Montag, 07 Januar 2019 21:12

Vinylreinigung für Anfänger und Profis - von Flo Inlé

geschrieben von Flo Inlé

Nach dem Kauf einer Vinyl ist die Freude in der Regel erstmal groß. Tolles Artwork, ein überlegenes Klangerlebnis und die Freuden des analogen Musikkonsums. All das gehört zum Sammeln und genießen von Schallplatten dazu. Was aber tun, wenn die Platten mehrmals gehört wurden oder man ältere Raritäten erstanden hat – und sich dann mit Schmutz von Jahrzehnten oder schlechter Lagerung herumschlagen muss? Wir haben Flo Inlé, seines Zeichens Vinyl-Enthusiast Sammler, sowie Gitarrist bei Deadwood gefragt, ob er uns durch das sehr breit gefächerte Feld der Vinyl-Reinigung führen, sowie über seine Erfahrungen berichten kann.

(Gastbeitrag: Die Meinung des Erstellers entspricht nicht zwangsläufig der Meinung von Undergrounded und seinen Redakteuren)

Der ein oder andere wird es mit Sicherheit vernommen haben, manch einer schüttelt nur mit dem Kopf und wieder andere ereifern oder erfreuen sich über die Wiederkehr des Vinyl Formats. Die Debatten um Klang, optische Verarbeitung und ob schwarzes Vinyl besser klingt als coloriertes – all das ist zum Teil fundiert, teils polarisierend dargelegt worden und soll heuer nicht als Diskussionsthema benutzt werden. Viel mehr ist dieser Artikel für all jene Gedacht, die neu in dem Metier des Vinylsammelns sind, aber auch für altgediente Sammler einen Mehrwert generieren können, denn ob alte oder neue Pressungen - alle haben einen gemeinsamen Nenner: Schmutz, Staub, Fremdkörper & Nebengeräusche. Durch die Nachfrage in den Presswerken und der damit verbundenen, kaum zu stemmenden Anzahl an unterschiedlichen Auflagen bleibt sehr häufig ein Problem zurück, mit welchem der Käufer oft allein gelassen wird:

Fremdkörper in den Rillen bzw. auf der Platte.


Selbstverständlich gibt es in 2019 auch schon fast antiquierte Platten, in denen jahrzehntelanger Schmutz haftet -mit dem Resultat einer deutlichen Klangverschlechterung. Möchte man seine Nadel und natürlich die Platte nicht dauerhaft schädigen, sollte man sich beizeiten überlegen, nicht nur ob, sondern eher ab wann eine Reinigung sinnvoll wäre und im Nachgang dann, wie man so eine Reinigung überhaupt durchführen kann. Die auf dem Markt erhältlichen Mittel wie „Art du Son“ u. ä., lösen in Sammlerkreisen regelrechte Kleinkriege aus, welches denn nun State-Of-The-Art ist. Meine Erfahrung ist, am besten selbst testen, mit welchem Produkt man den gewünschten Effekt erhält. Dies gehört aber jetzt erst mal nicht hier her. Zu allererst gibt es mehrere Methoden um eine Platte zu reinigen. Die wohl gängigste und schnellste davon ist die Trockenreinigung mit einer geeigneten Bürste, aus z.B. Ziegenhaar, welches an der Platte selbst keine Schlieren, Hairlines und Kratzer hinterlässt. Natürlich ist so eine Reinigung nicht so intensiv wie eine Reinigung mit einer Flüssigkeit und empfiehlt sich daher nur, um oberflächlichen Staub von der Schallplatte zu entfernen. Je nach verwendetem Material der Bürste, kann es zu statischen Aufladungen führen, die man ebenso vermeiden (weshalb man auch antistatische Innersleeves benutzen) sollte. Die nächste Stufe ist dann auch schon mit Flüssigkeiten zu arbeiten und dementsprechend etwas aufwändiger. Eine der „Cheap DIY Methoden“ setzt voraus, dass man z. B. einen 2. Ausgedienten Plattenspieler verwendet, um dort die Platte mit einer Lösung zu benetzen (u.a. eignet sich hier Isopropanol mit destilliertem Wasser und einem Spritzer Spüli als Netzmittel). Man legt die Platte auf, benetzt die zu reinigende Seite mit der Lösung, nutzt eine Bürste um die Lösung auch in die Rillen zu verteilen, wartet ein klein wenig damit sich die Schmutzpartikel absetzen und zieht mit einem Küchenkrepp oder Mikrofasertuch die Flüssigkeit von Platteninnenseite nach außen ab. Definitiv effektiver als die Reinigung mit nur einer Bürste, aber natürlich mit etwas mehr Aufwand verbunden.

Eine weitere günstige Methode um Platten einer flüssigen Reinigung zu unterziehen, ist die sogenannte „Knosti“, auch „Salatschüssel“ genannt. Dazu wird die Reinigungsflüssigkeit in ein Plastikbehältnis gegeben und die Platte horizontal eingespannt. 2 Bürsten seitlich reinigen die Platte und ein mitgelieferter Abtropfbehälter dient zum Trocknen der Schallplatten. Hier zu beachten ist, dass man die Reinigungsflüssigkeit nach ca. 10-15 Wäschen auszutauschen sollte um gute Ergebnisse zu erzielen. Manchmal liest man hier auch von einer Filterung der Flüssigkeit – das muss allerdings jeder für sich selbst entscheiden. Eine Knosti bzw. Cleaningsets sind schon für unter 100 Euro zu bekommen und daher auch für den schmalen Geldbeutel geeignet.

   

Semi-Automatik Waschmaschinen - kurz PWM (z. B. Okki Nokki, Pro-Ject.), ziehen die verschmutzte Flüssigkeit durch ein Vakuum ab. Auch hier wird erst die Flüssigkeit händisch aufgetragen und mittels Handbürste verteilt und gereinigt. Ein Absaugrohr nimmt anschließend automatisch die verschmutzte Flüssigkeit auf. Der Vorteil dieser Reinigung ist, dass durch das entstandene Vakuum auch die kleinsten Partikel abgesaugt werden und die Schallplatte nach der Wäsche sehr rein daherkommt. Auch durch Alterung entstandene klangliche Beeinträchtigung kann durch eine PWM verbessert werden. Diese Form der Reinigung hat natürlich einen entscheidenden Nachteil: der Preis. Eine PWM wie Okki Nokki und Pro-Ject starten bei ca. 350€. Im High-End Bereich gibt es u. a. Gläss Ultraschall Reinigungsmaschinen, die ähnlich wie die oben genannten PMW arbeiten, allerdings um ein vielfaches teurer sind. Deshalb klammere ich diese hier mal aus. Weiterführende Information und Bedienungstutorials findet man auf Youtube zur Genüge. Wem das alles zu aufwändig ist, kann sich natürlich auch an professionelle Dienstleister wenden, die die Reinigung eurer Sammlerstücke vornehmen. Diese berechnen natürlich pro Stück und bieten, ähnlich wie in einer Waschanlage, auch verschiedene Qualitätsgrade und Sonderleistungen an. Hier sind je nach Anbieter Kosten pro gereinigter Platte zwischen 2-10 Euro zu finden, weswegen diese Lösungen wohl nur für einzelne und wirklich stark verschmutzte Platten in Frage kommt, nicht aber für eine Sammlung aus mehreren Hundert Vinyls.

Fazit: Bei der Auswahl des Reinigungsverfahrens kommt es selbstverständlich immer drauf an wie stark verschmutzt die Vinyl -und/oder wie dick eure Brieftasche ist. Die Scheiben professionell reinigen zu lassen ist natürlich immer eine gute Option, aber dementsprechend teuer. Ich persönlich habe schon diverse Reinigungsverfahren probiert und habe am Anfang immer die DIY bzw. die „Zweiter- Schallplattenspieler-Methode“ genutzt. Mit meiner immer größer werdenden Sammlung musste dann aber etwas anderes her und tatsächlich hatte ich am Anfang mit der „Gläss“ geliebäugelt - aber 2800€ für eine Waschmaschine ist halt schon der Hammer. Als ich dann die „Oki Nokki“ für einen Wahnsinnspreis bekommen und nach kurzer Zeit festgestellt habe, dass die Reinigung ein guter Mix aus günstig und effizient ist, war ich echt zufrieden und nutze diese Methode heute.

Gelesen 1467 mal Letzte Änderung am Dienstag, 08 Januar 2019 09:49

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