Dienstag, 21 Mai 2019 20:14

Pest Empire - Liberty Death

geschrieben von Torn
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Bereits seit 2012 treiben die Oberrheinländer Pest Empire ihr Unwesen in den Gefilden des Doom-inspirierten Black Metal. Nun liefern sie uns ihre bereits dritte EP „Liberty Death“ und verzichten damit weiterhin darauf, ein Full-length zu produzieren. Mag vielleicht daran liegen, dass das Trio aus Speyer bisher nicht bei einem Label unter Vertrag steht. Schauen wir mal, ob die Eigenproduktion auch so etwas taugt.

Zu Beginn lässt sich bereits festhalten, dass der Doom-Anteil in diesem Projekt ein relativ hoher zu sein scheint, denn die EP startet mit äußerst langsamen Riffs und wird dann nach guten zwei Minuten von einer kurzen - und zugegebenermaßen überflüssigen, weil miserabel gesprochenen - Sprechsequenz unterbrochen, um dann kurzweilig mit ein bisschen mehr Tempo und einem etwas komplexeren Riffing loszutraben. So richtig will der Funke nach dem ersten Titel nicht überspringen aber wir befinden uns ja ganz am Anfang, das kann also noch werden.

„Fly with Black“ startet dann ohne Riff, aber dafür mit ein paar Growls, die leider etwas dünn durch den Äther mäandern. Umso stärker präsentiert sich die darauf folgende Gitarre, die erstmals auf der Scheibe so etwas wie ein Melodie-Gefühl entstehen lässt und dieses mit einem passgenauen Refrain auch über weite Strecken solide durchzieht. Dass in diesem Titel zwei Sänger am Werk sind, ist für die Gesangsqualität allerdings leider nicht förderlich, der klingt nämlich weiterhin ziemlich matschig und passt an den meisten Stellen auch nur so halb zum instrumentalen Hintergrund. Allerdings haben Pest Empire später im zweiten Song noch einen Überraschungsmoment im Ärmel, nämlich als der Gesang ab der Hälfte des Liedes komplett aussetzt und eine instrumentale Passage aus der stilistischen Ecke des Post-Rocks in den Fokus rückt. Dieser Part setzt sich deutlich vom bisher eher langweiligen Stückwerk der Platte ab und hallt länger nach.

Für den dritten Song der uns vorliegenden Version von „Liberty Death“ bedienen sich die Rheinländer eines Songs des niederländischen Projekts Deinonychus und covern deren „Nightfall Guides Insomnia to Be an Everlasting Torture, with This Being the Consequence“, kürzen diesen aber simpel mit „Nightfall...“ ab. Leider zeigt sich hier deutlich die mindere Aufnahme-Qualität von Pest Empire im Vergleich zum dröhnenden Original des niederländischen Urgesteins. Es hakt an diversen Ecken und Kanten und man hat den Eindruck, dass die Sänger oftmals dem Text nicht ganz hinterherkommen. Das mag aber auch daran liegen, dass Pest Empire mindestens eine Oktave höher grunzen als Marco Kehren von Deinonychus. Da dessen Songwriting aber einen Deut besser wirkt als das der eigenen Stücke auf „Liberty Death“ haben wir hier zumindest einen Song, der im Vergleich zum Gesamtbild rund wirkt.

Doch den Höhepunkt hat man sich für den letzten, namensgebenden Titel der EP aufgespart, der mit knappen 16 Minuten eine gute Hälfte eben dieser ausmacht, und vor allem zu Beginn an die ruhigen Passagen aus Stück Nummer 2 erinnert und damit gut loslegt. Da die ersten acht Minuten des Titels auch größtenteils instrumental gehalten sind, gibt es hier gar nicht viel zu meckern. Nach dem deutlichen Cut in der Mitte des Titels klingen die Gitarren allerdings zunächst sehr nach Soundcheck, was einen nahtlosen Übergang zum zweiten Part verwehrt. Dieser ist dann letztendlich noch langatmiger als der erste und entfaltet seine wahre Größe erst in den letzten drei Minuten, wo Pest Empire noch einmal zeigen, dass auch so für Höhepunkte sorgen können. Insbesondere bei der kurzweiligen Knüppelpassage kurz vor Schluss fragt man sich: „warum nicht mehr davon?“

Trackliste:

1. X (Chapter III)
2. Fly with Black
3. Nightfall... (Deinonychus Cover)
4. Liberty Death

Bewertung:

4 / 10

 

Weitere Informationen

  • Band: Pest Empire
  • Album Titel: Liberty Death
  • Erscheinungsdatum: 10.03.2019
  • Fazit: “Das Beste kommt zum Schluss.“ Diese elendig oft gehörte Passage passt bei „Liberty Death“ wohl tatsächlich wie Arsch auf Eimer. Die angesprochenen letzten drei Minuten, in denen sich der Black Metal-Anteil enorm erhöht, sorgen für mächtig Tumult und lassen so manch sperrige Minute zuvor vergessen. Dennoch fehlt es der EP an vielen Stellen am nötigen Druck. Pest Empire geben sich experimentierfreudig, verlieren sich aber eine Spur zu oft im Soundcheck. Alles in Allem überwiegen diese vielen kleinen negativen Punkte, sodass die finale Wertung etwas mau ausfällt.
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Pest Empire - Liberty Death (official) Pest Empire

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