Mittwoch, 30 Dezember 2015 19:03

Horn - Feldpost

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Feldpost Feldpost Horn

Horn gehören für mich einfach dazu zum deutschen Black Metal-Spektrum. Seit 13 Jahren wirft das einköpfige Metalmonstrum Nerrath aka Niklas nun schon in unregelmäßigen Abständen Alben auf den Markt, eines besser als das andere. Seit ich mich mit dem Black Metal auseinandersetze, ist Horn da. Auch 2015 ist das wieder der Fall: Mit “Feldpost” übertrumpft Nerrath sein bisheriges Schaffen und haut mal kurz eines der besten Alben des Jahres raus.

Sechs Songs, 43 Minuten und schon ist es vorbei. Lyrisch werden Geschichten von der Front erzählt, von der verlorenen Rotte, von Briefen einzelner Personen, von Wünschen und Ängsten, Verzweiflung und Resignation. Zum 20ten, kurz darauf zum 30ten Mal rotiert die Scheibe durch den CD-Player – denn „Feldpost“ ist kurzweilig, gleichzeitig aber auch ein Album, das im Kopf bleibt, mitreißt. Vor allem aber ist Horn und damit Nerraths sechstes Album ein musikalischer Geniestreich. Aber, wie so oft, bin ich zu schnell.


Bereits der erste Song „Drei Spaten am Grab“ braucht nicht viel Rumgeplänkel, sondern fängt sofort im Midtempo an, getragen von der Gitarre und starken Vocals. Harsch, aggressiv, treibend – der Schreigesang hilft unheimlich dabei, das Album aufzuwerten, sind es doch gerade diese intensiven Vocals, welche die Atmosphäre des Albums mit ausmachen und zur Härte des Krieges, dem lyrischen Thema, passen. Apropos Vocals – „Feldpost“ weist so ziemlich den besten Klargesang auf, den ich seit langem bei einem Black Metal-Album gehört habe. Teils aggressiv, teils rau und abgestumpft, geben sie die Stimmung eines Soldaten an der Front optimal wieder – zumindest in meiner Vorstellung. Wo die Vocals also bereits rausstechen, setzt Nerrath mit seiner Gitarrenarbeit nochmal eine Schippe drauf. Jeder einzelne Song hat ein oder mehrere charakteristisches Riffs vorzuweisen, gibt den Liedern Struktur und Richtung vor, teils melodisch, teils hart, teils gar folkig, kreiert die Gitarre eine wundervolle, individuelle, dunkle Atmosphäre für jeden einzelnen Song. Gleichzeitig zieht sich dieses entstehende Gefühl durch das gesamte Album und erschafft ein grandioses Gesamtbild. Ich wusste es zwar vor „Feldpost“ nicht, aber so würde ich mir musikalisch traurige, wütende, abgestumpfte, innerlich bereits tote und trotzdem am Leben hängende Soldaten an der Front vorstellen, wie sie auf den nächsten Kampf wartend Würfelspiele spielen.


“Feldpost” ist außerdem das erste Album von Horn, das in einem professionellen Studio aufgenommen wurde. Das merkt man und das tut dem Album extrem gut. Der Sound ist druckvoll, deutlich, trotzdem kantig und rau. Zudem verfügt jedes Lied über Wiedererkennungspotenzial, seien es die choralischen Klargesänge, die harschen, treibenden Vocals oder das tolle Gitarrenspiel. Gerade auch durch oben bereits angesprochene Individualität der einzelnen Songs kommt nie Langeweile auf; stattdessen ist das Album gefühlt viel zu schnell vorbei. Zu guter Letzt gelingt „Feldpost“ auch das, was ich als ganz hohe Qualität ansehe: Jeder Song wirkt in seiner Härte, in seiner Komposition oder einfach nur in seinem Gesamtbild äußerst emotional, jeder Song trägt Emotionen mit sich, sei es Wut, Resignation, Trauer, Verzweiflung oder Angst.


Fans des Albums „Distanz“ dürfen sich außerdem darüber freuen, die beiden Songs „Überall und über allem“ sowie „Die verlorene Rotte“ in aufpoliertem und wirklich hervorragendem neuen Gewand zu hören. Gerade das Erstgenannte ist für mich das Highlight eines herausragenden Albums, das folkig wirkende Riff hat etwas von dem Horn eines Jägers, der Refrain hat in all seiner Dunkelheit Ohrwurmcharakter. „Feldpost“ ist ein grandioses Album, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Jeder Durchlauf bringt neue Facetten zum Vorschein, starke Vocals und tolle Arbeit an der Gitarre sowie grandiose Atmosphäre und Emotionalität, die man im ersten Durchlauf gar nicht unbedingt vermutet, zeichnen dieses Album aus. Alles in allem: ein überragendes Gesamtbild, ein mehr als würdiger Abschluss dieses ereignisreichen und hochwertigen Musikjahrs und für mich eines der fünf besten Alben in 2015.


Tracklist:

01. Drei Spaten am Grab
02. Die Würfel rollen wieder
03. Wache schreibt…
04. …und keiner wüsst’ von Flandern
05. Überall und über allem
06. Die verlorene Rotte


Bewertung:

10/10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Horn
  • Album Titel: Feldpost
  • Erscheinungsdatum: 06.11.2015
  • Fazit: „Feldpost“ ist ein grandioses Album, das ich jedem nur ans Herz legen kann. Jeder Durchlauf bringt neue Facetten zum Vorschein, starke Vocals und tolle Arbeit an der Gitarre sowie grandiose Atmosphäre und Emotionalität, die man im ersten Durchlauf gar nicht unbedingt vermutet, zeichnen dieses Album aus. Alles in allem: ein überragendes Gesamtbild, ein mehr als würdiger Abschluss dieses ereignisreichen und hochwertigen Musikjahrs und für mich eines der fünf besten Alben in 2015.
Gelesen 2916 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 31 Dezember 2015 11:56

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Feldpost (Full Album) Horn

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