Donnerstag, 14 Mai 2015 12:35

Gemastress Teil #5732 oder warum die GEMA überhaupt kein Interesse an korrekten Musikfolgen hat.

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Niemand verdient mit Musik Geld. 1000nde arme Künstler stehen vor dem Scherbenhaufen einer einst so lukrativen Karriere im Business und verstehen nicht warum die Einnahmen versiegen. Die Internetpiraterie, die Künstlerschwemme, der wegbrechende Hörermarkt, der verpasste Einstieg in neue Vertriebswege den Labeldinosaurier schlicht verpennt haben, die gemafreie Kunst ist Schuld an dieser Misere und die von allen Künstlern, Kunstschaffenden und Kreativen geliebte GEMA, ist der immer verlässliche Fels in der Brandung der Verbrecher!

Centweise tröpfeln hier die Einnahmen, dort nieselt der warme Geldregen und so manch reißender Eurofluss strapaziert die Bankkonten. Die GEMA schafft Leben an einem langsam verdorrenden Baum von dem so viele Musiker die Früchte zum Überleben brauchen. Sie ist in ihrem Wirken so effizient, so perfekt und so unfehlbar, dass man als Normalsterblicher gar nicht verstehen kann, wie man überhaupt auch nur ein böses Wort gegen diese Wohltäter erheben könnte.

 

Okay, genug mit dem ironieschwangeren Sarkasmus – Aber hier wird’s nur noch polemisch.

Nochmal zum Mitschreiben für alle Fans der Entwertungsmafia: Rechte am eigenen Ton und Bild und deren Wahrung ist wichtig, keine Frage. Wer etwas erschafft will nicht, dass Person XY einen super Reibach damit macht - Naja außer er sieht die Kunst und nicht die Kohle im Vordergrund. Die GEMA vertritt diese Rechte für ihre Kunden und dagegen kann niemand wirklich etwas sagen – Niemand muss Mitglied sein, niemand wird gezwungen.

 

Das einzige was ich heute (wiedermal) anprangere sind die mafiös zu nennenden Methoden mit denen dies geschieht. Angefangen bei der Gema-Vermutung über den vollkommen übertriebenen Bürokratieaufwand um gesagte Vermutung zu entkräften – Vor allem für kleine Veranstalter ist die GEMA der Existenzbedroher Nr.1. Die Horrorstories die man von befreundeten Veranstaltern hört – Nachzahlungen im vierstelligen Bereich aufgrund unauffindbarer Anträge, geringer Formfehler in den Formularen, oder gleich gar keine oder unzureichende Prüfung selbiger – Kreativ wird die GEMA schnell, wenn es um "ihr" Geld geht um nicht zuletzt den aufgeblasenen Apparat am Leben zu erhalten.

 

Es reicht nicht, nur vertraglich festgelegt GEMA-Freie Bands im Repertoire zu haben. Es reicht nicht 10 Anträge à 6 Seiten auszufüllen, ganze Setlisten vorab in Stein zu meißeln und anzugeben, diese mit Einschreiben und Rückschein an die GEMA zu schicken. Nach zwei bis drei Wochen bekommt man nämlich trotzdem ein Schreiben in dem man auf den unvollständig ausgefüllten Antrag hingewiesen wird – in meinem Fall wegen fehlenden Angaben zum Brutto-Karten Umsatz und Gästezahl. Wenn man hier nicht sofort reagiert, steht einem unmittelbar eine horrende Rechnung für nicht in Anspruch genommene Leistungen bevor, aber obacht, denn der Fehler liegt überhaupt nicht hier!

 

Konkreter:

Die GEMA hat kein Interesse an korrekt ausgefüllten Anträgen – Denn das bedeutet ja keine Kohle aus der Kita, dem Rentnersingkreis oder aus kleinen Veranstaltern zu pressen. Die GEMA baut bewusst praktisch unsichtbare Stolpersteine in die dreifach-auszfüllenden Formulare ein damit man, wenn man nicht persönlich vorspricht, direkt in die Rechnungsstellung rutscht und ab diesem Punkt wenig Chancen bestehen, ohne anwaltlichen Beistand (mit Recht) aus der Sache rauszukommen.

 

Nur nachdem man einen ganzen Tag lang telefonisch versucht hat den berühmten Passierschein A38 beim richtigen Ansprechpartner zu bekommen, bekommt man in einem Nebensatz gesagt und ich zitiere sinngemäß:

„Wenn Sie eine Prüfung auf Gemafreiheit wünschen, müssen Sie dick und fett oben rechts quer über das Formular „Bitte Zur Prüfung“ draufschreiben, sonst gehen wir erst garnicht in die Prüfung und gehen davon aus, dass die Veranstaltung gemapflichtig ist.“

Ich spreche hier nebenbei von einem Formular, dass komplett von oben bis unten in bester Bürokratiemanier durchgetaktet ist – Mit Kästchen zum Ankreuzen, persönlichen Daten, kleinen Erläuterungen in Comic Sans Schriftgröße 3 und allerlei weiterem Müll um den Ausfüllenden die größtmögliche Fehlerquote zu ermöglichen – und das auch ganz nebenbei, komplett digital ausfüllbar ist. Wie man von selbst darauf kommen soll, etwas anderes als die dreifache Unterschrift handschriftlich auf das Formular zu setzen, wissen nur die Unterhosenwichtel und deren Profitplan.

 

Ich prangere darum wiedermal die GEMA als das an, was sie ist. Nicht der Retter der Musikindustrie und nicht der Retter der Künstler. Die GEMA ist nichts weiter als Totengräber von vielen unzähligen kleinen Veranstaltungen und Veranstaltern die sich – schuldig oder eben nicht – mit ruinösen Zahlungen konfrontiert sehen und nicht gerade selten deswegen das Handtuch werfen mussten. Hier wird nur dem Selbstzweck gedient und gemafreie(Klein)Kunst im industriellen Stil verhindert und bestraft. Dass es hier keine Lobby für die geringe Anzahl Kleinveranstalter (die nicht selten sang- und klanglos aufgeben) gibt, sondern nur eine Menge Künstler die das falsche Loblied auf die GEMA singen, ist der einzige Grund, warum es keinen universellen Aufschrei gegen das System GEMA gibt.

 

Haltet davon was ihr wollt, seid Mitglied oder auch nicht, aber hört auf die GEMA als Heilsbringer in einem abstürzenden System zu sehen. Kunst kommt ja auch nicht von Kommerz, sonst hieße es ja Kummerz Kacke.


Nachtrag:

Die Gemataktik "Erst Rechnung, dann Fragen stellen" hat auch unseren vollständig gemafreien Sampler erreicht, der btw. schon 2014 von der Gema geprüft worden war (ohne Gemaerlaubnis darf man hierzulande nicht einen Ton von einem Presswerk auf einen Rohling pressen lassen). Hier wurde wieder nicht korrekt recherchiert und eine Namensdopplung vorgeschoben, die eine satte Rechnung zur Folge hatte. Hier ist der ungewollte "Kunde" der Gelackmeierte wenn er sich nicht auf die Hinterbeine stellt. Erst nach einigen Telefonaten und einem Anruf durch den Künstler höchstselbst kam (leider) Licht ins Dunkel und die netten Gemamenschen gestanden sich ihren Fehler ein.

Screenshot Mail:


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Nachtrag 2:

Vollkommen überraschend hat die GEMA (nach drei Monaten) realisiert, dass alle Bands des GFO tatsächlich wie von uns angegeben, GEMA frei sind und hat uns, in all Ihrer Allmacht, jegliche Kosten erlassen. Ja gratuliere!

Die Bürokratie als Schutzild - Auch hier sind Reformen mehr als notwendig aber seit langem ausstehend.



Gelesen 6968 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 03 Juni 2015 19:56
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