Sonntag, 15 Dezember 2013 14:12

Orkus - Gothic Visions IV special CD+DVD edition

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Gothic Visions IV Gothic Visions IV

Der Briefkasten des HQ schluckt ja seit Gründung von UG geduldig alles, was die Metalszene so zu bieten hat. Von untergründigsten Black Metal Tonträgern bis hin zur Glam Rock Eighties Revival Silberscheibe ist so einiges dabei. Gothic Sampler kommen doch eher selten vor. Aber zum Glück bin ich ja sowohl dem Metal als auch der Gothicszene zugeneigt.

Vornweg: In meinen Augen gibt es das Musikgenre Gothic eigentlich nicht. Die Musik dieser Szene ist mindestens so breit aufgefächert und verschieden wie die Menschen, die sich ihr zugehörig fühlen. Außerdem ist so ein Review ziemlich undankbar, weil man eigentlich nur sehr subjektiv seinen Eindruck beschreiben kann. Darum hat Grave auch mal etwas beigesteuert. Mal die harten Zahlen und Fakten:

58 Videoclips und Live Performances

18 Audiotracks auf der CD

35 Audiotracks auf der DVD

Also ich habe mir jetzt nicht dezidiert jedes Video angeschaut und jeden Track angehört, sondern eher schlaglichtartig das, was ich auf Anhieb interessant fand.

Epica – Storm The Sorrow

Wie schon gesagt, ich mag Metal und ich würde mich als Gothic bezeichnen. Aber Gothic Metal mag ich meistens nicht. So auch dieses Stück. Der weibliche Gesangspart kommt mir viel zu dünn daher und wirkt erst recht neben dem Gegrowle regelrecht niedlich. Das Video dazu mit Effekthascherei mit schwarzem „Plasma“, dass die Frontsängerin langsam aber sicher einkleistert, reißt es auch nicht unbedingt raus.

The 69 Eyes – Red

Werden von einer Dolly Buster in der Gruftiversion anmoderiert. Danach steht die Band ungerührt in einer Villa, die von schwarzen Bunnys in Strapsen und Witwenschleier gestürmt wird und trällern ihre Ballade, die so auch demnächst bei SWR3 in einer Reihe mit Bon Jovi und Eros Ramazotti gesendet werden könnte *gähn*

The Dark Shadows – Dave likes Dolls + Audiotrack “Blame”

Das Trio war mir bisher unbekannt, macht aber nach den vorhergehenden Weichspülernummern mit rauchig-grouvendem Sound gleich mal Punkte gut. Song und Video kommen ohne viel Geschnörkel aus, indem sich einfach auf ein solides gitarren-orientiertes Post-Punk-Erbe besonnen wird.

Kissin Black – Never enough

Schnulziger Gothic Rock... und mal wieder ein Video mit nackten Tatsachen im Gegenlicht.

The Mission - Crystal Ocean (Live Performance)

Mein erstes Highlight. 1985 gegründet und zur Hälfte aus ehemaligen Mitgliedern der “Sisters of Mercy” bestehend wundert es nicht, dass Rock und Wave sich hier zu einem tanzbaren Techtelmechtel treffen ohne das die musikalische Güte darunter leiden muss. Wayne Husseys Gesang kommt live nicht so satt und tief rüber... aber das ist auch der einzige Minuspunkt.

Nox Interna – Pray

Die machen es richtig. Simple Synthie-melodie, unterirdische tiefe männliche Frontstimme, Rhytmusgitarre und eingängiger tanzbarer Beat. Das Ganze gewürzt mit blasphemischem Thema und einem Video mit hübschen Mädels garniert mit Kunstblut und einer Gruselheiligen (die mich ein bisschen an Anne Varney erinnert) – fertig ist das Gothic Rock Menü a la carte.

Chiasm – Someone

Eher gesprochene als gesungene Lyrics auf elektronischer Musik. Erinnert bestenfalls an Björk. Im Video verliert sich ein Mädchen durch einen Spiegel in einer Albtraumwelt.

The Arch – Waterfall

Mal was aus der EBM Richtung. Erinnert mich ein wenig an And One.

Ceremony – Nothing in the Sun

Hardcore-Punkband sagt Wikipedia... klingt erst einmal fürchterlich. Wenn man weiterliest und sich dazu mal diesen Track anhört kommt man der Sache näher „The band's main influences include Joy Division, Suicidal Tendencies, Pink Floyd and Tom Waits.“ Das trifft es schon eher und klingt meiner Meinung nach ziemlich großartig. Das Video dazu ist passend etwas knallig und hektisch.

Darkplain – Final Rose

Schnulziges Gesülze untermalt von einem Video ganz in unscharfen Rückblenden von etwas, das vielleicht auch „Best of Frauentausch“ seien könnte. Der definitive Tiefpunkt des ganzen Samplers. Wegen mir gerne als Vorband bei Uneilig... aber doch bitte nicht auf diesem Sampler. 

Linea Aspera – Malarone

Eingängige elektronische Tanzhymne mit coolem Video

Die Klinke – The Doll

Solider Synthie-Gothic-Rock.

Zeitgeist Zero – When the lights go down

Geben endlich mal wieder Gas. Mit schnalzendem Beat und einer animierenden Bassline wird die Doppelspitze aus Teresa Dead und Bex Noire untermalt. Da rockt sogar das Synthie. Das burlesque aufgemachte Video ist auch was fürs Auge.

Gates of Dawn – The Silence makes you scream

Eine sympathische Gothic Rock Band aus Frankfurt. Hier überzeugt mich Frontfrau Martina stimmlich und auch musikalisch kommt was rüber. Mehr Infos

Erszebeth – La Culpa

Eine energie- und druckreiche Überraschung mit Electroanteilen. Das etwas wirre Video mit Plüschtiger und Tiermasken trägt nur zum allgemein guten Eindruck bei.

Lolita KompleX feat. Kitty in a Casket – All the things she said

Ein Cover von diesem russischen Pseudolesbenduo, dessen Name ich jetzt zu faul bin zu googlen. Klebrig süßer Mädchen-Pop-Rock passend zur Band komplett im Lolitastil.

Herzparasit – Angst fängt dich (live)

Hier tönt die neue deutsche Härte durch. Live geben die Jungs ordentlich Gas und die qualitativ hochwertige Aufnahme bringt das auch gut rüber.

Vendemmian – All is Lost (live)

Mein Gruftiherz schlägt automatisch höher. Die Dark Wave Veteranen von Vendemmian spielen live, temporeich und solide, das was sie auch vor 20 Jahren gespielt haben.

Ghostwriter:

Alexander Paul Blake – Naturgeisterspiele

Hier wird Dark Metal ganz im Geiste von Dornenreich und Siebenbürgen palliert. Dieses Art Musik passiert, wenn Black Metal mit Gothic "Liebe" macht" und hat aus beiden Spielrichtungen Anleihen genommen. Für meinen Geschmack etwas zu melodisch und in der Mitte wird’s dann schwer Eisregnerisch – allerdings leider ohne den obligaten Gore bzw. die rohe Gewalt die ich bei den thüringer Jungs so schätze.. Stattdessen wird im Video die Natur, nicht ganz unpassend, schön in Szene gesetzt. Natürlich geht es auch nicht ohne dass Herr Blake persönlich durch die Bilder geschickt wird, allerdings hätte man sich das eventuell auch sparen können, da das Video auch ganz gut ohne das Klischee „Dunkler Mann stapft in den Wald“ auskommen könnte. Dennoch hat die Kombo aus Aufnahmen und Musik einen eigenen Reiz und wird als Pluspunkt auf der DVD vermerkt.

Rebentisch – Das Medikament (Remix by Cabo de Gata)

Hätte ich ein Medikament dass mich vergessen lässt was ich gerade gesehen habe... Rebentisch greift mit „Das Medikament“ ganz tief in eine ziemlich abgefuckte psychodelische Schiene und trifft damit wohl den Nerv aller Raver die sich versehentlich aufs WGT verirrt haben. Schnelle irre Kamerawechsel mit zwei übereinandergelegten Spuren in Nachtsichtgerät Optik (Rohling in der Luft halten, Abendessen (Nudeln), Spaziergang, Gitarrespielen) treffen auf Prodigy treffen auf 90er Jahre Techno treffen auf Murks. Das Video beweist, dass ich nicht jede „Kunst“ verstehen muss und auch nicht jede „Musik“ hören möchte. Bitte die Zeitmaschine auspacken und auf der Euro Beat Techno Rave Compilation anno 1995 veröffentlichen. Danke.


Fazit

Ein sehr bunt durchmischtes Potpourri aus fast allem was die Gothic Szene an Musik zu bieten hat. Definitiv eher Gothic Rock lastig und dabei eher zahm. Aber auch EBM, Postpunk, New Wave und sogar Elektro sind vertreten. Die Videos variieren in ihrer Qualität mindestens ebenso stark, was sicher auch dem sehr unterschiedlichen Produktionsbudget geschuldet ist. Dennoch sind ein paar Perlen dabei. Wenn man die schnulzigen Schmuseballaden und so ein paar musikalische fiese Stellen überspringt kann man es gut auf einer entsprechenden Party über Beamer laufen lassen.

Die CD bietet darüber hinaus noch ein bisschen mehr Variationsbreite. Insgesamt recht wechselhaft mit Licht & Schatten, wo doch eigentlich ausschließlich Finsternis herrschen sollte!


Bewertung 

5 von 10 Punkten

Weitere Informationen

  • Erscheinungsdatum: 00.00.0000
Gelesen 2332 mal Letzte Änderung am Sonntag, 15 Dezember 2013 15:01

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