Samstag, 25 Juli 2020 01:01

Unter dem Radar - Tempel (Progressive/Sludge Metal)

geschrieben von
Artikel bewerten
(1 Stimme)

Eine Band, bei der sich –rein genretechnisch– offenbar die Geister scheiden: Auf der einen Seite als Progressive Metal beschrieben, auf der anderen in den Sludge eingeordnet, verbinden Tempel aus dem US-amerikanische Phoenix in Arizona wohl beides und noch einiges mehr. Seit 2013 unter diesem Namen agierend durften bisher zwei Alben das Licht der Welt erblicken und die haben es beide in sich. Darauf gehen wir weiter unten genauer ein! Heute präsentieren wir euch einen wahren musikalischen Giganten in unserer Rubrik Unter dem Radar.

Tempel sind ein Duo, welches aus dem Drummer Rich und dem Multi-Instrumentalisten Ryan besteht. Richtig, einen Sänger gibt es nicht, die Band verzichtet vollständig auf Geschrei, Gesang oder anderweitig oral präsentierte Töne und konzentriert sich auf äußerst progressives, kraftvolles und wahnsinnig abwechslungsreiches Instrumentalspiel. Ihre überwiegend langen Songs wuchten sie dabei auf enorm kompakte Alben, die beide eine knappe Stunde Hörvergnügen ermöglichen.

Was Tempel auszeichnet, das sind zahlreiche, gut pointierte Tempowechsel und sehr harte Saitenklänge. Die Rhythmusgitarre dröhnt in einer seinesgleichen suchenden Tiefe und wird hier und da durch etwas höher gesetzte Ohrwurm-Melodien ergänzt. Insgesamt werden wir von Sludge-Walzen überrollt, die oftmals eher langsam rotieren, teilweise aber ein geradezu aggressives Moment vermitteln und ordentlich aufs Pedal treten. Um das Ganze an einigen Songs greifbar zu machen, gibt's nachfolgend eine kurze Review zum 2015er Album "The Moon Lit Our Path".

Aktuelle Besetzung

Ryan - Guitars, Bass, Keyboard

Rich - Drums


Diskographie

2012 - On The Steps Of The Temple (Album)

2015 - The Moon Lit Our Path (Album)

Review zu "The Moon Lit Our Path"

Sie sparen nicht an Power, das machen Tempel schon in den ersten Minuten ihres zweiten Albums klar: „Carvings in the Door“ ist eine unheimlich verdichtete Stampede aus teils heftigen Ballerkaskaden, teils komplexen melodischen Strukturen und holt den geneigten Hörer binnen Sekunden aus dem Halbschlaf direkt in die erste Reihe. Die Melodik beschränkt sich zwar oft auf tief gestimmtes Saitenwerk, wechselt aber alle paar Minuten den Takt und wird niemals langweilig. Der Titelsong „The Moon Lit Our Path“ ist da noch etwas eingängiger und beginnt zunächst im Schritttempo, bevor der stramm getaktete Mittelpart übernimmt. Im Gegensatz zum Vorgänger ist das Gitarrenspiel hier, vor allem in den letzten Minuten, tragender und schafft so einen guten Kontrast zur anfänglichen steifen Brise.

Aber die beiden Jungs aus Arizona können auch noch eine Spur einladender, wie sie mit „Descending into the Labyrinth“ eindeutig zeigen. Im Trab beginnend offenbart das mit zwölfeinhalb Minuten längste Stück der Platte ungeahnte Headbanger-Momente, die in den eher verspielten Songs zuvor ein wenig untergingen. Dennoch wird auch hier nicht an Progressive-Stilistika gespart, zeitweise auf das Schlagzeug verzichtet und mit akustischer Klampfe gefuhrwerkt, sodass auch dieser Titel das Prädikat „abwechslungsreich“ tragen darf.

Aber dieses Prädikat trifft nicht nur für einzelne Songs zu. Da Tempel dem vorletzten Track „Tomb of the Ancients“ wieder eine gehörige Portion Knallgas verpasst haben, lässt sich auch das gesamte Album als vielfältig beschreiben. In jedem Song gibt es mindestens einen Überraschungsmoment, hier beispielsweise die ausgiebigen Soli in der Songmitte und das durchweg galoppierende Schlagzeug.

Für das Finale hat sich das Duo aber noch ein besonderes Schmankerl überlegt: „Dawn Breaks over the Ruins“ beginnt akustisch und vermittelt damit tatsächlich ein wenig Morgenstimmung, wie der Titel vermuten lässt. Diese eskaliert aber bereits nach wenigen Sekunden in ein fast schwarzmetallisches Feuerwerk, nur um erneut in ein sehr progressives Mittelstück zu münden. Die Gitarre schneidet sich in ungewöhnlicher Höhe und Harmonie durch das Trommelfell und zeigt sich noch melodischer als bisher. Die Übergänge sitzen abermals perfekt, stimmiger kann ein Zwölfminüter kaum sein. Tempel stellen an dieser Stelle ihr enormes Potenzial heraus und schließen ein fulminantes Album damit präzise und bestmöglich ab.

An keiner Stelle vermisst man bei Tempel die fehlenden Vocals, die Gitarren übernehmen diesen Part sehr gut und erzählen ihre ganz eigene instrumentale Geschichte. Sicherlich gibt es Bands, die progressiver sind oder welche, die härter aufs Fressbrett drücken - aber was die beiden Amerikaner mit ihrem Projekt auf die Beine gestellt haben, ist an Kompaktheit und Stringenz kaum zu überbieten. „The Moon Lit Our Path“ ist nicht nur ein würdiger Nachfolger, sondern auch eine konsequente Weiterentwicklung ihres Debüts von 2012. Wir hoffen, dass sich diese Entwicklung weiter vollzieht und wir in naher Zukunft mit dem dritten Album rechnen dürfen. Glaubt man den Gerüchten, könnte sich dies bald bewahrheiten.

Trackliste: 

1. Carvings in the Door
2. The Moon Lit Our Path
3. Descending into the Labyrinth
4. Tomb of the Ancient
5. Dawn Breaks over the Ruins

Weitere Informationen

Gelesen 1153 mal Letzte Änderung am Mittwoch, 29 Juli 2020 01:21
Torn

Kommt Zeit, kommt Unrat.

Medien

Descending Into The Labyrinth Tempel / The Moon Lit Our Path / Prosthetic Records