Donnerstag, 30 April 2015 00:14

Darkenhöld - Castellum

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Aus dem brodelnden Kessel der Underground-Küche schöpfen wir heute melodischen Atmospheric-Epic-Medieval-Black-Metal, gewürzt mit einer dezenten Prise aus der Keyboard-Dose.

Zugegeben, das böse K-Wort sorgt zunächst für ein mulmiges Gefühl in der Magengegend. Auch wecken Genrebezeichnungen wie Medieval-Black-Metal mehr bange Erinnerungen an garstige mittelalterliche Melodeien, bizarre Instrumente und x-te Verweise auf gängige Fantasyliteratur, als dass sie ein Hörvergnügen versprechen.
Doch Darkenhöld haben mehr zu bieten als mittelmäßigen, durch Mittelaltermusik und Keyboardklänge geschändeten Black Metal und dem geneigten Leser sei an dieser Stelle geraten, Darkenhöld trotz möglicher berechtigter Vorurteile nicht gleich auszusortieren. Es lohnt sich.


Darkenhöld kommen aus Frankreich und sind seit 2008 aktiv. Castellum (2014) ist das dritte vollwertige Album der Gruppe. Von den fünf Mitgliedern wirken nur drei (Aldébaran, Cervantes, Aboth) mit Instrumenten an Aufnahmen mit, während zwei weitere (Aleevok, Anthony) für Auftritte bzw. Produktion herangezogen werden. Das Cover von 'Castellum' ziert eine mittelalterliche Burgruine in Black-Metal-typischer Düsterkeit, was zwar nicht wirklich hundertprozentig zum Titel Castellum passt, rein optisch aber gut gelungen ist. In den Texten beschäftigten sie sich mit mittelalterlichen Themen, dabei verwenden sie französischen und englischen Gesang.


Wenden wir uns dem Inhalt zu: Darkenhöld setzen auf musikalische Vielfalt. Obwohl im Black Metal verhaftet, wird dieser erweitert durch gelungene Melodien und den Einsatz von Akustikgitarre. Screams wechseln zu Sprechgesang oder chorartigen Gesängen, da wird mitten im Stück auch mal ein melodischer, ruhigerer Part eingeschoben.
Dadurch werden die Stücke entschleunigt und erhalten eine gefällige Atmosphäre, in die man sich gerne einhört. Zudem sorgen diese Elemente dafür, dass jedes Lied einen einzigartigen Charakter erhält und Langeweile durch dröge Wiederholungen gar nicht erst aufkommt. Auch beweisen Darkenhöld durchweg gute Fertigkeiten an den Instrumenten. Das Keyboard findet auf relativ dezente Weise Verwendung: So gibt es keine übertrieben pompösen Intros oder Songs mit allgemein überstarkem Keyboard-Schwerpunkt. Entsprechend ist das Album auch für diejenigen geeignet, welche sonst einen weiten Bogen um Metal mit derlei Begleitung machen. Nur die beiden kurzen Instrumentalstücke (Titel 5 und 10) fallen als reine Keyboard-Tracks aus der Reihe, sie wirken etwas farblos und führen zu keiner sonderlichen Steigerung des Hörgenusses.


Am Gesang gibt es nichts auszusetzen, Sänger Cervantes verleiht den Screams ausreichend Wucht.Teilweise gesprochene Passagen oder auch das einfache streckenweise Ausbleiben des Gesangs (gepaart mit der bereits angesprochenen cleanen Gitarre) lockern die Titel auf und das Zuhören fällt leichter als bei gesanglichem Dauerfeuer. Hier passt eigentlich alles: Gut gespielte und abgemischte Instrumente, gepaart mit interessanten Texten treffen auf musikalische Vielfalt. Kein Lied langweilt (bis auf die instrumental-Tracks). Variationen beim Gesang (Sprechpassagen, Chor) sorgen für Abwechslung, ohne billig oder zu pompös zu wirken. Hier kann man bedenkenlos zugreifen. Wer noch zweifelt, kann das komplette Album übrigens auf Bandcamp (Link unten) probehören.

 

 

Mitglieder:

Aldébaran: Guitars, bass, keyboards, choirs
Cervantes: Vocals
Aboth: Drums
Aleevok: Bass (Live) / Production
Anthony: Guitar (Live)


Titel:

1.     Strongholds Eternal Rivalry          
2.     Le Castellas du Moine Brigand          
3.     Majestic Dusk Over the Sentinels      
4.     Glorious Horns                                
5.     Feodus Obitus                                
6.     Le Souffle des Vieilles Pierres          
7.     L’Incandescence Souterraine             
8.     Mountains Wayfaring Call                 
9.     The Bulwarks Warlords                   
10.   Medium Aevum                            
 

Bewertung:

9 von 10 Punkten


Weitere Informationen

  • Band: Darkenhöld
  • Album Titel: Castellum
  • Erscheinungsdatum: 15.09.2014
  • Fazit: Gut gespielte und abgemischte Instrumente, gepaart mit interessanten Texten treffen auf musikalische Vielfalt. Variationen beim Gesang (Sprechpassagen, Chor) sorgen für Abwechslung, ohne billig oder pompös zu wirken. Hier kann man bedenkenlos zugreifen. Überraschend gut. Bitte mehr davon.
Gelesen 4695 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 30 April 2015 12:04

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