen Tour-Termine wahrzunehmen, diese Dissection-Vibes mitzunehmen, der sollte dies auf alle Fälle tun!

 

 

Weitere Informationen

  • Band(s): The Spirit, Karg, Ancst, Groza
  • Wann: 07.02.2020
  • Wo: Helvete Metal Club, Friedrich-Karl-Str. 63 in 46045 Oberhausen
Gelesen 1442 mal Letzte Änderung am Montag, 24 Februar 2020 21:20

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