Donnerstag, 24 Oktober 2019 09:08

19.10.2019 - ODYSSEY TO BLASPHEMY III - RESONANZWERK, OBERHAUSEN +++ URFAUST + DARKENED NOCTURN SLAUGHTERCULT + HERETIC +++

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Bereits Ende 2018 wurde angekündigt, dass mit Hochdruck an neuen Events der Odyssey to Blasphemy-Konzertreihe gearbeitet werde - so sind auch bereits früh für die dritte Ausgabe des Ein-Tages-Festivals im Resonanzwerk Oberhausen am 19. Oktober einige vielversprechende Bands angekündigt worden. Zwei starke Festivalausgaben mit u.a. Acts wie Mgła oder Impaled Nazarene erfuhren großen Fanzuspruch, wurden mühelos zum "Place to be" unter den Black Metal-Anhängern in NRW und lockten ein Publikum weit über die Landesgrenzen hinaus ins Ruhrgebiet. Auch der diesmalige Termin avancierte zu einem starken Event, nicht zuletzt aufgrund des handverlesenen Billings.

Schon früh wurde angekündigt, dass Skkrapnel nicht bloß ihr Live-Debüt, sondern auch ihr einziges Konzert überhaupt spielen würden. Die Band, über die nicht viel bekannt ist, veröffentlichte erst im Sommer diesen Jahres ihre erste EP "Cleaning Process" via dem Leipziger Label Into Endless Chaos Records (u.a. Augur, I I, Mrak) und konnte mit ihrem Mix aus Death Metal-Zähfluss und Black Metal-Disharmonie punkten - allerdings war ihr erster Auftritt maximal solide und durchschnittlich. Leider ist auch genauso wenig über die Zukunft der Band wie über die Beweggründe bekannt, diesen Live-Auftritt zu einem Unikum zu machen, denn auch wenn die Band nicht viel herausstechende Eigenständigkeit mitbrachte, so gaben sie sich alle Mühe, für die früh Angereisten eine gute Show zu liefern. Vor allem die Vocals überzeugten hier, auch wenn zwischendurch unvermittelt und ohne weitere Erklärung der Sänger wechselte. Leider waren die Gitarren aber auch aus technischer Perspektive stark übersteuert und die Drums klangen recht hölzern, was der Band leider im Gesamtbild nicht gerade half, lange im Gedächtnis zu bleiben. Schade, denn gerade die Songs auf der EP haben durchaus die Erwartungen hochgeschraubt. 

KVR hingegen konnten -der noch frühen Stunde zum Trotz- hier bereits ein erstes Highlight des Tages liefern. Die Band stellte ihre ausufernden Black/Doom-Stücke von der Demo "MMXVII" und ihrer EP "In Crypts By Continental Pillars Sealed" begleitet von einer intensiven, beinahe liturgischen Show vor, fackelte auf der Bühne eine Schale voll Weihrauch ab und fügte so ihrem Auftritt neben dem hypnotischen Klang und der düsteren Optik auch eine olfaktorische Komponente hinzu. Auch KVR legen bisher einen Schleier der Anonymität über ihr Ensemble und Bandhistorie, was dem Image durchaus zuträglich ist. Vor allem Songs wie "The Pale Surge" von der Demo oder "Hyperion" von der EP sind wahre rauschhafte Giganten, die in der atmosphärischen Show wirklich überzeugen konnten.

Es folgten Fiat Nox auf der Bühne, die mit ihrer bislang einzigen EP "Light The Torches" von 2016 und ein wenig neuem Material aufwarteten. Die Bremer schafften es entgegen ihres noch geringen Bekanntheitsgrads eine gute Show zu liefern und erhielten großen Zuspruch des OTB-Publikums. Vor allem Stücke wie "A Thousand Conquered Thrones" liehen dem Sound der Band -trotz des charmanten Old School-Naturells- einen episch-erzählerischen Charakter und sorgten dafür, dass die Halle immer voller wurde. Definitiv eine Band, die man auf dem Schirm haben sollte!

Allgemein eignet sich das Resonanzwerk ziemlich gut für Events dieser Art - diesmal war zwar die Empore oben als VIP- und Pressebereich designiert und konnte somit nicht von allen betreten werden, aber die große Halle bot allgemein genug Platz für alle Besucher. Der zwischenzeitig doch sehr überfüllte Außenbereich mit den qualitativ durchaus sehr guten Essensständen wurde in den Umbaupausen von vielen genutzt, um eine Runde zu quatschen, die eine oder andere Zigarette zu rauchen oder ein wenig zur Ruhe zu kommen. Dass man mit einmaligem Eintritt die Location nicht verlassen durfte, sofern man einem Wiedereinlass entgegensah, stieß auch ein paar Konzertgängern negativ auf. Mit dem Getränkemarkt direkt vor dem Haupteingang und den Sicherheitsauflagen des Venues konnte man die Veranstalter und die Betreiber des Resonanzwerks aber verstehen.

Die britischen Blasphemiker Deitus präsentierten Stücke ihrer beiden bisherigen Alben "Acta Non Verba" und "Via Dolorosa" und gaben sich dabei ziemlich straight-forward und schnörkellos. "Taten, keine Worte" ist das Motto ihres Debüts, und einen wahrlich "schmerzvollen Weg" lehrten sie den Konzertbesuchern auch an diesem Abend: Die Londoner um Frontmann und Gitarrist A.G. machten ihrem Anspruch in die Fußstapfen von Bands der 90er Jahre wie Dissection und Mayhem zu treten alle Ehre. Ohne Probleme wurde der Gig trotz seiner aggressiven und blutrünstigen Ader zu einem in sich geschlossenen Ritual und vor allem Stücke wie "Manifest" oder "Salvifici Doloris" machten den Auftritt zu einem kurzweiligen Abenteuer.

Zwielicht hatten als NRW-Einheimische wenig Mühe das Publikum zu begeistern: Die Band um Sänger LCF's Saw, Bassist Schmerz (u.a. Hallig), die Gitarristen Demozid und N., sowie Drummer J.P. (u.a. Attic, Paria) hatte zuletzt 2014 ihr Debüt-Album "With Love From Sinister" herausgebracht. Seitdem sind die Bandmitglieder in diverse andere Projekte verwickelt, finden sich aber immer wieder für ihre intensiven, atmosphärischen Darbietungen zusammen. Songs wie "On Satan's Wings" oder "The Evil Rises With The Angel's Fall" waren in ihrer Atmosphäre hoffnungsbefreit, drückend schwermütig und melancholisch - so hatte der gesamte Gig der Band einen derart düsteren Charakter, wie es ihn selten bei Black Metal-Bands gibt. 

Khthoniik Cerviiks aus Dortmund prügelten den Besuchern im Nachgang ihren Black/Death-Hybrid-Sound mit okkultem Anstrich ein, waren auch auf technischer Ebene durchaus stark, wirkten aber zwischen den anderen Bands im Lineup des Events eher schwach und einfallslos. Schade, da eigentlich Gitarrist und Sänger Khraâl Vri*ïl gerade mit seiner Expertise aus so vielen anderen Bands (u.a. Pandora, Wintergoat, Paria) schöpfen konnte und auch die restlichen zwei Musiker des Trios bereits bei Ignis Uranium und Zuul aktiv waren, aus deren Asche die Band hervorging. Trotzdem waren die Stücke des 2015er Debüts "SeroLogiikal Scars (Vertex of Dementiia)" bestenfalls durchschnittlich.

Auch wenn die Holländer Heretic ob ihres verrückten Stils zwischen Black Metal, Rock'n'Roll und Rockabilly-eskem Punk total aus dem Tenor des Tages fielen, machte der dreckige Sound der Band einfach tierischen Spaß. Die Ván Records-Combo um Sänger Thomas Goat konnte sich den einen oder anderen Lacher mit ihren ironischen Ansagen einheimsen und verköstigten das eine oder andere Bier auf der Bühne, während sie zum Abgehen aufriefen. Spirituell? Nicht so sehr. Schweißtreibend? Schon eher. Heretic sind seit 1996 unterwegs und hatten zuletzt 2016 ihr aktuellstes Album "Underdogs of the Underworld" herausgebracht - und während der Frontmann immer wieder zum Anstoßen aufrief, auf der Bühne Menschen ihren nackten Hintern präsentierten und nach mehr Nacktheit, gerade von den Damen im Publikum, gekräht wurde, die Band mit Songs "Black Metal Punks", "Tyrants of Evil" oder "The Devil, My Saviour" einen totalen Abriss feierte und die Liebe zum Teufel höchst selbst erklärt wurde, durfte man durchaus die Frage stellen, ob Heretics herrlich sündhafte Show im Kontext des Odyssey to Blasphemy kongeniales Chaos oder plumpes Kasperletheater war. In jedem Fall hat es den meisten im Saal Spaß gemacht, die Jungs zu sehen!

Urfaust bildeten natürlich für viele das eigentliche Highlight des Tages - der Hype um das ebenfalls aus den Niederlanden stammende Okkultisten-Duo um VRDRBR und IX ist ungebrochen und jeder Black Metal-Jünger, der etwas auf sich hält, trägt einen Patch, ein Shirt oder direkt ein wunderschön gestaltetes Artwork auf der Haut oder auf der Lederjacke. Tatsächlich hatten Urfaust leider große Mühe mit ihrem eigens mitgebrachten Tontechniker, pausierten zwischen den Songs immer länger, fingen Songs an, nur um diese abzubrechen und etwas am Klang zu monieren, und lieferten nicht die beste Bühnenshow. Einerseits war es für die dunkle Mystik um den Sound von Urfaust und die andächtige Atmosphäre, die sonst bei einem der speziellen Gigs der Band herrscht, viel zu hell im Saal und die wenigen Kerzen auf der Bühne konnten da nun auch keine Stimmung aufkommen lassen - andererseits merkte man, dass gerade Drummer VRDRBR nicht ganz so fit war, unsauber spielte und womöglich durchaus einen im Tee hatte (nicht nur womöglich, schließlich kippte er ein Bier nach dem anderen und verlangte immer mehr, warf sogar zwischendurch eine Flasche zu Boden). In gewissem Rahmen war das kein Problem - bloß war auch die Songauswahl des Abends nicht besonders gelungen, wenn man wahre Urfaust-Fanatiker fragte. Die präsentierten Stücke (darunter u.a. "Unter Töchtern der Wüste" oder "Dämmert, gelähmt und mit scheinbar erloschenem Geist") gehörten allesamt eher dem ruhigeren Schaffenspart der Band an und es kam einem beinahe so vor, als würden diese sogar live noch langsamer präsentiert, als sie auf den Studio-Aufnahmen wirken. Urfausts Songs sind eigentlich immer gut - und ein Desaster, wie es manche Besucher nannten, wäre auch hier zu viel der unbequemen Kritik. Aber wer Urfausts schon einmal in den letzten fünf bis zehn Jahren live bezeugen durfte, der dürfte wissen, dass das Duo es so viel besser kann. Schade auch, dass der Gig beim Odyssey to Blasphemy das vorerst letzte Konzert der Niederländer war. 

Die finalen Darkened Nocturn Slaughtercult kehrten bei der dritten Ausgabe des Odyssey to Blasphemy zurück, nachdem sie bereits beim 2016er Debüt-Event am Start waren. Die Band um die exzentrische Frontfrau Onielar lieferte in diesem Jahr schon so einige intensive Live-Shows (zuletzt bei dem Way of Darkness-Festival in Lichtenfels, Bayern, den Live-Bericht findet ihr hier) und stellte auch an diesem Abend ihr neues Album "Mardom" vor. Trotzdem war die Setlist ein Best of ihrer bisherigen Diskographie und vor allem die Zugabe in Form von "Das All-Eine" war die akustische Krönung des Abends. Die mitreißende Black Metal-Kaskade auf der Bühne konnte jedenfalls jeden einzelnen im Saal bannen – gerade, weil DNS' rar gesäte Live-Auftritte szenisch, blasphemisch und krass in Retrospektive, sowie mitunter theatralisch und gerne übertrieben sind - aber gut, dass man Teil haben durfte an dieser Messe, zu der man entweder einen Schritt auf die Band zu gehen musste, erfüllt vom herben Sound, oder das Weite suchen muss (und sollte), wenn einem das Ganze nicht geheuer war. Für den wahren Aficionado war die elitäre Band Grund der Anreise und unvergesslich.

 

So wurde auch die dritte Ausgabe des Odyssey to Blasphemy in angenehm großer und trotzdem familiärer Location mit seinem Destillat des Black Metal-Untergrunds für jeden Jünger der finsteren Musik-Extreme ein wahres Fest. Headliner Urfaust und der ominöse Darkened Nocturn Slaughtercult werden wohl am meisten Besucher angelockt haben. Das Essen war gut (auch für die Vegetarier/Veganer-Riege wurde gesorgt), an den Merch-Ständen der gastierenden Labels wurde eingekauft, was das Zeug hält, ehe man aus dem Ausland ordern muss (vor allem wurde das Merch von Urfaust belagert, auch wenn diese gar nicht so viel dabei hatten), und die Bewusstsein peitschende Musik des ganzen Tages genossen – was kann es Besseres geben? Schon bei der ersten Ausgabe dachte man sich als Besucher, dass man nur hoffen kann, dass das Odyssey to Blasphemy-Festival zu einem etabliertem Jahrestermin avanciert, Potenzial hatte das Event allemal dazu. Die zweite Ausgabe war dann leider nicht ganz so gut besucht, aber umso schöner, dass die Veranstaltung exhumiert wurde und nun vorerst jedes Jahr im Oktober stattfinden soll. So lautet das Urteil schließlich: Schwarz/grau statt farbenfroh, untergründig statt kommerziell (auch wenn sich manche über die Essenspreise aufregten), heimelig, nicht teuer und musikalisch ein Leckerbissen, so bleibt das OTB 2019 in Erinnerung als Event der Extreme, welches aber den Black Metal-Fan mehr als sättigen konnte und riesigen Spaß machte.

Für 2020 (Termin: 17.10.) sind bereits mit Darkmoon Warrior, Forgotten Tomb (welche ein exklusives "Songs To Leave"-Set spielen sollen), Denial of God, Baxaxaxa, Narvik und Hadopelagyal ein paar starke Hausnummern bestätigt worden. Wir freuen uns schon jetzt!

All Photos by Anna Apostata

Weitere Informationen

  • Band(s): Skkrapnel, KVR, Fiat Nox, Deitus, Zwielicht, Khthoniik Cerviiks, Heretic, Urfaust, Darkened Nocturn Slaughtercult
  • Wann: 18.10.2019
  • Wo: Resonanzwerk Oberhausen, Annemarie-Renger-Weg 5, 46047 Oberhausen
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Haimaxia

Impavidi progrediamur - sic itur ad astra.


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