Mittwoch, 21 September 2016 20:05

Vreid - Sólverv Empfehlung

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Sólverv Sólverv Vreid

Aus dem hohen Norden, genau genommen aus Norwegen, erreichte uns die vor knapp einem Jahr erschienene Scheibe „Sólverv“ der Black Metaller VREID. Von vielen Seiten hochgelobt, nominiert für den Spellemannpris (die norwegische Version des Grammy), Touren durch Europa, Nordamerika und sogar Indien - die Erwartungen sind entsprechend hoch und wir sind gespannt, was uns auf dem nunmehr 7. Album der Nachfolgeband von WINDIR erwartet.

 Langsam und drohend beginnt das Intro von „Haust“ und zieht den Hörer mit steigendem Tempo immer mehr in eine Welt von Tod und Zerstörung. Der instrumentale Einstieg mit einer eigängigen Melodie wird nach gut 2 Minuten von Sänger Stures krächzend-kratziger Stimme übernommen und das sich aufbauende Klangkonstrukt in seinen Grundfesten zerrüttet. Das kommt auch genau zum richtigen Zeitpunkt, bewahrt es doch den Song davor, in pathetische Dudelei abzudriften. Hart und düster wird weiter durchgeknüppelt, doch immer mit ausgefeilten Melodien unterlegt, und so kommt bei den meist sechs oder sieben Minuten langen Stücken so gut wie nie Langeweile auf. Nur vereinzelt hat man das Gefühl, ein wenig mehr Kürze und dafür mehr Dichte hätte nicht geschadet - gerade kurz vor Schluss bei „Storm frå vest“. Das technische Level der Norweger lässt allerdings in keinem Fall zu wünschen übrig. Und gerade die Länge der Songs macht es möglich, dass jeder sein Handwerk ausführlich präsentieren kann. Dass Sture nicht nur die kratzigen Nuancen beherrscht, sondern auch tiefere Growls, und Steingrim an den Drums mehr als nur brachiales Gedresche spielen kann, zeigt sich immer wieder. Mein Favorit des Albums ist „Ætti sitt fjedl“, das melancholisch-düster mit einer unheimlichen Präsenz daherkommt. Die Melodie setzt sich direkt im Ohr fest, immer wieder werden die ruhigen Parts inklusive choralen Clearvocals durch harte Gitarrenriffs unterbrochen und es entwickelt sich eine sehr dichte, atmosphärische Songstruktur. Das Outro „Fridom med daudens klang“ klingt durch Synthesizer und akzentuierte Drums nach siegreich überstandenen Kämpfen und ein wenig nach Endzeitstimmung, es verlangt einen geradezu danach, den Takt mitzuklopfen und sein eigenes Dasein zu verfluchen und zu betrauern - ein absoluter Gänsehautabschluss.


„Sólverv“ kommt mit abwechslungsreichen Songstrukturen und genretechnisch einer Mischung aus klassischem Black Metal mit Rock- und Heavyeinflüssen und einer ordentlichen Prise atmosphärischen Klängen daher. Der Sound hat noch Ecken und Kanten, ist mir jedoch insgesamt für Black Metal etwas zu rund und sauber abgemischt. Auch eine Frage des Geschmacks ist der Gesang, der für mich stellenweise weniger keifig hätte sein können. Als Gegenpart zu den gefühlvollen Melodien passt er sich jedoch sehr gut in das Gesamtbild ein und ist daher nur als subjektives Manko zu bewerten. VREID zeigen sich gleichzeitig kantig und gefühlvoll, eine Mischung, die sowohl Fans des klassischen norwegischen Black Metals überzeugen kann als auch diejenigen, die lieber in seichteren, ruhigeren Gewässern fahren.

 

Tracklist:

1. Haust

2. Sólverv

3. Geitaskadl

4. Ætti sitt fjedl

5. Når byane brenn

6. Storm frå vest

7. Fridom med daudens klang

 

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Vreid
  • Album Titel: Sólverv
  • Erscheinungsdatum: 09.10.2015
  • Fazit: VREID zeigen sich gleichzeitig kantig und gefühlvoll, eine Mischung, die sowohl Fans des klassischen norwegischen Black Metals überzeugen kann als auch diejenigen, die lieber in seichteren, ruhigeren Gewässern fahren.
Gelesen 2276 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 21 September 2016 20:22

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