Freitag, 25 September 2015 08:51

The Erkonauts - I Did Something Bad

geschrieben von Soundchaser
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I Did Something Bad I Did Something Bad The Erkonauts

Für manche ist Punkrock ja so etwas wie das musikalische Äquivalent zu einer nächtlichen Autobahnfahrt in strömendem Regen: Kalt, spannungsarm und nicht einmal ansatzweise reizvoll. Und so, wie manche Menschen Autobahnfahrten generell meiden, sind Punkelemente auf einem Metalalbum auch für viele Fans und Fansinen der harten Mucke ein Ausschlusskriterium.


The Erkonauts beweisen auf ihrem Debutalbum „I Did Something Bad“ eindrucksvoll, dass eine Autobahnfahrt durchaus reizvoll sein kann – und widerlegen damit den Albumtitel. Die Band hat sich 2014 gegründet und kommt aus der Schweiz. Laut Info rekrutiert sich die Truppe um Sänger und Bassist Ales Campanelli aus früheren Mitgliedern der Bands Djizoes, Sybreed and 7-tone (sagen mir persönlich nichts) und zelebriert auf der Scheibe einen Mix aus schnellem und metallischen Punk, Progressive Rock und Metal. Insbesondere zum Auftakt legen die Jungs mit „The Great Ass Poopery“ (was für ein Songtitel und was für ein Basslauf!) und „Tony 5“ richtig punkig los, um dann mit „All the Girls Should Die“ einen geradezu chartverdächtigen Ohrwurm als Köder auszuwerfen (konsequenterweise war das auch die erste Single). Na ja…für die Charts ist die Musik letztendlich wohl zu wenig massenkompatibel. Schade eigentlich, und doch ist es gut so.


Denn Klasse ist uns allen doch wichtiger als Masse. Und davon gibt es auf diesem Album reichlich: „Nola“ hat (vor allem bei den Bassläufen) einen Hauch von Funk im Gepäck (kein Scherz: klingt geil), die schön swingend einsetzende Gitarre bei „Dominium Mundi“ erinnert mich spontan an Def Leppard. Der Song beginnt ruhig, dann bricht es heftig aus Ales heraus, das Lied kommt immer wieder zur Ruhe, im Wechsel mit wütenden Passagen. Nach den ersten noch vergleichsweise linearen Songs eine überraschende und spannende Wendung. „Hamster’s Ghosthouse“ glänzt allein schon mit einem weiteren einfallsreichen Songtitel – und nach der groovenden ersten Hälfte mit einem atmosphärischen und (Achtung!) wunderschönen Gitarrensolo und klassischer Rockorgel – echt, das ist ganz großes Kino, Gänsehaut garantiert! Nach „Gog“ und dem von Akustikgitarren dominierten Song „Your Wife“ bildet „9 is better than 8“ den augenzwinkernden Abschluss: „9 Songs are better than 8, because 9 Songs make an album“. Pure Poesie, oder? Start mit ukuleleartigen Gitarren, danach bricht sich noch einmal heftiger Punkrock gemischt mit derben Beats und reiner Wut die Bahn.


Es ist immer wieder überraschend, dass es noch Bands gibt, die den Mut haben, im Metal neue Wege anstatt „auf Nummer sicher“ zu gehen. Das Debutalbum von „The Erkonauts“ empfinde ich als mutig, interessant, abwechslungsreich und hat meiner Meinung nach das Zeug, ein echtes Schmuckstück in jeder Punk-/Rock-/Metalsammlung zu werden – wenn man dieser Scheibe etwas Zeit widmet und ihr die Chance gibt, sich mit jedem Hören mehr zu entfalten. Klar, Deathmetalfans werden damit nie und nimmer glücklich werden, auch Thrasher und Doomer hören lieber weg. Alle, die auf klassischen Rock, Punk, Groove, progressive Songideen (und lustige Songtitel) stehen und mal wieder etwas suchen, das etwas abseits der bekannten Pfade liegt, können mit „I Did Something Bad“ aber durchaus eine höchst unterhaltsame und alles andere als banale Reise erleben – da kann es regnen, wie es will und dunkler sein als eine Wagenladung voller Arschlöcher.

 

Trackliste:

01 The Great Ass Poopery

02 Tony 5

03 All The Girls Should Die

04 Nola

05 Dominium Mundi

06 Hamster’s Ghosthouse

07 Gog

08 Your Wife

09 9 Is Better Than 8

 

Bewertung:

9 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: The Erkonauts
  • Album Titel: I Did Something Bad
  • Erscheinungsdatum: 15.01.2015
  • Fazit: Alle, die auf klassischen Rock, Punk, Groove, progressive Songideen (und lustige Songtitel) stehen und mal wieder etwas suchen, das etwas abseits der bekannten Pfade liegt, können mit „I Did Something Bad“ aber durchaus eine höchst unterhaltsame und alles andere als banale Reise erleben – da kann es regnen, wie es will und dunkler sein als eine Wagenladung voller Arschlöcher.
Gelesen 1918 mal Letzte Änderung am Freitag, 25 September 2015 08:57

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