Freitag, 11 Dezember 2015 15:16

Maïeutiste - Maïeutiste

geschrieben von Ghostwriter
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Maïeutiste Maïeutiste Maïeutiste

Das Debüt der Franzosen von Maïeutiste ist kein Album für das schnelle Durchhören und das soll es wohl auch nicht sein. Von Black bis Doom bis hin zu Heavy und Thrash Anleihen. Hier wird einmal quer durch die Genre gepflügt und von jeder Seite etwas mitgenommen.

Dass das leider nur minder gut funktioniert, offenbart sich erst beim mehrfachen Goutieren des Materials – Und das ist mit knapp 80 Minuten Länge nicht ohne. Hat man beim Introsong „Introductions“ noch das (angenehme) Gefühl, eines der Dissection Instrumentals sagt „Hallo“, geht es schon bei „in the mirror“ in die Vollen. Mit heftigem Schrei und Gitarren auf die 12, knödelt es ordentlich los und der Sangespart präsentiert sich über die gesamte Spielzeit gefällig. Trotzdem schmeckt man hier zum Ersten Mal den Wermutstropfen, der Maïeutiste durch das gesamte Werk wie ein roter Faden durchziehen wird.


Ist das Selbstverständnis der Band zwar schon mit „progressiv“ gekennzeichnet, bedeutet das ja oftmals einfach nur „Ein oder zwei Mitglieder der Band machen was sie wollen“ anstatt „Ausladende und technisch ausgefeilte Songs mit anspruchsvoller Tiefe“ und so leider auch hier. Nach dem vielversprechenden Start wird einer der Gitarren ein vollkommen disharmonisches Riffing im Hintergrund gewährt und ich kann mich anstatt auf das (ordentliche) Restspiel nur noch auf diese eine Gitarre konzentrieren. Dann kommt ein harter Cut, die Stimme fällt weg und präsentiert wird ein elend langes, chaotisches instrumentales Zusammenspiel (wenigstens ohne die dissonante Gitarre), nur um dann wieder das alte Thema aufzugreifen und einen Männerchor ins Bild zu schieben, der überraschenderweise sogar halbwegs passabel ins Bild passt.


Track 3 „Reflect Disappear“ präsentiert ein ziemlich flottes Stück Black’n’Roll das erst richtig ohrwurmverdächtig losläuft und nach 60 Sekunden mit einem Part oldschooligen Gitarrenwänden und minimalistischen Riffs aufwartet. Dann passiert wie im Vorgänger Stück ein harter Cut mit einer Art „satyriconesquem Zwischenspiel“, allerdings wieder mit dem gleichen Gitarren-Aufreger wie vorher und ich möchte vor Frust in den Tisch beißen. Hinten raus ist Track 3 einfach nur noch ein Mischmasch einer Jamsession gekrönt mit einem Gitarren-Outro das man sich hätte auch sparen können. Müsste ich jetzt jeden Song beschreiben, wäre ich mit meinem Text morgen noch nicht fertig, aber zum Glück (oder zum Pech der Zuhörer) sind alle weiteren Songs nach einer Art Baukastenprinzip zusammengestellt. Growls, Gitarrenwände, Männerchor, Gemischte Soli, hektisches Geklimper, Drumsession, Jamsession, Gitarrenalleingang und dann den einarmigen Banditen gedrückt und einen Titel vergeben. Das klingt alles wie gewollt aber nicht gekonnt und nach dem vierten oder fünften Song nur noch generisch trotz oder gerade aufgrund der permanenten Experimente.


Hätte ich einen Tipp für die Band, wüsste ich nicht, wie dieser passabel aussehen könnte ohne zu sehr zu verärgern. Ich würde wohl die Songs knallhart zusammenstreichen, das Experimentale raushauen und mich pro Song auf ein Hauptmotiv beschränken. Vielleicht killt man damit den künstlerischen Anspruch, allerdings würde sich die Hörbarkeit verbessern und das Frustlevel der Hörer (oder zumindest meins) wohl um Faktor X verkleinern. Das Können der einzelnen Bandmitglieder ist dabei unbestritten und das Potential groß und man darf auf den nächsten Output gespannt sein! So lange ist Maïeutiste aber wohl nur ein Tipp für Metalheads, die auch an Experimental Jazz ihr Freude hätten.


Trackliste:

01 Introductions...

02 ...in the mirror...

03 Reflect/Disappear

04 Purgatoire

05 The fall

06 Absolution

07 The eye of maieutic art

08 Lifeless Visions

09 Death to free thinkers Pt.1

10 Death to free thinkers Pt.2

11 Annonciation

12 Death to Socrates


Bewertung:

4,5 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Maïeutiste
  • Album Titel: Maïeutiste
  • Erscheinungsdatum: 15.09.2015
Gelesen 2576 mal Letzte Änderung am Freitag, 11 Dezember 2015 15:46

Medien

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