Montag, 25 August 2014 12:16

14.-16.08.2014 1. Metal.Frenzy Open Air, Gardelegen - Minas Morgul, Negator, Belphegor +++

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Metal Frenzy Metal Frenzy Metal Frenzy

Metal Frenzy – das ist das, was dabei herauskommt, wenn ein Metalhead beschließt ein Festival auf die Beine zu stellen. Schon bei Bekanntgabe des Line Ups war klar, dass Robert und Frank – die Veranstalter des ersten Metal Frenzy in Gardelegen – das Bein heben wollen, um mit den großen Hunden zu pinkeln. Die mangelnde Erfahrung haben die beiden mit guter Beratung und dem Einsatz von Profis wett gemacht und so gleich beim ersten Mal Vieles richtig gemacht, wie wir finden. Hier unser Quick-Check!

Schon bei der Anfahrt wurde schnell klar: Das Festivalgelände ist der Hammer. Ein weitläufiges, ebenes (frisch von Schafen gemähtes) Feld, vereinzelt mit Bäumen und direkt neben dem Erlebnisbad Gardelegen. Das Infield direkt im Anschluss und eine kluge Verteilung der Dixies sorgten für kurze Wege.

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Zu den Klängen von MANEGARM errichteten wir am Donnerstag nach kurzer und freundlicher Einweisung das „Camp Law“. Da der Campground durchaus noch Wachstumspotential nach oben lässt, stand man auch nicht dicht an dicht. Der Müllpfand ist mit 5 € absolut im Rahmen. Am Infostand bekamen wir dann neben unseren Bändchen auch ein sehr informatives Programmheftchen und einen ersten Eindruck vom stets gut informierten und freundlichen Team dort. Pünktlich zu THE AGONIST betraten wir das Festivalgelände. Recht überschaubar und gut gefüllt mit Festivalbesuchern kam bei der gar nicht mal so Core-lastigen Band mit starker Frontfrau schon gut Stimmung auf.

 

Das toppten GRAVE DIGGER mit der mitreißenden Rampensau Chris Boltendahl dann nochmal. Die Band hatte sichtlich Spaß an ihrem Auftritt mit und die Fans vor der Bühne dankten es ihnen mit vollem Körpereinsatz. GRAILKNIGHTS – sehr unterhaltsam, geile Bühnenshow und auch musikalisch durchaus mit Finesse!

 

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SIX FEET UNDER – die altgedienten Death-Metal-Recken lieferten ordentlich ab. Auffallend war der durchgehend sehr gute Sound. Die bisweilen längeren Umbaupausen und Soundchecks ließen sich gut überbrücken, da es ein abwechslungsreiches und bezahlbares Merch- und Essensangebot auf dem Festivalgelände gab. Der Bierpreis mit 2,00 € pro 0,3l war okay. Das neue Prinzip der Mehrwegbecher zum Kaufen hat sehr gut funktioniert. Wenn man die zwischendurch auch mal spülen könnte, wäre es perfekt!

 

Donnerstag wurde zu unserem Leidwesen Becks serviert. Freitags wurde dann zum Glück auf Krombach umgestellt. Zusätzlich zu den Bierpilzen gab es einen Stand für Cocktails, Longdrinks, Shots und Energydrinks. Für das leibliche Wohl gab es einen Imbissgrill, einen Diner im Streamlinerstyle (der Baconburger für 5,50 € war sehr lecker!), einen mittelalterlichen Knobi-Fladen-Stand und Flammkuchen aus dem Holzofen. Merchtechnisch konnte man sich neben den Bands vor Ort (deren Pavillions im Laufe des Festivals davon flogen) bei drei weiteren Merchzelten und einem Stand für Schmuck eindecken.

 

In der ersten Nacht haben wir so himmlisch geschlummert, dass es beim Aufwachen zu Desorientierungszuständen kam „Bin ich wirklich auf einem Festival? Es ist so verdammt ruhig?“. Dem nächtlichen Lärmpegel nach hätte auch unbemerkt eine Zombieapokalypse stattfinden können. Man konnte regelrecht dem Gras beim Wachsen zuhören. Grund dafür war wohl das Generatorenverbot auf dem Campground, das sämtliche geschmacksverirrten Stereoanlagenbesitzer dazu zwang, mit ihren Akkus zu haushalten. Feierwütigen wurde ein DJ zwischen 1:00 und 4:00 auf der Zeltbühne zur Verfügung gestellt, die akustisch so ausgetüftelt war, dass man davon auf dem Campground nicht viel mitbekam. Aus unserer Sicht eine geniale Lösung!

 

Die Einkaufsmöglichkeiten mit einer Tankstelle in einem Kilometer und einem Einkaufszentrum mit Kaufland in 1,5 km Entfernung waren fußläufig gut erreichbar. Der Freitag wurde für uns musikalisch mit THRUDVANGAR eingeleitet, die soliden Pagan Metal ablieferten. HERFST aus Belgien zählt für mich zu den positivsten Überraschungen des Metal Frenzy. Als Black Metal angekündigt konnte ich doch das ein oder andere Death-Element entdecken und fand den akustischen und visuellen Gesamteindruck sehr atmosphärisch und überzeugend.

 

CORONATUS haben wir uns ehrlicherweise nur vom Campground aus angehört (was aufgrund der Nähe echt gut geht). Gothic Metal ist für mich ja eher ein Grund das Weite zu suchen. Aber die Gewalt von drei Frontfrauen hat dann doch Anklang gefunden. NOTHGARD konnten uns mit ausgefeiltem Pagan Metal überzeugen. SCREAMER kamen eher klassisch mit Heavy Metal daher. Die SUICIDAL ANGELS aus Griechenland lieferten mit ihrer wütenden Death/Thrash Mischung ein hartes Brett ab. VADER ließen mit einem lang gezogenen Intro die Spannung steigen und knüppelten dann allen Anwesenden mit einem gut ausgewogenen Set ein, dass sie nach wie vor die Speerspitze des polnischen Death Metal darstellen. HARDBONE gaben sich auf norddeutsch und witzig. Der zuweilen an D. Bohlen erinnernde Humor von Frontmann Tim konnte mich nicht wirklich mitreißen. CALIBAN haben eine sehr starke Show abgeliefert. Über den manchmal zu stromlinienförmigen Sound der Band lässt sich trefflich streiten, aber wie sie auch „die Kuttenträger“ mitgerissen haben lässt sich nicht wegdiskutieren und das hat auch Frontshouter Andreas Dörner ordentlich beeindruckt (O-ton: „Ihr habt mich bekehrt“). Unserer Meinung nach weist das neue Material auch ordentlich metallische Härte auf. THE UNGUIDED wirkten danach eher schwach und insbesondere da sie als Melodic Death angekündigt wurden stießen mir die überwiegenden Hardcore Elemente sehr sauer auf.

 

Da Core insgesamt sehr stark vertreten war (9 von 37 Bands) nutzen wir Samstag erst einmal das Planschangebot im Erlebnisbad. Für 3,50 € kann man hier die Badeanlage (und vor allem auch die Duschen) nutzen. Auf dem Festivalgelände ging es für uns dann mit ALL FOR NOTHING aus Rotterdam los. Frontfrau Cindy kommt stimmlich und bühnenergiemäßig nah an Zack de la Rocha ran. Der Gig wurde von einem Gewitter unterbrochen, was die Band zum Anlass nahm, danach noch einmal mit doppelter Kraft nachzulegen. Die Sturm- und Gewittefront hat uns zu einem Nachmittagsschlummer im Camp getrieben, so dass wir WOLFCHANT und MINAS MORGUL verpassten.

 

Besonders gefreut haben wir uns auf die NITROGODS. Die dreiköpfige Band macht „No bullshit Rock’n Roll“ mit Psychobilly und Blues-Elementen. Diese Mischung stieg auch dem Publikum schnell zu Kopf und von dort in die Beine und nach wenigen Songs wurde auch vor der Bühne ordentlich gerockt – ganz ohne schwachsinnige Ansagen und Aufforderungen zum Mitmachen. Besonders großartig: Improsession mit Gitarre und Bierflaschen-Perkussion.

 

BELPHEGOR kündigten sich mit großem Getöse und viel Bühnendeko an. Akustisch konnten sie mich nicht überzeugen, aber die Masse der Fans war begeistert. ENSIFERUM hatten auch ihre Bühnendeko mitgebracht. Bisweilen wirkten die Finnen aber doch sehr routiniert beim Performen ihres neuen Materials und der alten Songs von den ersten beiden Alben. Die EXCREMENTORY GRINDFUCKERS spielten ein Set das mit Weihnachtsliedern startete und sich dann in eine Kakophonie aus Gegrunze und kindlichem SingSang steigerte.

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FAZIT

Das Metal Frenzy konnte mit einer insgesamt ausgewogenen Bandauswahl bei durchgehend gutem Sound und insgesamt toller Bühnentechnik überzeugen. Puristen würden sich wohl an den Core Bands stören und bei so einem kleinen Festival wären lokale bzw. Undergroundbands in den Mittagsslots eine wünschenswerte Alternative. Die Stimmung im Publikum war durchgehend gut und der Platz zwischen Bühne und FOH-Turm immer mindestens in loser Streuung gefüllt. Die Logistik rund ums Festival wirkte nach außen gut durchorganisiert und wies lediglich in Details kleine Schwächen auf - Jammern auf hohem Niveau könnte man sagen. Alles in allem wünschen wir uns, dass Robert und Frank weiter machen und uns im nächsten Jahr mit einem zweiten Metal Frenzy beglücken.

 

Alle Bilder mit freundlichen Genehmigung von Viola Pawlaczyk www.hannover-fotografen.de

Weitere Informationen

  • Band(s): Debauchery, Belphegor, Grailknights, Ensiferum, Wolfchant, Vader, Thrudvangar +++
  • Wann: 00.00.0000
Gelesen 3414 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 27 August 2014 08:38
Lawbringer

Unter Waffen schweigen die Gesetze.


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