Dienstag, 15 Januar 2019 21:01

Sulphur Aeon - The Scythe of Cosmic Chaos

geschrieben von Torn
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Sonntagabend, es verscchlägt mich mal wieder mit Lovecraft’s Lektüre in den heimischen Sessel. Dazu eine gepflegte Tasse Gin, gedämpftes Licht und Ruhe. Moment. Ruhe? Nein, bei dieser Art der Literatur gelüstet es mich eher nach leichtem Geschepper. Wie passend, dass Sulphur Aeon just eine neue Platte auf den Markt geworfen haben...

Kaum eine andere Band hat es in den letzten Jahren derartig geschafft, die Werke von H.P. Lovecraft atmosphärisch und technisch versiert zu vertonen wie Sulphur Aeon. Die neue Scheibe „The Scythe of Cosmic Chaos“ ist dabei bereits das dritte Album der Westfalen und findet sich mit Cover Art und Titel in der gleichen Kerbe wie seine Vorgänger wieder. Mit dem Opener „Cult of Starry Wisdom“ beginnt die Achterbahnfahrt in düstere Gefilde.

Gleich mit dem ersten Titel gehen Sulphur Aeon aufs Ganze und geben Vollgas. Das hohe Tempo wird aber durch progressives Gitarrenspiel und zahlreiche Rhythmuswechsel ergänzt und bietet die Basis für bitterböse Growls. Jedoch wird nicht nur gegrunzt, sondern ab und an auch clean gesungen. Allerdings wurden diese Passagen leicht verzerrt – und wirken dadurch vor allem beschwörend und treibend. Geschmückt werden die brachialen „Knallpassagen“ durch präzise gesetzte Soli in geringerem Tempo, was den Song zum Ende hin etwa entschleunigt. Ein solider Auftakt, welcher mit „Yuggothian Spell“ zu Beginn noch weiter an Fahrt aufnimmt und dem Hörer zunächst eine gewaltige Gitarrenwand vor die Nase setzt. Allerdings kommt die Bremse hier deutlich früher und bereits nach einer Minute ertönen abermals die cleanen Gesangsformeln.

Im dritten Titel wird dann auch klar, wer hier beschworen werden soll. „The Summoning of Nyarlathotep“ (zu deutsch etwa „die Beschwörung von Nyarlathotep“) ist von Grund auf langsamer als bisher und erinnert mit seinem Gitarrenspiel stark an Nile, schafft aber eine dichtere Atmosphäre. Sulphur Aeon feuern aber munter weiter und liefern mit „Veneration of the Lunar Orb“ wieder brachialeres Material. Die Drums hämmern sich ein und untermalen das flotte Gitarrenspiel. Der Spagat zwischen Atmosphäre und „volles Pfund aufs Maul“ gelingt einmal mehr und setzt sich auch mit den nachfolgenden Titeln fort. Während „Sinister Sea Sabbath“ die Dampfwalze weiter antreibt, wird „The Oneironaut“ wieder ruhiger, sofern man von Ruhe sprechen kann. Festhalten lässt sich jedoch, dass hier abermals ein Höhepunkt der Scheibe geschaffen wird.

Zwei Titel verbleiben und fordern nochmal alles. „Lungs into Gills“ beispielsweise stellt das virtuose Gitarrenspiel in den Vordergrund, passt sich mit einer ordentlichen Portion Druck aber gut ins gesamte Album ein. Die Tempowechsel sitzen erneut und geben dem Titel eine ganz eigene Dynamik. Zu guter Letzt bleibt noch der namensgebende Track, welcher rhythmisch ebenfalls stark variiert und die Platte mit einem sehr stimmigen clean gesungenem Ausklang abrundet.

Trackliste:

1. Cult of Starry Wisdom
2. Yuggothian Spell
3. The Summoning of Nyarlathotep
4. Veneration of the Lunar Orb
5. Sinister Sea Sabbath
6. The Oneironaut / Haunting Visions Within the Starlit Chambers of Seven Gates
7. Lungs into Gills
8. Thou Shalt Not Speak His Name - The Scythe of Cosmic Chaos

Bewertung:

10 von 10

Weitere Informationen

  • Band: Sulphur Aeon
  • Album Titel: The Scythe of Cosmic Chaos
  • Erscheinungsdatum: 21.12.2018
  • Fazit: Sulphur Aeon verstehen es einfach, Atmosphäre und kraftvolle Einlagen durch herausragende Instrumentalisierung zu verbinden und schaffen damit abermals ein vorzügliches Album. „The Scythe of Cosmic Chaos“ ist abwechslungsreich, brachial und zu keinem Punkt langweilig. Jeder Titel funktioniert alleine, aber auch das Gesamtbild kommt rund und satt daher. Damit kam zum Ende des Jahres 2018 noch einmal ein wahrer Höhepunkt, der die volle Punktzahl wirklich verdient hat. Well Done.
Gelesen 1022 mal Letzte Änderung am Dienstag, 15 Januar 2019 21:44

Medien

Sulphur Aeon - Cult of Starry Wisdom (official) Sulphur Aeon

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