Freitag, 13 März 2015 20:53

TXL - Kopfschuss

geschrieben von
Artikel bewerten
(4 Stimmen)

Die erste Frage die man sich stellt: wie kommt man auf diesen Bandnamen? Bevor jetzt Verschwörungstheoretiker ihre Arbeit aufnehmen, die Erklärung ist einfach und banal, es ist auch weder der BND noch der KGB involviert, sondern die Band-Räumlichkeiten befinden sich direkt am Flughafen „Berlin Tegel“ oder auch TXL genannt. Von dort aus haben sie direkten Blick auf das Start- und Landefeld von TXL.

 

TXL machen Deutschrock und das ziemlich gut! Auch wenn Ihr sonst mit Deutschrock nichts am Hut haben solltet, hört rein und gebt ihnen eine Chance. Ihr Debut „Angst“ erschien 2013, danach folgte noch eine EP und „Kopfschuss“ ist jetzt das zweite Album der Band. Ganz neu im Musikgeschäft sind sie aber nicht, Sänger Halid ist „ein waschechter Rock’n’Roll Türke“ (steht so auf der bandeigenen Homepage) und hat 2008 mit Ricky und Schulle die Formation „Crack o Dawn“ aus der dann TXL hervorging gegründet. Gitarrist Ricky hat 1997 die AC/DC-Coverband Riff Raff gegründet und etliche Musiker anderer Genres live unterstützt. Schlagzeuger Schulle hat mit Anfang 20 ein Stipendium für eine studienvorbereitende Ausbildung an der Musikschule Neukölln, Hauptfach Schlagzeug, Nebenfach Klavier bekommen und ist heute gefragter Drummer bei verschiedenen Bands.

 

Was hebt TXL von anderen Deutschrock-Bands ab? Sie sind abwechslungsreich und können was. Der Opener „Mayday“ erinnert an einigen Stellen entfernt an Rammstein und mischt klassischen Rock mit Metal-Elementen. „Polytoxicomane“ überrascht mit teils verzerrtem Gesang und vielen grundverschiedenen Stimmungen innerhalb eines nur knapp 2min30s langen Stücks. Track Nummer 3 kommt mit seinem Refrain „Leck mich am Arsch“ her wie ein vagabundierender Straßenköter. Ist textlich nicht mein Ding, zeigt aber den Variantenreichtum von Sänger Halid, der hier manchmal fast wie Udo Dirkschneider klingt. Vielfalt wird bei TXL groß geschrieben, „Siehst Du es nicht“ nimmt deutlich Tempo raus und stimmt nachdenkliche Töne an.

 

„Bomben fallen“ geht sofort ins Ohr, ein straighter Rocker mit Ohrwurm-Refrain. Mit Song 8 habe ich wieder meine Probleme: nicht von der Musik her, da ist es ein schneller Rocker, aber „Ich reiße Dir den Kopf ab und scheiß Dir in den Hals“ geht nicht mal in der Gosse als philosophisch durch. Im bandeigenen VideoBlog erklärt die Band, dass der Titel wohl auf eine Textpassage in einem Film aus den 80ern zurückgeht und die Emotionen ausdrücken soll, die aufkommen, wenn man sich über seinen Gegenüber maßlos aufregt, aber ehrlich: das kann man auch anders ausdrücken.

 

„Wie es mal war“ beginnt etwas hektisch hat einen starken Refrain und ist auf jeden Fall originell. „Kopfschuss“, weil „die Musik in den Kopf muss“ überrascht mit dem Einsatz von Blechbläsern, softer Strophe, crossover artiger Bridge und der Refrain geht dann wieder voll nach vorne. „Hey Baby“ ist ein Liebeslied à la TXL: Eine klassische Ballade hätte nicht zu TXL gepasst, da ist „Du bist meine Droge, meine Suchtgefahr“ schon stimmiger. Richtig schlimm ist der letzte Song „Eeene meene Miste“: nein, hier wird nicht einfach nur der altbekannte Reim, sondern noch dazu die grauenhafte Melodie des Kinderlieds verwendet. Hier oute ich mich gerne als intolerant, aber das ist für mich wirklich ein Tiefpunkt.

 

Was bleibt: TXL sind eine erfrischend andere Deutschrockband, die sich nicht so leicht in eine Schublade packen lässt und mit Ideenreichtum interessante Songs präsentiert die zum ganz überwiegenden Teil großen Spaß machen. Problematisch sind für mich die teilweise die Texte, die wirken als wolle man einfach gerne mal „Scheiße oder Arsch“ in einen Songtext packen und das ist schade, denn musikalisch bewegen sich TXL auf einem deutlich höheren Niveau.

 

 

Tracklist:

1. Mayday

2. Polytoxicomane

3. Leck mich am Arsch

4. Siehst Du es nicht

5. Bomben fallen

6. Ich reiße Dir den Kopf und scheiß Dir in den Hals

7. Wie es mal war

8. Kopfschuss

9. Hey Baby

10. TXL

11. Eene meen Miste

 

 

Bewertung:

7 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Band: TXL
  • Album Titel: Kopfschuss
  • Erscheinungsdatum: 19.09.2014
  • Fazit: Was bleibt: TXL sind eine erfrischend andere Deutschrockband, die sich nicht so leicht in eine Schublade packen lässt und mit Ideenreichtum interessante Songs präsentiert die zum ganz überwiegenden Teil großen Spaß machen. Problematisch sind für mich die teilweise die Texte, die wirken als wolle man einfach gerne mal „Scheiße oder Arsch“ in einen Songtext packen und das ist schade, denn musikalisch bewegen sich TXL auf einem deutlich höheren Niveau.
Gelesen 2328 mal Letzte Änderung am Freitag, 13 März 2015 21:03

Medien

TXL - Scheiss drauf (Offizielles Video) TXL

Footer Impressum Datenschutz

 Undergrounded 2020 -  ImpressumDatenschutzerklärung