Sonntag, 08 Juli 2018 19:55

Firtan - Okeanos

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Firtan sind mittlerweile weit über Deutschland hinaus bekannt und haben sich innerhalb weniger Jahre zu einer der vielversprechendsten Newcomer-Bands entwickelt. Mit jedem Release konnte die Band ihren Stil weiter verfeinern. Ob das so auch bei ihrem neusten Release „Okeanos“ zutrifft, welches den nächsten großen Meilenstein in der Karriere der Lörracher darstellt, lest ihr hier.

 

Firtan faszinieren seit ihrem ersten Album mit ihrer Kraft und Innovation, die sie in ihre Musik einbringen, gekrönt mit einem Hauch poetischer Lyrik und orchestraler Instrumentation. Wirkliche Schwächen hatte bisher noch kein Release gehabt und so viel sei vorweg gesagt: Firtan setzen mit ihrem jüngsten Werk und ihrer gereiften Musik diesen Erfolgstrend auf jeden Fall fort.

Mit dem schon vorab veröffentlichen ersten Track des Albums „Seegang“ wird der Kurs der restlichen Scheibe ganz klar gesetzt – man möchte noch atmosphärischer werden, die Ideen der letzten Alben weiter ausbauen und weiterhin die perfekte Balance zwischen Raserei und Verspieltheit finden. Auf einen klassischen Intro-Track wird hier verzichtet. Um Stimmung aufzubauen haben Firtan stattdessen ein Zitat von Schiller aus „Der Taucher“ dem Song vorangesetzt. Kraftvolle Screams unterbrechen die poetisch anmutende Stille, um zum Rundumschlag auszuholen und die Geschichte des Albums zu erzählen. Die hervorragende Gitarrenarbeit fasziniert sofort und reißt den Hörer mit. Sie ist die perfekte Untermalung zum unglaublich kraftvollen und abwechslungsreichen Gesang, wodurch die Lyrik des Songs noch deutlicher betont wird. Einen besseren Einstieg in das Album hätte man sich kaum wünschen können.

Dass melodische Riffs nicht fehlen dürfen, beweist der zweite Track „Tag Verweil“, der stürmisch und klangvoll kurz an „Wogen der Trauer“ erinnert, dann aber doch schnell vielschichtiger wird. Vollendeter Black Metal, durchzogen von Pagan-Einflüssen, umwoben von der ein oder anderen Akustikgitarre sowie einem kleinen Keyboardpart – der der Song ist ein Querschnitt über Firtans bisherige Werke und somit ein perfekter Anspieltipp für Fans und die, die es werden wollen.

Ein weiterer, essentieller Bestandteil von Firtans Schaffen war seit jeher auch das Einbinden bedeutender deutscher Lyrik, so auch beispielsweiße bei „Nacht Verweil“. Hier weht von Anfang an unverkennbar Nitzsche mit, in Kombination mit harschem Black Metal und einem ebenso passenden Violinen-Part. Qualität auf höchstem Niveau, gekrönt mit tieferen Growls in der zweiten Hälfte. Dieser Song bleibt sofort im Gedächtnis. Man kann gar nicht oft genug betonen, wie sehr ich den Einsatz der Lyrik auf dem ganzen Album, besonders aber bei diesem Song, liebe und wertschätze.

„Purpur“ bietet eine kurze Verschnaufpause durch die musikalische Reise, ist dabei aber keineswegs zum Überspringen gedacht. Vielmehr schafft es dieses Stück, eine Brücke zwischen den zwei Teilen des Albums zu bauen. Es ist ein Stück um kurz etwas zu verweilen und inne zu halten. Dies ist auch notwendig, da der danach folgende Track „Siebente, letzte Einsamkeit“ ungewohnt schwer, mit tiefen Growls, im Doom-Stil startet und damit eine bisher ungezeigte Seite der Band zum Vorschein bringt. Melodisch, fast mahnend, bauen die Gitarren im Hintergrund die Stimmung auf und gehen nach einer kurzen Akustikpause wieder in den gewohnten Black Metal der Lörracher über. Auch hier überzeugt die Gitarrenarbeit abermals mit gekonnten Riffings im Mid-Tempo, wie auch im schnelleren Bereich, durchsetzt von ruhigeren Phasen und begleitet von etwas klarem Geschrei. Leider geht der Song etwas weniger in den Kopf, überzeugt aber dennoch im Gesamteindruck nicht nur dank des epochalen Endes.

Mit „Uferlos“, dem sechsten und letzten Song des gut vierzigminütigen Albums, geben Firtan nochmal alles und zeigen, dass sie weiterhin viel zu unterschätzt sind. Kaum eine andere Band kann so gut Emotionen transportieren und gleichzeitig eine so gelungene Mischung aus einzigartigem Black und Pagan Metal bieten. Gerade der zweite Part des Songs mit seiner ruhigeren Instrumentalisierung und dem epischen Chorgesang schließt dieses Album und die damit verbundene Reise würdig ab.

Zugegeben, die vierzig Minuten des Albums wirken etwas kurz und ein Song mehr hätte dem Album vielleicht gutgetan. Etwas zu erzwingen wäre aber ebenso kontraproduktiv.

Welches Fazit könnte ein so fantastisches Album wohl am besten zusammenfassen?

Firtan klingen erwachsen wie nie und haben dennoch ihre Wurzeln aus dem Pagan oder Black Metal nicht vernachlässigt. Teils verträumt, teils harsch – jedoch niemals zu sehr verspielt, immer mit dem Ziel im Blick. Dieses Album birgt auch nach etlichen Durchläufen Überraschungen und fasziniert mit seiner technischen Raffinesse sowie hohem lyrischen Anspruch. Die einprägsamen Refrains aus dem Album „Seelenfänger“ sind einem majestätischen Gesamtwerk gewichen, das mehr eine Geschichte erzählen will, als einen schlichten Ohrwurm zu bieten. Okeanos funktioniert am besten in einem Hördurchgang – einzeln können die Titel aber auch punkten ohne an Wirkung zu verlieren. Der Weg, den Firtan eingeschlagen haben, ist anders als man ihn vielleicht nach „Niedergang“ erwartet hätte, dennoch werden Firtan mit diesem Meisterwerk sicherlich viele neue Menschen erreichen, die sich an ihrem Werk begeistern können. Mit Sicherheit ist hier noch nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Firtan setzen ihren Höhenflug auch weiterhin fort, als eine der mitreißendsten und vielversprechendsten Black Metal Bands unserer Zeit.  

 

Tracklist:

  1. Seegang
  2. Tag Verweil
  3. Nacht Verweil
  4. Purpur
  5. Uferlos
  6. Siebente, letzte Einsamkeit

Bewertung: 10 von 10

Weitere Informationen

  • Band: Firtan
  • Album Titel: Okeanos
  • Erscheinungsdatum: 13.07.2018
  • Fazit: Die perfekte Balance von harschem Black Metal, melodischen Riffs und poetischen Texten. Ein absoluter Top-Favorit aus Deutschland, den man gehört haben muss!
Gelesen 834 mal Letzte Änderung am Sonntag, 08 Juli 2018 20:03

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