Donnerstag, 04 September 2014 20:40

Unter dem Radar: Vanhelga (Black Metal)

geschrieben von Ghostwriter
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Vanhelga (Logo) Vanhelga (Logo) Vanhelga

„Positive music for positive people" - Sehr viel mehr gibt es auf Facebook nicht über Vanhelga (schwedisch für schänden oder entweihen) zu erfahren. Und das obwohl die Band seit 2001 „aktiv" ist und nichts anderes als destruktiven, hasserfüllten und teilweise okkulten Black Metal fährt.

Aber genau das liebe ich an dem Metal, den ich höre...man bekommt es NICHT einfach gemacht und muss sich seine Infos selber zusammensuchen. Sonst wäre es ja auch nicht Metal, sondern Chartsscheisse! Nein, wer mehr über Vanhelga erfahren will, muss tiefer graben und so führt kein Weg an der Encyclopaedia Metallum und dem Label der Jungs (Art Of Propaganda) vorbei, die aber beide nur wenig mehr Aufschluss geben. Erst das gut versteckte Presskit der Schweden auf deren HP hilft, den Schleier etwas zu lüften:


So gründete J. Ottosson aka „145188" Vanhelga in 2001 in Linköping, um seinen Visionen eine Stimme zu geben. Das Beleuchten der Abgründe der Menschheit und die damit zusammenhängenden krankhaften Auswüchse von Wahn, Psychose und geistigem Verfall ist Grundlage seiner und damit Vanhelgas Musik. Diese Black Metal zu nennen, wäre ungefähr so wie aussagekräftig, wie Metal laut zu nennen. Die 5 Schweden experimentieren in ihrem Bereich mit einer an den Tag gelegten Vehemenz, dass sich jedes der seit 2009 erschienen Alben, ja praktisch jeder Song so voneinander unterscheidet, so dass man meinen könnte, es jeweils mit einer anderen Band zu tun zu haben. Seit ihrer Gründung jagt ein Release der fünf den Nächsten. So sind seit 2010 drei Full Length Alben und diverse EPs entstanden, die von der „Fachpresse" zum Teil begeistert, zum Teil verhalten aufgenommen wurden. Die Bühnenpräsenz der Jungs ist aber durch die Studioarbeit kaum getrübt, so kann man die Band z.B. aktuell zusammen mit Agrypnie und Harakiri For The Sky live erleben, was aus meiner Sicht schon genretechnisch einen vortrefflichen und sich gegenseitig ergänzenden „Dreier" ergibt!



vanhelga bandpicture



Aktuelle Besetzung:

J. Gabrielson – Vocals

J. Ottosson – Bass/Vocals

J. Ejnarsson – Guitars

D. Wadström – Guitars

D. Franzén – Drums


Diskographie:

2009 The End Of Reason (EP)

2010 Mortem Illuminate Mea

2010 Disembowel The Illusion (Demo)

2010 The Ensemble Of Dark Desire (Split)

2011 Ängest (EP)

2012 Höst

2013 Sommar (EP)

2014 Längtan

2014 LPT (EP)


Review zu „Höst"



vanhelga host front



Düster, langsam, treibend, dann wieder schnell, drückend und explosiv – unterlegt mit wirren Stimmfetzen, Monologen, Gelächter, Geschrei, Heulen und manchmal gutturalem Gesang und eisigen Screams...ein Spaziergang durch ein Irrenhaus, unterlegt mit harter Musik und live-Lobotomie, könnte sich genau so anhören. Dabei wohnt den Songs aber auch fast immer Melodie und Melancholie gleichermaßen inne und man fühlt sich schnell im Sog der durchdachten Songkonstrukte gefangen. Einen noch besseren Eindruck bekommt man von der Band, wenn man sich die Fanfotos der Jungs anschaut. Hier reiht sich ein Autoagressor an den nächsten und Fanpost besteht meist aus Bildern von blutigen Extremitäten - Positives Denken für positive Leute eben...


Den ersten Kontakt hatte ich mit dem Full Length Album Höst (2012), welches mich nachhaltig beeindruckt und im Review 8,5 von 10 Punkten abgeräumt hat. Damit ihr nicht lange im Archiv von Undergrounded suchen müsst, gibt es hier das Review in seinem original Wortlaut noch mal zum Nachlesen:


145188, was sagt uns diese Zahl? Ganz genau, nichts! Außer natürlich, man hat schon mal etwas von den Schweden Vanhelga gehört. 145188 ist der Frontmann und einstiger Alleinunterhalter der Black Metal Band aus dem hohen Norden und präsentiert uns, in diesem teilweise sehr milden Winter, auf seinem Werk „Höst" Melodien, die einen zarten kalten Hauch aus der Anlage pusten.


2003 gegründet hat sich der Herr mit dem reizenden Namen seither dem rohen, kalten und schwarzem Metall verschrieben und konnte schon auf Demos, sowie dem Debüt, eine gewisse Klasse erahnen lassen. Für die Lyrics hat er sich nun noch seinen Zahlenkollegen 1853 ins Boot geholt, ein ehemaliges Mitglied der Kult Band Lifelover. Obwohl er an der musikalischen Auslegung des Albums noch nicht beteiligt war, merkt man das 1853s frühere Band Vanhelga maßgeblich beeinflusst hat und immer noch tut. Man vermischt düsteren und depressiven Black Metal mit einer ruhigen, fast schon zynischen Note und scheut dabei keine Experimente. Die Erwartungen des Hörers werden analysiert und bewusst durchbrochen. So kommt es, dass stürmische Passagen plötzlich und ohne Vorwarnung unterbrochen werden, um im nächsten unerwarteten Moment, erneut ihre volle Brachialität zu entfalten.


Der Wechsel der Gitarren vom verzerrten und räudigen Sound zu klaren Melodien, ist hierbei Mittel zum Zweck und überzeugt auf ganzer Linie. Beim Gesang verhält es sich ähnlich und man bietet mit tiefen Growls, verstörenden Kreischen, sowie gesprochenen Passagen eine gelungene Abwechslung. Durch instrumentale Einheiten und elektronische Spielereien werden einzelne Songs aufgelockert und machen das Album wesentlich eingängiger und zugänglicher als frühere Lifelover Werke. Wem Lifelover zu experimentell waren, könnte hier besser zurecht kommen. Aber auch allen anderen Black Metal Fans sei das zweite Werk von Vanhelga ans Herz gelegt. Kalte Melodien werden gekonnt mit auflockernden Elementen versehen und bilden so ein kurzweiligen Hauch von nordischer Kälte.

(geschrieben von Samir)


Tracklist:

01. Sinister Longing

02. Lugn

03. Desperation

04. Underbart Sant

05. Overklighet

06. Udda Tankar

07. Sorg

08. Pessimist

09. Vilsen

10. Armageddon

11. Hopplös

12. Livets Bitterhet

Gelesen 3648 mal Letzte Änderung am Montag, 08 September 2014 07:48

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Lugn - Vanhelga Vanhelga

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