Freitag, 23 Dezember 2016 23:57

Crimson Moon - Oneironaut

geschrieben von Ghostwriter
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Oneironaut Oneironaut Crimson Moon

Während "Crimson Moon" für den unbedarften Black Metal Hörer wohl immer noch ein Geheimtipp sein dürfte, dürften die alten Herren des Genres wohl genau wissen, welches Kleinod sich in 2016 aufgemacht hat um nach über 10 Jahren „Full Length“-Pause wieder mit neuem Material aufzwarten.

Dabei war die Band, oder sollte man besser sagen das Solo Projekt von Scorpios Androctonus (unter anderem ex- Melechesh, ex-Dethroned, ex-Hortus) nie wirklich auf Eis, sondern maximal etwas „frostbitten“ – wenn man mir den Seitenhieb verzeihen möge. Mit „Oneironaut“ kommt jetzt eine Scheibe auf den Markt, die zugleich auch live ein Neubeginn darstellt – hat Scorpios doch Vial, (ex-Agathodaimon, ex-Ancient Ceremony), Agreas (Carn Dûm, Narvik) und Sabnoc als Live-Besetzung gewinnen können. Man merkt der Musik diese Reife und vor allem diverse Einflüsse dieser doch sehr unterschiedlichen Bands an und es schlagen so viele verschiedene Nuancen ihre Zähne in das Werk, dass es eine echte Abwechslung in meinen Ohren ist. Zu sehr bemühen sich gerade viele Black Metal Bands eine weitere exklusive Nische für sich zu finden – hier auf Occult, dort auf Oldschool der ersten Welle getrimmt, da ein ganzes Ambient Konzeptalbum. Oneironaut schafft es, diese Einflüsse gekonnt in sich zu vereinen und präsentiert in jedem der sechs Songs ein differenziertes und trotzdem verwoben-fließendes Werk.

 

Dabei weicht man trotzdem nicht zu sehr von altbewährten Schemata ab. Track 1 „Gossamer Of Arachne“ beginnt sehr melodisch mit Chants und ausgefeiltem, für Black Metal eher ungewöhnlichem, Riffing, bevor mit dichter Soundwand und Screams die Oldschoolfreunde adressiert werden, nur um dann wieder in die eher occulte Richtung, das Anfangsthema aufgreifend, zu schwenken. Eine Tanpura, ähnlich einer Sithar, lässt den Song ausklingen. „Seeker Of The 7th Gate“ macht keine Gefangenen und Scorpios geht mit druckvollen Screams direkt ans Werk, während die Gitarre im Hintergrund auf Überlicht begleitet. Den ersten Halt macht der Song nach dem ersten Drittel und es setzt düsteres Chanting und fast schon doomige Gitarren ein, bevor es wieder in die Reprise geht. Den Abschluss bildet erneut ein bedächtiger Tanpura-Part.


„Weaver Of The Web“ sticht aus dem Gesamtwerk heraus, findet man sich doch in einer sehr progressiven oder besser eigenwilligen Darbietung wieder. Der Song variiert in sich recht wenig, was allerdings nicht die Gitarrenarbeit betrifft. Das Riffing an sich ist zwar immer noch „typischer“ Black Metal, trotzdem sehr detailverliebt und fast schon „jazzig“ mit hoher Experimentierfreudigkeit, in der der Gesang und das Drumming fast schon in den Hintergrund verbannt werden. Den Schluss bietet allerdings wieder einen mehr occulten Anstrich, der in einem plötzlichen Übergang zu „Urilian Worm“ und damit einer Art „erwachen“ gipfelt. Wie schon bei „Seeker Of The 7th Gate“ geht es hier Eingangs wieder um einiges Härter zu und man erbricht wütende Dunkelheit mittels dichter Soundwand und Screams in die Ohren und Herzen des Hörers, immer wieder unterbrochen von melodischen Gitarrenparts, die eine Art Verschnaufpause bieten, bevor ein kurzer Monolog und ein noch kürzerer Keyboardpart das Ende einläuten. Den Abschluss bildet das knapp 20-minütige und gleichnamige Stück des Abums „Oneironaut“, das wiederum durch seine extreme Vielseitigkeit alle Facetten des Albums in sich vereint. Von tereminähnlichen Geigenparts, die in meinem Kopf direkt Bilder der Everglades und den dort angesiedelten Horrofilmen erzeugen, bis hin zu Heavy-Metal Gitarrensoli (ca. Minute 13) und den folgenden orientalischen Sprenklern – hier wird der große Rundumschlag getan, der den Silberling eine ganz eigene Note gibt.


Oneironaut dem Genre des Black Metals zuzuordnen würde dem Werk nicht gerecht werden. Zu viele Einflüsse werden hier verbaut, was definitiv der langjährigen Schaffenskraft Scorpios zu verdanken ist. Dabei werden einige Experimente gewagt und vor allem geschaffen, an denen sich viele andere Werke schon verhaspelt haben. Denn obwohl hier so viele verschiedene Facetten bedient werden, wirkt Oneironaut doch zu keinem Zeitpunkt überladen und ist auf jeden Fall mehr für Liebhaber ohne Scheuklappen - und vor allem mit der Zeit, das Album nicht nur einmal zu hören.


Trackliste:

1. Gossamer of Arachne
2. Molding of a Spell
3. Seeker of the 7th Gate
4. Weaver of the Web
5. Urilian Worm
6. Oneironaut

 

Bewertung:

8,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Crimson Moon
  • Album Titel: Oneironaut
  • Erscheinungsdatum: 06.12.2016
  • Fazit: Oneironaut dem Genre des Black Metals zuzuordnen würde dem Werk nicht gerecht werden. Zu viele Einflüsse werden hier verbaut, was definitiv der langjährigen Schaffenskraft Scorpios zu verdanken ist. Dabei werden einige Experimente gewagt und vor allem geschaffen, an denen sich viele andere Werke schon verhaspelt haben. Denn obwohl hier so viele verschiedene Facetten bedient werden, wirkt Oneironaut doch zu keinem Zeitpunkt überladen und ist auf jeden Fall mehr für Liebhaber ohne Scheuklappen - und vor allem mit der Zeit, das Album nicht nur einmal zu hören.
Gelesen 1831 mal Letzte Änderung am Samstag, 24 Dezember 2016 00:03

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