Samstag, 21 September 2019 18:00

UNTER DEM RADAR - SUN WORSHIP (BLACK METAL)

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In Zeiten, in denen Bands wie Winterfylleth oder Wiegedood durch die Decke gehen und zu wahren Lieblingen der Black Metal-Szene avancieren, wird die Frage laut, ob auch aus der deutschen Ecke vergleichbare Bands kommen. Aber warum eigentlich vergleichbar? Vielfach zeichnet sich moderner Black Metal -man blicke vor allem nach Frankreich- durch eine stark wachsende Avantgarde aus. Dies ist nicht schlecht, aber für Freunde geradliniger Musik oftmals zu viel des Guten. Glücklicherweise gibt es aber ja die andere Seite: Und zu dieser kann man Sun Worship zweifelsohne auch zählen.

Die Musik der Berliner zeichnet sich durch Konsequenz und Härte aus, sie halten die Alben grundsätzlich sehr spartanisch und verzichten auf nennenswerte Ausreißer. Diese schnörkellose Präsentation fand in den letzten Jahren starken Anklang und sorgte für bemerkenswerte Live-Auftritte, etwa 2015 auf dem Roadburn oder im Frühjahr dieses Jahres auf dem Culthe Fest in Münster.

Seit ihrem letzten Album "Pale Dawn" sind die mittlerweile nur noch zwei Musiker beim Label Golden Antenna gelistet, welches sich vor allem auf Black und Sludge Metal spezialisiert hatte und derzeit neben Sun Worship auch Phantom Winter führt. Die vorangegangenen Platten wurden jedoch bei unterschiedlichen, kleineren Labels veröffentlicht. Mittlerweile ist die letzte Platte auch schon drei Jahre alt, aber dennoch der aktuellste Output der Berliner (Live-Alben ausgenommen). Daher werfen wir zur näheren Betrachtung einen Blick auf diese Platte.

Aktuelle Besetzung

Bastian Hagedorn - Drums

Lars Ennsen - Guitars, Vocals

Diskographie

2012 - Split mit Earth Chaos

2013 - Surpass Eclipse (EP)

2013 - Split mit Unru

2014 - Elder Giants (Album)

2016 - Into the Vortex (Split mit Ancst, Tooth Decay, Voydn)

2016 - Pale Dawn (Album)

2018 - Eleven Four Fifteen (Live-Album)

Review zu "Pale Dawn"

Die Worte „Konsequenz“ und „Geradlinigkeit“ sind in der Einleitung ja schon mehrfach gefallen. Jedoch erfüllt "Pale Dawn" mit seinem Titeltrack direkt zu Beginn des Albums beide Kategorien. Kein Intro, keine langen einleitenden Melodien. Es geht von der ersten Sekunde an in schwindelerregendem Tempo los und verhält sich über die ersten neun Minuten auch durchgehend so. Die Gitarren hämmern einem ihre monoton-eingängigen Riffs in die Hirnrinde und das Schlagzeug tut alles Notwendige, um auch wirklich jeden von den Füßen zu heben. Während dieser erste Track noch sehr an die bereits erwähnten Wiegedood erinnert, bringt "Lichtenberg Figures" erste Winterfylleth-Vibes auf die Platte.

In den ersten 40 Sekunden spielt nur die Gitarre und präsentiert die Melodie, auf welcher der gesamte Titel aufbaut. Nach rund einer Minute kann man diese aber eigentlich getrost zur Seite stellen, da Schlagzeug und Gesang in den Vordergrund rücken und die Gitarre in einer wirklichen Sound-Wand verschwindet. Ab und an hört man die Melodien aber noch heraus, in der Mitte des Songs wird sogar etwas im Riffing variiert und gegen Ende nehmen Sun Worship sogar etwas Würze aus der Suppe und verlangsamen die ganze Partie. Allerdings nur, um mit "Naiad" wieder gehörig los zu knüppeln. Auch hier lassen sich wieder Vergleiche heranziehen, in erster Linie vielleicht Wolves in the Throne Room. Die Berliner befinden sich musikalisch also in bester Gesellschaft und zeigen auf "Pale Dawn", dass sie mit den genannten Vertretern auch sehr gut mithalten können. "Naiad" bringt vermutlich die komplexeste Instrumentalisierung der Platte mit sich und verspricht gute zehn Minuten Hochspannung.

Mit dem letzten Stück "Perihelion" runden Sun Worship eine durchweg wuchtige und aggressive Platte ab und sorgen erneut für ein wahres Feuerwerk. Das übliche Crescendo, der kratzige Gesang und das abartig schnelle Trommelspiel bilden den Kern von "Pale Dawn" und fassen das bisherige Werk Sun Worships gut zusammen.

Das Fazit: Zugegeben, Sun Worship waren für unser Team kein Pflichtprogramm auf dem Culthe Fest 2019, denn man kannte einfach zu wenig von ihnen. Dennoch begab man sich in die ersten Reihen und staunte nicht schlecht, was zwei Musiker live alles so anstellen können. Während Lars die Gitarre bearbeitete und ab und zu ins Mikrofon brüllte, vergewaltigte Bastian geradezu das Schlagzeug. Nachdem man sich dann dem Gesamtwerk Sun Worships, allen bisherigen Releases und vor allem das großartige "Pale Dawn" ausgiebig zu Gemüte geführt hat, kann man definitiv sagen: Sun Worship zählen zu den massivsten und stärksten deutschen Black Metal-Bands, die einem in den letzten Jahren zu Ohren gekommen sind. 

Tracklist:

01. Pale Dawn

02. Lichtenberg Figures

03. Naiad

04. Perihelion

Bevorstehende Live-Termine:

25.10.2019 - Zukunft am Ostkreuz, Berlin (mit Turia)

31.10.2019 - Halle am Rhein, Köln (mit Hypnodrone Ensemble, N+Bolt)

02.11.2019 - JZ Stricker, Bielefeld (mit Außerwelt, Naxen)

Weitere Informationen

Gelesen 591 mal Letzte Änderung am Sonntag, 22 September 2019 14:32
torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Perihelion Sun Worship / Pale Dawn / Golden Antenna Records

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