Sonntag, 18 August 2019 14:37

08. - 10.08.2019 - Party.San Metal Open Air - Flugplatz Obermehler, Schlotheim - Hypocrisy, Hellhammer, Testament, Bloodbath, Destruction, Belphegor, Sólstafir, Deicide +++

geschrieben von Blood Countess, Grave, Nephthys & Torn
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"Ist das PartySan noch Underground? Wie könnt ihr das supporten?" Mit diesen Kommentaren durften wir uns ab dem Moment auseinandersetzen, als wir die ersten Party.San-Posts über FB geteilt hatten. Nun, was soll man sagen? Das Party.San ist natürlich eines der größeren deutschen Metal-Festivals und auch die fettgedruckten Namen auf dem Billing haben selbstverständlich einigen Impakt. Trotzdem hat sich das Event über die Jahre, ähnlich wie viele kleinere Festivals nicht verkauft oder (trotz Potential des Geländes) auf Hauen und Stechen vergrößert. Wer das Kleingedruckte liest findet jedes Jahr auch Bandnamen, die man selten oder gar nicht gelesen hat und das machte es für Undergrounded interessant, einen genaueren Blick zu werfen.

Beim ersten Gang über das Festival war die Größe des Festivals natürlich schnell ersichtlich. Der Campground zieht sich links und rechts der Landebahn des kleinen Flughafens in einige Entfernung -und auch dieses Jahr wurde die 10k Besuchermarke sicherlich geknackt. Trotzdem wurde auch schnell klar, dass das infrastrukturelle Potential des Geländes bei weitem nicht ausgereizt wurde und man hier locker das doppelte oder dreifache Publikum hätte zelten lassen können. Wie erwartet war auch die einen oder anderen Partytouristen im Boratkostüm oder mit Einhornschwimmreifen im Gewusel zu erkennen, aber dies machte nur einen Bruchteil der Gäste aus. Ansonsten wies spätestens der Blick hinter die Kulissen das Event als Familientreffen der Szene aus. Burgbrand Festival, In Flammen Open Air, oder auch die Veranstalter des 2015 zu Grabe getragenen Ragnaröck-Festivals, hier trafen sich die Menschen und Bands, die sich dem Support des Underground verschrieben hatten und haben. So begann der Donnerstag mit:

Donnerstag

Slaegt:

Slaegt hatten die Ehre, den Festival-Donnerstag auf der Hauptbühne zu eröffnen und mussten angesichts ihrer großartigen vergangenen Auftritte mit einer entsprechend hohen Erwartung seitens des Publikums zu rechnen. Die vier Dänen begannen auch in gewohnter Weise mit hohem Tempo und mit dem nötigen Groove, sodass sich die zahlreich erschienen Fans ohne Umschweife ins Festival einleben konnten. Leider hatte man in den ersten 15 Minuten mit diversen Tonproblemen aus der linken Röhre zu kämpfen, sodass der eigentlich solide Auftritt geringfügig geschmälert wurde.

Runemagick:

Mit Runemagick stand dann um 15:30 ein wahres Urgestein der schwedischen Death Metal-Szene auf der Bühne und donnerte eine gewaltige Ladung durch die Boxen. Nach einer zehnjährigen Pause haben sich die Schweden 2017 wieder zusammengerauft und 2018 ein mehr als brauchbares Album präsentiert. Schon früher war die Band von kürzeren Auszeiten geprägt und hat ihren Stil über die Jahre immer weiterentwickelt. So krachte es bei den älteren Titeln im Programm deutlich mehr, während die neueren Stücke ein langsameres Tempo an den Tag legten, aber dennoch nicht an Kraft verloren. Alles in allem waren Runemagick sicherlich ein Leckerbissen für alle Freunde der alten schwedischen Schule.

Skyforger:

Aus Lettland hatten Skyforger den Weg ins nördliche Thüringen auf sich genommen und galten im Vorfeld aufgrund ihres starken Pagan-Einschlags als etwas deplatziert. Allerdings verzichtete das Aushängeschild der lettischen Extreme Metal-Szene überwiegend auf die typischen akustischen Elemente, welche man vom hochgelobten „Zobena dziesma“-Album aus dem Jahre 2003 kannte und welche seit jeher einen festen Platz in der Setlist von Skyforger hatten. Stattdessen gab es eine Dreiviertelstunde sattes Geknüppel und man wunderte sich nur, wie die Herren auf der Bühne es unter ihrer Gewandung bei der bereits vorhandenen Hitze aushalten konnten. Das Publikum schätze es mit lautem Applaus wert, Skyforger waren also keines Falls fehl am Platze!

Incantation:

Zum Einstieg in den Fotograben war dieser schöne klare Death Metal von Incantation genau das Richtige. Nach den ersten atmosphärischen Black Metal Bands bildete dieses Quartett einen guten Bruch, der gleichzeitig den Übergang zu späteren Headlinern wie Belphegor nahtlos schloss.Visuell als auch tontechnisch legten Incantation eine sehr erfrischend technische Death Performance an den Tag; mittels Lichtshow und maßvollem Umgang mit der Nebelmaschine ohne jegliche Bühnendekorationen, blieb diese Band in bester Erinnerung.

Ascension:

Um 20.40 Uhr starteten Ascension. Da sie sich in den letzten Jahren einen großen Namen in der nationalen Black Metal-Szene erspielt haben, verwunderte es, dass sie bisher noch nicht auf dem Party.San aufgetreten waren. Doch dieses Jahr sollte es endlich - und zum Glück - soweit sein. Bis zum aktuellen Album “Under Ether” hätte man Ascension noch auf der Zeltbühne erwartet, doch nach der großartigen Resonanz, die das Album erfahren hat, bekamen sie direkt einen späteren Slot auf der Hauptbühne. Und das zurecht, wie sich zeigen sollte: Sie hatten keinerlei Probleme, diese auszufüllen, und legten nach den langweiligen Craft einen energiegeladenen Auftritt hin. Besonders hervorzuheben sind hier die Kracher “Fire and Faith” und “Ever Staring Eyes”, mit denen sie direkt kraftvoll einstiegen. Auch optisch machten sie mit den passend zu den Outfits grau-silbern geschminkten Gesichtern etwas her und harmonierten hervorragend mit der einsetzenden Dämmerung. 

Belphegor:

Zu allmählich später Stunde ging es mit Belphegor schnurstracks auf die Headliner-Slots zu. Das Urgestein rund um Fronter Helmuth machte auch von Anfang an keine Gefangen und sorgten durch die zahlreichen Flammenstöße für erhebliche Hitze in den ersten Reihen. Auch musikalisch lieferten sich die Österreicher ein wahres Feuerwerk ab, wenngleich sie bei der Song-Auswahl auf einige Klassiker verzichteten. Helmuths mächtige Stimme dröhnte nur so über den Platz und wurde von den Gitarrenwalzen hervorragend unterstützt. Das Publikum dankte es Belphegor mit ausuferndem Applaus. Leider war nach einer guten Dreiviertelstunde aber auch schon alles vorbei und die Salzburger verließen die Bühne. Gerne hätten sie noch Material vom “Lucifer Incestus”-Album oder “Stigma Diabolicum” spielen können. Aber auch so war der Auftritt von Belphegor sehr gelungen und sorgte für reichlich Nackenschmerzen.

Craft:

Aufmerksam geworden war ich durch diese Band aus dem privaten Umfeld und durch das Logo. Ebenfalls eine Band, die überhaupt keinen Neuling in der eingefleischten Black Metal Szene darstellt, wurde Erwartung nicht enttäuscht – musikalisch könnte man die Band auch in die Sparte Depressive Suicide Black Metal ansiedeln, allein aufgrund der Tatsache, dass der Sänger offensichtlich keinen Spaß an seiner eigenen Show hatte, oder sich schlicht nicht für die Ansammlung an Menschen interessierte. Den Blick stets zu Boden gesenkt oder in die Ferne gerichtet lieferte er mitsamt maskierter Band eine Ohren- und Augenweide. Schwerste Kost stellte die Band zwar nicht da aber die Bilder sprechen für sich.

Hellhammer (Triumph of Death):

Gerade bei Hellhammer hatte man im Vorfeld schon bei der Hellfest Ankündigung viele negative Äußerungen und Vorwürfe gehört. Der O-Ton, der hier am stärksten durchstach ließ darauf schließen, dass man sich nach dem Tod Martins einfach daran störte, dass eine in der Schweizer Szene fest verankerte (aber auch unumstößliche Institution) vermeintlich dem Kommerz zuflog und dem tiefsten Untergrund abtrünnigen wurde. Ja, Hellhammer haben nun weltweit Shows gespielt – und wie kann man einer verstorbenen Legende besser huldigen, als dafür zu sorgen, dass die jungen Generationen seine Musik hören? Gerade bei Großveranstaltungen wie Wacken oder Summer Breeze ist es wichtig, dass Szenebegründer wie King Diamond oder Wacken die Tiefe in den Metal zurück bringen. Wenn man das so gekonnt wie Gabriel Fischer macht, Hut ab. Nur fähige und gestandene MusikerInnen in diesem dritten, abschließenden Projekt gleichsam einem „Tryptikon“ (Begriff aus der kirchlichen Kunsthistorie: dreiteilige Altar) zu vereinen gelingt auch nicht jedem. Die Ansagen zwischen den Songs zeigen auch mehr von dieser Intention, als von jeglichem Kommerzdenken. Danke dafür!

Hypocrisy:

Nachdem das Feuerwerk Belphegors und Hellhammers auf der Hauptbühne abgeklungen war, begann die Vorbereitung für den Headliner des Festivals, Hypocrisy. Die Schweden sind seit knapp drei Jahrzehnten ein fester Bestandteil in der Death Metal-Community und überzeugen mit einer Bandbreite von gnadenlosen Prügel-Songs aus den Neunzigern bis hin zur melodischen Spielart, welche sie später an den Tag legten. Thematisch bewegen sich Hypocrisy seit vielen Jahren im Bereich des Science Fiction und machten dies auch mit dem futuristisch anmutenden Bühnenbild deutlich. Durch die aktuellen Area 51-Raid-Memes gewann ihr Auftritt zudem an Relevanz. Spätestens bei “Eraser” wippte die Masse im Takt mit.Bei klasse Sound und einem prall gefüllten Festival-Gelände spielten sich die Schweden rund um Peter Tägtgren durch ihre gesamte Diskografie und zeigten klar, warum sie als Headliner des diesjährigen PartySans die richtige Wahl waren.

Freitag:

Gutalax:

Der Festival-Freitag startete traditionell mit Grindcore auf der Hauptbühne. In diesem Jahr hatten sich niemand Geringeres als die Tschechen Gutalax dort eingefunden um in einer guten halben Stunde etwa 42 Songs zu spielen, wenn man den Worten des Sängers Maty trauen darf. Der Auftritt zog bereits zur frühen Stunde sehr viele Hartgesottene auf das Festivalgelände und war vor allem eines: witzig! Selbst die Grabencrew hatte Partyhüte auf und im Publikum entstand ein kunterbunter Circlepit mit allerlei verkleideten Leuten. Musikalische Abwechslung gab es dann aber doch sehr wenig, wie auch die Band selbst feststellte. Aber als Wecker taugten Gutalax allemal.

Solstice:

Spätestens nach dem Auftritt am Keep It Trve mit Ersatzsänger Felippe, der eigentlich für die Gitarrenarbeit bei Deströyer 666/ Nifelheim zuständig ist, muss jeder diese Band auf dem Schirm haben. Die Augen einmal auf den Bildschirm gergerichtet, High End Kopfhörern auf den Ohren, war klar, dass dieser Mensch noch ganz andere Qualitäten hat. Das Duett mit Visigoth Sänger Jake war wohl der Gänsehaut-Moment… Beim Party San gab es diese Konstellation so leider zum letzten Mal zu sehen und hören, da die Band nun einen neuen Sänger hat. Ende des Jahres kommen Solstice außerdem ua. nach Stuttgart. Die Band zog nun hier bereits mittags eine große Hörerschaft in ihren Bann. Völlig zu Recht. Im Vorfeld ließen sich glücklicherweise auch einige kritisch gestimmten übernachteten Redakteure von dieser nicht nur objektiven Meinung dazu breitschlagen, die Band anzuhören. Mission erfüllt!

Midnight:

Midnight sind wohl auch einer der momentanen Überflieger der Szene – man liebt sie oder hasst sie. Manch einer mag es nicht nachvollziehen können, wie man seine Musikinstrumente auf der Bühne zerdeppern kann, aber das gehörte auch hier wieder einfach zum guten Ton. Midnight sind eine dieser Bands, deren ganze musikalische Bandbreite bzw. Performance live am harmonischsten ist – gerade dann wenn standardmäßig zeremoniell die Gitarre zerdeppert oder verbrannt wird und sich die geballte  Energie und Verausgabung der Mitglieder selbst auf die Fans überträgt. Schließlich sah man auch beim Party.San vor allem bei Midnight einige Leute beim Crowdsurfen und Moshen. Wer dazu noch die neuere Generation der US-Szene des Epic Heavy Metal/NWoBHM gut kennt, erblickte am Seitenrand noch ein paar weitere bekannte Gesichter. Diese Herrschaften betraten kurze Zeit später die Bühne, um selbst zu performen. Aber zurück zu Midnight – Athenar, Commandor Vanik und Drummer SS machten nach GG Allin und den Mentors diese Art der leicht obszönen bis einfach explosiven Mischung im Bereich Metal &  Punk wieder salonfähig. Midnights Ursprünge und Wurzeln sind tief im Black Metal und Punk verwurzelt, daher darf diese Musik nicht nur nach Bathory oder Venom klingen, sie muss es auch. Hier waren Augen, Ohren und Moshpit Softskills (auch im Fotopit) gefordert.

Traitor:

Wir sind Traitor aus Balingen and we play Rock'n' Roll - Mit dieser Hommage an Lemmy, starteten die Jungs von Traitor in das wohl kürzeste Set Ihrer gesamten Karriere Eigentlich von Wacken als Headliner mit 3 Stunden Playtime verwöhnt (Lorenz mag uns diesen Gag verzeihen), sparten sich die Jungs ansonsten jegliches Gelaber und auch Pausen und knüppelten die Schlotheimer mit insgesamt 8 Songs (z.B. Kneedeep In The Dead, Reactor 4 oder Thrash Command) einmal quer durch alle Releases. Während der Sound für die ersten beiden Reihen fast unerträglich matschig war, wurden die hinteren Reihen mit einem der Band würdigen Mix verwöhnt. Die Spielfreude, die sich die Kombo über die Jahre antrainiert hat, sprang auf das schnell prall gefüllte Partyzelt über. Einziger Wermutstropfen war, dass die Vorgabe des Partysan (zum 25. Jubiläum sollte jede Band ein Cover vortragen) nicht mit Blitzkrieg Bop (Ramones) gekrönt wurde, der sich inzwischen zum gefeierten krönenden Absch(l)uss etabliert hat.

Arkona:

Die Kostüme und das Bühnenbild von Arkona (inklusive Kuhschädelrequisite neben dem Mikrofonständer der Sängerin) wirkten vom hinteren Festivalground recht gut, also wurde kurzfristig beschlossen, diese Band noch fotografisch „mitzunehmen“. Die slawische Folklore gepaart mit Symphonicelementen, längeren Instrumental-Parts und Gitarren-, bzw. Drumparts wurden von der Sängerin stark hervorgehoben durch abwechselnden Klargesang oder Growlparts, in die Core-Ecke driftete der Gesang glücklicherweise nicht und harmonierte mit Dudelsack und anderen traditionellen Instrumenten. Der recht zierlich wirkenden Sängerin hätte man diese Vokalsprünge nicht unbedingt zugetraut, auch der russische Gesang ist der Atmosphäre und Rohigkeit zuträglich.

Night Demon:

2017 eröffnete dieses Trio noch das Party San Open Air und zog damals schon gefühlt mehr Publikum als irgendein anderer Opener der letzten Jahre an – dieses Jahr spielten sie am Freitag auf einem idealen Slot. Im Rückblick auf die letzten Jahre ist es doch sehr schön zu sehen, wie diese Jungs aus Ventura immer noch 500% liefern. 2016 bespielte diese Bands schon kleinere Clubs gleichermaßen wie große Bühnen beim BYH oder In Flammen Open Air in Torgau. Im März diesen Jahres feierte Night Demon zusammen mit Uli Jon Roth eine ganz besondere Premiere am Hell over Hammaburg: Der Altmeister der Scorpions gab sich als Überraschungsgast die Ehre und versetzte die Zuhörerschaft mit seinen grandiosen Gitarrensoli zu „In Trance“ und „Top of the Bill“ in Entzücken. Damit feierte die Band einen Meilenstein in ihrer rasant ansteigenden Popularität in Europa – den ersten Headlinerslot auf einem In Door Festival.
Wer die Band so publikumsnah und enthusiastisch kennt, hat sich wahrscheinlich auch schon selbst zusammengereimt, dass die konstante Vielzahl Kameras während des kompletten Sets nicht von ungefähr kommt…
Wie immer gab es hier eine absolut starke Show zu sehen und hören. Allerdings kann man von einer Band, die im Vorprogramm von Accept letztes Jahr mühelos Lokalitäten mit 2.000 bis 5.000 Leuten füllte nichts anderes erwarten. Nach dem Tourstop in Leipzig flitzte die Band in ihrem Van direkt in den 4Rooms, um dort eines ihrer bekannten Cover-Sets vor ungefähr 100 Leuten zu spielen. Nachdem die Band gehört hatte, dass der Club in dem sie zuvor mehrmals aufgetreten waren nun endgültig seine Pforten schließen würde, feierte man eine letzte kleine Sause und lieferte so eine der vielen kleinen Anekdoten, die die Band so liebenswert machen.

Rotting Christ:

Gewaltig wie immer kamen um 19.55 Uhr Rotting Christ daher. Spätestens mit der “Kata Ton Daimona Eautou” (2013) haben die Griechen einen ganz eigenen Stil etabliert, der atmosphärischer, epischer und ritualistischer nicht sein könnte. Genau wie vor 4 Jahren konnten Rotting Christ das Party.San-Publikum mit ihren donnernden Hymnen in Bewegung und Begeisterung versetzen und wurden mit viel Applaus und zahlreichen in die Höhe gereckten Fäusten quittiert. Der leichte Sommerregen, der zu diesem Zeitpunkt einsetzte, unterstrich die von der Band erzeugte heroische Stimmung und wurde zu diesem Zeitpunkt noch von vielen Zuschauern begrüßt. Egal ob mit neuerem Material wie “Grandis Spiritus Diavolos” und “In Yumen-Xibalba” oder mit Klassikern wie “Societas Satanas” und “Non Serviam” - Rotting Christ sind immer ein Garant für tolle Auftritte!

Firtan:

Firtan haben über die Jahre eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Von einem paganlastigen-Sound zu einem eher melodischen Black Metal und zu Auftritten auf größeren Festivals hat es nur zwei EPs und zwei Alben gedauert. Auf der kleinen Bühne und bei einem gut gefüllten Zelt konnten sich die Lörracher (und ihre Geigerin) gut austoben. Allerdings war auch hier für die ersten beiden Reihen der Sound suboptimal, da die Bassboxen so übersteuerten, dass sich die sehr ausdifferenzierten Songs in eine Art Brei verwandelten der weder Gesang, noch Gitarre oder Geige von z.B. dem Opener “Nacht Verweil” die nötige Aufmerksamkeit ließ. Nachdem man ein paar Reihen Abstand nahm, war dies allerdings kaum noch zu bemerken und so konnte man zusammen mit einem sehr enthusiastischen Publikum die insgesamt vier Lieder der Kombo (Wogen der Trauer, Tag Verweil und Siebente Letzte Einsamkeit) würdigen. 

Mgla:

Inzwischen hatte es sich leider eingeregnet, doch dem Konzert von Mgla tat dies keinen Abbruch. Im Gegenteil - auch hier passte der Regen gut zum atmosphärischen Black Metal und zur hauptsächlich in Blau gehaltenen Lichtshow der Polen, sodass sich die Reihen nicht leerten. Obwohl ihre letzte Tour ins Kreuzfeuer geraten war und viele Deutschland-Termine gecancelt wurden, ließ die Party.San-Crew sich davon nicht beeindrucken und das Booking der Band bestehen. Die große Menge Zuschauer, die sich trotz des Regens vor der Bühne eingefunden hatte, bestätigte diese Entscheidung. Wie eigentlich immer lieferten Mgla einen hervorragenden Gig mit so gut wie keiner Bühnenshow und umso überzeugenderer musikalischer Darbietung ab. Ihr Set, das sich primär aus den überragenden Alben “With Hearts Toward None” und “Exercises In Futility” zusammensetzte, zählte ganz sicher zu den Highlights des Tages.     

Deicide:

Wurde im Vorfeld und sogar am Tag des Auftrittes noch gerätselt, ob der berühmt-berüchtigte Glen Benton und seine Mitstreiter denn dieses Mal erscheinen würden, standen sie allen Gerüchten zum Trotz um 22.10 Uhr auf der Bühne und holzten sich kompromisslos durch eine Setlist, die Klassiker wie “They Are The Children Of The Underworld” und “Dead But Dreaming” enthielt. Obwohl man als Zuschauer inzwischen nass bis auf die Knochen war, dürfte Liebhabern des Florida Death Metals hier warm ums Herz geworden sein. Knappe Ansagen und ein Geballer, das seinesgleichen sucht - das erwartete und bekam man von den Death Metal-Veteranen. Sehr viele Festival-Besucher ließen sich die Gelegenheit, die legendären Deicide endlich einmal wieder auf einer deutschen Bühne zu sehen, trotz des strömenden Regens natürlich nicht entgehen und so reihte die Band sich verdient in einen überaus starken Abend ein. Wenn jetzt noch der Sound etwas differenzierter gewesen wäre, dann hätte hier bei der dritten Band in Folge nach Rotting Christ und Mgla erneut alles gestimmt. 

Samstag:

Goat Explosion:

Nachdem die Lokalmatadore von Black Mood auf der Zeltbühne schon am frühen Samstagmorgen erste Stoner-Klänge versprüht hatte, folgte um 11:00 Goat Explosion aus Leipzig. Erst seit wenigen Jahren aktiv, lieferte das Quartett 2018 ein sehr solides Album ab und spielte auch zahlreiche Titel von eben diesem. Wenngleich Stoner Metal auf dem PartySan eine eher geringe Aufmerksamkeit bekommt, war das Zelt schon jetzt zu einem guten Teil gefüllt - und das auch völlig zurecht. Goat Explosion empfohlen sich mit einer schwungvollen Darbietung für weitere Gigs in dieser Größenordnung und darüber hinaus!

Svartidauði:

Um 12:45 legten dann die Isländer Svartidauði los, welche im Dezember letzten Jahres mit “Revelations of the Red Sword” eines der besten Alben im Jahre 2018 in die Läden brachten und davon auch einige Titel auf der Hauptbühne zum Besten gaben. Nachdem sich der Sound gefangen hatte, gaben sie einen starken Auftritt, obwohl sich die Bühnenpräsenz wirklich in Grenzen hielt. Svartidauði zählen wohl auch zu den Bands, die lieber ihre Musik sprechen lassen, als unentwegt zu versuchen, das Black Metal-Publikum zu animieren. Aber diese Art der Präsentation war insgesamt sehr rund und gelungen. Einzig und allein die Mittagssonne schmälerte die ansonsten tolle Atmosphäre.

Suicidal Angels:

„We are the Seed of the motherfucking Evil“. So hofierte Nick von Suicidal Angels auch jetzt wieder die Fans der Griechen am Party San. Der Song hatte sich seit dem Release des „Divide and Conquer“ Albums 2014 zum Slogan der Band etabliert und fehlt nie im Set. So auch hier. Das Set war wie immer gut gemischt, die Thrasher haben als eine der Up-and-Coming Band der letzten Jahre ihre Fans stets im Griff, so zogen sie selbst als Opening Act beim Headbangers Ball 2018 oder mit Satyricon genügend Thrash Fans an, der klassische Groove ist hier ähnlich wie bei Legion of the Damned unverkennbar. Auch der Sound lässt selten zu Wünschen übrig. Das neue Album ist jetzt schon in den deutschen Charts eingeschlagen, Kommerz? Fehlanzeige. Die Band bleibt sich seit Jahren treu, liefert super schnellen Old School Thrash wie er sein soll und man ist doch jedes Mal wieder überrascht wie frisch und unverfälscht sie klingen. Trotz stützenden Tragseilen, die die Bühne diagonal gekreuzt absicherten zeigten die Jungs sich unbeeindruckt stark und charismatisch wie eh und je. Das obligatorische Thrasher Shirt bei Gus (Gitarre) fehlte auch dieses Mal nicht.

Vomitory:

Was für eine Freude, Vomitory nach ihrer Auflösung im Jahr 2013 wieder live zu sehen! Hatten sie damals eines ihrer letzten Konzerte auf dem Party.San gespielt, war es umso schöner, sie 6 Jahre später nach Bekanntgabe ihrer Reunion wieder auf der gleichen Bühne zu sehen. Da sie sich nur für Konzerte wieder zusammengefunden haben und kein neues Material mehr schreiben werden, lieferten sie einen Gig ab, der vor Spielfreude nur so strotzte. Einziger Wermutstropfen war der Sound, der bei Vomitory einen Tiefpunkt erreichte. Ihr ungewöhnlich brutaler Schweden-Death Metal kam leider etwas matschig und mit zu wenig Tiefe rüber, doch bleibt ihr bis vor Kurzem noch unvorstellbarer Auftritt sehr positiv in Erinnerung. Terrorize Brutalize Sodomize!

Immolation:

Auch bei Immolation hätte man sich einen besseren Sound gewünscht, denn gerade beim facettenreichen technischen Death Metal der New Yorker wäre ein ausdifferenzierter Sound sehr wichtig gewesen. So gingen leider viele musikalischen Details unter, wofür aber wie schon bei anderen Bands zuvor auch der Wind verantwortlich war. Das schmälerte den ansonsten starken Auftritt der US-Amerikaner leider etwas, die sich davon abgesehen gewohnt brutal und sehr tight mit Abrissbirnen wie “Kingdom Of Conspiracy” und “When The Jackals Come” in die Gehörgänge des Publikums donnerten. 

Naglfar:

Nun wurde es Zeit für einen weiteren Black Metal Klassiker, Naglfar. Seit 1992 liefern die Schweden alle paar Jahre wieder ein hervorragendes Album ab, sind aber seit 2012 ohne neuen Langspieler. Demnach wurde auf älteres Material zurückgegriffen, was einem überzeugenden Auftritt aber keinen Abriss tat. Die tragenden Gitarren kamen voll und ganz zur Geltung und Naglfar zögerten auch nicht, einige ihrer härteren Titel zu spielen. Dabei tobte Sänger Kristoffer Olivius in seinem etwas eigenwilligen Outfit über die Bühne und animierte die Fans zum mitmachen. Die Stimmung war gut und Naglfar zeigten sich sichtlich erfreut über den Auftritt, denn nach sieben Jahren Abstinenz war dieser längst überfällig was mit einem “It has been too fucking long guys” quittiert wurde. Am Mischpult stand übrigens für den Auftritt niemand anderes als Lior Delman, seines Zeichens Organisator der “Hole In The Svn”-Konzertreihe in Kassel, der diesen Gig zu einem echten Ohrenschmaus machte.

Sólstafir:

Bevor nun der letzte Headliner Bloodbath das Festival abschließen sollte, hatten Sólstafir die Ehre, die Hauptbühne für eine Stunde zu beschallen. Im Vorfeld war darüber gerätselt worden, ob die Isländer, aufgrund ihrer bevorstehenden Mini-Tour mit dem “Köld”-Album, ausschließlich Titel von dieser Scheibe spielen würde. Und tatsächlich waren die ersten Titel des Konzertes älterer Natur und sorgten von Anfang an für gehörigen Druck aus den Boxen. Gleichzeitig schaffte die Band es dadurch, einen Kontrast zu den Konzerten der letzten Jahre herzustellen, die allesamt überwiegend durch die Alben seit “Svartir Sandar” (2011) geprägt und damit deutlich langsamer und verträumter waren. Aber auch die wuchtige erste Hälfte des Konzertes wusste zu überzeugen und lieferte einen hervorragenden Vorgeschmack auf die kommende Tour. Zur Mitte hin namen Sólstafir mit “Fjara” das Tempo aus der Performance und sorgten für zahlreiche verheulte Gesichter im Publikum. Genau so ergreifend ging es dann mit “Bláfjall” auch weiter und man groovte sich in die neueren Stücke der Isländer ein. Den Abschluss machte allerdings der jahrelange Dauerbrenner “Goddess of the Ages” vom bereits erwähnten “Köld”-Album. In alter Manier bewies Sänger Aðalbjörn Tryggvason Nähe zum Publikum und ließ sich direkt an der Absperrung nieder, um mit einigen Fans ab zu klatschen. Sólstafir haben bewiesen, dass sie sowohl kraftvoll als auch melodramatisch unterhalten können und lieferten eines der mitreißendsten Konzerte des Festivals.

Bloodbath:

Als letzte Band des Party.San 2019 warteten Bloodbath auf. Und wie sie das taten! Einen besseren letzten Headliner hätte es nicht geben können, denn hier stimmte einfach alles: Der Sound, die rote mit vielen zusätzlichen Strahlern ausgestattete Lichtshow, die energetische Performance der Band sowie die euphorische Stimmung im Publikum. Die Setlist machte aber auch einfach nur Spaß: Von “Fleischmann” über “Let The Stillborn Come To Me” hin zu “Chainsaw Lullaby” - ein Nackenbrecher nach dem nächsten. Entsprechend viele Haare waren in Bewegung. Natürlich durfte der Klassiker “Eaten”, der im Refrain live immer mit dreifachem Gesang beeindruckt, nicht fehlen und beendete fulminant das diesjährige Party.San. Bloodbath gaben wirklich alles, um ein würdiger Abschluss zu sein - sogar Sänger Nick Holmes wirkte ungewöhnlich motiviert - und es gelang ihnen bestens.        

Abschließend bleibt nur erneut zu Sagen, dass das Party.San jede Möglichkeit gehabt hätte, sich im Laufe der 25 Jahre zu einem Mainstream-Event zu entwickeln. Dass dies nicht passiert ist, ist eine schöne und erfrischende Entwicklung, die wir absolut positiv bewerten. Wir empfehlen euch auf jeden Fall euch selbst ein Bild zu machen und auch einen Blick in unser Recap-Video weiter unten zu werfen. Auf die nächsten 25 Jahre im hoffentlich gleichen Setting!

Ps - Hier findet ihr noch eine kleine Tops- und Flopsbewertung unserer Redaktion mit absolutem Eigenanspruch!

Tops (Torn) Flops (Torn)
Sólstafir Vulvodynia
Mgla Craft
Ascension

Tops (Grave) Flops (Grave)
Traitor Krisiun
Firtan
Thanatos

Tops (Nephthys) Flops (Nephthys)
Bloodbath Craft
Deicide
Ascension

Tops (Blood Countess) Flops (Blood Countess)
Das anstrengend gute Lineup Nahtoderfahrung dank Pyro bei Belphegor
Der Laiberei Essenstand Die "3-Songs-Regel"
Keine Pantera-Reunion

 

       

 

                   

Weitere Informationen

  • Band(s): Hypocrisy, Hellhammer played by Triumph of Death, Testament, Bloodbath, Destruction, Belphegor, Sólstafir, Deicide, Legion of the Damned, Naglfar, Rotting Christ, Arkone, Immolation, Mgla, Night Demon, Satan, Midnight, Vomitory, Ascension, Krisiun, The Crown, Runemagick, Jungle Rot, Suicidal Angels, Soilwork, Solstice, Incantation, Craft, Skyforger, Deathrite, Slaegt, NervocChaos, Taphos, Goat Explosion, Thanatos, Malokarpatan, Vulvodynia, Defeated Sanity, Svartidaudi, Undergang, Firtan, Gutalax, Traitor, Devangelic, Damnation Defaced, Nekrovault, Stillbirth, Balmog, Carnal Tomb, Beheaded, Black Mood
  • Wann: 08.08.2019, 14:30 - 10.08.2019, 23:59
  • Wo: Schlotheim, Flugplatz Obermehler
Gelesen 682 mal Letzte Änderung am Montag, 19 August 2019 15:12

Medien

Undergrounded - Party.San 2019 Video Recap Undergrounded, Party.San

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