Samstag, 26 Januar 2019 15:34

Der rote Milan - Moritat

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Der rote Milan Der rote Milan Moritat

Mit ihrem neusten Output „Moritat“ versetzen sich „Der rote Milan“ zurück ins 17. Jahrhundert, in die Zeit des dreißigjährigen Krieges und untermalen dies mit harschem Black Metal. Nach ihrem ersten Langspieler „Aus der Asche“, sind die Erwartungen an die Band hoch. Nur allzu leicht kann man auch über das Ziel hinausschießen.

Verhältnismäßig lang hallte das Erstlingswerk der Trierer bei mir nach, da es sehr lyrisch, fast poetisch war und eine unglaublich passende Mischung aus rau/kratzigen Vocals und düsterer Atmosphäre bot - Aber auch den ein oder anderen Kritikpunkt wie fehlende Varianz der Gitarren oder mitunter gewöhnungsbedüftige Arrangements der Vocals . Dennoch war es ein majestätisches und imposantes Album, das zwar vielleicht nicht beim ersten Mal, aber nach mehreren Hördurchläufen hängen blieb.

In dieselbe Kerbe schlägt, nun mehr als drei Jahre später, das Album Moritat und die Band scheint sich die damalige Kritik wirklich zu Herzen genommen haben. Nach einem kurzen Intro bei „Die Habsucht“ ist die Ruhe schnell vorbei und die gewohnten Blast-Passagen mit Double Bass hämmern entgegen mit deutlich geschmeidigeren und gewachsenen Vocals. Diese wirken etwas ruhiger und  bereichern, in Form von kurzen gesprochenen Passagen, die Atmosphäre des Tracks. Im zweiten Song „Drohende Schatten“ steigern dominantere Death Metal Elemente, gepaart mit kurzen Melodien die Hörfreude deutlich und verleihen dem Song, zusammen mit den Vocals, ungeahnte Spannung. Dichte Soundwände stemmen sich gegen die Melodien oder auch kleinen gesprochenen Vocals, was eher melancholisch als aggressiv wirkt und eine willkommen Nuance und Tiefe erschafft.

Dieser Übergang passt dann perfekt zu „Gnosis der Vergänglichkeit“, das wohl langsamste Stück der Scheibe, welches sich dennoch perfekt in Gesamtbild einpasst. Durch die überwiegend im Down-Tempo gehaltenen Instrumente und keifenden Vocals, geschieht das Eintauchen in diese Erzählung des Schinderhannes  sehr natürlich. Ebenso zerreißt im krassen Gegenteil dazu „Der letzte Galgen“ diese Atmosphäre – zwar anfangs tragend schwer dann aber im Mid-Tempo gehalten und die Erzählungen vertiefend und sanft ausklingend. Fast schon erwartet, kommt „Der Findling“ wieder etwas mehr aus sich heraus und bereitet das Feld für das Finale des Titeltracks „Moritat“ vor.

Ganze zwölf Minuten hinweg findet nicht nur die Erzählung ihren Höhepunkt und Ende, sondern auch musikalisch gibt es nicht viel zu beanstanden. Melodisch und impulsiv stampft der Song sich durch die Gehörgänge und ist mit Sicherheit ein wichtiger Song für das Album, zeigt aber auch, dass man dieses Album nicht einfach „zwischendurch“ hören oder einzelne Songs davon losgelöst hören kann. Es ist als ein Gesamtwerk wunderbar anzuhören, jedoch braucht es immer noch mehrere Hördurchgänge, bis es wirklich fruchtet und man der gesamten Stärke des Albums gewahr werden kann. Die Lyrics sprechen mich sehr an, genau wie ich es erwartet hatte. Zugegeben, gänzlich betrachtet ist es ist nur ein kleiner Schritt vom ersten zum zweiten Album, aber auch ein guter und wichtiger. Diese Band hat auf jeden Fall erneut das Potential bewiesen, mich komplett wegzublasen.

 

Trackliste:

  1. Die Habsucht
  2. Drohende Schatten
  3. Gnosis der Vergänglichkeit
  4. Der letzte Galgen
  5. Der Findling
  6. Moritat

 

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: Der rote Milan
  • Album Titel: Moritat
  • Erscheinungsdatum: 01.02.2019
  • Fazit: Ein ausgereiftes und poetisches Black Metal Album, das in Teilen an Firtan erinnert und viel eigene Ideen mitbringt, die den Wiedererkennungswert steigern. Das Werk funktioniert allerdings nur als Gesamtwerk richtig und auch der Gesang ist nach wie vor etwas gewöhnungsbedürftig. Dennoch ist viel Potential vorhanden und man darf definitiv auf die nächsten Schritte der Band gespannt sein!
Gelesen 529 mal Letzte Änderung am Montag, 28 Januar 2019 18:39

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