Interview mit Oliver Gerfelmeyer (Burning Stage)

Oliver Gerfelmeyer ist seit Jahren als Organisator von Metalkonzerten in ganz Deutschland aktiv. Als Geschäftsführer von Burning Stage organisiert er unter anderem die Satans Convention, das Hellflame, das Kings of Black Metal und die derzeit nicht mehr aktiven Events Winterfire, Winternoise, Tomahawk, Devils Revenge, Rock´n Roll Hell und Punk Invasion sowie dieses Jahr erstmalig das Norwegian Hellcamp und stellt sich jetzt exklusiv unseren bohrenden Fragen.

UG: Hallo Oliver! Wie lange machst du das jetzt eigentlich schon und vor allem wie hat das alles angefangen?

Oliver: Angefangen hat alles als ich mit Anfang 20 (mittlerweile bin ich Mitte 40) ehrenamtlich bei Jugendzentren und anderen Kleinstevents tatkräftig beim Organisieren von Punk Konzerten und anderen alternativen Events durch meine Leidenschaft zur Musik und dem Willen etwas in dieser Richtung zu tun. Später kam dann Eins zum Anderen. Ich arbeitete öfters bei lokalen Konzertveranstaltern als Aufbauhelfer oder in der Künstlerbetreuung. Irgendwann war dann der Punkt erreicht, wo ich Mädchen für Alles wurde. Irgendwann fasste ich mal den Entschluss: Das kannst du auch selbst mal machen und dann die Bands auf die Bühne bringen die Du selbst gut findest und zum Teil ja auch schon persönlich kanntest - Alle Kontakte waren quasi vorhanden und so wurde Burning Stage geboren. Anfangs organisierte ich ausschliesslich Punk / Hardcore und Rock´n Roll Konzerte.

Später kamen dann noch Metal events dazu. Speziell Black Metal, weil ich auf Hardcore bzw. Punk Konzerten immer mehr Leute traf (das war so Anfang der Neunziger), die in eben dieser noch recht jungen Szene teilweise auch als Musiker aktiv waren. Auch wenn es viele wahrscheinlich nicht hören wollen, so gab es doch sehr grosse Berührungspunkte von Punk / Hardcore und Black Metal. Das Ganze lief komplett nebenberuflich ab. Es steckt also sehr viel Herzblut in der Materie. Noch heute verweigere ich mich gegen Sponsorings oder sonstwelche Ausverkäufe. Mir geht es nur um meine Leidenschaft zur Musik. Diese Einstellung ist wohl noch aus damaligen Punk / Hardcore Zeiten bei mir hängen geblieben Das man mit Underground Konzerten bzw. Festivals kein Geld verdienen kann, dürfte aber sowieso JEDEM der sowas schon mal gemacht hat bekannt sein.

 

UG: Da können wir definitiv ein Lied von Singen. Mein persönlicher Lieblingsspruch aus den „damaligen“ Tagen war ja: „Aus einem guten Punk wird ein Metalhead, aus einem schlechten ein Assi“, was sich allzuoft bewahrheitet hat. Natürlich ist das alles aber reine Nostalgie und man kommt in der Regel woanders her bevor man sich den extremen Spielarten des Metal zuwendet. Aber zurück zu dir: Punkinvasion, Rock'n'Roll Hell, Satans Convention, Devil's Revenge, Hellflame etc. etc. Du hattest gesagt dass du das nicht hauptberuflich machst. Wie bringst du das ganze Engagement mit deinem Job unter einen Hut?

Oliver: Gute Frage - die stelle ich mir auch immer wieder. Es ist halt so, dass auch wenn man privat auf Konzerte oder Festivals geht, man bei solchen Gelegenheiten alles miteinander kombiniert. Meine Urlaubstage und die Wochenenden gehen grösstenteils für die Organisation und das Kontakte pflegen für die Events drauf. Glückleicherweise bin ich ja auchMusikfan und von daher geht das in Ordnung.

 

UG: Und mit was ist der Oliver sonst privat beschäftigt? Zumindest dein Musikgeschmack scheint sich ja nicht nur auf BM zu konzentrieren?

Oliver: Ausser Musik gibt es noch meinen Sohn und meine Lebensgefährtin. Das war´s dann auch schon

 

UG: Plauder mal ein bisschen aus dem Nagelkästchen, was war dein krassestes Backstage-Erlebnis bisher?

Oliver: Backstage passiert natürlich immer irgendwas. Ich könnte da jetzt nichts Spezielles herausheben, aber viele haben da auch ein komplett falsches Bild. Grösstenteils wird dort professionelle Arbeit geleistet. Auch von den Bands.

 

UG: Gibts einen Event aus deiner Reihe wo du sagen würdest „Einmal und nie wieder“? - Bzw. einen, der gewaltig in die Hose ging?

Oliver: Da gibt es nicht nur ein Event. Die Liste wäre seitenlang....

 

UG: Wie geht man bzw. wie gehst du mit so etwas um?

Oliver: Einfach nach Fehlschlägen wieder aufstehen, Zähne zusammenbeissen und weitermachen. Einige Events sind ja mittlerweile auf Eis, der Markt bzw. die Szene hat sich auch verändert. Als Underground Veranstalter hat man es heutzutage wesentlich schwerer als noch vor 5 oder 10 Jahren. Mittlerweile fährt nahezu jede noch so kleine Band mit einem Management auf, hat Booking Agenten usw - Sowas treibt Kosten in die Höhe und macht es Kleinstveranstaltern oft unmöglich die Wunschbands die man gerne hätte zu buchen. Auch der Spass bleibt dann oft auf der Strecke.


 


UG: Wenn du dir jetzt einen Headliner für Event XY für 0 Euro Gage wünschen könntest, wer wäre dein persönlicher Favorit?

Oliver: Das wären wohl Motörhead und als Vorbands Twisted Sister und Venom ( in deroriginal Besetzung versteht sich)

 

UG: Dein neuer Clou ist jetzt am 4. Oktober die erste Ausgabe des „Norwegian Hellcamp“, dass sich hauptsächlich mit norwegischem und ziemlich untergründigen Black Metal beschäftigt. Hast du hier in Franken eine Nachfrage für dieses doch sehr spezielle Event gesehen oder hattest du einfach Bock drauf oder beides?

Oliver: Das Event ist aus einer Idee entstanden die ich mit mehreren Musikern aus Norwegen hatte. Einfach mal ein Konzert in Deutschland mit purer norwegischer Black-Metal Power - Gesagt getan. Da sowas natürlich kostspielig ist, musste halt ein Mix aus einigermassen etablierten und noch eher jüngeren Bands ran. Alle Beteiligten finden diese Idee gut und stehen zu 100% dahinter. Nun hoffen alle, dass dieses Konzept gut angenommen wird und entsprechende Unterstützung durch das Publikum erhält. Das dieses Event in Franken ist, hat den Hintergrund das ich die Gegend von den Hellflame Events ganz gut kenne und dort über gute Kontakte, die mir behilflich sind, verfüge und die geografische Lage eingermassen im Zentrum von Deutschland liegt .Ich hätte auch Alsfeld oder Speyer nehmen können, aber dort gibt es ja schon Events in dieser Richtung und ich wollte mir auch nicht selbst grossartig Konkurrenz machen.

 

UG: Viele haben bestimmt von dem Eilantrag gegen das Event gehört, der von der kleinen FB Gruppe „Metalfans gegen Nazis“ und von SPD-Mann Ralf Hofmann initiiert wurde. Der Interessengruppe zufolge soll vor allem die Band Taake Aufgrund eines Vorfalls in 2007 (Sänger Hoest malte sich als Provokation damals betrunken während eines Gigs ein Hakenkreuz auf die Brust) rechtsradikal sein. Nachdem die Sachlage durch eine zweite Quelle ins richtige Licht gerückt wurde, hatte Hofmann seinen Eilantrag zurückgezogen. Was hat die ganze Geschichte für dich persönlich, für das Event und für Burning Stage bedeutet und kannst du den Schaden schon abschätzen?

Oliver: Also zunächst einmal hoffe ich das gar kein Schaden entsteht. Es ist immer für eine Veranstaltung gefährlich wenn eine Diskussion in der Art losgetreten wird. Es gibt ängstliche Seelen, die dann fürchten es könnte auf einem solchen Event Ärger geben und man könnte mit reingezogen werden. Dann wiederum andere die denken, dass es sowieso nicht stattfindet. Andererseits gibt es sicher auch solche Leute die denken, jetzt komme ich erst Recht und setzte mein eigenes Zeichen. Man hat das alles nicht selbst in der Hand. Diese ganze Diskussion wird ja auch nicht erst seit gestern geführt. Gerade im Fall Taake ist im Prinzip alles schon vor Jahren gesagt worden. Wieso das immer wieder aufgewärmt werden muss entzieht sich meinem Verständnis. Ich kenne Hoest nun schon seit über 7 Jahren, damals als er seinen Aussetzer der zugegebener Maßen wirklich saudumm von ihm war hatte, hatte ich auch einen Streit mit ihm deswegen und hab ihn prompt von meinem damals wenige Tage danach anstehenden Tomahawk Festival geschmissen. Später wurde alles Klargestellt und heute (ja ich weiss ist politisch sicher wieder unkorrekt ), lacht man eigentlich nur noch gemeinsam über so was Dummes, das damals aus einer schnapsgeladenen Situation heraus entstanden ist. Ist halt passiert, war Scheisse. Alle wissen es und Hoest nun am Allerbesten.

Wer ihn aber kennt, der weiss, dass Hoest und Rechtsradikalismus ja nun wirklich so rein gar nicht zusammen laufen. Ebengleiches gilt für die Diskussion die über ihn wegen Islamfeindlichkeit geführt wird. Black Metal lebt ja unter anderem auch aus Provokation. Gerade im Black Metal sollte man nun nicht jedes Wort oder jede Phrase ernst nehmen. Ich denke das es für Aussenstehende wie Lokalpolitiker oder auch die Facebook Seite Metalfans gegen Nazis niemals möglich sein wird genaue Zusammenhänge innerhalb der Black Metal Szene nachvollziehen zu können. Dazu fehlt oft schon der persönliche und menschliche Kontakt zu den Künstlern, der unabdingbar dazu notwendig wäre. Wir reden hier ja über eine Subkultur, mit einem sehr kleinen Kosmos in die man schon richtig eintauchen muss um sie zu verstehen. Auch die Anzahl der Bands und Labels für extreme Musik ist begrenzt. Schnittmengen können da leicht entstehen.

Im europäischen Ausland macht sich grösstenteils keiner Gedanken darüber ob auf seinem Label evt. eine rechtsradikale Band zu finden ist. Warum auch ? Jeder ist doch Herr seiner eigenen Lyrics und seiner Handlungen. Und das ist auch gut so. Auch dem Publikum sollte man in soweit Eigenverantwortung zutrauen selbst zu entscheiden was für gut und was für nicht gut empfunden wird. Für die Einen ist es geschmacklos, für andere Kunst. Jeder ist frei das für sich selbst zu entscheiden. Auch das ist übrigens für grosse Teile eine Interpretation von Black Metal und Satansimus: Freiheit des Geistes! Da braucht man keine Zensoren oder politische Leitfäden die einem vorschreiben, was korrekt ist und was nicht. Gerade hier in Deutschland müsste man das ganz genau wissen. Natürlich kann Niemand ausschliessen, dass es auf Veranstaltungen wie dem Norwegian Hellcamp oder sonst einem Black Metal Konzert Besucher mit rechtsradikalem Hintergrund bzw. Gedankengut gibt. Denn es ist auch wahr, dass es sog. NSBM Bands gibt und diese das auf offen propagieren.

Auf dem Billing dieses Festivals findet sich jedoch keine solche Gruppe - Und Rechtsradikale sind mit Sicherheit jedes Wochenende bei diversen anderen sog. GESELLSCHAFTSFÄHIGEN Veranstaltungen in wesentlich höherer Konzentration zu finden als auf einem Heavy Metal oder Black Metal Konzert. Jeder der zudem schon mal eine solche Veranstaltung wie das Norwegian Hellcamp besucht hat der weiss, dass z.B. das Gewaltpotential auf unterstem Level angesiedelt ist. Bei allen Gesprächen die ich nach meinen events mit Polizei oder Sanitätern geführt habe, wurde immer wieder von allen Seiten hervorgehoben wie friedlich es doch zugeht und wie respektvoll alle miteinander umgehen.

 


UG: Wie du schon sagtest, man muss eben drin stecken um es zu verstehen und auch wir haben das unzählige Male so beobachtet... Aber zurückblickend auf deine bisherige Veranstalterkarriere und mit den Tarot-Karten in der Hand - Wo solls mit Burning Stage in den nächsten Jahren hingehen?

Oliver: Das hab ich leider nicht in der Hand. Die Entwicklungen für Events in der Art wie ich sie mache, hängen immer vom Publikumszuspruch ab. Wenn es sich einfach immer irgendwie rechnet und ich nicht draufzahle, dann wird es weitergehen. Sollte das mal nicht mehr der Fall sein, dann ist eher Schluss als ich vielleicht jetzt denke.

 

UG: Dann drücken wir auf jeden Fall die Daumen dasses weitergeht und hauen dir noch unseren Klassiker an den Kopf: Stell dir vor du könntest dich selbst vor 20 Jahren treffen und deinem früheren Ich etwas mit auf den Weg geben – Was wäre das?

Oliver: Behandele Dein Gegenüber immer so wie Du selbst gerne behandelt werden möchtest. Respektiere Andere Meinungen und Lebenseinstellungen, aber bilde dir Dein eigenes Bild. Sei stets ehrlich und aufrecht zu dir selbst.

 

UG: Perfekter Abschluss und Maxime - Danke für deine Zeit wir sehen uns auf den Norwegian Hellcamp!

 

Das Interview führte Grave von Undergrounded und Oliver Gerfelmeyer, Geschäftsführer von Burning Stage und Veranstalter. 

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Gelesen 5588 mal Letzte Änderung am Montag, 29 September 2014 22:03

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