Samstag, 09 März 2019 20:00

UNTER DEM RADAR - JUPITERIAN (SLUDGE/DOOM METAL)

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An trüben Tagen im Winter tendiert die Laune oft dahin, sich den drückend schweren Tönen von Drone, Doom oder Sludge hinzugeben, während man in deren Tiefen versinkt. Jupiterian aus Brasilien schafften es wie keine andere Band dabei mir so lang im Gedächtnis hängen zu bleiben, wodurch sie sich den Platz beim diesmaligen "Unter dem Radar" mehr als verdient hatten. Nicht zuletzt aufgrund ihrer stetig wachsenden Bekanntheit wird es Zeit auf die Formation aus Südamerika einen genauen Blick zu werfen. 

Faulheit kann man der Formation aus São Paulo wirklich nicht nachsagen, brachten sie doch seit ihrer Gründung 2013 jedes Jahr mindestens ein Werk hervor. Auch wenn es stets kleine Schritte waren, entwickelte sich die Band konsequent weiter und wuchs zu einer Größe des brasilianischen Atmospheric Doom Metal heran. Trotz Nebenprojekten von einzelnen Membern wie den ebenfalls interessanten The Black Coffins bleibt die Band ihrer Linie treu und bekommt auf aller Welt verdiente Anerkennung. Auf ihrer aktuellen Tour mit unter anderem Gaerea und Krypts macht die Band auch einige ihrer raren Stopps in Deutschland, die sich jeder Doom-Interessent im Kalender markieren sollte. 

Aktuelle Besetzung

V – Vocals, Guitars

A – Guitars

R – Bass

G – Drums

Diskographie

 2014 Archaic (EP)

2015 Drag Me To The Grave (Single)

2016 Aphotic (Album)

2016 Mine Is Yours to Drown In (Ours Is the New Tribe) (Single)

2017 URN (EP)

2017 Archaic: Process of Fossilization (Compilation)

2017 Terraforming (Album)

Review zu "Terraforming"

 

Zugegeben, beim ersten Durchlauf des Albums war die Begeisterung eher verhalten und der erwartete "Mindblow" blieb aus. Nach einem so wahnsinnig okkult-finstren Debüt wie "Aphotic", welches sich wie der Hauch des Todes im Nacken anfühlte und um den Hörer schmiegte, schien "Terraforming" eher ganz andere Sphären zu bevorzugen. Doch kaum wich der erste Eindruck mit seinen eingestaubten Erwartungen, da öffnete sich das Album mit all seiner Liebe zum Detail. Erschienen im November 2017 bei Transcending Obscurity Records (u.a. Aphotic Threnody, Dødsferd, Marasmus) bringen wir euch hier die Platte etwas näher.

Einen Langspieler direkt mit einem durchweg dissonanten, monotonen Gitarrenspiel zu eröffnen, ist ohne Frage gewagt und ungewöhnlich. Mit Einsetzen der aus dem Death Metal inspirierten Growls vervollständigt sich das Klangbild, wie man es von früher kannte, bis es dann nach einer guten Songhälfte wieder zerschnitten wird und in eine gewohnt tiefe und basslastige Atmosphäre eintaucht. Das Spiel der okkulten Einflüsse, die teils von Synthesizern erzeugt wird, teils durch den Gesang und die dröhnenden Gitarren, ist so fein umwoben von Sludge und death-angefülltem Doom, dass eine klare Unterscheidung unmöglich wird. Melodien fließen so nahtlos ineinander über, dass kaum der Anfang des nächsten Tracks "Unearthly Glow" vernommen wird, gäbe es nicht einen kleinen melodischen Part am Anfang, der sich immer wieder im Song finden lässt und die Spannung aufrecht hält. Tempowechsel gibt es auch, jedoch dezent und ganz und gar nicht zu aufdringlich, was der Atmosphäre schaden könnte. Eher stark untermalend wirkt die gerade in der Mitte oft vorgenommene Variation der Geschwindigkeit für einen gewissen düsteren Touch, auch maßgeblich durch den Sprechpart.

Nicht weniger fesselnd beginnt "Forefathers" mit einem sanften Glockenspiel und Trommeln aus der Ferne, um dann wieder hinab in tiefere Töne zu stürzen, mit stetig zunehmendem Tempo. Vocals sind weniger präsent, dafür setzt dieser Song mehr auf starke Atmosphäre durch die Instrumente, die, mehr oder weniger gewollt, etwas mehr an Post Metal als an Doom erinnern. Gerade deswegen ist dieser Song wohl eine klare Empfehlung, um die Band kennen zu lernen und ihre Diversität in allen Facetten zu erleben. Düster wie eh und je und in hoffnungsbefreiter Atmosphäre endet der Song allerdings viel zu schnell, um zum Titeltrack deutlich abgegrenzter überzugehen. Ein reiner Instrumentaltrack mit Maurice de Jong, bekannt von Gnaw Their Tongues, der beim ersten Hören zumindest mir einen Schauer über den Rücken laufen ließ. Eine unheimlich dichte, vom Sythesizer dominierte Atmosphäre baut sich hier stückweise auf. Ein Soundtrack wie von einem anderen Planeten steigert sich langsam in eine akustische Untermalung einer Höllenszenerie, untermalt mit nahezu qualvoll anmuteten Screams. Man vergisst die Zeit um sich und stürzt direkt in die Tiefe dieser leider nur knapp 4-minütigen Unterwelt hinein, die einen nie wieder ausspuckt.

Kann man doch aus dieser mit der bloßen Hand schneidbaren Atmosphäre entkommen, erwartet den Hörer mit "Us And Them" ein weiterer Monolith aus Death und Doom Metal. Tief stampfend zieht dieser Song über den Hörer hinweg und bleibt durch seine unglaublich gelungenen tief grunzenden Vocals noch lange hängen. Ebenso wie der letzte Track "Sol" ist hier deutliches Down-Tempo angesagt mit weniger Vocal-Einsatz, welcher die Atmosphäre nicht noch deutlicher untermalen könnte. Wechsel zwischen Dissonanz und harmonischen Melodien und einem kurzen Beschleunigen gegen Ende geben ihr Übriges dazu, um ein fantastisches Album zu krönen, das als Hauptkritikpunkt wohl nur hat, dass es nach nicht einmal vierzig Minuten endet. 

Tracklist:

1. Matriarch

2. Unearthly Glow

3. Forefathers

4. Terraforming

5. Us And Them

6. Sol

Weitere Informationen

Gelesen 1030 mal Letzte Änderung am Sonntag, 09 Juni 2019 12:54
Crimson

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Unearthly Glow Jupiterian - Terraforming / Transcending Obscurity Records

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