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Samstag, 20 Juni 2015 09:48

Ja du, genau du! Du Arschloch!

geschrieben von

Wer ist Schuld am Niedergang der Musikindustrie? Wer hat dafür gesorgt dass der nächste Elvis niemals entdeckt werden wird? Wer hat es unmöglich gemacht gute Musik zu machen? Nicht die Musikindustrie, nicht die Künstler, sondern DU!

DU warst doch einer von den Millionen Teens die sich in den späten 90ern und frühen 2000ern keine Platten für 30 oder 40 Mark leisten konnte. DU warst derjenige, der sich nicht Tag und Nacht im DM oder im Media Markt die versifften Kopfhörer auf den Schädel gedrückt hat um nach dem Hören von 20 Alben nur eine einzige statt alle Platten gekauft hat. DU hast den Stars ihre Millionen missgönnt und eine ganze Industrie zugrunde gerichtet, die Musik gemacht hat, um sich ein Leben in Streamlinern und im eigenen Hot-Tub in Hollywood zu finanzieren. Die Musik ist tot! Und DU hast Schuld!


Naja zumindest wenn es nach Gene Simmons geht, der unlängst Wyatt Wendels von Planet Rock ein Interview gab und sich die Tränen mit Dollarnoten trocknen musste. Auf die Frage, wer denn Schuld habe, gab Simmons an:

„I blame the fans. Because the fans have decided en masse — in other words, the masses have decided — that they should get free music, download fileshare… And you're not hurting KISS; we've been around a long time and we make a good living. You're killing the next Elvis and THE BEATLES and the next KISS and the next whoever, because you have to give your music away for free. And who did that? Big corporate entities? No, they didn't do that. Actually, big corporate entities — record companies — gave bands money that they never had to pay back — ever! If the band failed and the records were a complete disaster, the advance money was all [the band's]. What other business would give you that? If you go to a bank and they give you a million dollars, and your business goes under, they don't care it failed; they want their money back." - Blabbermouth

 

Aus meiner Sicht spricht hier ein Dinosaurier vom Aussterben. Klar wurde geNapstert was das Zeug hielt, klar wurde geshared wo es nur ging aber warum war das so? Weil die Preise schlicht unerschwinglich für den Endverbraucher waren! Es war nicht so als dass ich mir einen drauf gewichst hätte, Band XY eine reinzudrücken als ich mir ein Album von einem Kumpel kopiert oder auf einer Lanparty mal ein paar Alben von mir unbekannten Künstlern geholt hatte. Wenn diese CD's im Laden erhältlich gewesen wären, hätte ich mir diese wohl gekauft - Aber was hat man damals in den großen Stores bekommen? Die gleiche überproduzierte Scheiße, die man dort heute auch noch bekommt. Und das Tapesharing auf dem Schulhof wurde über Glasfaser revolutioniert und hat dem Fan eine Welt eröffnet, die er nicht mal erahnen konnte. Das Internet hat diese Revolution mit riesigen Stiefeln in Gang getreten, und ich kann den Adligen und Königen wie Kiss oder Metallica oder xyz keine Träne nachweinen.


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Vielleicht braucht es eine besondere Art der kognitiven Dissonanz, wenn man diesen Zusammenhang vergisst, aber die Kohle kam nicht von den Labeln oder von den Promotern, sondern von den Fans. Die Industrie hat aus der Musik ein Luxus-Produkt gemacht und nur den großen Kescher aufgehalten, kassiert und ein Minimum weitergegeben. Und was passiert mit Luxusprodukten die nicht für jeden erschwinglich sind? Richtig, sie werden kopiert, billiger produziert und für den Consumer-Market bezahlbar gemacht – Nichts anderes ist passiert, als das Internet aufkam und praktisch den Mittelsmann (Label, Agenturen, Promoter) ausgeschaltet hat. Jeder von uns wusste, dass bei den Bands sowieso nur ein Bruchteil des Geldes einer gekauften CD angekommen ist und dass Millionen CD's umgesetzt werden mussten, damit der eigentliche Künstler etwas davon sieht. Die Millionen und Milliarden landeten dann bei genannten Institutionen, die dann wieder Cherry Picking betrieben und die nächste Melkkuh heranzüchteten, um das Spiel von vorne zu beginnen. Und heute? Heute kann jeder dieses magische Neuland-Tool "Interwebs" benutzen, um seine Musik nach draußen zu tragen. Vorbei die Zeiten von Litfaßsäule, Musikmagazin und Telefonbuchstöbern – Thor sei Dank, willkommen im Jahr 2000.


the-internet

                                                                                                  Quelle: chrisdrake.com


Auch vergisst Mister Simmons, dass die Musik nicht mehr exklusiv ist, sondern inzwischen von jedem für ein Minimum der ehemaligen Kosten gemacht werden kann. Was kostet denn im Vergleich zu früher eine Gitarre oder eine Monitor Box? Was kostet eine Stunde Aufnahmezeit in einem Studio oder das Pressen von 1000 CDs? Die Künstlerschwemme, die wir erleben, hat den bestehenden Konsumentenpool ausgedünnt und auf mehr Bands verteilt als jemals zuvor, und das ist auch gut so! Ich kann für jede meiner Spielarten aus hunderten Bands auswählen, ich kann Konzerte besuchen und den Bands das Feedback direkt geben. Vor Ort jubeln, das Merch am Stand von der Band kaufen und wissen, dass von den 10 oder 15 Euro für eine CD 70-80% direkt bei der Band landet, anstatt die 10 oder 15%, die nach Abzug von Promotion, Labelcourtage und Vermittlerkosten übrig bleiben. Ich lasse mir von keinem Vorwerfen, die Musik getötet zu haben - ich war es schlicht leid, ein paar Wenigen das Geld in den Arsch zu blasen, während die Labels für mich entschieden haben, wen ich hören darf und wen nicht! Denn das war die Kehrseite der Medaille – Die Labels haben, während sei einen Star hervorbrachten, 100 andere ignoriert und damit praktisch mundtot gemacht. Dank dem Internet werden nun auch diese Bands gehört und zurecht verehrt. Anstatt dem nächsten Elvis bekommen wir 100 Elvisse; und ich hoffe, dass Arten wie der Asskissosaurus aussterben und in irgendein Museum gehängt werden!


Gene Simmons hat nur in einem Satz recht gehabt: „Yeah, they (record companies) are greedy...“


Gier, Habsucht, der eigene Ausverkauf und die fehlende Anpassung an den Markt haben „Stars“ getötet, und nicht der Fan. Der Fan sitzt in diesem Moment auf einem Underground-Festival im Schlamm oder auf einem kleinen Konzert in Arschhagen und hört sich besagten nächsten Elvis an – Und das mit dem (guten) Gewissen vor Ort, den Künstler besser zu unterstützen.


Simmons: "Make sure there are no incursions. Be litigious. Sue everybody. Take their homes, their cars. Don't let anybody cross that line."

Nach solchen Aussagen bin ich tatsächlich froh, nie Kiss-Fan gewesen zu sein, und zumindest von mir hat dieser Drecksack keinen Cent gesehen. Ich werde jederzeit den Sound einer Garagenband dem Sound eines selbstbeweihräuchernden Penners vorziehen, der den Leuten ins Gesicht tritt, die ihn groß gemacht haben.


Viva le Underground – Viva La Revolution!


Gelesen 5498 mal Letzte Änderung am Samstag, 20 Juni 2015 18:17
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Stolz kann sich nur erlauben wer bereit ist alles zu verlieren.

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