Samstag, 12 Dezember 2020 09:50

Unter dem Radar - Путь / Pathway (Post Black Metal)

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Auch jenseits der europäischen Grenzen kann man auf echte Perlen der schwarzmetallischen Künste treffen. In diesem Fall begeben wir uns nach Russland, kurz hinter die estnisch-russische Grenze - dort liegt die Oblast Pskow mit ihrer gleichnamigen Hauptstadt und hier haben wir eine Band entdeckt, die auf den Namen Путь hört, was ins Deutsche übersetzt Pfad bedeutet. Mittlerweile wird die Band für internationale Interessenten auch gerne Pathway genannt. Tja, und wenn uns diese Combo nicht tief begeistert hätte, so spendierten wir ihr keinen Artikel in unserer Rubrik Unter dem Radar, oder?

Mit einer Split-Veröffentlichung im Jahr 2016 gemeinsam mit den bekannteren Ethir Anduin aus Leningrad, dem 2018 erschienenen Debütalbum "Песни смерти" und der brandaktuellen EP "Юдоль скорби" kann die Band, die ursprünglich als Soloprojekt von Dmitry Yakovlev gegründet wurde, schon auf eine feine Diskographie zurückschauen. Seit 2017 wird aber auf ein volles Ensemble zurückgegriffen und man kann sich mit Fug und Recht als Band bezeichnen. 

Und was uns die Truppe aus Russland vorsetzt, weiß stets zu beeindrucken, denn nicht nur das Debütwerk kommt vielen mit dem ausgefallenen Coverartwork bereits aus dem Unterholz des Internets bekannt vor, die gerne Trüffelschweine in Sachen Szene spielen: Auch der Inhalt spricht für hohes Potential und viel Liebe zum Detail. Auch mit der neuen EP, die in der nachfolgenden Review behandelt wird, treffen Путь wieder ins Schwarze und erschaffen ein energiegeladenes, atmosphärisches Juwel in Sachen Black Metal mit Post-Anschlägen, das wir euch hier nun vorstellen. Klar, wenn selbst Bandname und Titel üblicherweise in kyrillischer Schrift geschrieben werden, mögen manche Bands einer breiteren Masse verschlossener bleiben - aber was bedeutet bei Musik fernab des Hauptstroms schon Sprache bzw. eine Sprachbarriere, wenn Musik von Atmosphäre und Virtuosität lebt?

Aktuelle Besetzung

Dmitry Yakovlev  - Everything (until 2017), Guitars

Mark Shamchinskiy - Guitars

Artem Mnatsakanyan  - Akkordeon

Maxim Markelov - Bass

Nikita Platonov - Drums

Andrey Kovalev - Vocals

Diskographie

2016 - Под крылом смерти (Split /w Ethir Anduin)

2018 - Песни смерти (Album)

2020 - Юдоль скорби (EP)

Review zu "Юдоль скорби"

Mit instrumentaler Vielfalt, melodiereichen Riffs und fast schon militärisch anmutendem Schlagzeug starten Путь ihren Feldzug mit "Астерий" auf ihrer 2020er EP. Dabei können sie eine packende Atmosphäre erschaffen, die durch grandiose Solo-Passagen sowohl von Gitarre als auch Akkordeon und dem keifenden Gesang von Andrey besonders hervorgehoben wird. Bedrückender und mit fast schon doomig geprägten Riffs zeigen sie beim folgenden Song "Семигласие смерти" aber auch andere Facetten, obwohl die klare Black Metal-Prägung ihrer Musik nie aus dem Mittelpunkt verdrängt wird. Ein ruhiges Zwischenspiel, dass von Akustik-Gitarre und dem erneuten Akkordeon-Einsatz getragen wird, leitet langsam in den höchst epischen Schlussteil des Songs ein, der wirklich beeindruckend die Stärke von Путь zur Schau stellt.

Mit "Палэсмуртова пажить" werden die Zügel dann etwes straffer gezogen und eine etwas aggressivere Fahrweise an den Tag gelegt. Dies wird auch an den Vocals deutlich, die deutlich verzweifelter und kraftvoller wirken. Das Tempo steigert sich immer weiter, bis das Chaos in windiger Stille endet und man nur noch das wilde Knurren einer Bestie vernimmt, bevor mit "Холодная весна" der nächste Song startet. Hierbei handelt es sich wieder um ein eher melodiereicheres Stück mit schleppenden Drumpassagen, das bereits im Frühjahr dieses Jahres als Single veröffentlicht wurde. Auf der EP wurde es nochmal geremastert und kann so nochmal deutlich an Klanggewalt und Atmosphäre zulegen. Und damit kommen wir schon zum Ende von "Юдоль скорби", das sich mit dem gleichnamigen Titelsong noch einmal selbst übertrifft und nach dem kurzen Akustik-Intermezzo sämtliche Geschütze auffährt, um nochmals richtig die Sau rauszulassen. Hier ist besonders das Schlagzeug eine wahre Ohrenweide, innovativ und voller Power ballert Nikita aus allen Rohren seiner Schießbude und auch die Gitarrenarbeit lässt absolut keine Wünsche offen. Путь zeigen, dass man in Zukunft definitiv mit ihnen rechnen muss, wenn es um Black Metal aus dem Sowjet-Land geht - und das auch zurecht ohne Bedenken tun sollte.

Ein wahres Feuerwerk, das nach gut 30 Minuten ein würdiges Ende findet. Man kann nur lobende Worte finden für die russischen Ausnahmekünstler, die mit "Юдоль скорби" an den Erfolg ihrer Debütscheibe anknüpfen können, die ein richtiger Geheimtipp geworden ist. Viel Vorfreude auf kommende Werke können sie beim Team von Undergrounded allemal hervorrufen! Für Freunde von atmosphärischem Black Metal kann man hier ohne zu überlegen ein klares "Must Listen" aussprechen und euch die düsteren Künste von Путь schwer ans Herz legen.

Trackliste:

1.Астерий / Asterion
2.Семигласие смерти / Sevensong of Death
3.Палэсмуртова пажить / Palesmurtian Pasture
4.Холодная весна / Cold Spring
5.Юдоль скорби / The Vale of Sorrow

Weitere Informationen

Gelesen 1064 mal Letzte Änderung am Donnerstag, 31 Dezember 2020 14:18

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Семигласие смерти (Sevensong Of Death) Путь-Pathway / Юдоль скорби EP / Depths of Void