Sonntag, 22 September 2019 15:56

22-.24.08.2019 - Burgbrand Open Air - Burg Brandenburg, Lauchröden - Evil Invaders + God Dethroned + Stallion + Abyzz + Sweeping Death + Aroganz + Atomwinter +++

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Wie kann man heutzutage noch ein Festival veranstalten, das sich wirklich von den üblichen Musikevents auf den Feldern der Republik absetzt ? Man pflanzt das ganze neben eine malerische Burg im Werratal bei Eisenach und gibt dem geneigten Festivalbesucher eine Atmosphäre, die sonst nur wenige Festivals bieten. Das Burgbrand Open Air fand am 22.-24. August zum ersten Mal genau dort statt und setzte so den Grundstein für ein weiteres Underground Festival, das schon beim Line-Up großes Interesse bei uns weckte.

Schon auf den ersten Blick sprach alles für ein perfektes Festivalwochenende – angekündigte 30°C, ein breites Line-Up, das von Thrash- über Death-Metal bis Stoner eine Menge bot und dazu noch eine Location die schöner kaum sein könnte. Das Team des Burgbrand e.V. hatte wirklich im vornherein für alles gesorgt, das uns motivieren konnte, die 400km Strecke gerne auf uns zu nehmen. 

Aufgrund eines Staus und weiterer ungünstiger Ereignisse gelang die Anreise erst zum letzten Auftritt des Donnerstagabends und die Vorfreude es wenigstens noch pünktlich zu Sweeping Death zu schaffen, musste der harten Realität weichen.

Glücklicherweise war der letzte Slot mit Abyzz besetzt, die auf der Pflichtliste des Festivals standen und als nach vor wie stark unterbewertete Death Metal Band auf dem Burgbrand Open Air ihr fünfundzwanzigjähriges Jubiläum zelebrieren durften. Als kleines Schmankerl spielte die Band diese Show mit ihrem ehemaligen Klampfer Sebastian, welcher aktuell bei den sehr geschätzten Decembre Noir spielt. Noch ein Grund mehr, aus dem Auto zu fallen und sich sofort mit Getränk bewaffnet vor die Bühne zu begeben. Und hell yeah, genau das, was man von einem thüringischen Urgestein des Death-Metals erwartet, wurde erfüllt und ließ die Anreise schnell vergessen. „Impaled Fortune“ und „Fear Emptiness“ sind Klassiker die live immer wieder überzeugen, egal wie oft man sie hört. Headbangend, in der ersten Reihe natürlich, überzeugten die noch nie so melodisch klangenden Riffs und die wirklich gut druckvollen Vocals von Arno, die mit den fünfundzwanzig Jahren auch deutlich an Erfahrung und Besonderheit gewonnen haben. Fantastischer Anfang und gleichzeitig musikalischer Abschluss des ersten Tages.

Der 2. Tag brach erstaunlich spät an, da das sonst leidige Schlagergedudel aus allen Richtungen auf dem Campground komplett fehlte und die spärliche Besiedlungsdichte ihr übriges an Ruhe brachte.  Mit hoffnungsvollen Blick auf nach und nach anreisende Gäste, ging es zur Mittagsstunde erneut den (aus unerklärlichen Gründen merklich steiler gewordenen) Berg aufwärts zum Festivalgelände an der Burg.

Bei immer stärker werdender Sonne und steigenden Temperaturen schafften es dennoch eine gute handvoll Leute gegen 14 Uhr ebenfalls vor die Bühne zur ersten Band Hammerstroke. Die Thrash-Metaller aus dem benachbarten Bad Salzungen klangen beim Soundcheck durchaus vielversprechend und es wurde sogleich begonnen Songs aus ihrer ersten EP zu präsentieren. Coversongs, unter anderem von Slayer, hätten dann wiederum nicht unbedingt sein müssen. Dennoch gefiel die markante Stimme des Vokalisten sowie die Bühnenperformance, was durchaus für die Zukunft Potential verspricht.

Als nächstes standen die Leipziger von Moby Dig auf dem Plan, mit rein instrumentalen Stoner/Psycedelic Rock. Auf wirklich beeindruckende Weise schaffte es gerade diese Band mit wenigen Mitteln, eine wirklich dichte Soundkulisse zu schaffen, selbst bei praller Mittagssonne. Perfekt um sich gemütlich vor die Bühne zu legen und alles auf sich wirken zu lassen.

Die Griechen von Age of Arcadia fielen mit ihrem allein schon thematisch interessanten Ansätzen im Pre-listening vor dem Festival auf, wodurch sich ein genaueres Begutachten nun anbot. Melodic Death-Metal, mit dem ein oder anderen technischen und auch Thrash Hauch schallte von der Bühne entgegen. Zu Beginn allerdings mit massiv viel Unterstützung vom Band, womit sich die Band keinen Gefallen tat. Dieser Eindruck legte sich glücklicherweise etwas mit Songs wie „Alexander“, die einem kleinen Epos nah kamen und doch den ein oder anderen Part zum Headbangen mit sich brachte. Die Vocals von „George“ brachten sich, ohne die Einflüsse von Samples, ihre ohnehin gute eigene Note und Wiedererkennung viel besser ins Gesamtbild ein.

Nach einer größere Pause zur Besichtigung der Burg und des umliegenden Tals sowie einer leiblichen Stärkung positionierten sich die Weimarer Oldschool Thraser von Victim auf der Bühne. Die positiven Stimmen bestätigten sich -denn was auf der Bühne abging, war ambitionierter und mitreißender Thrash, der sich sehen und vor allem hören lassen konnte. Tracks wie „Forced Cremation“ können nur als absolute Bretter beschrieben werden und fegten über das merklich gefülltere Infield hinweg.

Church of Mental Enlightment boten erneut einen ruhigeren Gegenpool, der ebenso als Geheimtipp gehandelt werden kann. Eine sehr beeindruckende Performance, nicht zuletzt durch eine angenehme Lichtshow (wenn auch um diese Zeit suboptimal), sowie merkbarer Leidenschaft bei jedem einzelnen Song, gestaltete die Show zu einem Publikumsliebling.

Zweifellos hatten die Marburger von Corrosive in der Vergangenheit ihre Liebe zum Oldschool bzw. Brutal Death Metal bewiesen, wodurch sich der Platz in der ersten Reihe als selbstverständlich ergab. Mit ihrem aktuellen Album „Nourished By Blood“ hatten sie jüngst eh ein weiteres starkes Album veröffentlicht, wo es uns eh schon unter den Finger brannte, es auch mal live zu hören. Mit „Bleeding by the Beast“ wurde auch sogleich ein guter Song gespielt, bei dem es das Publikum schwer hatte, still stehen zu bleiben. Die in rotes Licht gehüllte Bühne bot die entsprechende Kulisse für Kracher wie „Field of Corpses“ und auch den ein oder anderen Klassiker wie „ Wrath of the Ungod“. Erbarmungslos ergoß sich ein Song nach dem anderen von der Bühne. Geniale Riffs und erbarmungsloses Drumming, genauso wie man es sich im Todesmetallerherzen wünscht. Der grandiose Auftritt wird mit Sicherheit noch lange im eKopf nachhallen.

Ein geballte Ladung Thrash gab es dann mit Stallion, einer der wohl vielversprechendsten Band des Abends für die Thrash Liebhaber. Die badischen Hengste traten mit gewohnter Oldschool-Thrash Montur auf die Bühne und fackelten nicht lange, um diese abzureißen. Sei es Sänger Paul mit seiner einzigartigen Stimme oder die umher rasenden Gitarristen, es war eine Freude dieser Show beiwohnen zu dürfen und erneut den Eindruck dieser Formation als einer der besten Thrash-Bands in Deutschland zu festigen.

Diese Auftritte zu toppen wäre wohl zu viel verlangt, dennoch freute sich jedermann auf God Dethroned, welche den Abschluss des zweiten Tages bildeten. Die Holländer sind stets ein Garant für einen grandiosen Death-Metal Auftritt, der auch an diesem Abend stattfinden sollte. Mit ihrem aktuellen Album „World Ablaze“, das nunmehr zehnte seit Gründung 1991, schuf die Band ein Manifest ihres Stils, der bis heute gilt.  Mit „Wrong Side of the Wire“ und „ Annihilation Crusade“ hat sich die Band würdige Evergreens geschaffen, die mit einem so wirklich stimmigen Sound und Kulisse perfekt die Wiese vor der Burg beschallte.

Auch am dritten und letzten Tag des Festivals sorgte die Sonne für mollige Wärme in den frühen Stunden, die man zumindest für den ersten Programmpunkt des Tages komplett vergessen sollte. Ernie Fleetenkieker und Michael Goehre luden zu ihrem „Schnack ör Die“ pünktlich zur Mittagstunde aufs Gelände mit einem Angriff auf die Lachmuskeln der wohl seines Gleichen sucht. Ernie‘s erfrischend trockener, norddeutscher Humor und Michael‘s Erfahrung als Poetry Slammer, Buchautor uvm. passten perfekt zusammen -auf einer mit Ernie‘s Katze im Hintergrund illustrierten Bühne. Abwechselnd wurde kleine Anekdoten zu verschiedensten Themen vorgebracht, die durch kleine spontane Reaktionen des Duo‘s nur noch besser wurden und einige begeistern konnte und leider viel zu früh nach einer guten Stunde endete.

Die Zeit für eine kurze Mittagspause auf der Burgruine und Besuch des dortigen Museums ließ die Vorfreude auf Bitterness steigen, welche kurzfristig für Demondriver eingesprungen waren. Einen persönlichen Headliner am dritten Tag konnte man sich also nicht entgehen lassen. Mit seinem besonders aggressiven Vocals überraschte Sänger Frank  ab der ersten Minute und motivierte die sich in Ruhe sonnenden Besucher zur gemeinsamen Messe vor der Bühne.

Die nächste Überraschung gab es mit Swedenborg Raum und ihrem ganz eigenen Stoner/Psychedelic Rock. Im Vergleich zu den Vorgängern wurde die Geschwindigkeit hier drastisch zurückgedreht, was Raum sowie benötige Luft zum Genießen der Performance bot. Wie schon der Name andeuten lässt, soll ihre Musik wie der nach Eduard Swedenborg Raum, einen Raum zwischen Diesseits und Jenseits, eine gewisse spirituelle Note mit sich bringen und eben diese Welt musikalisch vermitteln. Live wirkt dies durch gekonntes Gitarrenspiel und Verzerrer-Effekten für einen kurzen Moment befremdlich, aber schnell vertraut und wohlig umarmend. Einen gewissen Krautrock sowie Stoner Charme bringt diese Musik ebenso mit, wie die komplette Freiheit der Interpretation dieses Themas. Nicht jedermann mag sich dafür begeistern können, da es doch sehr stark vom Metal und den bisher dargebotenen abweicht, wohl aber eine gewisse Sympathie abnötigt.

Nun stand der Fokus auf den Berlinern von King Kong Calls und zwar mit Heavy Blues Rock. Ähnlich wie die Nachfolger Operators stand hier viel Interaktion mit dem Publikum im Programm und mit einer guten Portion Groove und Funk machte die Musik zur heißesten Stunde des Samstages echt gute Laune und gab Energie für den Rest des Tages.

Ganz ohne Arroganz war der Auftritt von Aroganz mit langsam sinkender Sonne zu bewerten. Kaum stand das Cottbusser Trio auf der Bühne, wehte ein wesentlich kühlerer Wind über die Burgwiese und brachte lang ersehnte Erlösung von der Glut. Nicht nur die erste Band auf dem Festival mit Corpsepaint, sondern auch mit Black Metal Influences die sehr angenehm den Hass über das baldige Ende überspielen konnten. Unglaublich dichte Atmosphäre und Publikumsnähe  war von Anfang an Programm – untermalt mit den intelligent und kreativ gestalteten Songs des aktuellen Albums, das definitiv nicht als primitiver „Knüppelblack“ bezeichnet werden kann.

Atomwinter knüpften erneut an die vom Vorabend noch präsente Oldscool Death Sparte und fingen genau da an wo Corrosive aufhörte – mit totaler Zerstörung. Wie schon in unserem Review des aktuellen Albums „Catacombs“ [Link] zu lesen war, trifft auch dieses Werk genau ins Herz eines Todesmetallers der alten Schule. „Necromancer“ und „Dark Messiah“ sind zwei im Kopf gebliebene Highlights des Auftritts der von zahlreichen headbangenden Metalheads gefeiert wurde. Fast durchgängiges Double-Bass-Blasting und perfekte Riffs, die zwar keine Überraschungen boten, aber im Gesamtbild zu den Göttingern passten. In die ähnliche Kerbe schlugen die danach auftretenden Warpath aus Hamburg, die mit Titeln wie „F.U.“ vom „Filthy Bastard Culture“ Album eine solide aber wenig überraschende Show ablieferten.

Die belgischen Evil Invaders überfielen als letzte Band die Bühne und hatten die Ehre, noch einmal alles aus den verbliebenen Zuschauern herauszukitzeln. „Mental Penitentiary“ war der gespielte Opener mit unverkennbarem schrillen Gitarrensolo zu Beginn und alles zersägenden Thrash Riffs und Vocals zur Mitte. Selbst für den weniger Thrash-affinen Zuhörer bietet diese Band eine Menge Ohrwurmpotential und die live wirklich talentierten Musiker gaben ihr Bestes, das dieser Eindruck gefestigt wurde. Die Setlist, welche großteils aus ihrem aktuellen Langspieler „Feed Me Violence“ bestand, ließ absolut nichts zu Wünschen übrig. Eine düstere und atmosphärische Lichtshow, gepaart mit dem unverkennbaren Thrash Metal lies keine Seele auf dem Festival unberührt und war der absolute Höhepunkt am letzten Abend.

                     

Das letzte Bier wurde getrunken und gegen halb Zwei war der ganze Zauber des Festivals auch schon vorbei und auf dem Gelände wurde es langsam stiller. Am darauffolgenden Tag stand noch ein Frühschoppen mit Blaskapelle an, den wir uns aber sparten und lieber ein Resümee des erlebten zogen. Für die erste Ausgabe lief schon vieles sehr gut und meckern konnte man höchstens am doch sehr gemischten Line-Up wodurch keine klare Richtung erkennbar war und so nicht jede Band für jeden Zuhörer relevant war. Natürlich dies kann man aber auch als Stärke auslegen, da so jeder auch über den Tellerrand hinaus lauschen konnte und für sich vielleicht etwas Neues entdecken konnte. Leider lockte die Erstausgabe ebenso nur ca. vierhundert Besucher auf die Brandburg Ruine, was für das Gebotene an drei Tagen definitiv noch ausbaufähig ist. Alles in Allem steht einem weiteren Besuch nichts im Wege und die Reise wird gerne wieder auf sich genommen, wenn weiterhin mit soviel Leidenschaft an diesem Festival gearbeitet wird.

Photos by Eva Nagler Photographie and MB.Concert.Photography

Weitere Informationen

  • Band(s): Evil Invaders + God Dethroned + Stallion + Abyzz + Sweeping Death + Aroganz + Atomwinter + Warpath + Zen Bison + Madstop + Swedenborg Raum uvm.
  • Wann: 22.24.08.2019
  • Wo: Burg Brandenburg, Lauchröden
Gelesen 742 mal Letzte Änderung am Sonntag, 22 September 2019 19:17
Crimson

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