Samstag, 06 Juli 2019 20:00

27.06.-29.06.2019 - UNDER THE BLACK SUN FESTIVAL 2019 - FREILICHTBÜHNE, FRIESACK - TAG 3

geschrieben von Nephthys, Cosmic Dancer
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Under The Black Sun Festival Under The Black Sun Festival Flyer

Der letzte Tag des UTBS begann früh und hatte wahrhaftig den Charakter eines apokalyptischen, "letzten Tages": Es war den Besuchern deutlich anzusehen, welche Tortur ihre Körper in den vorausgegangen Sonnenläufen dank der Hitze durchgemacht haben. Der Samstag sollte auch der heißeste Tag des Festivals werden und direkt vor der Bühne in der prallen Sonne war es kaum auszuhalten.

Leider machte sich dies auch beim Samstags-Opener Nemesis Sopor bemerkbar. Nicht viele Besucher konnten sich aufraffen, bereits um 14 Uhr vor der Bühne zu stehen, und falls doch, dann sahen sie meisten lieber von den schattigen Plätzen in der Ferne aus zu. Schade, denn die Dresdener Band um Sänger und Gitarrist R.S. lieferte einen grandiosen Start in den Tag: Konsequent und mitreißend wurden die atmosphärischen, ausufernden und anspruchsvollen Stücke präsentiert - von diesen überzeugten wohl "Despot" vom Album "MMXL" und spätestens das Nagelfar-Cover "Meuterei" besonders und motivierten mehr Zuhörer zum Platz vor der Bühne zu pilgern. Dass Nemesis Sopor empfehlenswerte Musik schaffen, haben wir erst kürzlich in unserer Kategorie "Unter dem Radar" beleuchtet (hier klicken).

Unglücklicherweise erfuhren die Besucher am Vortag, dass Nekkrofukk nicht spielen würden, doch man mit Silent Leges Inter Arma kurzfristigen Ersatz gefunden hatte. Obwohl als Live-Musiker nur ein Drummer mitwirkte, verlor die Musik keineswegs an Intensität. Es wurde wieder mal bestätigt, dass, wie bei Inquisition, Mantar, Bölzer und co., auch nur zwei Menschen für gute Klänge sorgen können. Am Samstagmittag jedoch drang auch noch die ernüchternde Nachricht an die Ohren des Publikums, dass Hellfire Deathcult ebenfalls aus dem Programm fallen sollten. Auf Facebook ließen die Veranstalter vermelden, die US-Amerikaner seien schlicht nicht erschienen. Für sie sprangen jedoch spontan nochmals die Kubaner Narbeleth ein, die schon am Freitag ihren offiziellen Auftrittstermin hatten. Das Soloprojekt vom Kubaner Dakkar wurde zwar nicht ganz so gut angenommen, wie es am Vortag der Fall war, dennoch wurde ein solider, zweiter Auftritt abgeliefert. Einen faden Beigeschmack hinterlässt das Ganze dann aber doch: Man darf schließlich nicht vergessen, dass Hellfire Deathcult bereits 2018 dabei sein sollten, damals aber wegen Krankheit abgesagt hatten und somit als eine der ersten Band-Bestätigungen für 2019 galten. Dass sie diesmal wieder nicht zum UTBS kommen sollten, ist also gleich auf mehrere Arten erschütternd.

Nachdem endlich der Restalkohol vom Vortag ausgeschwitzt war (oder bei manchen bereits munter neuer nachgeschüttet wurde), kam die Menge bei Curse Upon A Prayer aus Finnland so richtig in Wallungen. Die Band legte einen besonders imposanten, schnörkellosen Auftritt hin. Typisch rasantes Riffing wechselte sich mit langsameren Abschnitten ab. Alles in allem war der Auftritt der Band, die sich auf die Flagge geschrieben hat, "hateful Black Metal" zu spielen, atmosphärisch und es machte extrem viel Spaß, sowohl den Auftritt, als auch die begeisterten Zuschauer zu beobachten. Erst 2018 erschien die aktuelle EP "The Three Woes" bei Saturnal Records, dem gleichen Label, welches auch Kyy in seiner Garde hat. Außerdem orientierte sich die Combo an Ars Veneficium und holte wie schon an Tag 1 wieder Revenant von Sarkrista als Gastsänger auf die Bühne. 

Danach folgte ein weiteres Highlight: Die deutschen Killer-Black Metaller Krater, die sich spätestens mit dem 2016 erschienenen Album "Urere" ihre Lorbeeren verdienten, zogen viele Fans vor die Bühne. Trotz einiger Schwierigkeiten mit den als Bühnendeko gedachten Bannern, die darüber gelöst wurden, dass sie provisorisch über die Boxen gehängt wurden, ließ sich die Band nicht beirren. Selten sieht man eine Black Metal-Band, die eine derart kohärente, dramaturgisch durchdachte Show abliefert! Dass die Herren vom Label Eisenwald zudem noch sichtlich ehrlichen Spaß am Live-Auftritt mitbringen, färbte definitiv auf das Publikum ab und sorgte für einen beeindruckenden Auftritt.

Auch am Abend blieb keine Zeit für eine Verschnaufpause: Die Performance der bayrischen Band Drudensang beschreibt man am besten mit den Adjektiven kauzig und okkult. Wenn Sänger Krámpn gerade mal nicht die ersten Reihen mit Blut bespuckte oder mit einem großen Messer posierte, überzeugte die Band durch schreddernde Vocals, die durchaus Abwechslung durch anrührenden Klargesang fanden. Zur Vervollständigung ihres okkulten Treibens setzte die Band auf Weihrauchschwaden. Trotz exaltierter Show verloren Drudensang aber nicht an Authentizität: Das Projekt lebt von Grenzgängen, der Perversion und dem Skandal. Vor nicht allzu langer Zeit veröffentlichte die Band sogar eine Split mit Hiisi und den Szene-Größen Kalmankantaja - definitiv eine Band, die man im Auge behalten sollte.

Dem reißenden Merch-Absatz und vielen T-Shirts unter den Besuchern vor der Stage nach zu urteilen freuten sich viele auf die international aufgestellten The Committee, die spätestens mit ihrem Album "Memorandum Occultus" von 2017 ordentlich von sich reden machen konnten. Leider erlosch die Vorfreude ziemlich schnell, da der Sound zu Beginn des Auftritts alles andere als gut war. Im Verlauf wurde er zwar deutlich besser, dennoch hörte man überhaupt nichts von den Background-Vocals, die eigentlich viel zur Atmosphäre der Musik beitragen. Sehr schade, wie wir finden, dass Stücke wie "Synthetic, Organic Gods" oder "Treacherous Teachings" ganz schön an Schlagkraft haben einbüßen müssen. Normalerweise garantierte Gänsehaut bei den dichten, stimmigen Stücken der Band, blieb leider etwas aus, auch wenn die Konzeption und das anonymisierte Auftreten von The Committee mitsamt der Optik auf der Bühne viel wieder wett machen.

Nach diesem starken Auftritt ging es etwas brachialer in die Vollen, denn den Black/Death-Metallern Possession aus Belgien wurde die UTBS-Bühne überlassen - und das nutzten sie auch. Voranpreschend und fetzig prügelte die 2012 gegründete Band den Besuchern ihre Stücke um die Ohren, u.a. vom 2017er Full-Length-Debüt "Exorkizein". Auch hier ging es wieder herrlich blasphemisch und ritualistisch zu. Auch zwei Fans, die sich auf die Bühne gemogelt hatten, konnten Atmosphäre und Wucht der Show nicht stoppen, da sie kurzerhand von den Musikern unsanft zurück ins Publikum getreten wurden. Unhöflich? Wer braucht bei dieser Musik schon Etikette zu zeigen!

Headliner des letzten Abends waren die Norweger Taake. Man bekam das, was man von der Band aus Bergen gewohnt ist: Hoest, der sogar beim Opener-Song selbst zum Bass griff, beeindruckte wie immer durch enorme Bühnenpräsenz, zog alle Blicke auf sich und bestach mit seinem aggressiven Auftreten. Anstatt der gewohnten Klassiker wurden diesmal auch viele alte Songs gespielt, bei denen stellenweise leider der Gesamt-Sound die Gitarren-Soli etwas untergehen ließ. Aber das sind an dieser Stelle Beschwerden auf hohem Niveau. Taake liefern intensive Shows, lassen ihr Gesamtopus vom 1999er Debüt "Nattestid ser porten vid", von welchem gleich zwei Stücke live präsentiert wurden, bis hin zum 2017er "Kong Vinter" trotz eingebrochener Dunkelheit in gleißendem Licht erstrahlen und sind immer einen Besuch wert, auch wenn es Stimmen gibt, die sagen, Hoests Projekt hätte über die Jahre massiv abgebaut. Über 20 Jahre Taake zeugen jedenfalls von einer gewaltigen Expertise, die man nicht einfach wegdiskutieren kann.

Nach Taake hätte der Kontrast zur finalen Band Totalselfhatred nicht größer sein können: Ob es an den anstrengenden Verhältnissen des Tages oder am emotional fordernden, anspruchsvollen DSBM der Band lag, ließ sich nicht feststellen, doch tummelten sich bei den Finnen nur noch die hartgesottensten Besucher des diesjährigen UTBS vor der Bühne. Dank der Finnen konnte man zumindest den letzten Abend entspannter ausklingen lassen und dabei den großartigen Sternenhimmel genießen. Etwas schade war, dass etwa die Klavierpassagen vom Band eingespielt wurden, via Keyboard hätte das noch runder wirken können. Totalselfhatred entließen die Besucher nach einem starken Festivaltag und einem insgesamt sehr vielseitigen und mit Highlights gespickten UTBS 2019 schließlich zu vorangeschrittener Stunde mit einer Tauchfahrt durch die melancholischen Tiefen der menschlichen Psyche und zeigten noch einmal, dass ihr 2018er Werk "Solitude" zum Besten gehörte, was das Jahr zu bieten hatte.

So endete also das Under The Black Sun 2019 im etwas abgelegenen Friesack. Das Festival war wie immer ein Erfolg - auch die 2018er Ausgabe hatte uns ja bereits sehr beeindruckt (hier lest ihr unseren Bericht vom vergangenen Jahr). 2019 war vor allem geprägt durch die unglaubliche Hitze, die man zwischenzeitlich kaum auszuhalten glaubte. Kein Klima für kalte, finstere Musik - aber man reiste ja nicht zum Sonnenbaden an. Der Termin für das Under The Black Sun 2020 steht ebenfalls schon fest: So vermeldeten die Veranstalter, dass man wieder auf die erste Juliwoche umwechseln würde, im nächsten Jahr vom 02.07. bis 05.07.2020. Die 60€ Early Bird-Tickets sind bereits verkäuflich! Wir sehen uns im nächsten Jahr! 

All Photos by Anna Apostata

Weitere Informationen

  • Band(s): Nemesis Sopor, Silent Leges Inter Arma, Krater, Curse Upon A Prayer, Narbeleth, Drudensang, The Committee, Possession, Taake, Totalselfhatred
  • Wann: 29.06.2019
  • Wo: Freilichtbühne Friesack
Gelesen 1710 mal Letzte Änderung am Montag, 21 Oktober 2019 03:20

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