Montag, 23 Dezember 2013 21:15

Alte Metalwache Vol. 6 - Angur, Dustopia, Diësis, Sapiency, Darkest Horizon

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Alte Metalwache Vol. 6, Bad Nauheim Alte Metalwache Vol. 6, Bad Nauheim

Man kann es sich nur schwer vorstellen: Metal-Konzerte im beschaulichen Kurort  Bad Nauheim. Doch in der Alten Feuerwache gab es am Freitag schon zum sechsten Mal die “Alte Metalwache”. Es wurde also höchste Zeit, dass mal persönlich zu checken.

Die “Alte Feuerwache” ist das Jugendzentrum des Ortes und kann eine große Bühne mit ordentlicher Anlage bieten. Im Verhältnis zur Bühne war der Rest des Konzertraumes eher klein gehalten, doch so hatte man immer das Gefühl, dass der Raum stets gut gefüllt war. Die Anlage bot durch die Bank weg einen guten Sound, nur ab und an gab es leichte Probleme mit dem Ton. Im Vorraum luden die Sofas, die Theke und der Merch-Bereich zum Verweilen in den Umbaupausen ein.


Aber erst mal sollte es musikalisch losgehen. Unsere Jungs und die Dame von Angur hatten die Ehre, den Abend zu eröffnen und ihr Live-Debut in neuer Besetzung zu geben. Ein Vergleich mit der alten Besetzung ist mir nicht möglich, da ich diese nicht miterlebt habe, aber dieses Konzert war für mich absolut gelungen. Songs wie “Hôrt mîn sagen”, “Hagen von Tronje” und “Feuer der Flut” überzeugten die Zuhörer von der Angur-typischen Mischung von Black Metal mit Drehleierspiel. Was sich zu erst nach einer merkwürdigen Mischung mit Nervfaktor anhört, wirkte aber nie aufdringlich, denn die Drehleier hielt sich stets dezent im Hintergund. Leider rächte es sich, dass man beim Soundcheck aus Zeitgründen den männlichen Klargesang vernachlässigt hatte, denn dieser war nur in den ruhigeren Parts zu hören, ging aber ansonsten unter. Doch dafür entschädigte die Live-Version von “Die Vogelweissagungen”. Wer diesen Song von CD kennt, muss ihn einmal live erlebt haben! Ach was, Angur muss man live erlebt haben!


Dustopia… das ist melodischer Death Metal mit verspielten Progressive-Parts und dem dreckigen Sound von Heavy Rock. Und es ist verdammt überzeugend! Die drei Jungs boten als jüngste Band des Abends eine Leistung, die so manch alten Hasen blass aussehen lässt. Und das nur mit zwei Gitarren und Schlagzeug, denn einen Bassisten suchen das Trio derzeit immer noch. Es ist wirklich schwer, den Sound von Dustopia in Worte zu fassen, man muss ihn einfach gehört haben. Daher gilt auch hier: wenn ihr die Chance habt, Dustopia live zu sehen, nutzt diese und supportet die Jungs! Man darf garantiert gespannt sein, was man noch von den Dreien zu hören bekommt.


Als nächstes folgte Diësis und hier schieden sich die Geister des Publikums. Die Mehrzahl der Stimmen, die ich hörte, waren begeistert, doch gab es auch Leute, die sich anders äußerten. Warum? Nicht einfach zu sagen, denn technisch gesehen war die Musik gut gespielt. Vielleicht lag es daran, dass Diësis mit drei Gitarren, einen sechssaitigen Bass und Synthie-Sounds zuviel auffuhren. Das war für mich jedenfalls das Schwierige an der Musik, denn so kam sie sehr sperrig rüber und ging nicht so gut ins Ohr. So verließ ich nach zwei, drei Songs den Konzertraum und nutzte die Zeit, um das Angebot der Theke zu checken und in Anspruch zu nehmen. Aber man kann ja nicht jede Band des Abends gut finden, oder?


Zum Glück für mich ging der Abend besser weiter, denn nun standen Sapiency auf der Bühne. Von Anfang gab man Vollgas, dem Opener “Prayer For The Pain” folgten “Good Times To Lie” und “Hungry Again” und weitere Songs, die deutlich die Qualitäten der Band zeigten: sehr melodischer Death Metal, der live mit einer Energie dargeboten wird, die einfach mitreisst. Die beiden Sänger gaben auch alles, um das Publikum zum Mitfeiern zu bewegen. Dies nahm die Aufforderung dankend an und dankte der Band mit dem größten Engagement, das es aufbieten konnte: Haare wurden durch die Lüfte gewirbelt und Köpfe bangten im Takt. Gute Show, die deutlich alles andere an diesem Abend wegrockte.


Zum Abschluss des Abends stand nun Melodic Death/Epic Metal von Darkest Horizon auf dem Plan. Die Jungs sind zwar gerade am Durchstarten, aber mich überzeugten sie nicht vollständig. Denn für mich wollte man das Epische mit Keyboardsounds, schwarz bemalten Gesichtern und (vom Kampf?) zerrissene Kleidung erzwingen, was in diesem kleinen Rahmen ziemlich aufgesetzt wirkte. Wenn man sich dass alles mal wegdachte, blieb solider Melodic Death Metal, aber nichts Außergewöhnliches übrig. Auf einer großen Bühne kommt die Show vielleicht besser rüber, aber hier war es fehl am Platz.


Fazit: Angur zeigt, dass sie live noch besser sind als auf Konserve, Dustopia sind die Entdeckung des Abends und Sapiency rocken alles. Diësis und Darkest Horizon sind nicht mein Geschmack, doch Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden.


Photogalerie von Sebb

Weitere Informationen

  • Band(s): Angur, Dustopia, Diesis, Sapiency, Darkest Horizon
  • Wann: 20.12.2013
  • Wo: Bad Nauheim
Gelesen 2591 mal Letzte Änderung am Montag, 23 Dezember 2013 22:00
eviloli

Just when I know all of life's answers, they changed all the questions!


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